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Ansprachen vom 22. Februar:Erzähl mir von Auferstehung

Steine
Hier finden Sie die Ansprachen von Hedi Fieseler (Samstag) und Stephanie Schreck (Sonntag)
Datum:
23. Feb. 2026
Von:
Herbert Kohl

Predigt zum 1. Fastensonntag – Lesejahr A (Mt 4,1–11)

Liebe Jugendliche, liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

„Erzähl mir von Auferstehung“

Dieser Satz entsteht nicht aus Neugier. Er kommt aus einer Erfahrung. Aus Momenten, in denen das Leben schwer wird. Wenn eine Diagnose den Boden unter den Füßen wegzieht. Wenn eine Beziehung zerbricht. Wenn Sorgen nachts nicht schlafen lassen.

Erzähl mir von Auferstehung“ heißt: Zeig mir, dass die Schwere nicht das letzte Wort behält.

Am Beginn der Fastenzeit führt uns das Evangelium nicht ins Licht, sondern in die Wüste. Im Evangelium hören wir, wie Jesus vierzig Tage allein ist. Hungrig. Angefochten.  Keine Sicherheiten.  Die Wüste ist kein romantischer Ort. Sie ist karg. Still. Schonungslos. Dort fällt alles weg, was sonst ablenkt. Und am Ende bleibt nur eine Frage: Worauf vertraust du? Ich habe heute drei einfache Dinge mitgebracht – mit denen ich von Auferstehung erzählen möchte. Denn Auferstehung beginnt oft nicht laut. Sondern leise. Nicht erst am Ende. Sondern mitten im Leben.         

Ein Stein. Ich habe ihn in der Hand, und man spürt sofort sein Gewicht. Er ist hart. Kalt. Unnachgiebig. Man kann ihn nicht formen, nicht einfach zerdrücken. Dieser Stein steht für alles, was schwer ist in unserem Leben. Ich denke an einen Mann, der nach einer Untersuchung den Satz hört: „Wir müssen noch weitere Tests machen.“ Und plötzlich ist da diese Unsicherheit, die sich wie ein Stein auf die Brust legt.

Eine Frau, die nervös und ängstlich war vor einem klärenden, hoffentlich wieder versöhnenden Gespräch mit ihrer  Schwiegertochter. Ein guter Freund schreibt ihr auf dem Weg dorthin ermutigend : Fürchte dich nicht,du hast alles im Herzen und an Lebenserfahrungen was du brauchst dass es gut wird und -das er an sie denkt. Getragen konnte sie in das Gespräch gehen.  Ein Auferstehungsmoment.

Ich denke an Schuld, die man mit sich trägt. An Worte, die man bereut. An Entscheidungen, die man nicht rückgängig machen kann. Auch das sind Steine... Etwas, das man mit sich trägt und das nicht leichter wird.

Wie gerne hätten wir, dass das Harte verschwindet, dass sich alles schnell klärt,dass Gott sichtbar eingreift.

In der Wüste sagt der Versucher zu Jesus: „Mach aus diesen Steinen Brot.“ Verwandle die Härte in Sicherheit. Sorge selbst für dich. Nimm dir, was du brauchst. Jesus tut es nicht. Er macht aus Steinen kein Brot. Er bleibt im Vertrauen. Er hält die Leere aus. Er bleibt in der Beziehung zum Vater.

Auferstehung beginnt nicht, wenn Steine verschwinden. Sie beginnt, wenn sie nicht mehr über unser Leben herrschen. Der Stein bleibt schwer. Aber er trägt nicht das letzte Wort. Er liegt auf dem Altar. Er liegt vor Gott – nicht mehr nur in unseren Händen. Gott ist größer als das, was uns niederdrückt. Der Stein bleibt vielleicht hart. Aber Gott trägt ihn mit uns.                 

Ein weißes Tuch. Dieses Tuch ist leicht. Man spürt kaum sein Gewicht. Und doch steht es für etwas, das viel Kraft kostet. Ich denke an eine Frau, die ihren Mann über Jahre gepflegt hat. Jeden Morgen hat sie ihn gewaschen, mit einem Tuch wie diesem. Jeden Abend hat sie sich noch einmal an sein Bett gesetzt, obwohl sie wusste, dass keine Heilung mehr kommen wird. Sie konnte die Situation nicht ändern. Aber sie konnte bleiben. Und genau das hat sie getan.

Bleiben wirkt unscheinbar und doch trägt es eine große Würde in sich. Bleiben heißt, sich nicht innerlich zurückzuziehen. Es heißt, nicht wegzulaufen, wenn es schwierig wird. In der Wüste wird Jesus versucht, Gott zu einem spektakulären Eingreifen zu zwingen. „Stürz dich hinab“, heißt es. Erzwinge ein Wunder. Beweise, dass Gott dich trägt. Doch Jesus springt nicht. Er verlangt kein Zeichen. Er bleibt im Vertrauen. Er bleibt im Gehorsam. Er bleibt bei Gott – ohne Absicherung.

