In der aktuellen Ausgabe mit der Ankündigung zum Weihegottesdienst von Pater Joshy Pottackel, Bischof Huljaj aus Belarus zu Gast im Bistum, Bischof Kohlgraf feiert Gottesdienst an Aschermittwoch, dem ökumenisches Trauergeläute in Mainz am 27. Februar, der ökumenischen Kampagne „Aufstehen für …“ zu den Wahlen, der Zulassungsfeier zur Taufe mit Bischof Kohlgraf in der Ostkrypta des Mainzer Doms, dem Besuch von Friedensnobelpreisträger Mukwege bei Bischof Kohlgraf, dem traditionellen Gottesdienst der Mainzer Garden im Dom, einem Statement der Bistumsleitungen in Rheinland-Pfalz zum neuen Bestattungsgesetz, und der Dokumentation des Hirtenwortes zur Fastenzeit von Bischof Kohlgraf.
Gottesdienst im Mainzer Dom / Hauptkonsekrator Bischof Peter Kohlgraf
Mainz. Der von Papst Leo XIV. zum Weihbischof ernannte Pater Joshy Pottackal O. Carm., wird am Sonntag, 15. März, im Hohen Dom zu Mainz zum Bischof geweiht. Der Weihegottesdienst beginnt um 15.00 Uhr. Hauptkonsekrator der Bischofsweihe ist der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf. Der Erzbischof von Freiburg, Stephan Burger, sowie Bischof Wilmar Santin O.Carm aus Itaituba in Brasilien sind Mitkonsekratoren. Konzelebrieren werden der Mainzer Generalvikar Sebastian Lang und Pfarrer Frank Blumers als begleitende Priester des Weihekandidaten, sowie der Mainzer Domdekan Henning Priesel, der Generalobere Pater Desiderio Garcia O.Carm (Rom), Pater Joyson Pottackal O.Carm aus Kanada (Bruder von Pater Joshy), sowie Kaplan Valentine Ede. Assistierende Diakone sind Klaus Baum und Stefan Faust. An dem Gottesdienst nimmt auch das Mainzer Domkapitel teil.
Die musikalische Gestaltung übernehmen der Mädchenchor am Dom und St. Quintin, der Mainzer Domchor und die Mainzer Dombläser unter der Leitung von Domkantor Michael Kaltenbach und Domkapellmeister Karsten Storck. Domkantorin Jutta Hörl übernimmt die Kantorengesänge, Domorganist Prof. Daniel Beckmann spielt die Domorgel. Zudem wird Pfarrvikar Ajimon Joseph aus Mühlheim-Obertshausen mit einem kleinen Chor einen Liedbeitrag in der Heimatsprache von Pater Joshy (Malayalam) darbieten. Im Anschluss an den Gottesdienst gibt es einen Empfang im Mainzer Priesterseminar.
Im November ernannt worden
Die Ernennung von Pottackal war am Mittwoch, 26. November, um 12.00 Uhr zeitgleich im Vatikan und in Mainz bekannt gegeben worden. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat den Mainzer Karmeliten im Rahmen einer Pressekonferenz im Erbacher Hof in Mainz vorgestellt. Der neue Weihbischof wird künftig als Bischofsvikar für die Orden zuständig sein und bis zur Ernennung eines Nachfolgers wird er auch seine Tätigkeit im Personaldezernat fortführen. Pater Joshy wird Titularbischof von Ceramussa. Das untergegangene Bistum lag in der römischen Provinz Numidien in Nordafrika. Als bischöfliches Leitwort hat Pottackal einen Vers aus den Psalmen gewählt. Sein Wahlspruch lautet „Durch Vertrauen geführt“ (Per fidem ductus) nach Psalm 37,5.
Lebenslauf des neuen Weihbischofs
Joshy George Pottackal wurde am 30. April 1977 in Meenkunnam im indischen Bundesstaat Kerala geboren. Im Anschluss an seine Schulzeit besuchte er ab 1992 das Knabenseminar der Karmeliten. Nach Vollendung des Noviziats im Jahr 1996 legte er seine erste Profess ab. Anschließend studierte Pottackal im Calvary Institute of Philosophy and Religion der Kapuziner im indischen Thrissur Philosophie und im Dharmaram Vidya Kshetram der Karmeliten in Bengaluru Theologie. Am 28. Dezember 2003 empfing er in Thrissur die Priesterweihe.
Im Jahr 2004 kam Pottackal nach Mainz, wo er zunächst die Sprachschule und danach das Pastoralseminar für die Ordenspriester an der philosophisch-theologischen Hochschule Münster besuchte. Seit 2006 ist er für das Bistum Mainz tätig, zunächst als Stadt-Jugendseelsorger und parallel als Kaplan in Mainz, unter anderem in Mainz-Hechtsheim und Mainz-Oberstadt. In dieser Zeit erfolgte auch seine Pastorale Ausbildung im Bistum.
2009 ging er als Pfarrer in die Pfarrgemeinde Neckartal, wo er in der Klostergemeinschaft in Hirschhorn wohnte. In der damals bestehenden Dekanatsstruktur engagierte er sich ab 2016 als stellvertretender Dekan im Dekanat Bergstraße-Ost und ab 2021 bis zur Auflösung der Dekanate als kommissarischer Dekan. Darüber hinaus hat er seit 2016 das Amt des Regionaloberen für die in Deutschland lebenden Mitglieder der indischen St. Thomas Provinz des Karmelitenordens inne.
