In der aktuellen Ausgabe mit Sternsingerinnen im Bundeskanzleramt, Bischof Kohlgraf bei der Adventsfeier mit Mitarbeitenden der Weltkirche, den Gottesdiensten an Weihnachten im Mainzer Dom, einem ökumenischen Treffen der leitenden Geistlichen, dem Friedenslicht aus Bethlehem im Bischöflichen Ordinariat, sowie der Dokumentation der Predigten von Bischof Peter Kohlgraf in der Christmette, am ersten Weihnachtstag, zum Jahresschluss und zu Epiphanie.
Sternsingerinnen aus Eimsheim vertreten dieses Jahr das Bistum Mainz in Berlin
Eimsheim/Berlin. Vier Kinder aus der katholischen Pfarrei Auferstehung Christi Rhein-Selz vertreten Anfang Januar das Bistum Mainz beim Sternsinger-Empfang im Bundeskanzleramt. Die Mädchen aus Eimsheim hatten sich im Vorfeld der 68. Aktion Dreikönigssingen für die Teilnahme beworben und bei der Ziehung der Gewinner das nötige Losglück. Der genaue Termin steht noch nicht fest. Auf Bistums-Ebene feiert der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf einen Aussendungs-Gottesdienst in Oberhessen.
Diözesaner Sternsinger-Tag in Oberhessen
Am Montag, 29. Dezember, findet der Diözesane Sternsinger-Tag in Oberhessen statt. Dieser Tag hat in Oberhessen eine lange Tradition, und zum ersten Mal sind Sternsinger*innen aus dem gesamten Bistum eingeladen, daran teilzunehmen. Von 10.00 Uhr bis 15.00 Uhr finden Workshops statt, es gibt ein Mittagessen, und im Anschluss daran einen Aussendungs-Gottesdienst mit dem Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. In den Workshops beschäftigen sich die Kinder und Jugendlichen mit dem Beispielland Bangladesch, es gibt ein Quiz, einen Staffellauf, und auch kreative Angebote. Der Tag findet statt in St. Bonifatius, Karbener Weg 2, 61184 Karben.
Empfänge in den Landesregierungen Hessen und Rheinland-Pfalz
Am Dienstag, 6. Januar 2026, empfängt die Präsidentin des Hessischen Landtags, Astrid Wallmann, eine Gruppe der Sternsinger*innen der Pfarrei St. Franziskus aus der Gemeinde St. Nikolaus in Offenbach Bieber um 14.00 Uhr im Hessischen Landtag. Am Mittwoch, 7. Januar 2026, empfängt der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer eine Gruppe aus der Pfarrei St. Peter - St. Emmeran in der Mainzer Innenstadt, sowie in diesem Jahr eine Sternsinger-Gruppe aus der Pfarrei St. Elisabeth, Mainz und Budenheim, aus der Gemeinde St. Stephan in Mainz-Gonsenheim um 15.00 Uhr in der Staatskanzlei von Rheinland-Pfalz.
Sternsinger im Bundeskanzleramt
108 Königinnen und Könige aus allen 27 deutschen Diözesen sind traditionell in Berlin mit dabei. Seit 1984 bringen die Sternsingerinnen und Sternsinger ihren Segen „Christus mansionem benedicat – Christus segne dieses Haus“ ins Bundeskanzleramt. Aus allen Himmelsrichtungen reisen sie in ihren prächtigen Gewändern, mit ihren goldenen Sternen und glänzenden Kronen in die Bundeshauptstadt.
„Schule statt Fabrik – Sternsingen gegen Kinderarbeit“ lautet das Motto der 68. Aktion Dreikönigssingen. Die Aktion bringt den Sternsingerinnen und Sternsingern das Thema Kinderarbeit näher und zeigt, wie wichtig die Kinderrechte auf Schutz und Bildung sind. Das Dreikönigssingen 2026 ermutigt die Sternsingerinnen und Sternsinger sowie ihre Begleitenden, sich gegen Kinderarbeit einzusetzen und eine gerechtere Welt zu gestalten. Bundesweit eröffnet wird die 68. Aktion am Dienstag, 30. Dezember, in Freiburg.
Mehr als 1,4 Milliarden Euro seit dem Aktionsstart 1959
Seit dem Start der Aktion 1959 kamen beim Dreikönigssingen insgesamt mehr als 1,4 Milliarden Euro zusammen, mit denen Projekte für benachteiligte und Not leidende Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa gefördert wurden. Mit den Mitteln aus der deutschlandweiten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder werden Projekte in den Bereichen Bildung, Ernährung, Gesundheit, Kinderschutz, Nothilfe, pastorale Aufgaben und soziale Integration unterstützt. Bundesweite Träger sind das Kindermissionswerk ‚Die Sternsinger‘ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ).
Foto unter www.bistummainz.de/presse
Nachricht voraus am 18.12.25 hoff (MBN)
Bischof Peter Kohlgraf feierte Gottesdienst mit Mitarbeitenden der globalen Kirche
Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat am Montag, 15. Dezember, in der Kirche St. Emmeran eine Adventsfeier für Mitarbeitende der globalen Kirche zelebriert. Mit ihm feierten der designierte Mainzer Weihbischof, Joshy Pottackal, sowie der Delegat für die Portugiesischsprachigen Gemeinden in Deutschland, Pfarrer Celso Lima. Begrüßt wurden die internationalen Gäste von Pater Marek Chmielewski SDB, der die Italienischsprachige Gemeinde in Mainz leitet. Ein besonderes Erlebnis waren die Advents- und Weihnachtslieder, die in vielen verschiedenen Sprachen gesungen wurden: Urdu (Pakistan), Englisch (Nigeria), Französisch (Benin), Malajalam (Indien), Arabisch (Syrien) Kroatisch, Italienisch, Polnisch und auch Deutsch. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von den Mitarbeitenden der globalen Kirche. Auch die Fürbitten wurden in vielen Sprachen vorgetragen: Luganda (Uganda), Ukrainisch, Telugu (Indien) und Arabisch (Irak).
