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Predigt Pfarrer Dr. Givens vom 8.2.2026:Ihr seid das Licht der Welt

Kerze
Ihr sollt euer Licht nicht unter den Scheffel stellen.
Datum:
9. Feb. 2026
Von:
Herbert Kohl

Stellt euer Licht auf einen Leuchter, dann leuchtet es allen im Haus.

Liebe Jugendlichen, liebe Schwestern und Brüder im Herrn, ihr seid das Licht der Welt. Wenn das von einem ganz besonders gilt, dass er das Licht der Welt gewesen ist, dass er bis an die Grenzen der Welt gelaufen ist, dann war das Paulus, von dem wir im Brief an die Korinther gerade eben in der Lesung gehört haben. Paulus ist wirklich mit seinem Licht, mit seiner Begabung, mit seinem Wort, mit all dem, was ihn erfüllt hat, bis an die Enden der Welt, der damaligen Welt gelaufen.

Ihr seid das Licht der Welt. Bevor Paulus zum Licht geworden ist, da läuft er nach Damaskus. Eine hell leuchtende Fackel, ein Licht, vor dem alle anderen Angst gehabt haben, weil es ein verzehrendes Licht gewesen ist, ein Licht, das vernichtet hat. Er hat die Christen verfolgt. Er hat eine Überzeugung gehabt, einen inneren Auftrag gehabt, eine hervorragende Ausbildung, und in diese Überzeugung läuft er mit seinem Licht und alle fürchten sich vor diesem Licht. Und dann vor Damaskus, da wird ihm dieses Licht gelöscht, da fällt er vom Pferd, da wird alles dunkel. Drei Tage lang sieht er nichts mehr. Er, der so überzeugt war, dass sein Licht und seine Wahrheit der einzig richtige Weg ist, sieht auf einmal gar nichts mehr. Blindester, bis er getauft wird und ganz anders sieht.

Ihr seid das Licht der Welt. Man stellt dieses Licht nicht unter einen Scheffel, sondern dass es hell leuchte auf einen Leuchter, nicht unter einen Scheffel. So viel haben wir in Physik alle gelernt. Jesus kann uns erst brauchen als Licht für die Welt, wenn wir das erlebt haben, dass unser Licht verlöscht ist, dass es unter den Scheffel gestellt worden ist. Erst dann sind wir Christustaugliches Licht.

Das erste Mal, dass unser Licht unter den Scheffel gestellt wird, das bringen wir alle miteinander selber fertig. Dann nehmen wir uns vor, ich will mit meinen Kindern liebevoll reden, dann brüllen wir. Ich will mit der Schöpfung achtsam umgehen, und dann steigen wir ins Flugzeug. Ich will großzügig sein, und dann fragen wir uns nachher, warum konnte ich das eigentlich nicht schenken? Warum habe ich das für mich behalten? Es gibt so viele Momente im Leben, da löschen wir unser Licht selber aus, durch ein Wort, durch eine Tat, durch etwas, wo wir uns im Nachhinein alle fragen: Musstest du das jetzt so sagen? Hättest du nicht fünfe Grad sein lassen? Wäre das nicht anders gegangen?

Und da leuchtet gar nichts mehr bei unseren Kindern, bei unserem Ehepartner, bei der Freunden, in der Pfarrei, da haben wir uns selber unter den Scheffel gestellt. Das, was eigentlich an Liebe hell leuchten sollte, das haben wir gründlich ausgelöscht. Und da braucht es von den anderen ganz viel, dass sie unserem Licht noch einmal trauen.

Spätestens in eurem Alter haben wir alle erfahren, dass nicht nur wir selber die Fähigkeit haben unser Licht unter den Scheffel zu stellen, unser Licht auszulöschen, sondern dass andere uns das Licht auslöschen. Da gehen wir voller Vertrauen auf jemanden zu und sagen: Ich liebe dich, willst du meine Freundin? Willst du mein Freund werden? Und wir hören ein Nein. Da fällt das Licht ganz schön schnell zusammen. Und wie viel Mut braucht es, jemanden zu sagen: Mit dir möchte ich durchs Leben gehen, mit dir möchte ich alt werden, mit dir. Und dann die Erfahrung zu machen: Ich liebe jetzt jemand anderen. Du bist abgeliebt und ausgeliebt. Dein Licht brauche ich nicht mehr. Ich habe eine andere, ich habe einen anderen, der leuchtet viel heller als du. Da wird die Flamme ganz schön ausgelöscht, die man eigentlich in die Welt tragen wollte, eigentlich in diese Beziehung tragen wollte, eigentlich bis ans Ende des Lebens hell leuchten lassen wollte.

Es gibt Diagnosen, es gibt Krankheiten, da hat man keine Kraft mehr zu leuchten für andere. Da ist man überhaupt froh, wenn man morgens noch aufstehen kann, wenn die Schmerzen nicht so sind, dass man ungnädig mit allen ist, die einen berühren, weil alles weh tut, weil es nicht auszuhalten ist. Auch das kann ein Licht so zum Verlöschen bringen, dass man gar nicht daran denkt, bis an die Enden der Erde zu laufen, Licht der Welt zu sein, da ist man schon froh, wenn man den Tag einigermaßen übersteht.

