Mainzer Bistumsnachrichten Nr. 4

Mainz, 26. Januar 2020: Der neue Ehrendomkapitular Michael Ritzert (links) nach der Vesper mit Bischof Peter Kohlgraf in der Sakristei. (c) Bistum Mainz / Blum
Mainz, 26. Januar 2020: Der neue Ehrendomkapitular Michael Ritzert (links) nach der Vesper mit Bischof Peter Kohlgraf in der Sakristei.
Mi 29. Jan 2020
am (MBN)

Weitere Bilder zu den MBN Nr.4/2020 in einer Bildergalerie am Ende dieser Seite.

Berichte

  • Erklärung von Kohlgraf zum Gedenktag 27. Januar
  • Bentz eröffnete Ausstellung „Deutsch machen“
  • Firmung von 27 Erwachsenen im Mainzer Dom
  • Neue Räume der Theologischen Fakultäten in Mainz

Personalie

  • Michael Ritzert als Ehrendomkapitular eingeführt

Vorschau

  • Weihbischof Bentz spricht bei Rahner-Tagung (31.1.)
  • Todestag von Pater Alfred Delp SJ (2.2.)

Berichte

Kohlgraf: Erinnerung hat auch heute politische Bedeutung

Erklärung des Pax Christi-Präsidenten zum Gedenktag 27. Januar

Berlin/Mainz. Mit einer am Freitag, 24. Januar, veröffentlichten Erklärung hat der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf, Präsident der deutschen Pax Christi-Sektion, an die Bedeutung des internationalen Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert - anlässlich 75 Jahre Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945. Wir dokumentieren den Wortlaut der Erklärung:

An jedem 27. Januar gedenken wir der Opfer des Nationalsozialismus. Wir erinnern damit an alle Menschen, die aus politischen und rassistischen Motiven vom nationalsozialistischen deutschen Staat verfolgt und in großer Zahl ermordet wurden. Viele Überlebende fanden nach Ende der NS-Herrschaft nicht oder nur spät gesellschaftliche Anerkennung, für etliche setzte sich eine „zweite Verfolgung“ fort. Diese Erfahrung der Entrechtung wurde auch an folgende Generationen weitergegeben.

Der zeitliche Abstand von 75 Jahren zu den Ereignissen ist ein Einschnitt. Erinnerung ist immer weniger selbstverständlich und von den seinerzeit Beteiligten - Opfern wie Tätern und Zuschauern - leben nur noch wenige.

Umso mehr stellt sich für unsere Gesellschaft und Kirche die Herausforderung, ob eine Erinnerung an diese Verbrechen überhaupt noch verständlich ist. Ein bisher in der deutschen Gesellschaft noch bestehender gewisser geschichtspolitischer Konsens in dieser Frage scheint sich aufzulösen. Auch wenn extreme  Formen der Leugnung des Holocaust selten sind, ist doch erkennbar, dass auch im Spektrum politischer Parteien rechtsextreme, rassistische oder den Nationalsozialismus verharmlosende Positionen Platz finden. Ohne Sensibilität für die Opfer nehmen Versuche zu, eine neue deutsche Identitätspolitik zu unternehmen.

Daher ist ein Gedenken am 27. Januar nicht mehr nur Teil geschichtlicher Selbstvergewisserung, sondern auch Aufforderung zu einer kritischen Sicht auf die Zukunft hin. Dies gilt auch weiterhin für unsere Kirchen im Umgang mit dem Thema Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg.

Viele Pax Christi-Gruppen gestalten zu diesem Tag Begegnungen und Veranstaltungen, die dem Vergessen entgegenwirken. Pax Christi leistet so einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungspolitik und zur Auseinandersetzung mit der konkreten lokalen Geschichte. Um der Zukunft willen ist uns diese Erinnerungsarbeit notwendig.

Gedenken und Erinnerung finden stets in einer konkreten Zeit an konkreten Orten statt, die einen Zusammenhang zu unserer Gegenwart herstellen. Gerade hier und heute ist die Erinnerung an die Menschen, die dem Rassismus und Antisemitismus der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft zum Opfer gefallen sind und auch an die, die sich diesem Terror entgegengestellt haben, besonders wichtig. Denn wir beobachten starke Herausforderungen für die Zivilgesellschaft in Deutschland.

