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Predigt Vincent Gutscher am 21./22. März:Erzähl mir von Auferstehung

Ich glaube Dir!
Zur Auferstehung braucht es Menschen, die zuhören. Zur Auferstehung braucht es Menschen, denen man sich anvertrauen kann, Menschen, die dir sagen „Ich glaube dir!“. Zur Auferstehung braucht es Menschen, die Kraft geben, nicht zu verzweifeln.
Datum:
22. März 2026
Von:
Vincent Gutscher

Mut geben statt Zweifel sähen.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Geschwister im Herrn.

Erzähl mir von Auferstehung.

Im Evangelium gerade haben wir von Lázarus gehört. Einem Mann, der krank war, der am Ende war, vermutlich voll von Hoffnung war, Hoffnung auf Rettung, auf diesen Jesus, auf Genesung, aber dabei immer schwächer wurde. Und der schließlich starb und beerdigt wurde. Lazarus, am Tiefpunkt seines Lebens.

Vor 2 Jahren zeigte das ZDF eine Doku unter dem Namen „Deepfake-Pornos: Digitaler Missbrauch.“ Deepfakes sind, nur ganz kurz erklärt, mit künstlicher Intelligenz generierte Videos, die Personen oder Stimmen täuschend echt nachahmen und so neue Realitäten schaffen. Und in der Doku erzählt unter anderem Collien Fernandes, eine bekannte deutsche Schauspielerin, von eben solchen Deepfake-Videos, die über sie erstellt worden sind und sie bei eindeutigen sexuellen Aktionen zeigen, ohne dass sie auch nur davon wusste.

In den letzten Tagen veröffentlichte der Spiegel dann eine Recherche über ihren Fall, wozu sie auch noch ein Statement auf Instagram verfasste: Sie beschrieb nochmal ihre Situation – ich versuche es hier ein bisschen gemildert wiederzugeben:

Über 10 Jahre lang hat jemand in ihrem Namen Fake-Profile erstellt, vor allem Männer in ihrem beruflichen Umfeld kontaktiert und schnell auf recht eindeutiger Weise mit ihnen geschrieben. Falsche Fotos und Video wurden von ihr verschickt, die authentisch wirkten, private Treffen mit ihr wurden in Aussicht gestellt, alles geschrieben und verschickt von einem unbekannten Täter oder einer unbekannten Täterin. Und auch während oben angesprochener Dokumentation vor 2 Jahren ging es damit weiter. Collien Fernandes, kann man doch von digitalem Missbrauch sprechen, wohl an einem der Tiefpunkt ihres Lebens.

Lázarus, auch beerdigt in einem Grab, mit einem Stein verschlossen. „Er riecht aber schon, denn es ist schon der vierte Tag.“, sagt Marta. Weggelegt und abgehakt.
Aber dann kommt jemand, der glaubt, der an ihn glaubt. Der sagt „Lázarus, komm heraus.“ Jemand, der zuhört, Vertrauen gibt.

Vor wenigen Tagen, nach all diesen so schon verstörenden und kaum greifbaren Erzählungen, berichteten der Spiegel und Collien Fernandes weiter: Der Täter, der sie über 10 Jahre hinweg im Internet bloßgestellt haben soll, scheint gefunden zu sein: Christian Ulmen. Ulmen, nicht nur bekannter Schauspieler, sondern auch 15 Jahre lang mit Collien Fernandes verheiratet, seit dem letzten Jahr getrennt. Also jemand, der ihr wohl so nah stand wie sonst nur Wenige, unter einem Dach wohnte, kurz, jemand, mit dem man somit am wenigsten gerechnet hätte. Der digitale Aufschrei war laut, über 37 Tausend Kommentare in den letzten 3 Tagen unter ihrem Beitrag auf Instagram. Filme und Serien in denen Ulmen mitspielte, wurden mittlerweile von Streaming-Plattformen genommen. Auch da waren Menschen, die gesagt haben „Ich glaube dir.“, die ihr Vertrauen gespendet haben.

Wie hoffentlich aufgrund der Konjunktive klar wurde und der Vollständigkeit halber: Der Fall ist noch sehr aktuell, und es gilt bis auf Weiteres natürlich die Unschuldsvermutung für Ulmen. Aber doch scheint vieles für die Vorwürfe zu sprechen.

Unser Thema in dieser Fastenzeit ist Erzähl mir von Auferstehung.
Und natürlich, zugegebenermaßen, sind beide Fälle; Lázarus und Collien Fernandes, nicht direkt vergleichbar. Was mir beim Lesen des Evangeliums und dem Eintauchen in diesen Fall jedoch klar wurde: Beides handelt für mich von Auferstehung. Von Tiefpunkten, nach denen es wieder nach oben geht. Von einem Niederschlag, von dem man sich vielleicht ganz allein nicht so erholt hätte.

Ich glaube, zur Auferstehung braucht es Menschen, die zuhören. Zur Auferstehung braucht es Menschen, denen man sich anvertrauen kann, Menschen, die dir sagen „Ich glaube dir!“. Zur Auferstehung braucht es Menschen, die Kraft geben, nicht zu verzweifeln.

Ich habe selbst eine ganz große Sprachlosigkeit gefühlt, als ich von diesem Fall in den letzten Tagen gelesen habe. Wenn Personen augenscheinlich so anders sind, als man sie eingeschätzt hätte, auch wenn man sie nur von gespielten Rollen kennt. Aber vielleicht kann es gerade da anderen Kraft spenden, die auch keine Worte finden.

Es gehört wohl zum Menschsein dazu, dass nicht immer alles leicht ist. Und es gehört auch dazu, dass man sich manchmal hilflos, kraftlos fühlt. Wenn man in diesen Situationen Ansprechperson sein kann, sein Gegenüber ernst nimmt und einfach da ist, macht man, so glaube ich, schon verdammt viel richtig.

Mut geben statt Zweifel sähen.

Dann kann für mich Auferstehung geschehen.

Amen.