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Predigten vom 7./8. März:Erzähl mir von Auferstehung

Malala
Ansprache vom Samstag, 7. März Ursula Scheidel
Datum:
9. März 2026
Von:
Herbert Kohl

Frauenrechte

Liebe Schwestern und Brüder,

hier in der Hand halte ich einen Stimmzettel für die Kommunalwahlen am 15. März in Viernheim. Das ist aber nicht irgendein Wahlschein, sondern das ist mein ganz persönlicher Wahlschein – und dass das so ist, verdanke ich und alle anderen Frauen in Deutschland jenen Frauen, die vor ca. 130 Jahren für das Frauenwahlrecht gekämpft haben.

Jedes Jahr am 8. März, also morgen, wird der Internationale Frauentag begangen. Dieser entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA aus der Arbeiterbewegung und dem Kampf für Frauenrechte, insbesondere das Wahlrecht. Seitdem macht der Frauentag auf die weltweite Ungleichbehandlung zwischen Frauen und Männern aufmerksam.

Nach der Einführung des Wahlrechts haben Frauenrechtlerinnen die gesellschaftlichen und politischen Themen für Frauen neu priorisiert. Im Laufe der Jahrzehnte haben sie immer wieder auf bestehende Missstände hingewiesen und sich konsequent für die Gleichstellung von Frauen eingesetzt. Besonders im Fokus standen dabei die Rechte von Frauen und Müttern hinsichtlich politischer Teilhabe, Erwerbstätigkeit, Selbstbestimmung und Zugang zu Bildung. Darüber hinaus engagierten sie sich aktiv für die Rechte und den Schutz von Kindern und gingen dafür auf die Straße, um öffentlich zu demonstrieren. Heutzutage richtet sich der Schwerpunkt der Frauenbewegung verstärkt auf den weltweiten Kampf gegen Unterdrückung und Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen.

Eine dieser engagierten Frauen ist Malala Yousafzai. Malala wurde am 12. Juli 1997 in Pakistan geboren. Ein kleines Mädchen zu begrüßen war in Pakistan nicht immer ein Grund zum Feiern – aber ihr Vater, Ziauddin Yousafzai, der Lehrer war und die Mädchenschule im Dorf leitete, war fest entschlossen, ihr jede Gelegenheit zu geben, die ein Junge haben würde.

2007 übernahmen die Taliban die Herrschaft über Malalas Heimat. Sie schränkten die Rechte der Frauen und Mädchen massiv ein: Frauen mussten in der Öffentlichkeit die Burka tragen, ab dem Alter von acht Jahren durften Mädchen nicht mehr zur Schule gehen, und in Malalas Heimat war es Mädchen sogar verboten, Musik zu hören. Bis Malala elf Jahre alt war, verbrachte sie ein – für pakistanische Verhältnisse – normales Leben. Gezwungen durch die Taliban musste sie sich im Januar 2009 von ihren Klassenkameraden verabschieden, ohne zu wissen, wann – wenn überhaupt – sie sie wiedersehen würde.

Diese für die westliche Welt unverständliche Unterdrückung von Frauen machte der TV-Sender BBC zum Thema. Malalas Vater schlug seine Tochter als Autorin für den Blog „Gul Makai" (Kornblume) vor. In kurzen Notizen beschrieb Malala fortan zehn Wochen lang, wie die Taliban die Menschen unterdrückten. Sie erzählte von Selbstmordattentaten, Angst und Trauer und insbesondere von Mädchen, die nicht mehr zur Schule gehen durften. Innerhalb kürzester Zeit wurde sie weltweit berühmt: Sie trat in Fernsehshows auf und gab Interviews zu den Themen Bildung und Frauenrechte. Als eine der wenigen traute sie sich in die Öffentlichkeit. Ende Dezember erhielt sie für ihr Engagement den pakistanischen Friedenspreis.

Doch den Taliban war sie ein Dorn im Auge. Sie wollten das Mädchen ruhigstellen. Deshalb stürmten sie im Oktober 2012 einen Bus, in dem Malala saß, und schossen auf sie. Malala wurde schwer verletzt und musste zuletzt in einer Fachklinik in Großbritannien behandelt werden. Nachdem sie von ihrer Verletzung genesen war, lebte sie fortan mit ihrer Familie in Großbritannien, studierte dort Philosophie, Politik und Wirtschaft und ist seit 2021 verheiratet.