Dazu gehören:

  • eine verbreitete Abwehr gegenüber Menschen in Not sowie die Infragestellung und Aufweichung des Rechts auf Asyl,
  • Angriffe auf Grund- und Menschenrechte,
  • die Zunahme von Rassismus, Antisemitismus und anderen Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit,
  • ein Erstarken rechtspopulistischer und autoritär-nationalistischer Bewegungen und Parteien in Deutschland und Europa,
  • die ausdrückliche Anwendung von Gewalt bis hin zum Mord,
  • und eine mit all dem einhergehende Abwertung von Demokratie und Vielfalt.

Diesen Entwicklungen ist mit Mut und Klarheit entgegenzutreten. Erinnerungsarbeit hat nicht nur einen Anspruch des Gedenkens, sondern der Aufklärung. Sie stellt sich denen entgegen, die öffentlich einen Geschichtsrevisionismus artikulieren, die Bedeutung des Erinnerns an die Verbrechen des Nationalsozialismus verhöhnen und dieses Geschichtswissen durch ein nationalistisches Selbstbild ersetzen möchten.

Noch bedrohen organisierte Rechte und Rassisten vor allem Einzelpersonen, auch mit unmittelbarer Gewalt. Doch gemeint sind wir alle, die für eine offene und freie Gesellschaft, für unverbrüchliche demokratische Rechte für alle Menschen, gegen rechtes, rassistisches und antisemitisches Gedankengut eintreten.

Mit der Erinnerungsarbeit setzen Ehrenamtliche vor Ort unverzichtbare Zeichen gegen das strukturelle Problem des rechten Gedankenguts und des Rassismus, nicht nur an den Rändern, sondern auch in der Mitte von Gesellschaft und  Kirche.

(MBN)

 

Weihbischof Bentz: Zeugen der Zeitzeugen werden

Ausstellung „Deutsch machen“ in der Mainzer Christuskirche eröffnet

Mainz. Sie brauchte nicht viel zu sagen. Allein ihre Anwesenheit reichte, um die etwa 80 Besucher bei der Ausstellungseröffnung „Deutsch machen“ am Mittwoch, 22. Januar, in der Christuskirche zu beeindrucken. Es geht bei der Schau der Ökumenischen Arbeitsgruppe 27. Januar um den Kinderraub der Nazis in den besetzten Gebieten. Eines dieser Kinder war Alodia Witaszek aus Posen (Poznan). Die Zeitzeugin ist jetzt 82 Jahre alt und kommt seit rund zehn Jahren nach Mainz und in andere deutsche Städte, um als Opfer an diese Verbrechen zu erinnern.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Pfarrer Erich Ackermann von der Ökumenischen Arbeitsgruppe verdeutlichten Präses Ulrich Oelschläger von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Landtagspräsident Hendrik Hering und der Mainzer Weihbischof und Generalvikar, Dr. Udo Markus Bentz, dass das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus kein Ritual um seiner selbst willen sei, sondern die Erinnerung wach halten soll, damit sich das Schreckliche nicht wiederholt. Sie dankten der Ökumenischen Arbeitsgruppe um Peter-Otto Ullrich, dass es ihr jedes Jahr aufs Neue gelingt, Aspekte in den Vordergrund zu rücken, die nicht im öffentlichen Fokus stehen.

Oelschläger betonte, dass allein aus Polen mindestens 20.000 Kinder ins deutsche Reichsgebiet verschleppt wurden, um sie „einzudeutschen“, wie es hieß. „Die geraubten Kinder überlebten, aber sie bezahlten einen hohen Preis: den Verlust ihrer Identität“, sagte Oelschläger. Mit der späteren Rückkehr in die Heimat wurden viele dieser Kinder ein weiteres Mal zu Opfern. Alodia Witaszek war fast zehn Jahre alt, als sie 1947 in eine Heimat zurückkam, deren Sprache sie nicht verstand und in der sie sich lange Zeit nicht zu Hause fühlte.