Zum 1. November 2022 erfolgte der Wechsel ins Bischöfliche Ordinariat nach Mainz, wo er im Karmelitenkloster wohnt und als Personalreferent mit Schwerpunkt Priester tätig ist. Die neu geschaffene Aufgabe als Formationspräfekt im Priesterseminar nahm er seit 2024 bis November 2025 gemeinsam mit Diözesanjugendseelsorger Daniel Kretsch wahr. Für die Aufnahme von Seminaristen ins Priesterseminar und die Zulassung zur Weihe wird künftig nicht nur das Votum des Regens entscheidend sein, sondern das der Formationspräfekten. Pottackal ist beratendes Mitglied im Priesterrat des Bistums Mainz. Außerdem war er Mitglied im diözesanen Ordensrat.
Stichwort: Weihbischof
Das Kirchenrecht bestimmt, dass auf Antrag eines Diözesanbischofs ein oder mehrere so genannte Auxiliarbischöfe ernannt werden können, wenn pastorale Gründe dies erforderlich machen. Der lateinische Titel „episcopus auxiliaris“ bedeutet übersetzt „Hilfsbischof“. In Deutschland und Österreich wird ein Auxiliarbischof traditionell als Weihbischof bezeichnet. Er ist dem Diözesanbischof vor allem zur seelsorglichen Leitung des Bistums an die Seite gegeben und handelt in seinem Auftrag.
Ein Weihbischof erhält seine rechtlichen Vollmachten und konkreten Aufgabenbereiche vom zuständigen Ortsbischof. Er ist jedoch Bischof im vollen theologischen Sinn. Einem Weihbischof ist im Unterschied zum Diözesanbischof keine eigene Diözese zur Leitung übertragen. Allerdings wird jeder Weihbischof auf den Titel eines früher bestehenden, inzwischen aber untergegangenen Bistums geweiht - das so genannte Titularbistum. Damit wird deutlich gemacht, dass jedem Bischof eine Teilkirche zugeordnet ist.
Hinweis: Der Gottesdienst wird live im Internet gestreamt und ist auf www.bistummainz.de zu sehen.
Foto unter www.bistummainz.de/presse
Nachricht voraus am 20.2.26 hoff (MBN)
Uladsimir Huljaj besuchte den Mainzer Bischof Peter Kohlgraf
Mainz. Der belarussische, katholische Bischof Uladsimir Huljaj war am Freitagmittag, 13. Februar, zu Gast bei Bischof Peter Kohlgraf im Mainzer Bischofshaus. Huljaj ist seit 2024 Bischof von Hrodna in Belarus. Bei der Begegnung ging es um einen Austausch mit Bischof Kohlgraf über die Situation der Kirche in Belarus und um mögliche Unterstützungsmöglichkeiten für die weißrussische Diözese. Begleitet wurde der Besuch von Dr. Eva Baillie von der Geschäftsstelle Weltkirche/Gerechtigkeit und Frieden im Bischöflichen Ordinariat. Bischof Huljaj besucht am Wochenende außerdem die Pfarrei St. Franziskus in Offenbach, wo Pfarrer Dr. Roman Raczko wirkt, der aus der Diözese Hrodna stammt. Pfarrer Raczko übernahm bei der Begegnung im Bischofshaus die Übersetzung.
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Nachricht voraus am 13.2.26 tob (MBN)
Bischof Kohlgraf feierte Gottesdienst an Aschermittwoch / Impuls mit Hans Joas
Mainz. „Tatsächlich ruft uns die österliche Bußzeit zur Entscheidung: Willst du Wolf sein oder willst du im Sinne einer gemeinsamen Verantwortung Mensch sein? Es geht um eine Entscheidung, welchem Menschenbild und welcher Haltung du folgen willst.“ Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf an Aschermittwoch, 18. Februar, in seiner Predigt im Mainzer Dom. Fasten, Beten und Almosen geben als besondere Prägungen der österlichen Bußzeit bezeichnete Kohlgraf als „drei Wegmarken der Menschlichkeit“. Der Gottesdienst war zugleich Auftakt für den traditionellen Impuls zum Aschermittwoch im Erbacher Hof. Die Akademie hatte in diesem Jahr unter der Überschrift „Hoffen auf Menschlichkeit? Ein Ideal zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ den Soziologen und Religionsphilosophen Hans Joas eingeladen.
Weiter sagte Kohlgraf in seiner Predigt: „Wir sind eingeladen, in den kommenden Wochen Menschen zu werden, die Empathie, also Einfühlungsvermögen gegenüber anderen, sowie Barmherzigkeit, Rücksicht, Achtsamkeit, Toleranz und Respekt leben. Sie werden damit Gott ähnlich werden, dessen Wesen selbst Hingabe und Menschenfreundlichkeit, ja Menschlichkeit ist.“ Und weiter: „Wer fastet, öffnet sein Herz für die Bedürfnisse anderer. Der Mensch, der verzichten kann, hört auf, seine Bedarfe absolut zu setzen. Abhängigkeiten werden entlarvt und am Ende geht es um die innere Freiheit des Menschen, seinen Blick auf die Welt und andere Menschen zu weiten. Fasten ist ein Beitrag zur Suche nach Menschlichkeit. Ein freier Mensch lässt sich von den Bedürfnissen anderer berühren und versteht sich als Beschenkter, nicht als jemand, der einen Rechtsanspruch auf die Gaben der Schöpfung hat.“
Wörtlich sagte der Bischof: „Im Gebet tragen wir die ganze Welt vor Gott, die Not der vielen, den Dank für die Schöpfung, deren Teil ich bin. Im Gebet lebe ich Beziehung, die für mich zur Menschlichkeit gehört. Das Gebet bricht jeden Egoismus und problematischen Selbstbezug auf. Jesus wird mir immer wieder zum Helfer beim Beten.“ Und weiter: „Das Almosengeben steht dafür, dass Menschlichkeit nicht nur eine schöne Idee bleibt, sondern zur Tat wird. Almosen geben muss nach dem biblischen Zeugnis auch heißen, Strukturen von Ungerechtigkeit anzuschauen und zu verändern. In der biblischen Verkündigung wird auch deutlich, dass Teilen und Zuwendung nicht delegierbar sind.“ Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst vom Mainzer Domchor unter der Leitung von Domkapellmeister Professor Karsten Storck sowie Domorganist Professor Daniel Beckmann an der Orgel.