Im Dezember 2014 wurde sie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet – als jüngste Nobelpreisträgerin aller Zeiten. Dies war der Beginn einer neuen Reise: Mit dem Malala Fund setzt sie sich weltweit für das Recht von Mädchen auf Bildung ein und arbeitet mit einem globalen Netzwerk von Aktivistinnen zusammen. 2024 feierte sie das zehnjährige Jubiläum des Malala Fund. Malala bleibt als geschäftsführende Vorsitzende und Mitbegründerin aktiv, denn auch heute können etwa 122 Millionen Mädchen keine Schule besuchen – es bleibt noch viel zu tun. Malala steht weltweit für Frauen und Mädchen auf, die ausgegrenzt und gedemütigt werden. Sie steht ihnen in ihrem Kampf um Bildung und Gleichberechtigung bei und verschafft ihnen dadurch neue Hoffnung.

Einstehen – Aufstehen – für Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenrechte.

Für uns als Christen muss diese Forderung selbstverständlich sein, und sie führt uns zurück zum heutigen Evangelium. Die Samariterin am Jakobsbrunnen nimmt sich nicht als gleichwertige Person gegenüber Jesus wahr. Zwischen Juden und Samaritern herrschte Feindschaft: Juden betrachteten Samariter als religiös unrein und minderwertig – und dazu kam, dass Frauen in der damaligen Zeit gesellschaftlich benachteiligt waren.

Doch Jesus spricht sie an – nicht demütigend, sondern respektvoll und ernst bittet er sie um Hilfe, ihm Wasser zu geben. Im weiteren Gespräch offenbart Jesus ihr seine Identität. Mit diesem Wissen kehrt die Frau ins Dorf zurück und wird dort zur Verkünderin. Ihre Stimme wird wichtig und wirksam. Mit seinem Handeln unterbricht Jesus soziale und religiöse Machtstrukturen und gibt der Samariterin damit Ansehen und Würde.

Malala und Jesus – zwei Personen, deren Geschichte von Auferstehung im Alltag berichtet. Nicht jede und jeder von uns kann und muss so radikal und folgenschwer handeln wie Malala und Jesus. Auferstehung kann auch weniger spektakulär geschehen. Wenn wir Jesu Botschaft der Nächstenliebe zu unseren Mitmenschen in uns verankern und danach handeln, dann geschieht auch in unserem Alltag Auferstehung. Amen.

Lebendiges Wasser - Ansprache von Herbert Kohl am Sonntag

Brunnen

Liebe Kinder, liebe Jugendliche, liebe Schwestern und Brüder….

Wasser – das kennen wir alle.

Badewasser, das uns wärmt und entspannt nach einem langen Tag. Teewasser, das pfeift und dampft und nach zuhause riecht. Meerwasser, das salzig schmeckt und nach Freiheit und Urlaub. Regenwasser, das auf das Dach trommelt. Eiskaltes Mineralwasser, das im Sommer jeden Durst löscht. Und dann natürlich – Abwasser. Das kennen wir auch. 

Wasser ist so selbstverständlich, dass wir kaum darüber nachdenken. Wir drehen den Hahn auf – und es fließt. Wir trinken, waschen, kochen. Fertig. Heute haben wir im Evangelium noch von einem ganz anderen Wasser gehört. Jesus kommt an einen Brunnen in der Mittagshitze, trifft eine Frau aus Samaria – und spricht von etwas ganz anderem. Von lebendigem Wasser.

Lebendig? Was soll das sein – lebendiges Wasser? Die Frau am Brunnen fragt sich das auch. Sie denkt zunächst ganz praktisch: Vielleicht meint er frisches Quellwasser, das fließt, das sprudelt – eben nicht das stehende, abgestandene Wasser einer Zisterne. Das wäre doch schön. Dann müsste sie nicht jeden Tag in der Mittagshitze hierherkommen.

Aber Jesus meint etwas völlig anderes. Er meint nicht Wasser für den Körper – er meint Wasser für die Seele. Das heutige Evangelium sagt uns: Jesus ist das lebendige Wasser. Er ist jener Geist, von dem wir im Eingangslied gesungen haben – die Kraft, die lebendig macht: hier, mitten in unserem Leben, und am Ende unseres Lebens, weil der Tod nicht das letzte Wort hat.

Aber was ist das für ein Geist der lebendig macht? Aus welchem Geist lebt Jesus? Was trägt und motiviert ihn in seinem Leben und Handeln? Da ist zuerst einmal sein unerschütterliches Vertrauen in seinen Vater. Sein tägliches Gebet zu seinem Vater im Himmel und natürlich erkennen wir seinen Geist an seinen Taten.