„Uns verbindet die Hoffnung, dass alle Menschen eingeladen sind, zusammenzukommen unter dem einem Stern, der Christus ist“, sagte Bischof Peter Kohlgraf in seiner Predigt. Kohlgraf erinnerte in seiner Predigt auch an die biblische Erzählung der drei Weisen aus dem Morgenland. „Menschen aller Kontinente, Vertreter aller Völker machen sich auf zur Wallfahrt zu dem einen Stern über Betlehem“, sagte Kohlgraf. Er lud die Anwesenden ein, ihr Licht an alle Menschen weiterzugeben, „dort, wo Sie leben und glauben.“ Gastgeberin war die Italienischsprachige Gemeinde Sankt Emmeran, die nach dem Gottesdienst zu einem gemütlichen Beisammensein bei Kaffee und Panettone einlud.
Initiiert wurde die Feier, wie bereits seit neun Jahren, von Meike Jolie, Referentin für die Mitarbeitenden der globalen Kirche. Eingeladen waren die weltkirchlichen Mitarbeitenden aus dem Bistum Mainz zur gemeinsamen Einstimmung auf die Weihnachtszeit und die Kolleginnen und Kollegen aus den Dezernaten, Referaten und Einrichtungen des Ordinariats, mit denen das Referat für die Mitarbeitenden der globalen Kirche eng zusammenarbeitet.
Fotos unter www.bistummainz.de/presse
Nachricht voraus am 16.12.25 hoff (MBN)
Messen an Heiligabend und Weihnachten werden auch live im Internet übertragen
Mainz. An Heiligabend, Mittwoch, 24. Dezember, wird der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf um 17.00 Uhr die Christmette im Mainzer Dom feiern. Domdekan Henning Priesel und Ehrendomkapitular Engelbert Prieß werden konzelebrieren. Die musikalische Gestaltung übernehmen der Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Karsten Storck, der Mädchenchor am Dom und St. Quintin unter der Leitung von Domkantor Michael Kaltenbach, sowie die Mainzer Domkantorin Jutta Hörl. An der Orgel: Domorganist Professor Daniel Beckmann. Bereits um 16.15 Uhr lädt der Dom zu vorweihnachtlicher Musik mit dem Mainzer Domchor, dem Mädchenchor am Dom und St. Quintin, Domorganist Beckmann und Domkantorin Hörl ein. Die Textbeiträge übernimmt Domkapitular Prof. Franz-Rudolf Weinert. Die Christmette wird auf dem Youtube-Kanal und auf der Homepage des Bistums Mainz live gestreamt.
Am Donnerstag, 25. Dezember, wird im Mainzer Dom Weihnachten gefeiert. Um 9.30 Uhr beginnt der Festtag mit dem Empfang des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf am Bischofsportal und der Pontifikalterz. Um 10.00 Uhr feiert Bischof Kohlgraf das Pontifikalamt in Konzelebration mit Generalvikar Sebastian Lang und dem Domstift. Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst durch den Mainzer Domchor und die Mainzer Dombläser unter Leitung von Domkapellmeister Karsten Storck. Domorganist Professor Daniel Beckmann wird die Orgel spielen, Domkantorin Jutta Hörl wird singen. Das Pontifikalamt wird live im Internet übertragen. Um 15.00 Uhr spendet Bischof Kohlgraf in der Pontifikalvesper den Sakramentalen Segen unter Teilnahme des Domstiftes. Die musikalische Gestaltung übernimmt der Mainzer Domchor unter Leitung von Domkapellmeister Karsten Storck. An der Orgel wird Domorganist Beckmann spielen.
Am zweiten Weihnachtstag, dem Fest des heiligen Stephanus (zweiter Patron des Domes), Freitag, 26. Dezember, findet um 10.00 Uhr das Stiftsamt im Dom statt. Zelebrant ist Domdekan Henning Priesel. Die musikalische Gestaltung übernimmt die Domkantorei St. Martin unter Leitung von Domkapellmeister Karsten Storck. Domkantorin Jutta Hörl wird singen, Domorganist Professor Daniel Beckmann auf der Orgel spielen. Bischof Kohlgraf feiert am zweiten Weihnachtsfeiertag um 10.00 Uhr einen Gottesdienst in St. Quintin. Musikalisch gestaltet wird die Feier durch den Mädchenchor am Dom und St. Quintin unter Leitung von Domkantor Michael Kaltenbach.
Gottesdienst an Silvester
Zum Abschluss des Heiligen Jahres feiert Bischof Kohlgraf an Silvester, Mittwoch, 31. Dezember, um 17.00 Uhr im Mainzer Dom einen Gottesdienst mit Jahresrückblick, sakramentalem Segen und Te Deum; an dem Gottesdienst nimmt auch das Domstift teil. Die musikalische Gestaltung übernimmt der Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Karsten Storck, sowie Domorganist Professor Beckmann an der Orgel.