Impuls mit dem Soziologen und Religionsphilosophen Hans Joas
Beim anschließenden Impuls im Erbacher Hof diskutierte Hans Joas im Gespräch mit Akademiedirektor Dr. Andreas Linsenmann verschiedene Aspekte seines im vergangenen Jahr erschienenen Buches „Universalismus. Weltherrschaft und Menschheitsethos“. Joas ging außerdem in einer Fragerunde auf Rückfragen aus dem Publikum ein. Linsenmann hatte den Abend gemeinsam mit Akademiedirektorin Dr. Marita Liebermann moderiert.
Stichwort: Fastenzeit / Aschermittwoch
Die Fastenzeit ist die 40-tägige Vorbereitungszeit der Kirche auf Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu von den Toten. Die Fastenzeit wird auch österliche Bußzeit genannt. Sie beginnt mit dem Aschermittwoch und endet mit dem Karsamstag. Insgesamt umfasst sie 46 Kalendertage, allerdings sind die sechs Sonntage vom Fasten ausgenommen, da an jedem Sonntag in der Kirche die Auferstehung gefeiert wird. Charakteristisch für diese Zeit sind seit ältester Zeit Tauferinnerung bzw. -vorbereitung sowie Fasten und Buße. Neben dem Aschermittwoch ist nur noch der Karfreitag als strenger Fastentag vorgeschrieben.
Am Aschermittwoch lassen sich katholische Christen beim Gottesdienst mit Asche ein Kreuz auf die Stirn zeichnen als Symbol der Vergänglichkeit allen Lebens. Die Austeilung der Asche ist Appell zur Umkehr und zur Vorbereitung auf Ostern. Sie erfolgt mit den Worten: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staube zurückkehrst.“ Seit dem zwölften Jahrhundert wird die verwendete Asche aus Palmzweigen des Vorjahres gewonnen.
In der Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils „Sacrosanctum concilium“ (1964) heißt es zur Fastenzeit: „Die vierzigtägige Fastenzeit hat die doppelte Aufgabe, einerseits vor allem durch Tauferinnerung oder Taufvorbereitung, andererseits durch Buße, die Gläubigen, die in dieser Zeit mit größerem Eifer das Wort Gottes hören und dem Gebet obliegen sollen, auf die Feier des Pascha-Mysteriums vorzubereiten.“ (SC 109) Die Bischöfe schreiben jeweils zur Fastenzeit einen Hirtenbrief, der in den Gemeinden an einem der Sonntage verlesen wird. Die liturgische Farbe in den Gottesdiensten der Fastenzeit ist violett.
Bereits aus dem zweiten Jahrhundert gibt es Berichte darüber, dass sich Christen durch ein zweitägiges Trauerfasten auf das Osterfest vorbereitet haben. Im dritten Jahrhundert wurde es auf die ganze Karwoche ausgedehnt. Seit dem vierten Jahrhundert ist die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern fester Brauch der Kirche. Der Zeitraum von 40 Tagen ist biblischen Ursprungs und leitet sich vor allem von der 40-tägigen Gebets- und Fastenzeit her, die Jesus nach seiner Taufe im Jordan auf sich nahm (Mt 4,1-11). Das Alte Testament berichtet an anderen Stellen unter anderem, dass Mose während der 40 Tage auf dem Berg Sinai nichts aß und trank (Ex 24,18). Von Elias wird erzählt, dass er 40 Tage zum Berg Horeb wanderte, ohne etwas zu essen (1 Kön 19,8).
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Nachricht voraus am 18.2.26 tob (MBN)
Kirchenglocken der Mainzer Innenstadt läuten zum Gedächtnis an Zerstörung
Mainz. Jährlich gedenkt die Stadt Mainz ihrer großflächigen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg am 27. Februar 1945. Zu diesem Anlass veranstalten in diesem Jahr die evangelischen und katholischen Innenstadtkirchen in Mainz wieder ein ökumenisches Trauergeläute. Auch für dieses Jahr wurde wieder ein differenzierter Läuteplan ausgearbeitet. Das Vollgeläute der Innenstadtkirchen wird jedoch nicht erklingen, sondern eine Auswahl der tiefsten Glocken eines Geläutes, um den Trauercharakter zu betonen.
Um 16.25 Uhr beginnt die Kirche St. Quintin mit einem Vorläuten. Nach 16.29 Uhr, dem Beginn des Angriffs auf die Stadt Mainz, setzen nacheinander die Glocken von St. Peter und der Christuskirche sowie die Geläute der Karmeliterkirche, St. Bonifaz, Antonius-Kapelle, Altmünsterkirche, St. Klara-Kapelle, St. Quintin, Dom, Augustinerkirche, St. Ignaz und St. Stephan ein. Das Läuten der Innenstadtkirchen wird gegen 16.45 Uhr enden und damit an das Ende des Luftangriffs erinnern.