Er verurteilt nicht – denken wir an die Ehebrecherin: Auch ich verurteile dich nicht. Aber geh, und sündige von nun an nicht mehr. Er heilt Kranke. Menschen, die keine Lebendigkeit mehr spüren, Menschen, die aussätzig sind und aus der Gemeinschaft ausgeschlossen wurden. Denken wir an Zachäus. Er war tot für seine Dorfgemeinschaft, weil er mit den Römern – der Besatzungsmacht zusammengearbeitet hat – und Jesus hat ihn auferweckt, zurückgeholt, wieder zum Menschen unter Menschen gemacht.

Das erleben wir heute genauso. Wie viele Menschen sind ausgegrenzt – queere Menschen, deren Lebensentwurf nicht in unser gewohntes Denken passt. Wie viele alte Menschen sitzen ohne ein einziges Gespräch in ihren Wohnungen oder im Altersheim. Und wie viele junge Menschen sehnen sich nach echter Gemeinschaft, nach Nähe und Zärtlichkeit – und können diese Sehnsucht nur noch online stillen, weil der echte Kontakt fehlt. Sie sind innerlich vertrocknet.

Alle Heilungsgeschichten Jesu sind im Grunde Auferstehungsgeschichten. Weil Menschen, die ausgegrenzt waren, von ihm wiederaufgenommen wurden – in die Gemeinschaft, ins Leben, in die Würde. Das ist das eigentliche Wunder hinter allen Heilungsgeschichten. Darum fragt Jesus auch immer die Menschen: Was willst du, dass ich dir tue? Er braucht unsere Bereitschaft, unser Mitwirken.

So geht es auch der Frau am Jakobsbrunnen. Sie sehnt sich nach Nähe. Fünf Männer hat sie gehabt – und bei keinem wurde ihre tiefste Sehnsucht gestillt. Jesus spricht genau diese Sehnsucht an. Aber die Frau weicht aus, bleibt lieber an der Oberfläche: Gib mir dieses Wasser, damit ich nicht mehr herkommen muss. Praktisch. Zeitsparend. Sicher.

Aber Jesus lässt nicht locker. Er fragt weiter, bohrt behutsam tiefer – nicht um zu verletzen, sondern um aufzuwecken. Er will sie aufmerksam machen auf eine Not, die nichts mit dem Brunnen zu tun hat. Er will ihre tiefe Sehnsucht nach Nähe und Geborgenheit stillen.

Und wir? Wir können uns alle in dieser Frau wiederfinden. Wir alle sehnen uns nach Nähe und Geborgenheit – und stillen diese Sehnsucht so oft mit dem Wasser des Alltags: Kleidung, Essen, Urlaub, Handy, Konsum, Ablenkung … was auch immer. Es löscht den Durst für einen Moment. Aber dann kommt er wieder. Gerade jetzt in der Vorbereitung auf Ostern will Jesus uns zeigen dass es mehr in unserem Leben gibt. Er will uns etwas anderes geben. Er sagt:

„Wer von diesem Wasser trinkt, wird wieder Durst bekommen. Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben. Vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zu einer Quelle werden, deren Wasser ins ewige Leben fließt." Wie aber sieht dieses lebendige Wasser aus? Es ist sein Heiliger Geist – der Geist, der Beziehung schafft: mit Gott und untereinander.

Wir begegnen ihm in seiner Freundschaft, in den Sakramenten – in der heiligen Kommunion und in der Firmung. Er legt sich nicht nur in unsere Hände. Er erobert unser Herz. Und stellt euch das einmal konkret vor, was bei der Firmung geschieht: Da ist die Hand des Firmpaten auf eurer Schulter. Eine Hand, die sagt: Egal, was in deinem Leben kommt – ich stehe hinter dir. Und dann die Salbung – ein Kreuz auf die Stirn, als Zeichen ewiger Lebendigkeit und Nähe zu Gott. Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist. Das ist das ultimative Liebesangebot Gottes.

Und wenn wir darauf antworten wie die Frau am Brunnen – „Ja, okay, ich nehme das zur Kenntnis" – dann reden zwei völlig aneinander vorbei. Stellt euch das mal bildlich vor: Ich liebe dich. – Ja, okay. 

Jesus will uns lebendiges Wasser schenken – seinen Heiligen Geist, der nie versiegt. Wenn wir uns ihm öffnen, ihn in unser Leben hineinlassen, uns von seinem Geist durchdringen lassen – dann werden wir selbst zur Quelle. Für andere. Für Menschen, die Anerkennung suchen, die sich nach Nähe und Gemeinschaft sehnen. Das ist Auferstehung. Nicht erst am Ende des Lebens. Sondern jetzt. Heute. Hier.

Amen