Ich denke an eine Tochter, die regelmäßig ins Pflegeheim fährt. Ihre Mutter erkennt sie kaum noch. Manchmal schaut sie sie an, und fragt: wer bist du denn?. Und trotzdem kommt die Tochter wieder. Sie setzt sich ans Bett. Sie streicht über die Hand. Sie bleibt. Bleiben ist eine stille Form der Liebe.          

Dieses Tuch liegt auf dem Altar für all jene, die bleiben. Für Menschen, die Verantwortung tragen, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Für Menschen, die durchhalten, obwohl sie keine schnellen Lösungen sehen. Auferstehung wächst nicht nur im großen Wunder. Sie wächst im Dableiben. In der Treue. In der leisen Entscheidung, nicht aufzugeben.

Wir können nicht alles lösen. Nicht jede Sorge. Nicht jede Unsicherheit. Aber wir können bleiben. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass Gott bleibt. Und genau hier wird die Eucharistie wichtig. Denn wir bleiben nicht aus eigener Kraft. Wir leben nicht vom Durchhalten allein. Jesus sagt: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“ Nicht vom bloßen Funktionieren. Nicht vom Sich Zusammenreißen. Aber auch nicht ohne Brot. Ein Brot. Dieses Brot stillt Hunger. Es löst keine Krankheit. Es beendet keinen Konflikt. Aber ohne Brot können wir nicht leben. Und in der Eucharistie gibt Christus uns mehr als Nahrung. Er gibt sich selbst.

Der Stein. Das Tuch. Das Brot...liegen auf dem Altar.

Härte. Bleiben. Wegzehrung.

Und vielleicht erkennen wir darin auch unser eigenes Leben und legen dazu, was unser Herz bewegt.  Unsere Steine – das Harte, das Ungeklärte Unsere Tücher – unsere Sorgen, unsere Tränen, unsere Liebe. Und wir vertrauen darauf, dass Christus uns Brot gibt. Nicht als schnelle Lösung, sondern als Kraft für den Weg.

Wenn wir gleich zur Kommunion gehen, gehen wir als Menschen die unterwegs sind . Nicht mit fertigen Antworten. Nicht mit gelösten Fragen. Aber mit dem Vertrauen, dass Gott mit uns geht. Fastenzeit heißt darum nicht nur verzichten. Sie heißt lernen, wovon wir leben.

Vom Vertrauen. Vom Bleiben. Vom Brot des Lebens.

Darum bitten wir heute:

Erzähl uns von Auferstehung.

Am Anfang dieses Weges.

In unseren Wüsten.

An unseren Krankenbetten.

In unseren Unsicherheiten.

Und lass uns erfahren, dass wir nicht allein sind - weil du bei uns bleibst.

Amen.

Ansprache am Sonntag von Stephanie Schreck

Liebe Kinder und Jugendliche, liebe Schwestern und Brüder,

erzähl mir von Auferstehung – so lautet das Thema für unsere Gemeinde in der Fastenzeit. In den Lesungstexten, die wir eben gehört haben, kommt das Wort „Auferstehung“ nicht vor und trotzdem haben die Texte mit Auferstehung zu tun. Wir haben gehört, wie Jesus, um sich auf sein öffentliches Wirken vorzubereiten,  40 Tage in die Wüste geht. Dort muss sich Jesus bewähren, denn der Teufel stellt Jesu Glauben dreimal auf die Probe: Steine in Brot verwandeln, ohne Sicherung in die Tiefe stürzen und dadurch Gottes Hilfe leichtfertig herausfordern und dem Glauben an Gott abschwören zugunsten der Macht über die ganze Welt.

Jesus widersteht. Er steht gegen den Teufel auf, er weist ihn in seine Schranken.         

Widerstehen – aufstehen – Auferstehung.
Diese  drei Wörter haben sprachlich eine Gemeinsamkeit: sie beziehen sich auf das Wort „Stehen“. Im Alltag meint man damit „aufstehen“ , aufstehen nach dem Schlaf, aufstehen nach dem Essen, aber auch das Aufstehen gegen Unrecht, Lüge und Gewalt. So, wie Jesus in der Wüste gegen die Lügen des Teufels aufsteht. Jesus ist ganz Mensch. Um wieviel leichter wäre es für ihn gewesen, den Versuchungen zu folgen. Doch Jesus blieb standhaft.

Auch wir sind immer wieder Versuchungen ausgesetzt. Auch unser Glaube muss sich immer wieder neu bewähren. Erzähl mir von Auferstehung ……..

Das ist gar nicht so leicht, das fordert heraus. Denn ganz gleich, ob fromm oder skeptisch, ob Christ oder Atheist, ob katholisch oder evangelisch, Umfragen, Todesanzeigen, weltliche Begräbnisfeiern zeigen, dass der Glaube an ein Leben nach dem Tod und über diesen Tod hinaus, immer mehr schwindet. Wer von uns kann sich Auferstehung und Ewiges Leben wirklich vorstellen? Das übersteigt bei weitem unser Vorstellungsvermögen.

