Predigt Ursula Scheidel am 29. März 2025:Feuer läutert

Sicher haben auch sie schon einmal die Beobachtung gemacht, dass man bei Reisen ab und an auf Personen trifft, die bei ihrem Spaziergang am Strand eine Tüte dabeihaben, um den Müll, der angespült oder weggeworfen wurde, einzusammeln.
Oder am vergangenen Samstag waren kleinere und größere Gruppen von Menschen in und um Viernheim unterwegs, um den achtlos weggeworfenen Müll im öffentlichen Bereich einzusammeln.
Ich habe großen Respekt vor allen, die aus eigenem Antrieb ehrenamtlich den öffentlichen Raum von Unrat reinigen.
Sie alle erweisen damit unserer Stadt und der Gesellschaft einen Dienst, indem sie durch ihr Engagement das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger für die Bedeutung von Sauberkeit und Umweltschutz schärfen.
Leider landet immer noch ein Großteil unseres Mülls in den Verbrennungsanlagen und dabei gehen auch wertvolle eigentlich noch wiederverwertbare Rohstoffe buchstäblich in Rauch auf.
Feuer hat reinigende Wirkung
Glücklicherweise gibt es aber auch andere, gute Beispiele. Bei der Rückgewinnung von Edelmetallen aus Elektroschrott, werden die Rohstoffe durch Schmelzung voneinander getrennt, und können dann der Wiederverwendung zugeführt werden. Damit wird dem Abbau von Rohstoffen etwas entgegengewirkt.
Die Kraft des Feuers wird an diesem Fall mit reinigender Wirkung zum Positiven genutzt.
In den Texten des alten und neuen Testaments ist an vielen Stellen vom Feuer die Rede. Immer dort geschieht etwas Besonderes, findet Veränderung statt, die nach meiner Ansicht auch einer inneren, seelischen Reinigung ähnelt.
Sie alle kennen die Bibelstelle, die am Palmsonntag und Karfreitag in der Passion enthalten ist: Petrus folgte Jesus nach dessen Verhaftung in den Hof des Hohenpriesters. Dort wärmte er sich zusammen mit den Mägden und Dienern am Kohlefeuer. Als diese ihn fragten, ob er nicht auch ein Jünger Jesus sei, verleugnete er Jesus dreimal. Danach verlässt er weinend den Hof.
Die Bibel berichtet nicht, wie es Petrus nach der Begegnung ergangen ist. Es bleibt eine Vermutung, dass Petrus aus Angst vor den Folgen der Zugehörigkeit zur Jüngerschaft Jesus diesen verleugnet hat und es bleibt eine Vermutung, dass die anderen Jünger ihm Vorwürfe deswegen gemacht haben.
Tatsache ist aber, dass er in der Gemeinschaft der Jünger verblieben ist, was für mich bedeutet, dass Petrus sich, mit sich und seinem Versagen auseinandergesetzt und eine Veränderung durchgemacht hat, die man auch mit einer inneren Reinigung, Befreiung oder Versöhnung beschreiben kann.
Die nächste Begegnung zwischen Jesus und Petrus, findet nach der Auferstehung am See Genezareth, wieder an einem Kohlefeuer statt. Dort am Kohlefeuer wird seine Veränderung, seine Läuterung erkennbar, indem er Jesus auf seine dreimalige Frage: Simon, Sohn des Johannes liebst du mich, antwortet.
Veränderung bringt Neues
Nach dieser Veränderung kann etwas Neues beginnen, Jesus vertraut ihm seine Kirche an und fordert Petrus auf, ihm nachzufolgen.
Darum geht es in der Fastenzeit. Wir sind eingeladen, in der Fastenzeit ganz bewusst auf unserer eigenes Leben zu schauen. Wo habe ich falsch gehandelt? Wo habe ich mich wider besseres Wissen dem Zeitgeist angepasst? Wo war ich ungerecht oder streitsüchtig?
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn, der sein Erbteil gefordert und verprasst hat, erzählt ebenfalls von einer Situation der Läuterung.
„Ich bin es nicht wert, dein Sohn zu sein.“
Innere Zerrissenheit, Verzweiflung und Demut drückt dieser Satz aus. Wie rigoros muss man mit sich zu Gerichte gegangen sein, um solch eine Aussage zu machen.
Der Sohn gesteht sich ein, dass er versagt hat, dass er gegenüber dem Vater und dem Bruder falsch gehandelt hat und fasst mutig den Entschluss, sich dem Urteil des Vaters zu stellen. Die Zeit zwischen dem Moment als der Sohn erkennt, dass er nichts mehr besitzt außer seinem Leben, bis zur Entscheidung nach Hause zurückzukehren, – ist eine Fastenzeiterfahrung, eine innere Reinigung und Versöhnung mit sich selbst.
Erst danach kann etwas Neues entstehen und wachsen.
Wir allein sind für unser Handeln verantwortlich. Wir können diese Verantwortung nicht abgeben oder delegieren.
Jede und jeder einzelne von uns trägt Verantwortung für den Erhalt der Schöpfung, für Gerechtigkeit, für Freiheit und für Frieden in unserer Welt.
Leben bedeutet Veränderung
Leben bedeutet Veränderung.
Petrus sagt am See Genezareth zu Jesus: Herr, du weißt alles: Ja, Gott kennt uns besser als wir selbst, er kennt unsere Schwachheit und Unvollkommenheit, aber auch unsere Gaben und Fähigkeiten.
Gott traut es uns zu, dass wir für Veränderungen brennen und wir dürfen darauf vertrauen, dass er an unserer Seite ist und uns notfalls entgegenkommt, so wie der Vater dem verloren Sohn und wie Jesus Petrus entgegengekommen ist.