Gemeinsam mit dem evangelischen Dekanat Mainz findet ab 20.00 Uhr der „Offene Dom an Silvester“ statt. Zu jeder vollen Stunde gibt es einen Impuls. Um 20.00 Uhr beginnen Pfarrer Kristian Körver (Evangelische Stadtkirchenarbeit) und Pfarrer Johannes Zepezauer (Pastoralraum Mainz-City) sowie Domorganist Daniel Beckmann, um 22.00 Uhr folgt ein Impuls von Dekan Andreas Klodt (Evangelisches Dekanat) und Domdekan Henning Priesel sowie Domorganist Beckmann, mit der Möglichkeit eines persönlichen Segens. Schließung des Domes ist spätestens um 23.00 Uhr.
Hinweis: Livestreams unter youtube.com/bistummainz
Foto unter www.bistummainz.de/presse
Nachricht voraus am 15.12.25 hoff (MBN)
Ökumenisches Treffen der leitenden Geistlichen
Frankfurt. In geschwisterlicher und vertrauensvoller Atmosphäre sind am Freitag, 19. Dezember, die Leitenden Geistlichen der katholischen und evangelischen Kirchen aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen zu ihrem jährlichen Austausch zusammengekommen. Das Treffen fand im Haus am Dom in Frankfurt statt. Im Mittelpunkt standen zentrale Fragen des kirchlichen Lebens sowie des gemeinsamen gesellschaftlichen Engagements der Kirchen. In offenem und nachdenklichem Austausch wurden aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen beraten – darunter rechtliche Rahmenbedingungen, pastorale und strukturelle Reformprozesse sowie der Umgang mit fortschreitender Säkularisierung. Auch Fragen der politischen Verantwortung und der gemeinsamen Stimme der Kirchen im gesellschaftlichen Diskurs kamen zur Sprache.
Das jährliche Treffen wird von allen Gesprächsteilnehmenden sehr geschätzt. Es bietet Raum für einen ehrlichen, ökumenisch verbundenen Dialog, der von gegenseitigem Vertrauen, Respekt und dem gemeinsamen Anliegen getragen ist, Kirche und Gesellschaft verantwortungsvoll weiterzuentwickeln. Die Leitenden Geistlichen bekräftigten ihren Willen, den ökumenischen Austausch fortzuführen und die Zusammenarbeit auch künftig eng, verlässlich und geschwisterlich zu gestalten.
An dem Treffen nahmen die katholischen Bischöfe Stephan Ackermann (Trier), Georg Bätzing (Limburg), Peter Kohlgraf (Mainz) und Karl-Heinz Wiesemann (Speyer) teil. Von evangelischer Seite waren Bischöfin Beate Hofmann (EKKW), Präses Thorsten Latzel (EKiR), Kirchenpräsidentin Christiane Tietz (EKHN) und Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst (Evangelische Kirche der Pfalz) dabei.
PM (MBN)
Pfadfinderinnen und Pfadfinder brachten Friedenssymbol zur Bistumsleitung
Mainz. Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus dem Bistum haben das Friedenslicht aus Bethlehem am Montag, 16. Dezember, ins Bischöfliche Ordinariat Mainz gebracht. Generalvikar Dr. Sebastian Lang und die Bevollmächtigte des Generalvikars, Ordinariatsdirektorin Stephanie Rieth, würdigten das Engagement der Pfadfinderinnen und Pfadfinder und dankten ihnen für ihren Einsatz für den Frieden. Begleitet wurde die Gruppe unter anderem vom Diözesankuraten der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) im Bistum Mainz, Pastoralreferent Johannes Blüm, Bildungsreferentin Verena Storch von der Pfadfinderinnenschaft Sankt Georg (PSG), sowie Diözesanjugendseelsorger und BDKJ-Diözesanpräses Pfarrer Daniel Kretsch.
Das Motto der Aktion lautet in diesem Jahr: „Ein Funke Mut“. Die Gruppe war bereits den ganzen Tag mit dem Friedenslicht unterwegs und hatte es unter anderem zum rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer in die Mainzer Staatskanzlei gebracht.
Am dritten Adventssonntag hatte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf mit Pfadfinderinnen und Pfadfindern aus dem Bistum Mainz die Aussendungsfeier des Friedenslichtes im Mainzer Dom gefeiert. Das Friedenslicht wird seit 1986 verteilt. Seit 1994 tragen auch die deutschen Pfadfinderverbände im Advent das Licht aus der Geburtsgrotte in Bethlehem als Zeichen des Friedens in Gemeinden, Familien und zu Prominenten. Getragen wird die Aktion Friedenslicht unter anderem von der DPSG, der PSG und dem BDKJ.
