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Fastenkalender 2026:Erzähl mir von Auferstehung 16

Leuchtfeuer in der Bretagne am Abend
Datum:
20. März 2026
Von:
Pfr. Dr. Ronald A. Givens

An die Geschichte mit den zwei Wölfen musste ich denken, als ich mich von der Frau im Altenpflegeheim verabschiedet habe. Von ihrem Leben hat sie erzählt. Auch von ihrer Vertreibung, als Kind. Als sie Jahre später, ihr Heimatdorf besucht hat, stand da nur noch ein Baum, wo früher ihr Hof gewesen war. Sie hat sich erinnert an die Viehwagons, die sie damals bestiegen haben, als sie weg mussten.

Ob sie einen Groll verspürt habe, als sie an dem Baum, in der ehemaligen Heimat gestanden sei? Nein, warum sollte ich mein Herz noch schwerer machen? Warum sollte ich etwas gegen die haben, die jetzt dort wohnen und leben? Ich trage nichts nach.

Ein paar Tage davor hatte eine ganz andere Begegnung. Auch eine Frau, hochbetagt. Ebenfalls vertrieben. Auch mit Viehwagons, ohne Hab und Gut. Aber voller Bitterkeit über das Volk, das sie vertrieben hat. Immer bitter erzählend vom Unrecht, von dem, was die anderen ihr angetan haben.

In der Geschichte von den zwei Wölfen fragt der Enkel den Großvater, warum er so zufrieden sei? Da erzählte er dem Enkel, dass er ein Leben lang zwei Wölfe in sich trage. Der eine gefährlich und wild, hungrig und böse. Der andere ein Rudeltier, anschmiegsam und zahm, die Schwachen im Rudel schützend und nährend. Ich bin so zufrieden, weil ich gelernt habe, dass es allein darauf ankommt, welchen von den beiden Wölfen ich füttere.

40 Tage bis Ostern: Herr, Du und ich, wir wissen um die beiden Wölfe. In mir. Hilf mir, den einen zu akzeptieren und den anderen zu lieben.

 

Aus der Hl. Schrift: Mk 7: Hört mir alle zu und begreift! Nichts, was der Mensch von außen in sich aufnimmt, kann ihn unrein machen. Nur das, was aus ihm herauskommt, macht ihn unrein.