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Nachricht vom 19.2.26 PM (MBN)
Kirchen starten ökumenische Kampagne zu den Wahlen
Mainz. Mit der gemeinsamen Kampagne „Aufstehen für …“ setzen die Kirchen in Rheinland-Pfalz und Hessen ein starkes Zeichen für Demokratie, Menschenwürde, Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mit Blick auf die Kommunalwahl in Hessen am 15. März sowie die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz am 22. März rufen die evangelischen Landeskirchen, die katholischen Bistümer und die Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen (ACK) Südwest und Hessen-Rheinhessen dazu auf, Verantwortung für das demokratische Gemeinwesen zu übernehmen, extremistischen Tendenzen entschieden entgegenzutreten und das Wahlrecht bewusst wahrzunehmen.
Die Kirchen positionieren sich klar für eine offene, solidarische und gerechte Gesellschaft – ohne parteipolitische Empfehlungen, aber mit einer deutlichen Haltung für die Grundwerte der Demokratie. Ziel der Kampagne ist es, die Vielfalt der christlichen Kirchen als Stärke sichtbar zu machen und gemeinsam Verantwortung für das gesellschaftliche Miteinander zu übernehmen.
Vielfältige Aktionen – digital, vor Ort und zum Mitmachen
Die Kampagne startet am Aschermittwoch, 18. Februar. Alle beteiligten Landeskirchen und Bistümer stellen ihren Pfarreien, Gemeinden und Einrichtungen umfangreiche Materialien zur Verfügung – darunter Plakatvorlagen, Fahnen und Banner, Sticker, Postkarten sowie Give-aways.
Zeitgleich geht die zentrale Internetseite online. Unter www.aufstehen-fuer.de finden sich grundlegende Informationen zur Kampagne ebenso wie Grafiken, Videobotschaften und Wahlaufrufe. Die Kampagne setzt bewusst auf positive Botschaften, persönliche Beteiligung und kreative Formen des Mitmachens – unter dem Leitgedanken: „Wofür stehst du auf?“
So können sich Menschen beteiligen
Alle Interessierten sind eingeladen, sich aktiv einzubringen – durch das Teilen von Kampagnenbeiträgen in den sozialen Medien, den Einsatz der Materialien vor Ort, eigene Aktionen in Gemeinden und Einrichtungen oder persönliche Statements für Demokratie und Menschenwürde. Beispiele guter Praxis werden auf der Kampagnenseite vorgestellt und weiterverbreitet.
Gemeinsame Verantwortung für die Zukunft
Die Kirchen machen deutlich: Demokratie lebt vom Mitmachen, von gegenseitiger Achtung und vom Einsatz für die Würde jedes Menschen. Mit der Kampagne „Aufstehen für…“ wollen sie Orientierung geben, Mut machen und dazu beitragen, dass die kommenden Wahlen in einem Klima der Verantwortung, des Respekts und der Solidarität stattfinden.
Weitere Informationen, Materialien und mit Mitmachmöglichkeiten finden sich ab sofort auf www.aufstehen-fuer.de
An der Kampagne beteiligen sich die katholischen Bistümer Fulda, Limburg, Mainz, Paderborn, Speyer und Trier. Von evangelischer Seite wirken die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), die Evangelische Kirche der Pfalz, die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) sowie die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) mit. Ebenso tragen die Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen (ACK) Südwest und Hessen-Rheinhessen die Kampagne.
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Nachricht voraus am 18.2.26 tob (MBN)
Zulassungsfeier zur Taufe mit Bischof Kohlgraf in der Ostkrypta des Mainzer Doms
Mainz. Zehn Taufbewerberinnen und Taufbewerber aus dem Bistum Mainz sind am Samstagnachmittag, 21. Februar, bei einem Wortgottesdienst in der Ostkrypta des Mainzer Doms von Bischof Peter Kohlgraf zur Taufe zugelassen worden. Sie bereiten sich auf die Taufe, die Erstkommunion und die Firmung vor. Bischof Kohlgraf legte jedem einzelnen Taufbewerber als Zeichen des Segens und der Zuwendung die Hände auf. Die Frauen und Männer stammen aus Gemeinden des Bistums Mainz und wurden von ihren Pfarrern und Seelsorgern sowie Paten, Familien und Freunden begleitet. Der Gottesdienst im Mainzer Dom als zentrale Zulassungsfeier für die Katechumenen aus dem gesamten Bistum fand erstmals im Jahr 2000 statt.
In seiner Predigt sprach Bischof Kohlgraf zunächst über seinen eigenen Glaubensweg. Er werde immer wieder von Firmlingen nach seinem Glaubensweg gefragt, und dann seien die Jugendlichen manchmal ein wenig enttäuscht, weil er von klein auf im Glauben aufgewachsen sei. Fünf Wochen nach seiner Geburt wurde er „ganz selbstverständlich“ getauft. Das sei also nicht seine eigene Entscheidung gewesen, sagte Kohlgraf. Und trotzdem sei es ein wichtiger Schritt auf seinem Weg zu einer Beziehung mit Gott gewesen. „Bei Ihnen hingegen ist der Weg zur Taufe eine bewusst getroffene Entscheidung als Erwachsene“, sagte Kohlgraf. Eines verbinde jedoch Täuflinge jeden Alters: „Die Entscheidung zu einem Leben mit Gott muss ich jeden Tag neu treffen. Ich bin mir sicher, es wird Ihnen auch so gehen.“
„Sie treffen die richtige Entscheidung“
Kohlgraf wünschte den Anwesenden, dass sie ähnlich wie er selbst einmal nach Jahren und Jahrzehnten an den Ort ihrer Taufe zurückkehren, und feststellen könnten, dass sich ein roter Faden des Glaubens durch ihr Leben gezogen hat, „und im Nachhinein erkenne ich: Gott hat mich geführt“, sagte Kohlgraf. Er ermutigte die Taufbewerberinnen und Taufbewerber mit den Worten: „Sie treffen die richtige Entscheidung. Mir würde das Wesentlichste in meinem Leben fehlen, wenn ich Gott nicht hätte. Diese Erfahrung wünsche ich auch Ihnen.“
Alle Taufbewerberinnen und Taufbewerber hatten bei dem Gottesdienst sehr persönlich über ihre Motivation zur Taufe berichtet. Die musikalische Gestaltung des Wortgottesdienstes hat der Mainzer Domorganist, Professor Daniel Beckmann, übernommen. Nach der Feier haben sich die Teilnehmenden noch mit Bischof Kohlgraf zum Austausch bei Kaffee und Kuchen im Erbacher Hof getroffen.
