Predigt Angela Eckart am Weißen Sonntag :Gott formt mit Liebe

Liebe Kommunionkinder und liebe Eltern, liebe Schwestern und Brüder,
nun ist es nicht mehr weit. Ihr kleines Haus liegt gleich um die Ecke. Sie spürt die Last auf ihren Schultern. Die Eimer sind randvoll. Weit hat sie sie getragen.
Nun ist sie endlich da. Sie öffnet die Haustür. Mit schnellen Schritten geht sie zu ihrer kleinen Werkstatt.
Augenblicklich sind sie da – die vertrauten Geräusche: Vom Marktplatz hört sie das Lachen und Spielen der Kinder. Jemand ruft. Schritte eilen vorbei. Sie bleibt einen Moment stehen. Hört zu.
Dann beugt sie sich hinunter. Greift in den Eimer und nimmt einen großen, einen unförmigen Klumpen heraus. Kühl. Feucht. Schwer. Fühlt er sich an. Sie schaut von allen Seiten an. Dreht ihn in ihrer Hand hin und her. "Was wohl aus dir einmal wird? Was alles in dir steckt?" fragt sie sich.
Was in uns steckt
Dann beginnt sie. Sie knetet und drückt. Immer wieder. Doch der Ton ist widerspenstig. Aber ihre Hände sind geduldig. Bleiben ruhig. Kneten und drücken.
Und während sie so arbeitet, wandern ihre Gedanken wie von selbst.
Zu diesem Morgen, als alles wieder einmal schnell gehen muss, der Tag schon mit täglichem Stress beginnt. „Beeil dich. Wir müssen gleich los.“ fordert sie die Kinder auf. Dann der Streit am Küchentisch, als ihre Worte, die schneller waren als ihr Herz. Sie drückt den Ton fester zusammen. Sie seufzt. Sie atmet tief ein.
Sie knetet weiter. Denkt an den Nachmittag. Stolz ist ihre Tochter heute nach Hause gekommen: „Schau mal, das habe ich allein gemacht!“ Und zeigt, was sie im Unterricht gebastelt hat.
"Schule ist doof. Da geh ich nicht mehr hin,“ ruft ihr kleiner Sohn später, rennt durch die Küche und knallt wütend die Tür hinter sich zu.
Alles ist da, während sie knetet. Das Schwere im Leben. Das, was es leicht macht. Und sie spürt beim Arbeiten: Alles formt sich. Nicht nur den Ton. Auch unser Leben. Auch unser Herz.
Schließlich setzt sie den Ton auf die Scheibe und beginnt zu drehen. Sie ist geübt. Gekonnt hält sie den Ton in der Mitte. Denn sie weiß: Wenn sie ihn nicht hält, verliert er die Form. Sie zieht ihn vorsichtig nach oben. Er wächst. Wird weiter. Und dann— ganz plötzlich – mit einem Mal - nur ein kurzer Moment - ein Riss. Und alles fällt in sich zusammen.
Sie kennt das nur zu gut. Jetzt hatte ich es doch gerade alles so gut im Griff – und plötzlich passt nichts mehr. Eine Ehe, eine Beziehung, eine Freundschaft, die an ihre Grenzen kommt. Ein Diktat für das ich geübt und dann klappt es trotzdem nicht. Alles fällt zusammen.
Sie sagt nichts. Sie schaut. Dann legt sie ihre Hände wieder an. Drückt den Ton zusammen. Und beginnt noch einmal. So ist das Leben. Manchmal muss man neu beginnen. So wächst ganz langsam wieder eine Form.
Als sie den Ofen öffnet, schlägt ihr Hitze entgegen. Jetzt braucht es Zeit. Jetzt braucht es Geduld. Jetzt braucht es dieses Feuer. Sie bleibt stehen. Denn sie kennt solche Zeiten. Wenn ein Arzttermin ansteht, und man nicht weiß, was herauskommt. Wenn Sorgen uns nachts wachhalten. Wenn man sich als Familie neu sortieren muss. Feuerzeiten. Und doch weiß sie: Genau dort geschieht etwas. Nicht laut. Nicht sofort. Mitunter im Augenblick nicht einmal spürbar. Aber unendlich tief. Dort wächst Vertrauen. Dort wächst Stärke.
Als sie schließlich den Ofen öffnet, hält sie endlich in den Händen – vorsichtig holt sie sie heraus: Ihre Schale. Ganz hell. Ganz glatt. Unendlich schön. Sie streicht behutsam darüber. Und plötzlich versteht sie ...
Ich möchte dein Leben formen - mit meiner Liebe
Liebe Kommunionkinder und liebe Eltern, liebe Schwester und Brüder,
und genau hier beginnt unsere Geschichte. Heute. Hier.
Wir sind an diesem Morgen hier mit unserem Leben. Mit all dem, was wir tragen: An Verantwortung. An Liebe. Manchmal auch Müdigkeit und Belastungen. Mit unseren Freundschaften. Mit unseren Fragen. Mit dem, was gelingt— und dem, was uns richtig schwerfällt und umtreibt. Alles ist da. Nicht fertig. Nicht perfekt. Aber voller Möglichkeiten.
Und da ist wirklich jemand, der uns mit Liebe anschaut. Der uns kennt. Der uns formen möchte.
Heute, liebe Kommunionkinder, seid ihr wie diese offene, eine schöne Schale. Und Jesus legt sich hinein. Sich selbst. Im Brot. Still. Unscheinbar.
Im kleinen Stückchen Brot sagt er zu euch und zu uns:
Ich möchte dein Leben formen. Mit meiner Geduld. Mit meinem Verständnis. Mit meiner Herzensgüte.
Ich mache dein Herz weit wie diese Schale, damit Liebe hineinpasst.
Ich mache dein Herz schön wie diese Schale, damit du dich erinnerst, wenn das Leben rau wird.
Ich mache dein Herz zart wie diese Schale, damit du spürst, was im Leben wirklich zählt.
Darauf darfst du ein Leben lang vertrauen.
Amen.