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Predigt Diakon Titus Brößner am 14./15. März:Erzähl mir von Auferstehung

Augen
„Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“
Datum:
16. März 2026
Von:
Titus Brößner

„Herr, mach mich sehend“

Liebe Schwestern und Brüder,

die Texte, die uns als Tageslesungen heute an diesem 4. Fastensonntag geschenkt wurden, – sie erzählen alle von Auferstehung. - Deshalb wollte ich keinen dieser Texte weglassen. Und, sie passen so wunderbar zu unserem Thema der diesjährigen Fastenzeit: „Erzähl mir von Auferstehung“. Auferstehung beginnt oft leise – und so dürfen auch unsere Schritte ganz kleine Schritte sein. Unsere Aktionen - vielleicht ganz unscheinbare.

Die erste Lesung zeigt das an David. Gott lässt den Propheten Samuel auf der Suche nach dem Gesalbten nicht bei dem stehen, was glänzt und Eindruck macht und Gott spricht zu Samuel „Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“ Hier steckt Auferstehung drin: Ich bin mehr als meine Oberfläche, mehr als mein Ruf. Gott traut auch dem Kleinen, dem Unscheinbaren, dem Unfertigen zu, dass darin Zukunft – Auferstehung steckt. Auferstehung ist unsere Zukunft.

Und in der zweiten Lesung macht es Paulus ganz konkret - und er macht uns Mut, wenn er spricht: „Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn.“ Und dann dieser österliche Ruf am Ende der Lesung. „Wach auf, du Schläfer, steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein.“ Hier strahlt Ostern – hier strahlt Christus der Auferstandene – das Licht der Welt schon sehr deutlich hervor. Sehr passend formuliert von Paulus – dieses schon aufstrahlende Licht am „Laetare-Freue-dich-Sonntag“ – mitten in der Fastenzeit. Auch sehr bemerkenswert: Auferstehung ist hier nicht als ein Ereignis am Ende der Zeit beschrieben, sondern als Ereignis in der Gegenwart – im Hier und Jetzt: „Lebt als Kinder des Lichtes“ sagt Paulus. Liebe Schwestern und Brüder - Christus ist unser Licht. Und dieses Licht deckt nicht auf, um zu beschämen, sondern um zu heilen. Das ist Auferstehung in unserer Gegenwart – auch jetzt schon. Heilung.

Und schließlich das Evangelium. So, wie Auferstehung Verwandlung ist vom Tod ins Leben, so erzählt Johannes in seinem Evangelium das Wunder – die Verwandlung vom Blindsein in das Sehen - in das Erkennen. Im Evangelium ist es ein Mensch, der von Geburt an blind ist – er wird sehend. Aber wahr ist auch, dass ein Nicht-Blinder – wie die meisten von uns - sehend werden kann. Und das ist dann genauso - ein Wunder.

Jesus macht Erde und Speichel zu einem Teig, streicht ihn auf die Augen – er begräbt sie quasi, schickt den Blinden zum Waschen. Der sieht – erkennt – das ist Auferstehung. Johannes erzählt es wie ein kleines Ostern im Alltag: Der Mann geht weg als einer, der nichts sieht, der Tod ist - Und er kommt zurück mit offenen Augen – er lebt. Das Wunder ist damit vollendet, dass der Blinde, dass wir sagen: „Ich glaube, Herr.“ Auferstehung ist nicht nur: „Ich kann wieder sehen.“ Auferstehung ist: „Ich erkenne – ich erkenne dich.“ Ein neuer Blick auf Gott – ein neuer Blick auf mich selbst, – ein neuer Blick auf meine Mitmenschen – ein neuer Blick auf die Welt. Und nochmal: für dieses Wunder müssen wir nicht blind geboren sein.

Vielleicht ist es eine gute Fastenübung - einmal am Tag ehrlich hinsehen – vielleicht auch nur einmal in der gesamten Fastenzeit: ehrlich hinsehen auf das, was in mir dunkel ist. Vielleicht auch mit den Worten des Heiligen Franziskus beten: „Herr, erleuchte die Finsternis meines Herzens“, und dann bitten: „Herr, mach mich sehend.“

Und dann – wenn es hell geworden ist? - Ja, dann unser Motto der Fastenzeit beherzigen – und davon erzählen. Meine Auferstehungserfahrung teilen. Von meiner Auferstehung erzählen. AMEN.