Die Geschichte des Jakobsberges

Frühe Ortsgeschichte

Die Geschichte des Jakobsberges reicht weit zurück bis in die vorrömische Zeit. So lassen Funde von Werkzeug, Haus- und Arbeitsgeräten, die im Ockenheimer Heimatmuseum aufbewahrt werden, den Schluss auf eine Besiedlung bereits 4000 Jahre vor Chr. zu. In römischer Zeit kreuzten in Ockenheim, dem Ort am Fuß des Jakobsberges, römische Heerstraßen (von Trier nach Mainz und von Wörrstadt nach Bingen). Die älteste Urkunde über Ockenheim datiert im Jahr 823. Inmitten der weit ausladenden Flusslandschaft hat sich der Ort zu einer ansehnlichen Weinbaugemeinde entwickelt.

Gründung der Wallfahrt

Im Jahr 1720 begründete der damalige Ockenheimer Pfarrer Blasius Caesar eine Wallfahrt zu Ehren der 14 heiligen Nothelfer auf dem Ockenheimer Berg, die sich rasch entwickelte. So wurden kaum 30 Jahre später an den Wallfahrtstagen bis zu 3000 Pilger gezählt. Die Gemeinde Ockenheim hatte zu dieser Zeit ca. 450 Einwohner.

Ordensleute auf dem Jakobsberg

Nachdem zunächst immer wieder Einsiedler am Ort der Wallfahrt wohnten - dazu wies die Kapelle im Dachbereich einen kleinen Wohnraum auf - begannen in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Bemühungen, eine Ordensgemeinschaft für die Betreuung der Wallfahrt zu gewinnen. Deshalb wurden nach 1860 eine neue Kirche und das anschließende Wohnhaus erbaut, das spätere „Haus St. Christoph".

Trappisten

Erst im Jahr 1921 besiedelten Trappisten aus  der niederländischen Abtei Echt den  Jakobsberg.  Entgegen ihrer sonstigen  Gepflogenheit halfen die Patres der Trappisten  in der Seelsorge in den umliegenden  Kirchengemeinden mit, insbesondere in  Ockenheim. Dies führte im Jahr 1930 zur  formellen Aufhebung der klösterlichen  Gemeinschaft durch die Generalleitung des  Ordens. Die Auflage, innerhalb von fünf Jahren einen neuen Ort für die Gemeinschaft zu finden, konnte der ungünstigen politischen Verhältnisse wegen nicht umgesetzt werden. Die Trappistengemeinschaft vor Ort suchte nach einer Stabilisierung und plante eine großzügige Klosteranlage, deren erste Flügel 1947 bezogen werden konnten. Dennoch wurde zwei Jahre später die von der Ordensleitung verfügte Aufhebung durchgesetzt. Die Mönche kehrten in die Abtei Echt zurück oder zogen in das Trappistenkloster „Maria Wald" in der Eifel.

Jesuiten

Von 1951 bis 1960 beherbergte die Klosteranlage auf dem Jakobsberg das Noviziat der Ostdeutschen Provinz des Jesuitenordens, bevor dieses nach Berlin-Kladow verlegt wurde.

Benediktiner

Ende 1960 erwarb die Erzabtei St.Ottilien der Missionsbenediktiner das Kloster auf dem Jakobsberg, um vorsorglich Lebens- und Arbeitsraum für Mitbrüder zur Verfügung stellen zu können, denen die Ausweisung aus den Missionsgebieten, vor allem aus Tanzania, drohte. Am 31. Januar 1961 kam die Gründungsgruppe von St.Ottilien auf den Jakobsberg. Die Priester der Gemeinschaft unterstützten durch Aushilfen die Seelsorge in den Pfarreien der Umgebung. Die Brüder widmeten sich der Landwirtschaft und dem Obst- bzw. Gemüsegarten, um den Lebensunterhalt der Gemeinschaft sicherzustellen. Exerzitienkurse im Haus St. Christoph und die Jugendarbeit in der ehemaligen Pilgerhalle kamen als weitere Aufgabenfelder auf dem Jakobsberg hinzu.

Unterstützung durch die Benediktinerinnen

Gleichzeitig mit den Brüdern kamen Sr. Johanna Larisch und Sr. Hildegard Westermeier vom Kloster St.Alban am Ammersee, um die hauswirtschaftlichen Aufgaben (Küche, Wäsche und Sorge um das Haus) zu übernehmen. Erzabt Suso Brechter hatte als Mitbegründer der Kongregation von St. Alban um die Mithilfe von Schwestern angefragt; dem wurde gern zugestimmt. Nach dem frühen Tod von Sr. Johanna Larisch übernahm Sr. Josefa Geisler die Leitung der Küche. Der  Ausbau der Bildungshäuser und der Neubau des Klosters brachten mehr Arbeit mit sich; deshalb waren seit 1977 drei, seit 1982 vier Schwestern auf dem Jakobsberg tätig. Im Sommer 2000 kehrten die Schwestern in ihr Priorat nach St. Alban zurück.