Doch was wäre, wenn es keine Auferstehung gäbe? Würde uns nicht etwas fehlen? Ich meine „ja“!!!   Im Leben läuft nicht alles glatt, zwischenmenschliche Beziehungen sind oft ganz schön schwierig und wir verletzen uns gegenseitig, nicht unbedingt absichtlich. Was ist, wenn im Angesicht des Todes keine Aussprache, keine Versöhnung mehr stattfinden kann? Dann kann das, was wir uns gegenseitig im Leben schuldig bleiben, nicht mehr geheilt werden.

Noch schlimmer ist die Vorstellung, dass all jene, die in ihrem Leben unter Gewalt und Unterdrückung leiden mussten, die Opfer von Kriegen, Hungersnöten, Epidemien wurden – sie würden keine Gerechtigkeit, kein Heil erfahren. Eine schreckliche Vorstellung. 

Wenn nach dem Tod alles aus wäre. Wenn wir nur geboren wären, um einmal zu sterben. Was hätte dann das Leben für einen Sinn? Auch wenn wir wissen, dass wir alle einmal sterben müssen, fällt es uns schwer, uns mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen oder den Tod von geliebten Menschen zu akzeptieren, vielleicht - weil wir ihnen viel verdanken, vielleicht - weil sie so früh gegangen sind, vielleicht - weil wir sie gerne weiter an unserer Seite hätten und sie schmerzlich vermissen.

So ging es damals nach dem Tod Jesu all den Frauen und Männern, die Jesus gefolgt waren. Sie verharrten nach seinem Tod in einer Schockstarre, waren zutiefst traurig und enttäuscht – bis… -  ja … -  bis sie erkannt haben, dass alles, was sie mit Jesus erlebt haben, seine Worte, seine Taten, sein Tod, sein unerschütterlicher Glaube an Gott,  nicht das Ende sind, sondern dass es weitergeht, ja, dass es weitergehen muss. Auch wenn damals niemand die Auferstehung gesehen hat, so hat die Auferweckung Jesu Großes bewirkt, denn die Frauen und Männer sind aufgestanden und haben all das, was sie von Jesus erfahren und von ihm gelernt hatten, in die Welt getragen.

Und deshalb feiern wir in jeder Eucharistiefeier die Auferstehung Jesu. Mit jedem Kommunionempfang nehmen wir Jesus leiblich auf und verbinden uns mit ihm und lassen uns senden, um seine Botschaft zu leben und zu verkünden.

„Gehet hin in Frieden“ , so heißt es am Ende jedes Gottesdienstes. Und dann, dann stehen wir auf und „Auferstehung“ beginnt. Beginnt nicht immer im Großen. Oft sind es die kleinen, unscheinbaren Dinge, die kaum jemand wahrnimmt. Menschen stehen auf, machen sich auf den Weg, um andere zu unterstützen, indem sie: da sind, zuhören, Mut zusprechen, über den Glauben reden, helfen, pflegen; so, wie Jesus es uns vorgemacht hat.

Auch als Gemeinde stehen wir auf, um für eine gute Sache zu kämpfen, und setzen uns auch in diesem Jahr mit der Aktion „Ich pflanze einen Baum“ für den Erhalt der Schöpfung ein. Ein anderes Beispiel: Die Solibrotaktion des Katholischen Frauenbundes unterstützt jedes Jahr in der Fastenzeit Frauen in einem anderen Land bei Bildung, vor Gewalt, vor Hunger, vor Armut und schafft dadurch neue Perspektiven.

In diesem Jahr sind etliche Landtags- und bei uns in Hessen Kommunalwahlen. Deshalb beteiligt sich das Bistum Mainz an der ökumenischen Initiative  „Aufstehen für Menschenwürde und Demokratie“.  Wir alle können uns für Demokratie einsetzen, extremistischen Tendenzen entgegenwirken und vor allem – unser Wahlrecht bewusst wahrnehmen.

All diese Beispiele zeigen, dass wir nicht nur eine Auferstehungsreligion, sondern auch eine Aufstehreligion sind. Und das können wir nur sein durch den Glauben an den Auferstandenen, der uns Mut, Hoffnung und Zuversicht gibt.

Im Glaubensbekenntnis beten wir:
„Ich glaube an die Auferstehung der Toten“

Sich das vorzustellen und wirklich zu glauben, fällt uns modernen Menschen besonders schwer. Auferstehung meint nämlich nicht, die Wiederbelebung eines Leichnams. Auch wenn unser Körper nach dem Tod Staub und Asche wird, das, was uns im Innersten ausgemacht hat, wird von Gott verwandelt, erhält einen verwandelten Leib. Wir treten ein in die ganz andere Dimension Gottes.

Wie das sein wird, wissen wir nicht.

Aber die Zeilen aus einem Gedicht von Kurt Marti können uns helfen, mit dem Auferstehungsglauben leichter umzugehen:

Ihr fragt
wie ist
die Auferstehung der Toten

Ich weiß es nicht!

Ihr fragt
gibt es
eine Auferstehung der Toten?
Ich weiß es nicht! (Ich …   - hoffe es)

Ich weiß
nur
wonach ihr nicht fragt:
Die Auferstehung derer, die leben

Ich weiß
nur
wozu ER uns ruft:
Zur Auferstehung heute und jetzt