Die komplexe Brutalität des NS-Regimes kann man nur im Ansatz begreifen, wenn man sich einzelne Schicksale vor Augen führt, erläuterte Hering. „Daher sind wir Ihnen, Frau Witaszek-Napierala, dankbar, dass Sie als Zeitzeugin aus Polen zu uns gekommen sind.“ Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland habe mit Verdrängung, Vertuschen und Verleugnen begonnen. Doch genau dorthin zu schauen, wohin Hass und Antisemitismus geführt haben, sei heute notwendiger denn je. Hering verwies auf die zunehmende Zahl der Opfer rechter Gewalt und erinnerte an die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke am 2. Juni 2019. „Nur wer die historischen Ereignisse versteht, kann die Mechanismen rechtzeitig erkennen.“

Weihbischof Bentz zitierte gleich zu Beginn seiner Ausführungen einen Satz des Holocaust-Überlebenden und späteren Friedensnobelpreisträgers Elie Wiesel (1928-2016): „Das Gegenteil von Gleichgültigkeit ist Erinnerung.“ Die Beschäftigung mit der Vergangenheit komme aus einem inneren Anliegen heraus. „Beim Blick auf die Schautafeln der Ausstellung sind wir erschüttert, welche Worte die Täter gewählt haben.“ Von der „Eindeutschung“ polnischer Kinder ist die Rede und von der „Aufnordung deutschen Blutes“  durch die Verbindung deutscher Soldaten mit jungen Norwegerinnen. „Was ist der Mensch, wenn er so kategorisiert wird?“, fragte der Weihbischof.

Bentz forderte dazu auf, mit Sensibilität und Mut darauf zu reagieren, was heute in vielen Bereichen mit Worten wieder angerichtet wird. „Worte können wie winzige Arsentropfen wirken“, zitierte er Victor Klemperer (1881-1960), der die Sprache der Nationalsozialisten analysiert hat. „Sprache behält ihre Wirkung über Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg“, mahnte Bentz. „Wir brauchen eine entschiedene Sensibilisierung für die Sprache.“

Da es immer weniger Zeitzeugen gibt, die den Zweiten Weltkrieg erlebt haben, und die rassistischen Äußerungen in der Gegenwart wieder vermehrt auftauchen, ist es für Weihbischof Bentz unverzichtbar, „dass wir in unserer Gesellschaft wissen, was geht und was nicht geht“. Er appellierte, „dass wir künftig Zeugen der Zeitzeugen werden“ und damit Verantwortung übernehmen, das Erlebte weiter zu tragen. „Darüber sollte man reden - nicht  vertuschen, nicht verdrängen.“ 

Ellen Ullrich von der Ökumenischen Arbeitsgruppe lenkte den Blick der Besucher auf die 17 Schautafeln. Hier werden die Rassen-Ideologie des NS-Regimes dargelegt und die Schicksale der geraubten Kinder insbesondere in Polen und Norwegen geschildert. Das Schicksal von Alodia Witaszek stehe symbolisch für die Schicksale von Tausenden Kindern. Schicksale, die weit über den Krieg hinaus gewirkt haben. Und die Schau erinnert auch an die Kinder, die als nicht „eindeutschungsfähig“ galten - die Kinder von Sinti und Roma und die jüdischen Kinder. Auf Tafel Nummer 16 wird dazu ein polnischer Zeitzeuge zitiert: „Die polnischen christlichen Kinder konnten getötet werden. Die Sinti-und-Roma und jüdischen Kinder mussten getötet werden. Das war der Unterschied.“

Und natürlich wollten die Besucher in der Christuskirche auch hören, was die anwesende Zeitzeugin sagte. Alodia Witaszek-Napierala: „Ich habe jetzt schon Urenkel und möchte nicht, dass Kinder das erleben, was ich erlebt habe.“ Nach einer kleinen Pause fügte die 82-Jährige hinzu: „Das trage ich auf dem Rücken bis heute.“  

Weitere Stationen der Ausstellung in Mainz:

  • Mainzer Dom vom 29. Januar bis 3. Februar
  • Evangelische Studierende Gemeinde (ESG), Am Gonsenheimer Spieß 1,
    vom 4. bis 9. Februar
  • Ketteler-Kolleg, Rektor-Plum-Weg 10, vom 27. Februar bis 16. März
  • Jugendhaus Don Bosco, Am Fort Gonsenheim 54, vom 17. März bis 9. April.

ath (MBN)

 

„Glaube ist etwas Unspektakuläres“

Weihbischof Bentz spendete 27 Erwachsenen das Sakrament der Firmung

Mainz. Der Mainzer Weihbischof und Generalvikar Dr. Udo Markus Bentz hat 27 Erwachsenen aus dem Bistum Mainz das Sakrament der Firmung gespendet. In seiner Predigt betonte Bentz, dass der Glaube meist „etwas Unspektakuläres“ sei. „Nur wenige Menschen haben solch ein biografisches Erlebnis mit Gott wie Paulus in Damaskus“, sagte er. Glaube geschehe vor allem dort, „wo ich mich auf eine innere, persönliche Beziehung zu Jesus Christus einlasse“, sagte Bentz: „Suchen Sie Gott nicht im Außergewöhnlichen und Spektakulärem, sondern in der Einfachheit des Alltags und in der lebendigen Zuwendung.“ Die Firmung fand im Rahmen eines Gottesdienstes am Samstag, 25. Januar, im Mainzer Dom statt.

Auch der Empfang der Firmung sei mit eher kleinen Gesten verbunden: „Wenn ich Ihnen mit dem Chrisam ein Kreuz auf die Stirn zeichne, dann sagt Gott Ihnen allen auf die Stirn zu: Du bist von mir geliebt und angenommen. Ich sage ja zu dir und du bist mir wichtig. Ich will, dass dein Leben gelingt. Ich will an deiner Seite sein – auch in schwierigen Zeiten.“ Der Weihbischof betonte, „dass Gott uns beruft“. Dabei ergreife „Gott die Initiative: Er ist es, der erwählt und beruft. Berufung kann man nicht selber machen. Berufung kann man nicht erzwingen. Berufung ist nicht unsere Initiative, sondern Gottes Tat.“ Bentz rief dazu auf, den Glauben „nicht alleine zu leben, sondern miteinander in einer Gemeinschaft“. „Stärken Sie sich gegenseitig bei der Suche nach Gott“, sagte er. Domorganist Professor Daniel Beckmann hatte die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes an der Domorgel übernommen.

Stichwort: Firmung

Das Sakrament der Firmung gehört mit Taufe und Eucharistie zu den so genannten Einführungssakramenten. Die Spendung der Firmung geschieht durch Handauflegung und Salbung der Stirn mit den Worten: „Sei besiegelt durch die Gabe Gottes, den Heiligen Geist.“ Der Ritus steht für den Empfang des Heiligen Geistes zur Stärkung des persönlichen Glaubens und als Zeichen für die Verbundenheit mit allen anderen Glaubenden. Während der Firmung legt der Pate dem Firmling die Hand auf die Schulter. Damit drückt er aus, dass er ihn auf seinem Glaubensweg stärken will. In der Regel wird die Firmung im Bistum Mainz im Alter zwischen 14 und 16 Jahren gespendet. Die Firmlinge bekräftigen in der Firmung ihre Entscheidung, Christ zu sein. Während bei der Taufe noch Eltern und Paten für sie entschieden haben, treten sie nun selbst für ihren Glauben ein. In diesem Sinn vollendet die Firmung die Taufe.

Hinweis: Ansprechpartner im Dezernat Seelsorge ist Rainer Stephan vom Referat Gemeindekatechese, Katechumenat, missionarische Initiativen, Telefon: 06131/253-241, Fax: 06131/253-558, E-Mail: firmpastoral@bistum-mainz.de

am (MBN)

 

Neue Räume der Theologischen Fakultäten

Einweihungsfeier am Standort hinter dem Mainzer Hauptbahnhof

Mainz. Mit einer Feierstunde am Dienstagabend, 21. Januar, sind die neuen Räumlichkeiten des Fachbereichs 01 (Katholische und Evangelische Theologie) der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hinter dem Mainzer Hauptbahnhof eingeweiht worden (Wallstraße 7/7a). Notwendig geworden war der Umzug zum Beginn des Wintersemesters 2019/2020 vom bisherigen Standort auf dem Universitätscampus aufgrund dringend anstehender Sanierungsarbeiten. Neben dem gesamten Fachbereich ist auch der komplette Bestand der Bereichsbibliothek Theologie umgezogen.