Foto unter www.bistummainz.de/presse
Nachricht voraus am 16.12.25 hoff (MBN)
Predigt von Bischof Peter Kohlgraf zur Epiphanie im Mainzer Dom
Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat am Dienstag, 6. Januar, zu Epiphanie einen Gottesdienst im Mainzer Dom gefeiert. Die Feier war auftakt für den Neujahrsempfang des Bischöflichen Ordinariates im Erbacher Hof. Im Folgenden dokumentieren wir den Wortlaut seiner Predigt:
Ein Evangelium, das von Weisen erzählt, die einem Stern folgen, sich auf einen unbekannten Weg einlassen und am Ende ein Kind finden, das sie anbeten, klingt zunächst einmal harmlos. König Herodes jedoch ahnt, dass eine solche Hoffnung an die Fundamente seiner Macht rührt. Denn es ist eine Hoffnungsgeschichte. Menschen folgen einem Stern, sie lassen alles zurück, sie brechen auf, weil sie Vertrauen in eine Zukunft haben, die ihnen geschenkt wird. Ein Kind wird als Gefahr für die eigenen Ansprüche erlebt. Das ist offenbar nicht harmlos und die Angst der Mächtigen ist wirklich erbärmlich. Auch heute ahnen Diktatoren, dass diese Hoffnungsgeschichten gefährlich sein können. In einem Zeitungsartikel habe ich gelesen, dass die Begriffe Glaube, Hoffnung und Liebe aus dem offiziellen Wörterbuch Russlands gestrichen wurden. Ihre Verwendung im öffentlichen Zusammenhang ist verboten. Menschen, die Glauben, Hoffnung und Liebe miteinander verbinden, werden kritische Fragen zu Machtmissbrauch und Tyrannei stellen. Vor einigen Jahren kündigte die chinesische Regierung an, die Bibel neu übersetzen zu wollen und regimekritische Stellen herausstreichen zu wollen. Ich kann mir vorstellen, dass auch die Geschichte der Weisen gegen den König Herodes der Zensur zum Opfer fallen sollte. Menschen, die Hoffnung haben und auf einen göttlichen Erlöser hoffen, sind für menschliche Machtansprüche gefährlich.
Eine Welt ohne Hoffnung auf Veränderung kann wie die Hölle sein. In seiner „Göttlichen Komödie“ aus dem 13. Jahrhundert schildert der Dichter Dante Alighieri den Gang durch Hölle, Fegefeuer und Himmel. Über der Hölle steht das Motto „Lass alle Hoffnung fahren“. Dieser Satz steht für totale Verzweiflung und die fehlende Erwartung einer Veränderung. Wenn Menschen die Welt so erleben, dann ist sie die Hölle. Mancher Tyrann wollte die Welt genau so gestalten. Menschen, die sich der Hölle dieser Welt unterwerfen und sie am Ende schicksalsergeben hinnehmen, verändern nichts. Hoffnung hat eine verändernde Kraft. Sie stellt sich menschengemachten „Höllen” entgegen. Das heutige Fest ermutigt uns, hoffnungsvolle Menschen zu bleiben. Wir haben die Möglichkeit, die Welt nicht zur Hölle werden zu lassen. Wir können die Welt gestalten und verändern. Das Böse ist kein blindes Schicksal. Vielleicht können wir die große Weltpolitik nicht verändern, aber wir können in unserem persönlichen Umfeld Hass verhindern, Einsamkeit durchbrechen, die richtigen Fragen stellen und all jene entlarven, die sich selbst zu Erlösern und Heilands ernennen. Wahrheitsansprüche ohne Liebe gegenüber den Menschen sind ebenfalls höllisch. Ich begegne täglich manchen Ansprüchen auf Unfehlbarkeit der eigenen Meinung. Diese Haltung gibt es in Politik und Kirche.
In der antiken griechischen Mythologie wird Hoffnung zur Hölle. In dieser Welt wird das Christentum groß. Sie wird zur Hölle, weil sie dem Menschen unrealistische Hoffnung macht. Er kann das Böse nicht vernichten, er ist ihm hilflos ausgeliefert. So scheitert der Mensch am Ende an der Hoffnung. Wer auf Hoffnung setzt, muss verzweifeln. Ich schließe mich gerne heute den Weisen aus dem Orient an, denn sie stehen für eine andere Haltung. Sie folgen dem Licht, sie glauben daran, dass ein Kind die Welt verändern kann, wenn ich und viele andere uns in die Anbetung dieses Kindes hineinnehmen lassen und in die Nachfolge dieses Jesus von Nazareth gehen. Wer hofft, ist nicht naiv. Aber er kann sich bergen in einer Liebe, die größer ist als alles Dunkel. Dafür steht der Stern von Bethlehem. In einem Psalm (131) beten glaubende Menschen: „Wie ein gestilltes Kind bei seiner Mutter, wie das gestillte Kind, so ist meine Seele in mir. Israel, warte auf den HERRN von nun an bis in Ewigkeit!“ Wer hofft, weiß sich in der großen Liebe Gottes geborgen. Aus dieser Hoffnung ergeben sich Lebenshaltungen: Großherzigkeit gegenüber anderen, Demut, die sich selbst nicht zu wichtig nimmt, Liebe, Glaube, und das Gebet, das sich der Größe Gottes unterwirft. Heute wird sich diese Hoffnung auch darin zeigen, dass sie Verbündete sucht, die mit uns Glaubenden die Welt verändern wollen. Und glaubende Menschen folgen dem Kind und dem späteren Erwachsenen Jesus, den sie als Gottes Sohn bekennen. Er lädt ein zur Veränderung der Welt, indem er uns zutraut, Licht der Welt und Salz der Erde zu sein. Wer ihm nachfolgt, hat die Hoffnung, die Welt verändern zu können, er hat den Mut, allen menschlichen Machtdünkeln zu widerstehen. Ja, Christinnen und Christen können gefährlich sein, wenn sie menschliches Machtstreben in Frage stellen, wenn sie Glauben, Hoffnung, Liebe nicht nur thematisieren, sondern leben. Ich will mich nicht damit abgeben, dass diese Welt zur Hölle werden kann.