Katechumenat
Die Bewerberinnen und Bewerber befinden sich derzeit im so genannten Katechumenat, der Vorbereitungszeit für Jugendliche und Erwachsene, die Christen werden wollen. Höhepunkt des Katechumenats ist die Spendung der Sakramente Taufe, Firmung und Eucharistie. Die Feier dieser so genannten Einführungssakramente wird in den jeweiligen Heimatgemeinden in der Regel in der Osternacht begangen. Mit dem Sakrament der Taufe wird der Mensch in die Kirche aufgenommen. Die Taufe erfolgt durch die Worte: „Ich taufe Dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Dabei wird dem Täufling Wasser über den Kopf gegossen. In verschiedenen Riten wird die Taufe anschließend gedeutet, unter anderem durch die Salbung mit Chrisam-Öl. Dabei wird deutlich, dass der Getaufte durch die Taufe zu Christus gehört.
Hinweis: Informationen zum Katechumenat geben alle Seelsorgerinnen und Seelsorger in den Pfarreien sowie Aaron Torner vom Referat Katechese - Evangelisierung, Glaubenskommunikation und Verkündigung im Bischöflichen Ordinariat: Telefon: 06131/253-241 oder E-Mail: aaron.torner@bistum-mainz.de
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Nachricht voraus am 21.2.26 hoff (MBN)
Menschenrechtsaktivist war zu Gast bei Bischof Peter Kohlgraf
Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat sich am Mittwoch, 18. Februar, zu einem Austausch mit Friedensnobelpreisträger Professor Dr. Denis Mukwege im Mainzer Bischofshaus getroffen. Der Menschenrechtsaktivist Mukwege ist Gynäkologe und Gründer des Panzi-Hospitals in Bukavu/Demokratische Republik Kongo, wo Frauen nach Gruppenvergewaltigungen behandelt werden. Im Jahr 2018 war ihm zusammen mit der irakischen Menschenrechtsaktivistin Nadia Murat der Friedensnobelpreis für seine Arbeit zuerkannt worden. Begleitet wurde der Besuch von Dr. Christoph Krauß von der Geschäftsstelle Weltkirche/Gerechtigkeit und Frieden im Bischöflichen Ordinariat sowie weiteren Beteiligten einer Abendveranstaltung mit Muckwege an der Universität.
Am Abend spricht Mukwege ab 18.00 Uhr bei einer Veranstaltung in der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Philosophicum, Hörsaal P1). Unter der Überschrift „Frieden im Kongo. Gerecht und dauerhaft?“ geht es um die aktuelle Situation in der Demokratischen Republik Kongo und mögliche Wege für einen gerechten Frieden. Mukwege spricht auf dem Podium mit Christelle Beti, Vorsitzende des deutsch-kongolesischen Jugendinstituts mit Sitz in Köln. Veranstaltet wird der Abend von der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, dem Bistum Mainz, dem Ökumenischen Rat der Kirchen, der Kommission für Solidarität mit Zentralafrika der internationalen Friedensbewegung Pax Christi, dem Zentrum für Wissenstransfer und Weiterbildung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Fridtjof-Nansen-Akademie für politische Bildung im Weiterbildungszentrum Ingelheim.
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Nachricht voraus am 18.2.26 tob (MBN)
Traditioneller Gottesdienst mit den Garden im vollbesetzten Mainzer Dom
Mainz. Der Mainzer Domdekan Henning Priesel hat am Sonntag, 15. Februar, den traditionellen Fastnachtsgottesdienst für die Garden und Korporationen der Mainzer Fastnacht im vollbesetzten Mainzer Dom gefeiert. Priesel stellte in seiner gereimten Predigt den Segen in den Mittelpunkt und entfaltete dessen Bedeutung an dem Lied „Komm, Herr, segne uns“. Wörtlich sagte er: „Segen ist keine Einbahnstraße/ lasst heut‘ uns das bewusst erfassen. / Er ist Geschenk von Gott und Gnade, / damit er findet, Wege und Pfade, / sich auszubreiten, hinzutragen in die Welt, / die sonst in Trübsal und in Finsternis zerfällt.“
Und weiter heißt es in der Predigt: „Wenn wir gemeinsam unter diesem Zeichen stehen, / können wir auch heut‘ - am Fastnachtssonntag - Gottes Wege gehen. / Das ist doch auch der Grund heut‘ Morgen hier zu sein, / denn keiner von uns lebt und geht und freut sich doch allein. / Wo Frieden, Hoffnung wir und unser Miteinander teilen, / wird Segen sich ereignen, da können Wunden heilen. / Da werden mit vereinten Kräften wir auch dem Bösen widerstehen, / den selbsternannten Heilspropheten hinter ihr Lug- und Trug-Gebäude sehen. / Die Kraft dazu liegt in dem Segen, / der uns von Gott allein gegeben, / wo wir ihn teilen in die Rund‘, / wird Wahrheit stark, da schlägt der Hoffnung Stund‘.“
Wörtlich sagte Domdekan Priesel: „Dieser Segen will uns leiten, will gedeih’n / sich zu bekreuzigen darauf die Antwort aus dem Glauben sein: / Gesegnete, gesendet Groß und Klein / wir tragen Gottes Segen in die Welt hinein.“ Der Gottesdienst für die Garden und Korporationen der Mainzer Fastnacht im Mainzer Dom fand erstmals 1996 im Mainzer Dom statt. Der Gottesdienst war im Livestream auf der Internetseite des Bistums übertragen worden.
