Kar- und Ostertage 2026:Zwischen Dunkelheit und Licht

Unser Feiern in der Karwoche beginnt ganz leise.
Mit Gesängen aus Taizé. Mit einer Schüssel. Mit einem Krug. Mit Handtüchern.
Mit Füßen, die gewaschen werden.
Noch bevor der Gottesdienst am Gründonnerstag wirklich beginnt, sind wir schon mittendrin in dieser zärtlichen Nähe Jesu – zu seinen Jüngerinnen und Jüngern und zu uns heute.
„Erzähl mir von Auferstehung“ – diese Worte haben uns durch die Fastenzeit begleitet und leuchten an diesem Abend zeichenhaft auf.:
Dort, wo wir einander im Alltag, in unserem Leben die Füße waschen.
Wo wir uns nicht zu schade sind, einander zu dienen, einander beizustehen, einander wirklich zu sehen.
Von seiner Liebe berühren lassen

Als unser gemeinsames Feiern beginnt, sind es die Sängerinnen und Sänger unseres Kirchenchores unter der Leitung von Christoph Wunderle, die für uns mit ihren Stimmen die Türen zum Abendmahlssaal weit öffnen.
Durch ihre Lieder und Gesänge entsteht ein feierlicher Raum in unserer Apostelkirche.
Mit einem Tisch. Mit einem Mahl. Mit Brot, das gebrochen wird und nach Leben riecht und schmeckt.
Wir lassen uns stärken an diesem Abend – für das, was kommt.
Für die Dunkelheit, die vor Jesus liegt.
Für die Angst, die Ohnmacht, die Fragen, die wir nur zu gut kennen - aus unserem eigenen Leben.
Und dann wird es Nacht.
Durch seine Wunden sind wir geheilt

Der Karfreitag beschönigt nichts. Da gibt es für uns kein Ausweichen, kein Trostpflaster. Nur das Kreuz.
Und die Erfahrung, über die wir so oft schweigen: Es gibt die Wunden und das Leid. In meinem Leben. In unserer Welt.
Deshalb zeigt uns Jesus seine Wunden. Weil er glaubt, dass auch das zum Leben gehört. So formulierte es Pfarrer Dr. Givens in seiner Predigt.
Jede und jeder erhält bei der Kreuzverehrung einen Nagel in der Hand.
Ein kleines, kaltes Stück Metall – und doch gleichsam so schwer:
Was sind die Wunden meines Lebens? Was erzähle ich niemandem? Was beschönige ich? Was verberge ich? Was tut weh?
Den Nagel hinhalten. Dem hinlegen, der das alles kennt: das Scheitern, das Unrecht, das Ungeliebtsein, das Ende von Freundschaft. Dazu fordert Pfarrer Dr. Givens bei der Kreuzverehrung auf.
Und diese leise, kaum zu fassende Freiheit, die für uns darin steckt:
den Nagel nicht in die Hand zu nehmen, um ihn einem anderen ins Fleisch zu treiben.
Sondern darauf zu vertrauen: Durch seine Wunden sind wir geheilt.
Die Nägel, die wir am Kreuz ablegen, erzählen von unserem Schmerz. Von dem, was wir tragen. Von dem, was fehlt.
Und es ist gut, dass wir an diesem Tag nicht allein sind. Dass unsere Kirche gefüllt ist mit Schwestern und Brüdern.
Auch das ist schon eine Spur von Auferstehung:
Dass wir einander haben in der Dunkelheit von Angst und Tod. Dass Gott an unserer Seite bleibt.
Ein Funke aus Stein geschlagen

Am Karsamstag, als sich die Dunkelheit langsam über unsere Stadt legt, versammeln wir uns im Pfarrgarten. Die Kinder – aufgeregt und neugierig. Die Erwachsene. Junge und Alte.
Und dann ist es nur ein kleiner Funke – und doch so viel stärker und heller als die Nacht des Todes. Sein Licht erzählt:
Gott hat seinen Sohn nicht im Tod gelassen. Er ruft ihn ins Leben.
Die Kinder tragen ihre selbstgebastelten Osterkerzen und empfangen das Licht vom Osterfeuer. Damit machen sie sich auf den Nachhauseweg.
Drinnen in der Apostelkirche geht das Feiern für die Erwachsenen weiter. Mit den alten Worten aus den Lesungen der Osternacht. Mit dem großen Halleluja nach den 40 Tagen der Fastenzeit. Mit dem Wasser der Taufe, das uns neu berührt.
Bei Brot und Wein wünschen wir uns nach der Osternacht ein gesegnetes Osterfest vor der Apostelkirche
Christus ist auferstanden

Am Ostersonntag erstrahlt unsere Apostelkirche schließlich im festlichen Glanz.
Die Sängerinnen und Sänger stimmen in den freudigen Jubel mit ihrem bewegten Sanctus und dem Jubilate ein.
Und wir feiern miteinander: Christus ist auferstanden. Er lebt. Halleluja.
Unser Singen und Beten, unsere Osterfreude, der Duft des Weihrauches erfüllt unseren festlichen Kirchenraum.
Danke für unser Feiern

Es sind schöne und berührende Kar- und Ostertage für uns als Gemeinde gewesen. Dafür möchten wir von Herzen DANKE sagen.
Für all die Hände, die im Hintergrund wirken – und so viel sichtbar machen.
Besonders unsere Küsterinnen, die mit so viel Sorgfalt und Liebe die Kirchenräume verwandeln - vom Palmsonntag bis zum Osterfest über viele Stunden hinweg.
Für unsere Ministrantinnen und Ministranten, die treu und aufmerksam ihren Dienst tun.
Für unseren Kirchenchor, der die Freude von Ostern hörbar und im Herzen spürbar macht und dafür über viele Wochen in der Fastenzeit fleißig probt.
Für unsere Kantorinnen und Organisten, die mit ihrer Musik zur Schönheit der Liturgie beitragen.
Für unsere liturgischen Dienste – für jedes Wort und jede Fürbitte, die für uns vorbereiten, für das Austeilen und Weiterschenken der Liebe Gottes.
Für den Blumenschmuck und die Osterkerzen an unseren Kirchenorten, der die Botschaft von Ostern in Farben und Kreativität übersetzt.
Für Sven Schäfer und Hermann Weidner, die mit viel Sorgfalt unser Osterfeuer vorbereiten und zum Leuchten bringen.
Für das Beten und Singen im Forum der Senioren und im Krankenhaus St. Josef über die Kar- und Ostertage.
Für die Türdienste, für jedes freundliche Willkommen, für Brot und Wein, für das Richten und Spülen, für die bunten Ostereier in unseren Händen.
Für unseren Pfarrer, der die Liturgie trägt und ihr Gestalt gibt.
Und für alle, die mitgehen, mitbeten, mitsingen.
Auch darin erzählt sich Auferstehung: in einer Gemeinschaft, die zusammenkommt, die teilt, miteinander den Schmerz und die Trauer aushält, die gemeinsam singt und betet, lacht, trinkt und isst, die glaubt – trotz allem.
In der Vielfalt der Gaben, die Gott uns schenkt und die erst gemeinsam - durch uns und in uns - zu einem Ganzen wird.
Wir wünschen Ihnen eine gesegnete Osterzeit.