Insgesamt belegt der Fachbereich am neuen Standort mehr als 100 Büroräume auf einer Fläche von rund 3.500 Quadratmetern. Im Erdgeschoss wurden neun Hörsäle und Seminarräume für die etwa 700 Studierenden des Fachbereichs zur Gänze neu ausgestattet. An der Wallstraße sind die bisher verstreut untergebrachten theologischen Buchbestände und die Jüdische Bibliothek an einem Standort zusammengeführt. Die Bibliothek verfügt über mehr als 130 modern ausgestattete Arbeitsplätze und kommt insgesamt auf eine geschätzte Gesamtzahl von etwa 260.000 Medieneinheiten. Im Eingangsbereich des Fachbereichs ist seit kurzem ein Glaskunstwerk von Johannes Schreiter angebracht.

Für das Bistum Mainz würdigte Privatdozent Dr. Norbert Witsch, Abteilungsleiter im Bildungsdezernat des Bischöflichen Ordinariates, den neuen Standort: „In den Jahrzehnten seit der Gründung der Universität hat das Bistum Mainz am Konzept theologischer Fakultäten an einer staatlichen Universität festgehalten. Es hat entsprechend die Arbeit der Katholisch-Theologischen Fakultät in vielfältiger Weise unterstützt - und wird dies auch in Zukunft tun“, sagte Witsch, der die Bistumsleitung vertrat, die aufgrund einer wichtigen diözesanen Konferenz nicht an der Einweihung teilnehmen konnte. Witsch dankte der Johannes Gutenberg-Universität im Namen des Bistums Mainz „für das Engagement und den großzügigen Einsatz zum Wohl der beiden Fakultäten“.

Die Theologie könne die Frage nach Gott in den Kontext der Gesamt-universität fruchtbar einbringen, betonte Witsch. Und weiter: „Besonders hervorzuheben ist der Austausch und die Kooperation der katholischen Theologie mit der evangelischen Schwesterfakultät. Geradezu ideal ist es deshalb, wenn heute die beiden theologischen Fakultäten gemeinsam unter dem Dach eines so hervorragend ausgestatteten Seminargebäudes leben und arbeiten können. Für die wissenschaftliche Arbeit wie für den vielfältigen ökumenischen Austausch zwischen den beiden Fakultäten bedeutet dies einen großen Gewinn.“  

Universitätspräsident Professor Dr. Georg Krausch betonte, dass der Weggang der Theologie vom Universitätscampus keine Dauerlösung sei: „Mittelfristig sollen und können sie auf den Campus zurück. Wir wünschen uns, dass einmal wieder alle Einrichtungen auf dem Campus zusammen sind.“ Die Theologie sei nach wie vor im Zentrum der Universität. Krausch verwies unter anderem auf die Bedeutung der Katholischen Theologie als Bindeglied der alten mit der neuen Universität nach dem Zweiten Weltkrieg.

Weitere Grußworte sprachen der Direktor der Universitätsbibliothek Mainz, Dr. Michael Hansen, Oberkirchenrätin Dorothee Wüst von der Evangelischen Landeskirche der Pfalz, und Geschäftsführerin Tina Badrot von der Firma Molitor Immobilien. Die Begrüßung hatten die Fakultätsdekane Professor Dr. Ruben Zimmermann (evangelisch) und Professor Dr. Stephan Göoetz (katholisch) übernommen. Am Ende der Feierstunde stand das Segensgebet der Hochschulpfarrer Ignatius Löckemann (KHG) und Dr. Erich Ackermann (ESG). Den musikalischen Rahmen gestalteten aktuelle und ehemalige Studenten des Mainzer Hochschule für Musik: Lukas Ruschitzka (Klavier), Oliver Naumann (Saxophon) und Bastian Weinig (Kontrabass).