Das Heilige Jahr geht heute zu Ende, aber wir bleiben Pilgerinnen und Pilger der Hoffnung. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Welt uns braucht, Menschen, die dem Stern der Hoffnung folgen. Der Stern wird uns begleiten, auch im Jahr 2026. Denn Christus hat uns versprochen, bei uns zu bleiben bis zur Vollendung der Welt. Dafür dürfen wir Zeuginnen und Zeugen bleiben, auch im neuen Jahr.
(MBN)
Predigt von Bischof Peter Kohlgraf in der Jahresschluss-Feier im Mainzer Dom
Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat am Mittwoch, 31. Dezember, die Predigt in der Jahresschlussmesse im Mainzer Dom gehalten. Im Folgenden dokumentieren wir den Wortlaut seiner Predigt:
„Die Gegenwart Gottes inmitten der Menschheit wurde nicht in einer idealen, idyllischen Welt verwirklicht, sondern in dieser realen Welt, die von vielen guten und schlechten Dingen geprägt ist, […] von Spaltungen, Bosheit, Armut, Unterdrückung und Krieg. Er hat beschlossen, in unserer Geschichte zu wohnen, so wie sie ist, mit der ganzen Last ihrer Grenzen und Dramen. Dadurch hat er auf unübertreffliche Weise seine barmherzige und liebevolle Zuneigung zu den menschlichen Geschöpfen gezeigt.“ (Generalaudienz, Petersplatz, 18.12.2013).
Mit diesem Satz von Papst Franziskus erinnere ich gerne und mit Hochachtung an diesen Papst, der am Ostermontag 2025 verstorben ist. Er stand für eine Kirche, die auch heute in der Nachfolge Christi sich allen Themen dieser Welt und der Menschen stellt. Ich nehme wahr, dass Papst Leo XIV. in einem anderen Stil die inhaltliche Linie fortsetzt und die Wirklichkeiten dieser Welt und der Kirche kritisch wahrnimmt, Probleme benennt und sie aus dem Glauben zu verändern helfen will. In diesen Anliegen begleite ich Papst Leo XIV. mit ganzem Herzen und bitte alle, ihn in seinem schwierigen Dienst der Einheit zu unterstützen.
Es ist gut, dass Papst Franziskus zunächst auch das Gute in unserer Welt benennt, ohne konkret zu werden. Offenbar erwartet er von uns, den Blick für das Gute nicht zu verlieren, da das viele Dunkle die Wahrnehmung des Guten oft überlagern kann. Christus wird Mensch in einer von Gott gut geschaffenen Welt. Ich darf sagen: Wenn ich meinen Blick nicht verenge, sehe und erfahre ich jeden Tag auch dieses Gute.
Manchmal bemerke ich bei mir, dass ich vieles zu selbstverständlich nehme. Ich will dies am Beispiel der Freundschaft verdeutlichen. Im Jahr 2025 musste ich mich von einigen guten Freunden verabschieden, die in diesen Monaten verstorben sind. Wie viel sie mir bedeutet haben, merke ich nun, da sie als Gesprächspartner fehlen. Wie dankbar darf ich sein für gute Freundschaften. Und in diesen Fällen bleibe ich dankbar für so viel gutes Miteinander. Manchmal müsste ich mehr für den Erhalt dieser Freundschaften tun. Vielleicht denken Sie in diesem Sinne an Ihre Partnerin oder den Partner, die Familie und ebenfalls an die Freunde. Solche Beziehungen sind für mich auch eine Wirklichkeit dieser Welt.
Menschen sind zu wirklich Gutem fähig und ich darf dies immer wieder erleben. Wie viele gute Worte wurden mir auch in diesem Jahr geschenkt. Menschen stiften durch ihr Wort, durch ihr Miteinander und ihre Aufmerksamkeit für den anderen Menschen so viel an Gutem. Ich bleibe hoffentlich dankbar für meine Lebensgrundlagen und die Möglichkeiten, die ich hierzulande habe.
Ich begegne als Bischof in unseren Gemeinden so vielen Menschen, die sich für andere, für die Gesellschaft und die Kirche engagieren, auch als Zeichen der Dankbarkeit für die Möglichkeiten, die sie haben. Ich freue mich an der Schöpfung und weiß, wie verletzlich sie ist. Dankbarkeit für das Gute zeigt sich auch im Einsatz für den Erhalt der Natur und der Ressourcen.
An diesem Tag des Jahresendes blicke ich auch auf diejenigen, die sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen, oft gegen jede Wahrscheinlichkeit, aber doch mit Hoffnung und Energie. Auch in diese Wirklichkeit ist Christus gekommen. In ganz vielen kleinen und großen Ereignissen dieser Welt verwirklicht sich die Herrschaft Gottes, die mit Jesus in dieser Welt greifbar geworden ist.
Wer nur das Schlechte sieht, ist blind geworden für die Gottesherrschaft in dieser Welt, wer nur noch hoffnungslos ist, gibt dem Guten und der Dankbarkeit keinen Raum mehr. Insofern wünsche ich uns allen den dankbaren Blick, der das Gute zu sehen vermag und der beflügelt, selbst das Gute zu wirken.
