Mainz. Ordinariatsdirektorin Stephanie Rieth, die Bevollmächtigte des Generalvikars, begeht am Sonntag, 30. März, ihren 50. Geburtstag. Seit dem 15. April 2022 ist Rieth als Bevollmächtigte des Generalvikars Mitglied der Bistumsleitung. In dieser Position nimmt sie gemeinsam mit Generalvikar Dr. Sebastian Lang auf Augenhöhe die Gesamtverantwortung im Bereich des Generalvikars wahr und ist in dieser Funktion Stellvertreterin des Bischofs. Mittlerweile haben elf der 27 deutschen Bistümer Leitungsmodelle mit und neben dem Generalvikar eingeführt. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf wird Stephanie Rieth im Anschluss an die Leitungskonferenz des Bischöflichen Ordinariates am Dienstag, 8. April, würdigen.
„Ich merke inzwischen die Akzeptanz für mein Amt bei vielen Arbeitskontakten“, berichtet Rieth. „Aber es ist nach wie vor so, dass ich mir meine Rolle erarbeiten muss. Das funktioniert nicht von allein. Das Amt des Generalvikars gibt es seit Jahrhunderten und die kirchliche Hierarchie erscheint vielen unveränderlich. Da fällt es der Öffentlichkeit natürlich nicht leicht einzuordnen, wenn diese Hierarchie mit einem neuen Amt aufgebrochen wird.“
Die Pionierarbeit, die sie nach wie vor mit diesem Amt leisten müsse, sei deswegen auch anstrengend, sagt Rieth: „Man kann dieses Amt nicht wirksam innehaben, wenn man nicht bereit ist, mehr zu leisten als das normale Maß.“ Die Bevollmächtigte ist überzeugt, dass es mittlerweile gelungen ist, ihr Amt personunabhängig zu installieren. Der Wechsel von Generalvikar und Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz zu Generalvikar Dr. Sebastian Lang Ende 2023 sei „die Nagelprobe“ dafür gewesen: „Es funktioniert auch in dieser neuen Konstellation. Ich glaube nicht, dass man dieses Amt einfach so wieder eliminieren könnte.“ Mit Stolz blicke sie darauf, „dass wir das, was wir mit der Einführung meines Amtes auf Ebene der Bistumsleitung vorleben, durch die neuen Leitungsmodelle in den neu gegründeten Pfarreien des Bistums auch wiederfinden“.
„Mir ist es wichtig, dass mein Amt kein Frauenamt ist“, hebt Rieth hervor. „Das Aufbrechen klerikaler Strukturen ist nicht nur Sache von Frauen. Aber natürlich komme ich in diesem Amt immer wieder auch an die Grenzen, die Frauen in der Kirche erleben. Das ist eine persönliche Herausforderung, die sich mir so erst in diesem Amt gezeigt hat. Vorher hatte ich mich eben auch damit arrangiert, nicht die Dinge ändern zu wollen, auf die ich keinen Einfluss habe.“
Besonders prägend sei es, Entscheidungen in besonders schwerwiegenden oder weitreichenden Fragen zu treffen. „Das hätte ich mir früher als Pastoralreferentin nie träumen lassen. Die Macht, die mit diesem Amt verbunden ist, kann man nicht kleinreden.“ Ganz offensichtlich geworden sei das schon in ihrem ersten Jahr als Bevollmächtigte: „In den Sommerferien waren Bischof, Generalvikar, Domdekan und auch der Personaldezernent gleichzeitig in Urlaub. Da ist meine Gesamtverantwortung für das Bistum auf einmal ganz augenfällig geworden. Aber ich könnte diese Verantwortung gar nicht tragen, wenn ich nicht so viele tolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ganzen Bistum hätte.“
Besondere Akzeptanz für ihre Arbeit erfahre sie über ihre Verantwortung für die Missbrauchsaufarbeitung im Bistum Mainz. Das sei allerdings auch der Arbeitsbereich, der besonders viel Kraft koste. Die Aufarbeitung sei sehr komplex und geschichtlich besonders belastet. Vor allem aber brauche es viel Zeit, ein ganzes System zu verändern. „Wir können in diesem Thema nur vorankommen, wenn wir die gesamte Organisation mitnehmen“, betont Rieth. „Wir haben schon Einiges geschafft auf diesem Weg, aber es liegt auch noch sehr viel Arbeit vor uns. Meine Zielvorstellung ist, dass wir die Arbeit in Aufarbeitung, Prävention und Intervention so entwickeln, dass wir das System verändern, aber dabei auch die Mitarbeitenden nicht überfordert werden.“
Für die Zukunft der Kirche wünsche sie sich, „dass es uns gelingt, quer durch alle Ämter sach- und themenorientiert zu arbeiten“, betont die Bevollmächtigte: „Wir haben als Kirche so viel zu verlieren. Da können wir es uns nicht leisten, allzu viel Wert auf Hierarchie und Befindlichkeiten zu legen. Wir müssen unseren Teil dazu tun, dass die Kirche zukunftsfähig wird.“
Stephanie Rieth (geboren am 30. März 1975) ist nach ihrem Theologiestudium und dem darauffolgenden Pastoralkurs im Jahr 2002 als Pastoralreferentin im Bistum Mainz gesendet worden. Zunächst war sie Religionslehrerin und Schulseelsorgerin in Offenbach. Nach der Elternzeit arbeitete sie in der Gemeinde St. Rochus in Mainz-Kastel und -Amöneburg. Im Jahr 2011 wurde sie Referentin in der Diözesanstelle „Berufe der Kirche“ und beim Päpstlichen Werk für geistliche Berufe (PWB). Rieth wechselte im Januar 2016 als Ausbildungsreferentin zum Pastoral- und Ausbildungsseminar für Kapläne und Pastoralassistentinnen und -assistenten im Bistum Mainz. Im Mai 2019 wurde sie Persönliche Referentin von Weihbischof und Generalvikar Bentz. Rieth ist außerdem seit 2003 regelmäßige Autorin für Verkündigungssendungen in den Hörfunkprogrammen des Hessischen Rundfunks (HR). Sie ist verheiratet und hat mit ihrem Mann drei Kinder.