Ansprache am 28. Februar:Erzähl mir von Auferstehung

Liebe Schwestern und Brüdern im Herrn,
1980: 17 Jahre bin ich alt. Mein Englisch ist mies. Meine Eltern beschließen, mich über die Ferienzeit als au-pair nach Schottland zu schicken, um dort Englisch zu lernen. Das erste Mal mit dem Flugzeug, Umsteigen in Heathrow. Der Flug hat Verspätung, ich bekomme den Anschlussflug nicht nach Glasgow. Eine Schottin, die in Deutschland lebt, nimmt sich meiner an und hilft mir. Es ist dann eine kleine Odysee, bis ich endlich in Tonderghie ankomme. Nichts war danach mehr so wie früher. Mich fasziniert das Land noch heute, viele weitere Male war ich dort, habe Land und Leute kennen und lieben gelernt. Und vor allem die Sprache, so dass ich es als mündliches Prüfungsfach im Abitur hatte.
1850 Jahre vor Christus
In der Nähe der Stadt Ur, die heute im Irak liegt, bricht eine Sippe von Hirtennomaden die Zelte ab. Sie reißen die Zeltpflöcke heraus. Sie falten die großen schwarzen Zeltplanen zusammen. Die besten Esel werden beladen. Die Karawane zieht los.
Und sie sind nicht die einzigen. Die Situation ist in dieser Zeit für die Nomaden schwierig geworden. Sie werden von den neuen Stadtherren misstrauisch beäugt. Die Stadtoberen fügen ihnen vielerlei Qualen zu Deshalb träumen sie von einem ruhigen Land, weit weg von den Städten, mit reichen Weideplätzen. Sie brechen auf zu einer langen Reise mit vielen Stationen. Als man sehr viel später die Geschichte von Auszug Abrahams aufschreibt, wollte man damit zeigen, dass die gesamte Menschheitsgeschichte wie in ein Samenkorn in diesen Aufbruch und in diese Antwort des Abraham auf den Anruf Gottes hin miteingeschlossen war. Ein zahlreiches Volk, das Land Israel und der Segen über alle Geschlechter.
2010 nach Christus
Eine Eriträerin bringt ihre Tochter in Karthoum, der Hauptstadt des Sudan, zur Welt. Sie macht sich gemeinsam mit dem Vater des Kindes auf den Weg nach Italien. Sie suchen für sich eine bessere Zukunft. In Italien trennen sich jedoch die Wege, Mutter und Tochter kommen nach Viernheim. Unbedingt soll ihre Tochter in Deutschland groß werden. Sie will alles für ihr Kind. Wie schwer ist es, sich hier zurecht zu finden. 2019 erkrankt sie dazu noch an Lungenkrebs und stirbt nach 6 Jahren des Kampfes gegen diese Krankheit. Welch eine schwere Zeit für alle, die mithelfen, begleiten und mitbangen. Vor allem für die Tochter. Sie hat zum Glück gut, zumindest von aussen gesehen. Sie lebt bei einer Freundin der Mutter und wird ihren Weg machen. Und im Himmel werden sie sich wieder sehen. Davon ist die Mutter überzeugt.
Drei Erzählungen, Drei Auf und Umbrüche, dreimal Auferstehung. Was steckt in diesen drei Geschichten? Unter anderen Verzweiflung, dass es so nicht weitergehen kann
Unterschiedlich schwierig sind die Voraussetzungen. Aber immer folgt der Wille daraus, etwas zu verändern und der Mut, sich dieser Veränderung auszusetzen. Würden Sie losgehen, wenn Sie nicht das Vertrauen hätten, dass es am Ende gut wird?
Ein Stück Paradies hier auf Erden zu finden, das geht nur mit Wegbegleitung, Menschen, die spüren: es braucht mich, damit der andere weiterkommt, zu seinem Ziel gelangt. Und für uns Christen braucht es Gott auf diesem Weg. Die eritreische Mutter hatte beides. Sie war gläubige, orthodoxe Christin. Besonders in den letzten Jahren hat sie deshalb immer wieder Menschen um sich herum gebeten: bitte, bete für mich.
Und Abram. Sein Name ändert sich durch die Zusage Gottes, seine Nachkommen so zahlreich zu machen wie der Staub der Erde. Er wird zu Abraham. Etwas Neues beginnt. Gott befiehlt ihm regelrecht zu gehen, aber er verspricht ihm auch das gelobte Land, wo sie nach einer unvorstellbar langen Reise mit vielen Zwischenstationen ankommen. Und die Bibel macht auch deutlich: Beide, Abraham und Sara, sind nicht mehr die jüngsten, wo man mal eben so alles hinter sich lässt. Und trotzdem lautet Gottes Impuls: Zieht fort.
Was könnte das für uns und unser Leben bedeuten? Gottes Impuls auch an uns: Beginnt etwas Neues. Steht auf. Ihr werdet anders sein und anders werden anders aus dieser Situation herauskommen.
Das gilt für jedes Lebensalter. Gott ruft immer wieder heraus aus dem, wie es ist. Gott lockt weg von dem, wie es früher war, was schon immer so gewesen ist, wie es jetzt üblich ist oder wie es jetzt so geht. Das ist vorbei. Gott richtet den Blick nach vorn. Abraham und Sara sind dafür offen. Sie können ihren Blick auf die Zukunft wenden und ihre Schritte, ihre Kraft darauf richten. Ich wünsche uns, dass wir, jung und alt, mit dem Pfund der Offenheit wuchern und Gottes Wege nach vorn gehen, so ungewöhnlich sie sein mögen und entdecken: Ich habe mich verändert, mein Leben ist neu geworden. Und seid gewiss: ich bin bei euch, alle Tage. Amen.