Der von Gott so gut geschaffene Mensch ist aber der Erlösung und der Veränderung bedürftig. Er hat das Paradies zu dieser heute realen Welt gemacht. Es gibt eben Spaltungen, Bosheit, Armut, Unterdrückung und Krieg, von denen Papst Franziskus spricht. Diese Welt will Christus erlösen und erneuern, aber mit uns zusammen. Wer glaubt, kann sich mit dieser Seite der Wirklichkeit nicht abfinden.
Auch ich erlebe regelmäßig Botschaften des Hasses und der Verachtung. Diese kommen, wie in der Gesellschaft zunehmend spürbar, nicht immer von Menschen, die, wie man sagt, gesellschaftlich abgehängt sind. Vielen geht es gut, und sie leben dennoch ihren Hass und ihre Verachtung gegenüber anderen aus. Am Ende schaden sie sich selbst, denn eine gespaltene Gesellschaft und eine hasserfüllte Welt können doch keine zufriedenstellende Lebensgrundlage sein. Wenn es mir nur dann gut gehen kann, wenn ich andere schlechtrede, ist echte Lebensfreude oder gar Glück nicht vorstellbar. Hass und Verachtung zersetzen die Seele. Schon aus Selbstliebe sollte man die zerstörerische Saat von Hass und Verachtung nicht in sich wirken lassen.
Ich kann mich an die großen Kriege dieser Welt nicht gewöhnen. Meine Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine und im Heiligen Land. Vor kurzem hatten wir ein Treffen mit Menschen aus unseren Gemeinden anderer Muttersprache. Ein Priester aus Uganda berichtete von der schlimmen Situation dort. Sie ist uns hier kaum bekannt, und das gilt für zahlreiche Kriegs- und Katastrophensituationen weltweit. Wenn ich glaube, lassen mich die Schicksale dieser Menschen nicht kalt.
In dieser auch heutigen Geschichte will Christus Mensch werden und in ihr wohnen. Sie lässt auch ihn nicht kalt. Und es geht nie um eine abstrakte Geschichte, es geht um die zahllosen einzelnen Menschen, die nie nur Nummern sind. Jeder leidende und von Krieg und Hass bedrängte Mensch, jedes Opfer von Gewalt, Krieg, Terror und Hunger ist ein Opfer zu viel. Es sind Menschen, Ebenbilder Gottes, seine Geschöpfe, Brüder und Schwestern Jesu und unsere Geschwister. Wenn wir die Menschwerdung des Sohnes Gottes glauben, wird uns niemand mehr gleichgültig sein können.
Die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus fordert von uns eine Positionierung. In seiner Friedensbotschaft zum Weltfriedenstag, dem 1. Januar 2026 schreibt Papst Leo: „Es ist nötig, das Licht zu sehen und daran zu glauben, um in der Dunkelheit nicht zu versinken. […] Der Friede existiert, er will in uns wohnen, er hat die sanfte Kraft, den Verstand zu erleuchten und zu weiten, er widersteht der Gewalt und überwindet sie.“ Der Papst fordert auf, in all dem Dunklen der Welt das Licht nicht zu vergessen. Wer den Frieden in sich trägt, wird Frieden leben und stiften können. Das eine ist die große Welt der Politik, auf die wir kaum Einfluss zu haben scheinen. Das andere ist der Auftrag, aus unseren Häusern und Gemeinden Häuser des Friedens zu machen, wo wir Gemeinschaft leben und jede Feindseligkeit überwinden. Friede darf nicht nur ein frommer Wunsch bleiben, wenn wir bei uns anfangen.
An diesem Abend will ich meinen Blick öffnen für das viele Gute und die Dankbarkeit nicht vergessen. Hass und Groll will ich nicht ins neue Jahr mitnehmen, denn sie vergiften alles. Ich will mich nicht vom Dunkeln lähmen und besiegen lassen, ich will das Licht nicht vergessen, das in unserer Welt und in mir strahlen kann. Als Bischof von Mainz will ich diese Kernbotschaft des Glaubens mit den vielen engagierten Gläubigen unserer Diözese auch im kommenden Jahr leben. Ich bin dankbar für die Ernennung des Weihbischofs P. Joshy Pottackal, dem ich schon jetzt wünsche, dass das Licht immer über das Dunkle siegen möge. Christus hat sein Licht auch in 2025 strahlen lassen, und er möge auch das kommende Jahr segnen und erleuchten, im persönlichen Leben, in Kirche und Welt.
(MBN)
Predigt von Bischof Peter Kohlgraf am ersten Weihnachtsfeiertag im Mainzer Dom
Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat am ersten Weihnachtsfeiertag, 25. Dezember, den Weihnachtsgottesdienst im Mainzer Dom gefeiert. Er hat seiner Predigt einen Satz von Alfred Delp vorangestellt: „Dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt.“ Im Folgenden dokumentieren wir den Wortlaut seiner Predigt:
Es wird in unserer Zeit immer mehr Menschen geben, die nicht mehr wirklich sagen können, was Christinnen und Christen an Weihnachten überhaupt feiern. Ich will eine Antwort in drei Schritten versuchen.
