Karfreitag für Familien 2026:Und wir gehen mit dir

Rund um die Marienkirche liegt an diesem Vormittag eine besondere Stille.
Nur wenige Autos fahren. Es sind kaum Menschen auf der Straße unterwegs.
Sogar die Glocken schweigen an diesem Morgen. Auch die Uhr am Kirchturm steht still.
Es ist Karfreitag.
Nach und nach treffen die Familien aus unserer Pfarrei ein und füllen den Kirchenraum.
Rund 100 Menschen sind gekommen, um mit Jesus den schweren Weg ans Kreuz zu gehen.
Es sind Eltern mit ihren Kinder, auch Großeltern, Tante und Onkel sowie einige Gemeindemitglieder aus der Nachbarschaft sind dabei.
Gemeinsam unterwegs: Kreuzweg der Familien

Kein Lied eröffnet an diesem Morgen den Gottesdienst. Keine großen Worte werden gesprochen.
Nur das Klappern der Holzratschen, die unsere beiden Messdienerinnen Charlotte und Paulina in den Händen tragen, ist im Kirchenraum zu hören.
Dann beginnt unser Weg mit Jesus rund um die Marienkirche. Abwechselnd tragen Kinder mit ihren Eltern, das schwere Kreuz - mit ihm und für ihn.
An der ersten Station liegt plötzlich eine Dornenkrone auf dem Boden. Mit einem Königsmantel und einer Dornenkrone haben die Soldaten Jesus verspottet. Stiche im Herz - das kennen wir auch. Rote Mantelstückchen finden ihren Platz um das Kreuz, für die Worte, die uns wehtun.
Zwischen Tränen und Hoffnung

Als Simon von Cyrene am Weg erscheint, legen die Eltern und Großeltern Hände um das Kreuz.
Für die eigenen Hände, die helfen. Für die eigenen Hände, die tragen. Für Hände, die im Alltag den Kindern, den Freundinnen und Freunden, den Kolleginnen und Kollegen sagen: Ich bin für dich da. Auf mich kannst du dich verlassen.
Später - an der Station bei den weinenden Frauen - werden Taschentücher abgelegt. Hier bekommen unsere Tränen ihren Raum, die geweinten und die in uns erstarrten. Damit Trost entstehen kann.
Zwischen Ohnmacht und Hoffnung

Je weiter wir gehen, um so schwerer wird das Kreuz.
Ein Becher und Würfel, die auf den Boden fallen. Die Soldaten nehmen Jesus die Kleider weg. Sie würfeln darum. Sie verteilen die Kleider untereinander.
Mit der Familie überlegen die Kinder, wo in unserer Welt Menschen Spott erfahren, bloßgestellt und ausgeliefert werden. Dafür bringen sie einen Würfel zum Kreuz.
Anschließend begegnen uns Hammer und Nägel. Jesus wird ans Kreuz genagelt. Er fragt. Er ruft. Mein Gott, warum?
Mit den Nägeln bringen wir unsere Fragen, unsere Zweifel, unsere Ohnmacht zum Kreuz.
Schließlich sind wir wieder am Hauptportal der Marienkirche angekommen und tragen das Kreuz in die Kirche.
Dann kommt der Moment, der alles verändert. Jesus stirbt am Kreuz.
Dunkelheit breitet sich in unserer Welt aus. Und die Stille erfüllt die Marienkirche.
In unseren Gedanken, in unserem Beten sind wir jetzt ganz nah bei Jesus.
Zwischen Tod und Leben

Dann kommen die Kinder und Erwachsenen zum Kreuz - einer nach dem anderen.
Sie haben eine Blume von zuhause mitgebracht, um zu zeigen:
Jesus, du bist nicht allein. Wir sind bei dir.
Wir vertrauen ganz fest darauf, dass unser Gott, dein Vater, dich aus dem Tod zum Leben erweckt.
Davon erzählt unsere Blume mitten in der Dunkelheit des Karfreitages.
Das Leben wird den Tod besiegen.
Schließlich ist wieder nur das Klappern der Holzratschen, die unsere beiden Messdienerinnen Charlotte und Paulina in den Händen tragen, in der Marienkirche zu hören.
Kleine und Große verlassen die Marienkirche in der Stille. Kaum zu glauben, dass dies bei so vielen Menschen möglich ist.
Hände, die helfen
Danke sagen wir allen Familien, die sich an diesem Vormittag durch die Stille unserer Stadt auf den Weg zur Marienkirche gemacht und Zeit genommen haben, um mit Jesus den Kreuzweg zu gehen.
Ein herzliches Dankeschön geht besonders an unsere Messdienerinnen Charlotte und Paulina, sowie an Lektorin Christina Arnold und Maria Hanf für ihren treuen Dienst an unseren Kirchentüren.