Der Mainzer Generalvikar, Dr. Sebastian Lang, gehörte zu den Konzelebranten des Gottesdienstes. Auch der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf nahm am Gottesdienst teil und spendete den Schulsssegen. Die musikalische Gestaltung hatten übernommen: das Wonnegauer Blasorchester Osthofen (Regimentsorchester der Prinzengarde) unter Leitung von Samir Müller, der Mainzer Domorganist, Professor Daniel Beckmann, an der Mainzer Domorgel und Kantoren aus den Garden: Jörg Albers, Johannes Both, Axel Döhr, Teresa Victor-Siepchen und Stefan Wink.
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Nachricht voraus am 15.2.26 tob (MBN)
Bistumsleitungen in RLP äußern sich zum Inkrafttreten der Durchführungsverordnung
Limburg/Mainz/Speyer/Trier/Köln. „Vor allem ist es uns ein Anliegen, für Menschen angesichts von Tod und Trauer da zu sein und sie verlässlich zu begleiten. Das gilt unabhängig von der gewählten Bestattungsform und auch angesichts der Tatsache, dass wir uns zur Einführung der neuen Bestattungsformen außerhalb des Friedhofs kritisch geäußert haben.“ Das hat Prof. Dr. Hildegard Wustmans, Bischöfliche Bevollmächtigte im Bistum Limburg, betont. Gemeinsam mit ihren Kollegen in der Leitung der rheinland-pfälzischen Bistümer Limburg, Mainz, Speyer und Trier sowie des Erzbistums Köln (das sich teilweise nach Rheinland-Pfalz erstreckt) hat sie sich in einer Stellungnahme anlässlich der am 31. Januar 2026 in Kraft getretenen Durchführungsverordnung zum neuen rheinland-pfälzischen Bestattungsgesetz geäußert.
Würdigung des neuen Gesetzes
Dass nach 42 Jahren die bisherige Rechtsgrundlage für das Bestattungswesen den heutigen Erfordernissen angepasst wurde, würdigen die Bistumsleitungen. Der Mainzer Generalvikar Dr. Sebastian Lang nennt etwa die Vorschrift, dass die Gemeinden neben ihren Einwohnerinnen und Einwohnern auch deren nächste Verwandte zur Bestattung zulassen müssen: „Das trägt dazu bei, dass ein Grab dort sein darf, wo jemand wohnt, dem es als Ort von Trauer und Gedenken wichtig ist.“ Lang verweist darauf, dass die Aufnahme der Tuchbestattung und die Ermöglichung der Abschiedsfeier am offenen Sarg unterschiedlichen gesellschaftlichen und religiösen Gruppen nun die gesetzliche Grundlage biete, „die Bestattung gemäß ihrer Tradition durchzuführen“. Zu begrüßen sei ebenfalls, dass die in Rheinland-Pfalz schon länger bestehende Regelung zur Bestattung von Sternenkindern in einzelnen Punkten präzisiert und ergänzt worden ist.
Neue Vielfalt von Bestattungsformen
Die Verantwortlichen in den Bistümern erinnern daran, dass die katholische Kirche die Einführung neuer Bestattungsformen außerhalb des Friedhofs im Gesetzgebungsverfahren kritisch bewertet hat; diese Bedenken bestünden nach wie vor. Die Zulassung neuer Formen wie das Ausbringen der Asche, die Flussbestattung, die Aufbewahrung zu Hause oder die würdevolle Weiterverarbeitung von Teilen der Asche gebe „den Menschen mehr Möglichkeiten, eine von ihnen bevorzugte Form der Beisetzung zu finden“, hebt Markus Magin, Generalvikar des Bistums Speyer, hervor. „Damit wird zugleich die Entscheidungsfindung anspruchsvoller, und es steigt der Bedarf an Meinungsbildung und Beratung.“ Die katholische Kirche wolle „aktiv dazu beitragen, dass Menschen sich hierzu eine wohl überlegte Meinung bilden und so eine Entscheidung treffen können, die dem Willen der Person entspricht und sich zugleich auch im Trauerprozess der Hinterbliebenen als tragfähig erweist“. Großen Wert legen die Verantwortlichen der katholischen Kirche darauf, „dass der Name als Zeichen für die Einmaligkeit und Würde der verstorbenen Person über den Tod hinaus an der Grabstelle erkennbar bleibt“, betont Triers Generalvikar Dr. Ulrich von Plettenberg. Man werbe für die Kultur sichtbarer, öffentlich zugänglicher Grabstätten als Anknüpfungspunkt für Trauer und persönliches und gemeinschaftliches Gedenken. „Diesen Optionen entsprechen die neuen Bestattungsformen kaum. Dennoch bleibt für uns leitend, dass eine gottesdienstliche Feier zum Begräbnis und seelsorgliche Begleitung in jedem Fall stattfinden können, auch dann, wenn eine neue Bestattungsform außerhalb des Friedhofs gewählt wurde.“
Gemeinsam die Bestattungs- und Erinnerungskultur weiterentwickeln
Sich einzubringen in die Prozesse rund um das neue Bestattungsgesetz ist der katholischen Kirche wichtig, sagt Hildegard Wustmans: „Als katholische Kirche möchten wir uns zusammen mit allen, die in diesem Bereich tätig sind, in die Weiterentwicklung der Bestattungskultur konstruktiv einbringen.“ Leitend dabei sei „der Glaube an die Würde jedes einzelnen Menschen, das Wissen um die Bedeutung konkreter Orte für die Trauer und die Option für eine öffentliche Gedenk- und Erinnerungskultur“. Markus Magin führt einen weiteren Punkt an: „Ein besonderes Anliegen ist uns, dass auch diejenigen ein würdiges Begräbnis und eine namentliche Grabstelle erhalten, die nur wenig finanzielle Mittel oder keine Angehörigen haben.“ Hier seien gesetzlich vor allem die Kommunen in der Pflicht, „denen wir die Mitwirkung an der Gestaltung guter Lösungen anbieten“.
