Katholisches Sozialzentrum:Impuls „5 vor 12“

Erzähl mir von Auferstehung
Im Bilderbuch „Der Chamäleonvogel“ begleitet ein kleiner Vogel Jesus durch sein Leben, seinen Tod und seine Auferstehung. Am Anfang ist sein Gefieder fröhlich bunt, dann wird es grau, dunkel, beinahe schwarz – und am Ende leuchtet er bunter als je zuvor.
Vielleicht fühlen wir uns selbst manchmal wie dieser Vogel: mal farbenfroh vor Freude an unserer Arbeit, mal ausgebleicht vor Müdigkeit, mal dunkel vor Sorge um Menschen, und manchmal vielleicht ganz farblos, weil wir keine Hoffnung mehr sehen.
„Erzähl mir von Auferstehung“ – das könnte der Chamäleonvogel uns heute sagen. Auferstehung ist nicht nur ein Ereignis „damals“, sondern eine Bewegung mitten ins Leben hinein:
- Auferstehung geschieht, wenn jemand nach vielen Rückschlägen wieder einen Schritt nach vorn wagt.
- Auferstehung geschieht, wenn ein Mensch zum ersten Mal wieder lacht.
- Auferstehung geschieht, wenn wir einander aushalten – auch in Wut, Trauer, Erschöpfung – und trotzdem bleiben.
Der Vogel wird nicht bunt, weil alles Schwere verschwunden ist, sondern weil alle Gefühle ihren Platz haben. Auferstehung bedeutet nicht: „Es war gar nicht so schlimm“, sondern: „Es war schlimm und trotzdem ist nicht alles vorbei.“ Das bunte Gefieder am Ende enthält auch das Schwarz der Karfreitage unseres Lebens.
Gerade in unserem Arbeitsalltag kennen wir solche Karfreitagserfahrungen: Rückschläge, Überforderung, Konflikte im Team, Menschen, die wir nicht erreichen. Auferstehung heißt dann vielleicht: Ich gehe morgen wieder hin. Ich höre noch einmal zu. Ich glaube, dass mehr möglich ist, als ich im Moment sehe.
Für uns hier im Sozialzentrum kann der Chamäleonvogel eine Einladung sein:
- Unsere eigenen Farben ernst zu nehmen: Wo bin ich gerade froh, wütend, müde, hoffnungsvoll?
- Die Farben der anderen zu achten: Kolleginnen und Kollegen nicht zu verurteilen, wenn sie „grau“ sind, sondern zu fragen: „Was brauchst du?“
- Gemeinsam bunt zu werden: Unterschiedliche Begabungen, Stimmungen und Sichtweisen nicht als Störung, sondern als Reichtum zu sehen.
Vielleicht ist unser Sozialzentrum genauso ein Ort: ein Haus, in dem nicht nur Kunden, sondern auch wir Mitarbeitende immer wieder kleine echte Auferstehungsmomente erleben können und dürfen.
Auferstehung beginnt dort, wo wir das Dunkle nicht leugnen und trotzdem mit einem neuen Farbton rechnen. So wie der Chamäleonvogel am Ende bunter ist als zuvor, so kann auch unser Alltag hier im Sozialzentrum von mehr Farbe, mehr Hoffnung, mehr Leben überrascht werden.
Das wünsche ich uns – für unsere Arbeit und für uns persönlich.