Ein neues Konzept / Kooperation mit der Diözese Mainz

In der Mitte der Siebziger Jahre begannen Überlegungen über die weitere Entwicklung des Klosters auf dem Jakobsberg, wozu zunächst einmal räumliche Veränderungen notwendig waren. Die geologische Situation des Jakobsberges hatte nicht nur im Altbau östlich der Kirche, sondern auch im erst 1947 erstellten Klostergebäude schwere Schäden bewirkt. Die Unterbringung der Gäste im Altbau war äußerst einfach, beinahe spartanisch und ließ für die Arbeit mit Gruppen wenig Raum. Darüber hinaus bedurfte die Jugendunterkunft in der ehemaligen Pilgerhalle einer dringenden Sanierung. Die Aufgaben der Patres hatten sich nach außerhalb verlagert, so dass das Gemeinschaftsleben beeinträchtigt war. Genügend Gründe, um über eine Neuorientierung nachzudenken. Diese nahmen die Patres Anselm Zeller und Aurelian Feser ab 1977 in Angriff, indem in einem ersten Schritt Renovierungen und kleine bauliche Veränderungen durchgeführt wurden, die eine inhaltliche Erweiterung der Arbeit vor Ort ermöglichten.

Im weiteren Vorgehen wurde über ein neues Konzept des benediktinischen Lebens auf dem Jakobsberg nachgedacht. Mittelpunkt sollte das Leben der Mönche bilden, das durch Gebet, Arbeit und geistliche Lesung geprägt ist. Zudem sollten die Aufgaben auf dem Jakobsberg konzentriert werden, um die Gemeinschaft der Mönche zu festigen. Die Begleitung von Einzelgästen und von Gruppen im Rahmen der Erwachsenenbildung und Jugendarbeit sollte das Miteinander von Klosterleben und Bildungsstätte Jakobsberg prägen. Zusätzlich begleitet seit 1980 einer der Patres die Gemeinde Ockenheim als Pfarrer. Damit konnten die zahlreichen Mithilfen in Gemeinden des Umlandes, besondere Notfälle ausgeschlossen, aufgegeben werden.

Bei der Planung des neuen Pastoralkonzeptes für den Jakobsberg fanden die Patres bei den Verantwortlichen der Diözese Mainz offene Ohren und große Hilfsbereitschaft. Gemeinsam wurde für den Raum Rheinhessen die Möglichkeit einer Bildungsstätte erwogen. Die grundsätzliche Zusage der Diözese, das Projekt auf dem Jakobsberg finanziell zu unterstützen und die weitere Arbeit zu sichern, erleichterte die Entscheidung, ein neues Kloster, ein Gäste- und Bildungshaus zu bauen und das ehemalige Landwirtschaftsgebäude - die Landwirtschaft war 1978 aus Gründen der Wirtschaftlichkeit aufgegeben worden - zu einem Jugendhaus umzubauen.

Bauliche Erweiterung des Klosters und der Gästehäuser

Zu Beginn der Achtziger Jahre konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden. Das Jugendhaus St. Georg wurde im Herbst 1982 zum ersten Mal belegt; das Kloster und das Gästehaus St. Benedikt wurden im Sommer 1983 eingeweiht. Und im Jahr 1991/92 vervollständigte das Bildungshaus St. Bonifatius das Ensemble in einem zweiten Bauabschnitt.

In den folgenden Jahren wurde das pastorale Angebot des Jakobsberges sehr gut angenommen. Für viele Jugendliche wurde das Jugendhaus „St. Georg" so etwas wie eine zweite Heimat. Im Erwachsenenbereich wurde der Jakobsberg für Ehren- und Hauptamtliche aus den Gemeinden zu einer spirituellen Quelle, für Einzelgäste zu einem Ort der Besinnung; in den vom Kloster angebotenen Kursen fanden viele Menschen Ruhe, neue Kraft und Mut für ihren Weg.

Nachdem im Jahr 2001 die Pilgerhalle am Weiher durch ein Feuer zerstört worden war, wurde sie neu aufgebaut und kann nun auch als Festhalle benutzt werden. Nach dem Auszug der bosnischen Kriegsflüchtlinge, die über 6 Jahre im Haus St. Christoph Unterkunft gefunden hatten, stellte sich die Frage nach einer Weiterverwendung dieser Räumlichkeiten.  Nach interner Abstimmung, vor allem auch mit der Diözese Mainz, konnte im Jahr 2008 mit einer Generalsanierung des Hauses begonnen werden. Begünstigt wurde diese Maßnahme durch die Zusage der „Kongregation der Benediktinischen Schwestern vom Eucharistischen König" von den Philippinen, ein Ordenshaus auf dem Jakobsberg zu errichten. Sie entsandten im Juni 2008 drei Schwestern. Als eigenständige Gemeinschaft leben sie im Haus St. Christoph und unterstützen die benediktinische Spiritualität des Klosters. 

Zur Freude der Gemeinschaft konnte gleichzeitig im Jahr 2008 die Kirche „Zu den 14 Nothelfern" renoviert werden. Dabei wurde die Gelegenheit genutzt, einen behindertenfreundlichen Zugang zu schaffen - was ein wichtiges Anliegen war.

Mit dem Abschluss all dieser Arbeiten zeigt sich der Jakobsberg als ein „Benediktinisches  Doppelkloster", in dessen Bildungsstätte hoffentlich „Gäste nie fehlen"  werden - wie schon der hl. Benedikt in seiner Regel für Mönche sagt.