tob/PM (MBN)

Personalie

Michael Ritzert als Ehrendomkapitular eingeführt

Seit 2018 Bischöflicher Beauftragter für die Priester im Bistum Mainz

Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat Pfarrer Michael Ritzert am Sonntag, 26. Januar, in sein Amt als Ehrendomkapitular am Mainzer Dom eingeführt. Ritzert, der seit 2018 Bischöflicher Beauftragter für die Priester im Bistum Mainz ist, war am 11. November 2019 von Bischof Kohlgraf mit Zustimmung des Mainzer Domkapitels zum Ehrendomkapitular am Mainzer Dom ernannt worden. Als Bischöflicher Beauftragter steht Ritzert im Sinne einer Personalbegleitung und -entwicklung in engem Kontakt zu den Priestern vor Ort und unterstützt sie bei Veränderungsprozessen. Kohlgraf zeigte sich dankbar, dass Ritzert das Ehrenamt übernommen hat: „Ich bin dankbar, dass er in meinem Namen unterwegs ist und den Kontakt zu den Priestern hält. Ich bin ihm dankbar für seine ruhige und konstruktive Art, auch kritische Fragen anzusprechen.“

Nach den Statuten des Mainzer Domkapitels kann der Bischof, Priester mit besonderen Aufgaben im Bistum zu Ehrendomkapitularen ernennen. Sie erhalten damit das Recht, die violette Chorkleidung der Domkapitulare und das gestiftete Kapitelskreuz zu tragen. Ritzert, der im Bistum Ritzert außerdem als Firmspender unterwegs ist, vertrete durch die Ernennung zum Ehrendomkapitular nach außen noch stärker die Nähe und den Auftrag durch den Bischof, sagte Bischof Kohlgraf.

Die Einführung von Michael Ritzert fand vor der Vesper im Mainzer Dom statt. Nach einer Würdigung von Ritzert durch Bischof Kohlgraf verlas der Bischöfliche Zeremoniar, Johannes Brantzen, das Ernennungsdekret. Anschließend sprach Pfarrer Ritzert das Apostolische Glaubensbekenntnis und legte seinen Amtseid ab. Bischof Kohlgraf überreichte ihm das Kapitelkreuz. Danach führte der Mainzer Domdekan, Prälat Heinz Heckwolf, den neuen Ehrendomkapitular zu seinem Platz im Chorgestühl des Mainzer Doms. Die musikalische Gestaltung hatten Domorganist Professor Daniel Beckmann an der Domorgel sowie eine Schola unter Leitung von Domkapellmeister Professor Karsten Storck übernommen.

Michael Ritzert wurde am 27. September 1956 in Worms geboren. Nach seinem Theologiestudium wurde er am 12. Juni 1982 von Kardinal Hermann Volk zum Priester geweiht. Es folgten Stellen als Kaplan in Budenheim und Darmstadt-St. Ludwig. 1985 wurde er Pfarrverwalter in Gau-Bischofsheim und Seelsorger im Referat „Schulbegleitende Arbeit“ im Bischöflichen Jugendamt in Mainz. Im Jahr 1987 wechselte er als Religionslehrer und Schulseelsorger an das Mainzer Willigis-Gymnasium. Ab 1996 wirkte er als Pfarrer in Friedberg. Im Jahr 2009 wechselte er als Pfarrer nach Budenheim, wo er auch als Seelsorger am Hospiz St. Christophorus in Mainz-Drais tätig war. Kardinal Karl Lehmann ernannte ihn 2011 zum Geistlichen Rat. Im Jahr 2014 ging er als Pfarrer nach Bad König, Michelstadt und Vielbrunn und war Leiter des Pfarreienverbundes „Am Odenwälder Einhardsweg“.

Stichwort: Domkapitel

Das Mainzer Domkapitel ist ein Klerikerkollegium zur Feier der Liturgie an der Bischofskirche und zu weiteren satzungsmäßigen Aufgaben im Bistum. Besondere Bedeutung hat das Domkapitel bei der Wahl eines neuen Bischofs. Daneben wirkt das Gremium beratend an der Leitung und Verwaltung des Bistums mit. Die Mitglieder sind in der Regel Dezernenten im Bischöflichen Ordinariat. Außerdem sind sie für Verwaltung, Erhalt und Unterhalt der Bischofskirche zuständig. Das Domkapitel ist eine selbstständige Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Satzungsautonomie und eigenem Vermögenshaushalt.

