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Augenmerk

Impuls 22

Freundliche Augen einer Begegnung in Kambodscha (c) Ronald Ashley Givens
Freundliche Augen einer Begegnung in Kambodscha
Di 24. Mär 2020
Pfarrer Ronald Givens

Die meisten von ihnen kennen die Legende von Abgar, dem König. Die Legende erzählt, dass die Tochter des Königs, krank gewesen sei. Er habe deshalb Boten zu Jesus gesandt, dass dieser doch kommen möge, um sein Kind zu heilen. Als die Gesandten nach langer Reise bei Jesus ankamen, habe dieser auf sein Gesicht ein Tuch gelegt, worin sich auf wunderbare Weise das Antlitz Jesu abgebildet hat. Als die Tochter in die Augen Jesu auf dem Tuch schaut, wird sie gesund. Diese Legende gibt es in verschiedenen Variationen - sei es als Veronika- Erzählung oder als Geschichte vom Heiligen Antlitz. All diesen Erzählungen, Überlieferungen und Legenden ist gemeinsam, dass das Anschauen des Antlitzes Jesu Heilung bringt.

In diesen Tagen bemerke ich eine Zweiteilung in vielen meiner Begegnungen auf der Straße beim Spazierengehen oder auch beim Einkaufen. Die Zahl derer wird größer, die trotz ausreichendem Sicherheitsabstand wegschauen - so als könnten die Augen Viren übertragen. Der andere Teil meiner Begegnungen ist fast das Gegenteil, der Wunsch nach einem Gruß, nach dem Angeschaut werden. Besonders erlebe ich das bei älteren Menschen.

Ich denke, dass es in dieser Zeit wichtig ist, trotz Abstand und Versammlungsverbot, sich umso mehr um Zuwendung und menschliche Nähe zu bemühen - den Abstand einhalten und ihn mit Liebe überbrücken. Wenn ich den anderen anschaue, dann schenke ich ihm Ansehen. Den anderen mit offenen und freundlichen Augen in den Blick zu nehmen, schenkt Würde.

Die jetzige Fastenzeit mündet in die Kar- und Ostertage. Am Karfreitag wird überliefert, wie Jesus einen Verbrecher am Kreuz anschaut und ihm den Ausblick auf den Himmel schenkt.

Am Ostermorgen sieht Maria von Magdala, dass das Leben nicht hinter einem Stein versiegelt und begraben werden kann, sondern dass der Auferstandene sich sehen lässt. Auferstehung bedeutet, dass wir mit neu belebten Augen, dem Leben selbst ins Angesicht schauen dürfen.

Bis dahin ist es unsere Würde, als Abbild Gottes einander so anzuschauen, dass der andere spürt: Ich habe Ansehen. Gottes Ebenbild schaut mich als seinen Nächsten an.

Der Engel des Herrn um 12:00 Uhr heute ist eine Einladung den neuen und richtigen Abstand zwischen uns, mit unseren Augen zu überwinden und einander in den Blick zu nehmen. Denn wir alle vertrauen darauf, dass Gott uns nicht aus den Augen verliert, dass er uns im Blick hat.

Ihr Pfarrer Givens