„FREUT EUCH IM HERRN ZU JEDER ZEIT! (Phil 4.4)

Eine kleine Besinnung über die FREUDE

Haben Sie sich heute schon gefreut? Oder: erinnern Sie sich an ein Ereignis der vergangenen Woche, das sie freute? Die Freude gehört zu den schönen Erfahrungen unseres Lebens.

Es gibt die stille Freude und die unbändige Freude.

Was für eine Freude, wenn beim Fußball ein Tor fällt und Spieler und Zuschauer jubeln. Auch Tiere können sich freuen; unlängst sah ich einen Hund, der sein Herrchen lange nicht sehen konnte: unbändige Freude!

Wenn wir uns freuen, sieht man das; unser Gesicht strahlt. Kinder können sich „richtig freuen“, und wohl dem Erwachsenen, der sich „noch freuen kann wie ein Kind“: 

„Freu dich nicht zu früh“ sagt eine andere Lebenserfahrung; sie weiß, wie schnell die Freude vergehen kann. 

Es gibt die Schaden-freude, die seltsame Freude, am Versagen anderer, und es gibt die Mit-freude, wenn sich jemand mit uns freuen kann, weil wir etwas erreicht haben: „Geteilte Freude ist doppelte Freude.“

Freude entsteht nicht so sehr durch die Betonung meiner Leistung. Natürlich darf/soll ich mich freuen, wenn mir etwas geglückt ist. Aber die Leistung allein schenkt nicht dauerhaft Freude. Viele Menschen machen eine Arbeit, bei denen sie nur wenig Freude spüren, weil es nicht die Arbeit ist, die sie sich gewünscht haben.

Andere Menschen haben Schweres erlebt, einen Menschen „verloren“: „Ich werde mich nie mehr freuen können,“ sagte eine Frau nach dem Tod ihres Mannes.

Letzten Sonntag hieß es in der atl. Baruch-Lesung vom Volk Israel, das sich in Babylon, weit weg von Jerusalem, befand: „Sie freuen sich, dass Gott an sie gedacht hat“ (Baruch 5,5).

„Freue dich, weil Gott dich liebt,“ ein Wort der hl.  Hildegard von Bingen und ein Schlüssel zur Freude. Wer sich geliebt weiß, in dem ist Freude; Liebe ohne Freude gibt es nicht.

Gott, der uns liebt, freut sich, dass es uns gibt. Freue ich mich, dass ich lebe? Wie oft mäkeln wir an unserem Leben herum, beneiden andere, weil sie etwas besser können, sind unzufrieden, freudlos. 

Weil Gott mich liebt, darf ich mich zuerst einmal „des Lebens freuen“, auch wenn nicht alles Sonnenschein ist; mein Leben ist gut, weil es von Gott kommt.

Weihnachten feiert, dass Gott die Liebe und die Freude in unser Leben gebracht hat, in seinem Sohn Jesus Christus: „Durch deine Geburt, Herr Jesus, kam Freude in die Welt,“ heißt es dann in einem Gebet.

Die Freude ist der immer widerkehrende Grundton in den Evangelien. Papst Johannes Paul II: „Christus kam, um Freude zu bringen, Freude den Kindern, den Eltern, Freude den Arbeitern und Gelehrten, Freude den Alten und Kranken, Freude der ganzen Menschheit.“

Der Philipper-Brief, die heutige Lesung, sagt es so: „Freut euch, dass ihr zu Christus gehört. Ich sage es noch einmal: Freut euch darüber! Und weiter: „Eure Güte werde allen Menschen bekannt“ (Phil 4,5). 

Eine andere Übersetzung: `Lasst doch alle Menschen erfahren, wie gütig und freundlich ihr zueinander seid.´

Heute wird viel von missionarischer Seelsorge gesprochen. Freude als Ausdruck unseres Glaubens, das überzeugt!

In 13 Tagen ist Heiligabend. Lassen wir unsere Freude kommen, wachsen. Und deshalb: "Gaudete “ - „Freut Euch im Herrn zu jeder Zeit“ 

Domkapitular
Professor Dr. Franz-Rudolf Weinert