Zu den Insignien, welche die Stellung der Domkapitulare sichtbar machen, gehört das Kapitelkreuz, das an einem rot-weißen Band um den Hals getragen wird. Die Farben Rot und Weiß sind die Farben des Domkapitels, des Bistums Mainz und Hessens. Das weiß emaillierte Kreuz zeigt auf der Vorderseite den Dom- und Bistumspatron St. Martin und auf der Rückseite ein goldenes „L“. Es erinnert an Großherzog Ludwig I. von Hessen, der das Kreuz 1829 gestiftet hat. Über dem Kreuz ist eine goldene hessische Krone angebracht. Die Chorkleidung der Domkapitulare besteht aus Talar, lang herunterhängendem Gürtelband (Zingulum), kurzem violetten Schulterumhang (Mozetta) mit Kapuze, weißem Chorrock und einer violetten Kopfbedeckung, dem Birett.

Geschichtlich nachweisbar ist das Mainzer Domkapitel erstmals seit dem Jahr 970. Doch bereits seit den Anfängen des Bistums Mainz hat es einen Kreis von Geistlichen gegeben, der den Bischof unterstützte und ihn bei Abwesenheit vertrat. Das vierte Laterankonzil 1215 gewährt dem Mainzer Domkapitel das ausschließliche Recht zur Bischofswahl. 1252 erhält das Kapitel vom Papst das Recht zur Selbstergänzung. Im Jahr 1405 besteht das Mainzer Domkapitel aus 24 geistlichen Kapitularen. Nach der Übergabe der Stadt Mainz an die Franzosen im Jahr 1798 wird der Dom beschlagnahmt und das Erzbistum Mainz aufgelöst. Das Domkapitel folgt dem Erzbischof 1805 nach Regensburg. Im neuen Bistum Mainz umfasst das von Bischof Joseph Ludwig Colmar (1802-1818) errichtete Domkapitel zwei Generalvikare, acht Domkapitulare und zwei Ehrendomkapitulare. Die Zahl der Mitglieder ist bei der Neugründung 1821 durch Papst Pius VII. auf sieben festgelegt worden und seitdem unverändert geblieben. Im Jahr 2000 hat das Domkapitel seine Statuten erneuert - sie ersetzt die Satzung von 1924.

Das Mainzer Domkapitel hat heute sieben Mitglieder: Domdekan Prälat Heinz Heckwolf als Vorsitzenden und sechs Domkapitulare. Dies sind: Offizial Prälat Dr. Peter Hilger, Prälat Hans-Jürgen Eberhardt, Prälat Jürgen Nabbefeld, Geistlicher Rat Klaus Forster, Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz und Professor Dr. Franz-Rudolf Weinert.

Daneben gibt es eine nicht festgelegte Anzahl von Ehrendomkapitularen: derzeit Monsignore Engelbert Prieß sowie Tobias Schäfer, Propst am Dom zu Worms, und mit seiner heutigen Einführung auch Pfarrer Michael Ritzert. Das Domkapitel wird außerdem von Dompräbendaten bei der Feier der Liturgie unterstützt. Aktuell sind das Gerold Reinbott und Privatdozent Dr. habil. Alexander Nawar sowie Klaus-Leo Klein als emeritierter Dompräbendat. Emeritierte Domkapitulare sind: Prälat Günter Emig, Monsignore Horst Schneider und Prälat Dietmar Giebelmann. Gemeinsam bilden alle Domherren das so genannte Domstift.

tob (MBN)

Vorschau

„Glauben erfahren mit Karl Rahner“ (31.1.-1.2.)