Und ganz schwierig wird es, wenn jemand, den man geliebt hat, der jeden Morgen aufs Neue einem geholfen hat, hell zu werden, das Lebenslicht anzuzünden, wenn der oder diejenige stirbt. Da verlöscht nicht nur das Licht dessen, der einem alles Licht gewesen ist, sondern auch das eigene Licht. Und es braucht mehr als ein Trauerjahr, bis da irgendwo wieder Licht und Helligkeit herkommt.

Ihr seid das Licht der Welt. Lichttauglich für Jesus sind wir erst, wenn wir diese Erfahrung gemacht haben. Dann erst werden wir barmherzig sein mit denen, die auch darunter leiden, dass sie immer wieder ihr eigenes Licht auslöschen, weil sie zu impulsiv sind, weil sie so oft gedankenlos sind, weil sie sich vorgenommen haben, so ganz anders zu handeln und bei der erstbesten Gelegenheit wieder die Gleiche, der Gleiche geworden sind, der sie von Anfang an, der wir von Anfang an sind. Und nur der, der das erlebt hat, die, die das erlebt hat, dass jemand gesagt hat: Dein Licht brauch ich nicht mehr, der wird behutsam mit denen umgehen, bei denen die Freundschaft, bei denen die Ehe, bei denen die Liebe gescheitert ist, weil er oder sie darum weiß, wir tragen dieses Licht nicht wie einen Flammenwerfer durch die Welt, sondern wie eine Kerze, die immer wieder neu behütet und beschützt werden muss und keiner von uns weiß, ob nicht morgen dieses Licht, dem wir gestern noch getraut haben, ausgeblasen wird.

Und nur wer es erfahren hat, wenn schon eine Krippe einem unduldsam macht, der wird behutsam mit denen umgehen, die morgens mit Schmerzen aufstehen und abends mit Schmerzen ins Bett gehen und nicht jedes Wort und nicht jede Geste aufs, die Goldwaage legen, weil er weiß, wie mühsam das ist, überhaupt noch durch den Tag zu kommen.

Ihr seid das Licht der Welt. Paulus ist wie ein Flammenwerfer nach Damaskus gelaufen und er kommt aus Damaskus heraus als einer, der danach sagen kann: Ich kam nicht, um glänzende Reden zu halten. Ich kam nicht, um euch mit meinem Wort zu überzeugen, sondern ich kam von, ich kam als einer, dessen Leben durchkreuzt worden ist und der darum nur Jesus als den Gekreuzigten, als den Durchkreuzten verkündet, denn wir folgen einem nach, dem man auch gesagt hat: Dein Licht, Jesus, wollen wir nicht. Deine Art wollen wir nicht. Einen, dem man das Lebenslicht am Kreuz ausgenagelt hat und der trotzdem von sich bis zum Ende immer wieder gesagt hat: Ich bin das Licht der Welt und dann, wenn es bei euch ganz dunkel wird, dann schenke ich euch Licht.

Es ist eine zutiefst ergreifende Symbolik, wenn in der Taufe einem Kind eine brennende Kerze überreicht wird und diesem Kind mit seiner Familiengeschichte zugetraut wird: Du bringst Licht. Und den Eltern, denen zugetraut wird, wann immer eurem Kind von den Klassenkameraden in der eigenen Familie, in der Schule, wo auch immer, wann immer diesem Kind diese Kerze ausgeblasen wird, wann immer dieses Kind unsicher ist, ob es wirklich ein Licht ist, dann ist es eure Aufgabe, dieses Licht wieder anzuzünden.

Das ist die tiefste Aufgabe von Freunden, von Ehepartnern, von Schwestern und Brüdern. Wenn einer die Erfahrung gemacht hat, mein Licht ist unter den Scheffel geraten, ich habe mir selber das Licht gelöscht, jemand anders hat mir das Licht gelöscht, dass wir unser Licht weitergeben. So wie in der Osternacht eine und einer nach dem anderen den Docht des anderen der anderen anzündet und sagt: Wir kriegen das hin, wir bleiben nicht in der Dunkelheit, wir sind Licht der Welt.

Es ist die wichtigste Symbolik im ganzen Jahreskreis, wenn ihr von der Osterkerze, wenn wir von Jesus das Licht empfangen und er uns sagt: Ihr alle, die ihr durchkreuztes Licht habt, ihr seid das Licht der Welt. Und wenn dem Schwester oder wenn der Schwester, wenn dem Bruder das Licht ausgeht, dann helft euch gegenseitig, Licht der Welt zu sein. Dann habt den Mut, euren erloschenen Docht den anderen hinzuhalten, damit sie mit Liebe, mit Gebet, mit Zärtlichkeit dieses Licht wieder zum Leuchten bringen. Amen.