Vielleicht sind die Gedanken nicht so einfach geworden, wie ich es mir vorgestellt habe: dem Leben zu vertrauen, weil es einen Sinn hat. Gott ist dieser liebende Grund, und dieser Sinn ist Mensch geworden. Er begleitet mich ein Leben lang, in jedem Augenblick und an jedem Ort. Deshalb lohnt es sich, jeden Morgen aufzustehen und sich um Liebe und Zuwendung zu bemühen. Der Jesuitenpater Alfred Delp hat es im Angesicht des Todes folgendermaßen formuliert: Dem Leben trauen, weil Gott es mit uns lebt. Wer Weihnachten feiert und an die Menschwerdung Gottes glaubt, darf froher leben, tiefer glauben und ausdauernder lieben. So gibt er der Welt Sinn, denn sie ist geborgen in den liebenden Armen eines Vaters, der sich nicht zu schade war, uns seinen Sohn wehrlos auszuliefern. Weniger über Sinn reden, mehr Sinn weitergeben und Liebe und Licht schenken. Dazu ermutigt mich auch in diesem Jahr dieses großartige Fest.
(MBN)
Predigt von Bischof Peter Kohlgraf in der Christmette im Mainzer Dom
Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat in der Christmette am Mittwoch, 24. Dezember, im Mainzer Dom gepredigt. Im Folgenden dokumentieren wir den Wortlaut seiner Predigt.
Das Weihnachtsevangelium der Christnacht gehört für mich zu den Höhepunkten des Jahres. Ein Theologe hat einmal darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht mit den Worten „Es war einmal“ beginnt, sondern mit der Einleitung: „In jener Zeit“. Der Evangelist Lukas erzählt kein Märchen, sondern er erzählt von einem Ereignis, dass sich an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit zugetragen hat. Dazu gibt er uns sogar historische Zeitangaben: Kaiser Augustus und der Statthalter Quirinius helfen, das Geschehen genau einzuordnen. Historikerinnen und Historiker haben hier zwar Unschärfen entdeckt, aber das ändert wohl nichts daran, dass Weihnachten ein konkretes historisches Geschehen feiert. Gerade heute, in einer Zeit, in der Desinformationen und Fake News vermeintlich wahre Erzählungen in Umlauf bringen und gezielt Ängste oder andere Emotionen bedienen, gewinnt dieser Hinweis auf die historische Relevanz des Evangeliums eine besondere Bedeutung.
Als der heilige Franz von Assisi im 13. Jahrhundert eine lebendige Krippe in Grecchio nachstellte (es war das erste Mal), war ihm besonders wichtig, den Glauben zu bekennen, dass Gott konkret erfahrbar in diese Welt kommt. Dazu legte er ein echtes Kind in die Krippe, er besorgte echte Tiere, Schafe, Ochs und Esel. Es war gewollt, dass es dort laut ist, dass dort Leben herrscht, dass die Tiere und die Menschen sich lautstark zu Wort melden. Und die Tiere sollten auch den entsprechenden Stallgeruch mitbringen. Es ging darum, zu erleben, was damals wirklich geschehen ist. Und die Menschen, die am Gottesdienst teilnahmen, waren nicht unbeteiligte Zuschauerinnen und Zuschauer, sondern sie waren plötzlich Zeitgenossinnen und Zeitgenossen von Maria und Josef, den Hirten, den Tieren. Sie waren Akteurinnen und Akteure des Geschehens von Bethlehem. Aus diesem Grund bauen wir Krippen – nicht als bloße, liebliche Erinnerung, sondern weil wir zu diesem Geschehen hinzutreten, das plötzlich Teil unserer Welt wird. Gott wird Mensch mitten in unserer Wirklichkeit.
Die Tiere an der Krippe stehen nicht zufällig dort. Sie sind gewissermaßen die ersten Zeugen des Geschehens in Bethlehem. Lukas erzählt von den Hirten und ihren Herden, die auf den Feldern von Bethlehem wachten und als Erste die Botschaft der Engel hörten. Auch dieser Hinweis erfolgt nicht zufällig. Dies zeigt von Beginn an, dass der Platz Jesu bei den Menschen am Rande ist. Sie sind die Ersten, die ihn sehen und als ihren Retter bekennen. Bis heute ist es weltweit wohl so, dass sich besonders die Kleinen bei ihm an der Krippe oder am Kreuz geborgen wissen.
In Deutschland ist es anders. Umfragen der letzten Jahre zeigen, dass sich besonders die Armen längst von unseren Gemeinden, von der Kirche abgewandt haben. Es ist gut, dass Papst Leo uns in seinem ersten großen Schreiben daran erinnert, dass unser Platz bei den Menschen am Rande ist und wir hinausgehen müssen:
„Die Lebenssituation der Armen ist ein Schrei, der in der Geschichte der Menschheit unser eigenes Leben, unsere Gesellschaften, die politischen und wirtschaftlichen Systeme und nicht zuletzt auch die Kirche beständig hinterfragt. Im verwundeten Gesicht der Armen sehen wir das Leiden der Unschuldigen und damit das Leiden Christi selbst. Zugleich sollten wir vielleicht besser von den vielen Gesichtern der Armen und der Armut sprechen, weil es sich um eine facettenreiche Problematik handelt. Es gibt nämlich viele Formen der Armut: die derjenigen, denen es materiell am Lebensnotwendigen fehlt, die Armut derer, die sozial ausgegrenzt sind und keine Mittel haben, um ihrer Würde und ihren Fähigkeiten Ausdruck zu verleihen, die moralische und geistliche Armut, die kulturelle Armut, die Armut derjenigen, die sich in einer Situation persönlicher oder sozialer Schwäche oder Fragilität befinden, die Armut derer, die keine Rechte, keinen Raum und keine Freiheit haben. In diesem Sinne kann man sagen, dass das Engagement für die Armen und für die Beseitigung der sozialen und strukturellen Ursachen der Armut in den vergangenen Jahrzehnten zwar an Bedeutung gewonnen hat, aber nach wie vor unzureichend bleibt.“ (DT 9f.)