Akademietagung im Erbacher Hof mit Vortrag von Weihbischof Bentz

Mainz. Der Mainzer Weihbischof und Generalvikar Dr. Udo Markus Bentz ist Referent bei einer zweitägigen Tagung in der Bistumsakademie Erbacher Hof in Mainz. Am Freitag, 31. Januar, um 17.00 Uhr spricht Bentz zum Thema: „Die konkrete Kirche erfahren. Karl Rahner und Karl Lehmann“. Die Akademietagung steht unter der Überschrift „Glaube erfahren mit Karl Rahner“. Die weiteren Referenten sind Professor Dr. Albert Raffelt, Freiburg, der Direktor des Erbacher Hofes, Professor Dr. Peter Reifenberg, Professor P. Dr. Harals Schöndorf SJ, München, Professor Dr. Roman Siebenrock, Innsbruck, Professor P. Dr. Klaus Vechtel SJ, Frankfurt-St. Georgen, und Dr. Arno Zahlauer, Hinterzarten.

Hinweis: www.ebh-mainz.de                                   

am (MBN)

 

75. Todestag von Pater Alfred Delp SJ (2.2.)

Gottesdienst mit Bischof Peter Kohlgraf in Lampertheim-St. Andreas

Lampertheim/Mainz. Am Sonntag, 2. Februar, jährt sich der Todestag von Alfred Delp SJ (1907-1945), der seine Jugend im Bistum Mainz verbracht hat, zum 75. Mal. Seine Heimatgemeinde St. Andreas in Lampertheim wird ihn aus Anlass des Jahrestages mit einer Gedenkwoche in Erinnerung rufen. Zum Abschluss der Woche wird der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Sonntag, 9. Februar, um 10.00 Uhr ein Pontifikalamt im Gedenken an Alfred Delp in Lampertheim-St. Andreas feiern.

In der Gedenkwoche vom 2. bis 9. Februar werden in Lampertheim unter anderem originale Dokumente und Realien Alfred Delps ausgestellt, unter anderem seinen Rosenkranz, sein Birett und das Korporale. Die Ausstellung in der Alfred Delp-Kapelle ist in dieser Zeit täglich von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Um 17.00 Uhr findet täglich ein Gottesdienst in St. Andreas statt. Die Ausstellung ist eine Veranstaltung des Stadtarchives und der Stadtverwaltung in Kooperation mit der Gemeinde St. Andreas. Das detaillierte Veranstaltungsprogramm der Gedenkwoche ist auf der Internetseite der Pfarrei zu finden. 

Publikation des Bistums zu Alfred Delp

Nach wie vor ist im Infoladen des Bistums Mainz das Buch „Das letzte Wort haben die Zeugen: Alfred Delp“ erhältlich - zum Preis vom einem Euro. Die 64-seitige Publikation aus der Reihe „Mainzer Perspektiven“ vereint zwei Vorträge von Kardinal Karl Lehmann und Professor Michael Kißener, Professor für Zeitgeschichte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, anlässlich des 100. Geburtstages von Pater Alfred Delp SJ im Jahr 2007.

Alfred Delp wurde am 15. September 1907 als ältester Sohn eines Lampertheimer Kassenbeamten geboren. Nach dem Besuch der Volksschule trat er mit 15 Jahren zum katholischen Glauben über. Ostern 1922 kam er in das Bischöfliche Konvikt nach Dieburg und machte dort 1926 das Abitur. 1926 trat er in den Jesuitenorden ein und wurde 1937 in München zum Priester geweiht. Am 28. Juli 1944 wurde Pater Delp verhaftet, am 9. und 10. Januar 1945 fand die Gerichtsverhandlung vor dem Volksgerichtshof statt - Roland Freisler, Präsident des Volksgerichtshofes, leitete die Verhandlung. Am 2. Februar 1945 wurde Alfred Delp hingerichtet.

Hinweise:

  • Karl Kardinal Lehmann / Michael Kißener: „Das letzte Wort haben die Zeugen: Alfred Delp“. Mainzer Perspektiven: Orientierungen 6, hrsg. von Barbara Nichtweiß, Bistum Mainz Publikationen 2007, 64 Seiten, ein Euro. ISSN: 0947-629X, ISBN: 978-3-934450-31

tob (MBN)

Bilder zu den MBN Nr. 4/2020

Mi 29. Jan 2020
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