Eine konkrete Bitte haben die Bistumsleitungen an die Friedhofsträger angesichts der „radikalen Herabsetzung der Mindestruhefrist für Urnenbeisetzungen von fünfzehn auf nur noch fünf Jahre“. Sebastian Lang bittet die Friedhofsträger, „ihre Ordnungen so zu gestalten, dass nicht nur das kurzfristige, sondern auch das mittelfristige Bestehen einer Grabstelle im Interesse einer guten Gedenkkultur weiter die Regelform und auch erschwinglich bleibt“. Weil das neue Bestattungsgesetz nun auch rechtlich weitgehende Veränderungen eintrage, sollten die Auswirkungen aufmerksam beobachtet werden und zu der gebotenen Nachsteuerung führen. Von Plettenberg erklärt: „Daher begrüßen wir, dass das Gesetz eine Evaluation vorsieht, und werden uns im Sinne unserer oben genannten Optionen nach Möglichkeit konstruktiv in diesen Prozess einbringen.“
Hinweis: Die gesamte Stellungnahme zum Bestattungsgesetz:
http://www.bistummainz.de/export/sites/bistum/seelsorge/krankheit-alter-abschied-tod/.galleries/dokumente/Gemeins-Stellungnahme-Bistuemer_BestG-RLP_2026-02-11.pdf
Nachricht voraus am 11.2.26 JR (MBN)
Hirtenwort von Bischof Peter Kohlgraf zur Österlichen Bußzeit 2026
Das Hirtenwort des Mainzer Bischofs Peter Kohlgraf zur Österlichen Bußzeit steht in diesem Jahr unter der Überschrift „‚Du brauchst nur ein wenig an dich selbst zu denken‘ ist für mein Leben zu wenig“. Der Text wurde in den Pfarreien am ersten Fastensonntag (Samstag, 21., und Sonntag, 22. Februar) verlesen. Im Folgenden dokumentieren wir das Hirtenwort:
Am Weihnachtsfest haben Millionen von Christinnen und Christen weltweit ihren Heiland und Erlöser begrüßt und seine Geburt gefeiert. In der Fastenzeit erwarten sie und viele von uns auch die Erlösung durch das Kreuz und die Hoffnung auf die Auferstehung. Das Christentum ist eine Erlösungsreligion, Erlösung ist das Kernthema des Glaubens, das vielen Menschen auch innerhalb der Kirche wohl nicht mehr so einfach zugänglich ist. Bereits der Begriff „Erlösung“ und das damit verbundene Konzept können gedanklich herausfordernd sein und zunächst unvertraut und fremd erscheinen. Es lohnt sich, dieses Thema für sich selbst und das kirchliche Leben neu zu entdecken. Zwar sind dazu ganze Bibliotheken geschrieben worden, doch helfen Bücher allein dem einzelnen suchenden Menschen oft nicht weiter.
Ich will nur wenige Punkte zum Weiterdenken ansprechen. 1996 erschien ein Kurzfilm mit dem Titel „Ernst und das Licht.“ Auch wenn der Film 30 Jahre alt ist, bleibt seine Botschaft aktuell. Die Handlung ist schnell erzählt. Ernst, ein Reinigungsmittelvertreter, ist mit seinem Auto auf dem Weg nach Hause und nimmt einen Anhalter mit. Dieser behauptet, Jesus, der Sohn Gottes, zu sein. Die beiden kommen miteinander ins Gespräch. Jesus versucht auf seltsam ungeschickte und altertümliche Art, Ernst für seine Mission zu gewinnen: die Menschheit zu erlösen. Doch Ernst interessiert sich für alles, nur nicht für das dringende Anliegen Jesu. Sein Handy ist kaputt und er möchte schnell zu seiner Frau nach Hause, was er seinem Mitfahrer auch deutlich mitteilt: „Du brauchst hier keinen zu erlösen. Du brauchst nur ein bisschen an dich selbst zu denken“. Der ganze „Missionsmist“ geht ihm zunehmend auf die Nerven. Jesus hat offensichtlich mit seiner Sprache und seinen Themen längst den Anschluss verpasst. Was auf der Erde vorgeht, weiß er nicht. Ernst schildert ihm das wirkliche Leben. Mit seiner Botschaft kann Jesus nicht überzeugen. Wenn Ernst die heutige Wirklichkeit widerspiegelt, ist dann die christliche Botschaft an ein Ende gekommen? Das glaube ich nicht und möchte dem Reinigungsmittelvertreter Ernst widersprechen. Ein Kern der christlichen Erlösungsbotschaft heute liegt nämlich für mich in dem Wunsch, davon befreit zu werden, nur an mich selbst denken zu müssen.