Wir versuchen im Bistum Mainz, nicht nur äußere Strukturen zu verändern und anzupassen, sondern wir bemühen uns seit Jahren, die caritative Sorge um die Armen und die vielfältige Not und die anderen kirchlichen Aufgaben zusammen zu sehen. Manchmal erlebe ich wirklich gelungene Beispiele, so dass man sagen kann, dass es wirkliche Orte der Menschwerdung auch in unserem Bistum gibt. Die Hirten und die Schafe haben aber noch eine andere Botschaft. Der Bibelkundige erinnert sich an König David, der selbst Hirte war und von den Schafen weggeholt wird, um zum König gesalbt zu werden. Die Szene mit den Hirten und den Schafen erweist Jesus als den eigentlichen König, den Hirten des Volkes Israels. Es ist Christus, der Herr, erläutern die Engel den Hirten. Es ist fast eine humorvolle Szene, wenn dem großen Kaiser Augustus der kleine, machtlose Messiaskönig gegenübergestellt wird: „Bilde dir mal nichts auf deine Größe ein, hier ist der wahre König“ könnte man das Evangelium übersetzen. Schon von Beginn an zeigt sich eine entscheidende Botschaft: So wird der Messias Macht ausüben – und dieses Programm führt ihn bis ans Kreuz. Für uns bedeutet das: Wir müssen uns vor diesem Kind nicht groß machen. Der Glaube an den einen Herrn, der klein und verletzlich zur Welt kommt, lädt uns ein, uns selbst zurückzunehmen. Darin liegt eine befreiende weihnachtliche Botschaft.
Wir sollten zu den Tieren an der Krippe kommen. Die Schafe sind eine lebendige Predigt, dort an der Krippe. Denn sie weisen hin auf das Schicksal Jesu selbst, der Lamm Gottes ist, der am Ende hingegeben wird. Als der heilige Franziskus die lebendige Krippe zusammenstallt, lässt er dort die Eucharistie feiern: das Gedächtnis seiner Hingabe. Da dürfen die Schafe nicht fehlen. Sie sind ein tiefes Glaubensbekenntnis zu diesem gewaltlosen Messias in der Krippe.
Auch Ochse und Esel sind nicht zufällig an der Krippe. Es sind Tiere, die man leicht gering schätzt. Doch schon der Prophet Jesaja sagt: „Ochs und Esel erkennen die Krippe ihres Herrn (Jes 1,3)“ – im Gegensatz zu den Menschen, die ihn nicht erkennen. Der heilige Franziskus liebte den Esel besonders. Er nannte seinen eigenen Körper einmal „Bruder Esel“, weil dieser ihn treu durch das Leben getragen hatte. Der Esel war wohl das meistgeschlagene Arbeitstier seiner Zeit: langsam, widerstandsfähig, den harten Böden angepasst und unfähig, in Stress einfach wegzulaufen – er bleibt stehen, trotzig und geduldig zugleich. Vielleicht hat Jesus selbst zu diesem Tier eine besondere Nähe verspürt. In gewisser Weise sind beide Schicksalsgenossen. Die am meisten Geprügelten, die nur als Arbeitstiere gehalten werden, erkennen ihn, während die Großen und Klugen es nicht tun. Wie sehr hat sich das später im Leben Jesu in Galiläa und Judäa bewahrheitet! Später reitet Jesus nicht auf einem Schlachtross, sondern auf dem Esel nach Jerusalem ein. Wenn ich Ochs und Esel betrachte, sehe ich die Einladung, zu ihm zu kommen, wenn ich mühselig und beladen bin. Er wird mich verstehen in meinen alltäglichen Sorgen.
Wer zum Stall kommt, muss den Geruch der Tiere annehmen. „Der Hirte muss beginnen, nach Schaf zu riechen”, hat Papst Franziskus einmal gesagt. Damit war der Wunsch verbunden, dass diejenigen, die sich in der Kirche als Hirten bezeichnen, den Kontakt zu den Menschen nicht verlieren. Heute könnte man sagen: Wir müssen alle ein wenig nach Stall riechen, wenn wir uns Christus nähern. Nach den Tieren, die ein Glaubenszeugnis über ihn ablegen: die Schafe, die sich hingeben, der Esel, der lernt, Lasten für andere zu tragen, ohne die Bodenhaftung zu verlieren, dem es nicht um Schnelligkeit geht. Von dem Kind in der Krippe lernen, heißt zu glauben und zu leben: Das Leben wird reicher, wenn man es hingibt; es verkümmert, wenn man sich isoliert und nur an sich selbst denkt. Heute sind wir nicht Zuschauerinnen und Zuschauer, sondern Zeugeninnen und Zeugen und auch Akteurinnen und Akteure.
Auch heute ist Weihnachten kein Märchen. Nicht: „Es war einmal“, sondern „In jener Zeit“ – und „Heute“. Gott berührt die Welt. In jener Zeit, d.h. hier und heute. Sobald wir an die Krippe treten, müssen wir damit rechnen, dass er uns fragt, wo wir unseren Platz sehen. Die Krippen sind nicht nur schöne Idyllen, sie sind Glaubenszeugnisse und sie sind Anfragen an uns. (MBN)