Die christliche Botschaft von der Erlösung weitet den Blick vom „Ich“ auf die Verantwortung für die Welt und die vielen Beziehungen, in denen Menschen leben. Wer merkt, dass die eigene Meinung nicht genügt, wird seinen Blick weiten wollen. Es ist mein persönlicher Eindruck, den ich wiedergeben möchte: Für viele Menschen ist das Ich der letzte Maßstab geworden. Die Meinung anderer wird zunehmend als Bedrohung empfunden. Das Wort Gottes und sein Anspruch spielen für viele Menschen keine Rolle mehr. Für mich ist der erste Aspekt meiner Hoffnung auf Erlösung, dass mein eigener Horizont erweitert wird. Wir sind in der Kirche weltweit auf der Suche nach Synodalität. Mit diesem Wort ist genau dieses Anliegen beschrieben. Christinnen und Christen werden in der Nachfolge Jesu immer bemüht sein, die eigene Meinung und Weltsicht nicht absolut zu setzen. Im Sinne des heiligen Ignatius von Loyola, dem Gründer der Jesuiten, muss es immer darum gehen, die Sichtweise des anderen Menschen „retten“ zu wollen. Den eigenen Horizont zu weiten, vom Ich zum Du zu führen, war das Lebensprogramm Jesu. Ihm ging es nicht um Selbstverwirklichung auf Kosten anderer. Sein Ziel war es, andere Menschen wachsen zu lassen, sie zu heilen und sie über ihr kleines Ich hinaus zu öffnen. Bei seiner Geburt verkündeten Engel den Frieden, Menschen erkannten in ihm die Hoffnung auf die Zukunft aller Menschen. Das Kreuz ist die Zusammenfassung seiner Lebenshaltung. Er gibt sich hin für alle Menschen. Im Philipperbrief (2,5-9) fasst der Apostel Paulus diese erlösende Grundhaltung zusammen:
„Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht: Jesus Christus war Gott gleich, / hielt aber nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern er entäußerte sich / und wurde wie ein Sklave / und den Menschen gleich. / Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich / und war gehorsam bis zum Tod, / bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht / und ihm den Namen verliehen, / der größer ist als alle Namen.“
Die Öffnung über das eigene Ich hinaus berücksichtigt auch den Willen Gottes. Wer seinen Willen sucht, wird sich stets darum bemühen, das Wohl der Menschen zu fördern. Jeder Egoismus, jede Menschenverachtung und jeder Hass sind dem Willen Gottes fremd.
Manche berufen sich heute auf christliche Werte und Traditionen und schüren gleichzeitig die Verachtung gegenüber der Meinung und Person anderer. Von dieser Haltung sollen wir erlöst werden.
Vielleicht ist das der Punkt, über den Menschen heute am wenigsten nachdenken. Für mich kann ich sagen: Ich bleibe hinter Gottes Anspruch an mein Leben zurück. Trotz meiner Bemühungen werde ich sowohl Gott als auch den Menschen gegenüber schuldig. Es hilft nicht, dieses Thema zu verdrängen. Menschen werden schuldig, indem sie das Gute unterlassen, indem sie in Gedanken, Worten und Werken sündigen. Diese Schuld kann ich mir nicht selbst vergeben. Sie zu ignorieren, hilft ebenso wenig.
Wenn Menschen sich der Tatsache bewusst sind, dass niemand perfekt ist, verändert das ihren Umgang miteinander. Zu meinem christlichen Glauben gehört wesentlich, dass ich meine Grenzen, mein Versagen und meine Schuld nicht verdrängen muss, sondern sie der Barmherzigkeit Gottes überlassen darf. Christus hat alle Schuld getragen und in Leben verwandelt. Zur Praxis meines Glaubens gehört die Beichte, doch auch jede andere Form der Gewissenserforschung und Haltungsreflexion verändert mich und stiftet neue Möglichkeiten, Leben und Gemeinschaft zu fördern.
Zu meinem Glauben gehört wesentlich, dass ich mich als einzigartiges Geschöpf verstehe. Gott hat mich beim Namen gerufen. Hoffnung bedeutet für mich, dass Gott mir zutraut, die Welt zu gestalten und zum Guten zu verändern. Ich bin keinem blinden Schicksal oder gar dem Bösen unterworfen. Der eigentliche Kern meiner Hoffnung ist jedoch, dass ich mich zum ewigen Leben berufen weiß. Ich bin in Gottes Hand geschrieben, ich werde bei Gott nie vergessen sein. Diese Hoffnung hege ich nicht nur für mich selbst, sondern für alle Menschen. Zu dieser Hoffnung
gehört wohl auch die Hoffnung auf eine bleibende Gerechtigkeit. Ich hoffe fest darauf, dass die Opfer der Geschichte Gerechtigkeit erfahren werden. Ich glaube fest daran, dass ich zu einem Leben berufen bin, dass alle menschlichen Vorstellungen übertrifft. Darin liegt auch in diesem Jahr die österliche Hoffnung, die wir in unseren Gottesdiensten feiern werden.
„Du brauchst nur ein wenig an dich selbst zu denken“ ist für mein Leben zu wenig. Ich möchte von dieser Enge erlöst werden und meinen Egoismus überwinden. Ich möchte meine Schuld in Gottes barmherzige Hände legen dürfen, ebenso wie meine begrenzte Zeit. Ich hoffe auf ein ewiges Leben. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete österliche Bußzeit.
Ihr
+Peter Kohlgraf
Bischof von Mainz
Mainz, am 1. Fastensonntag 2026