„Das Ehrenamt ist kein Lückenbüßer“

Schlusskonferenz zur Visitation im Dekanat Mainz-Süd mit Weihbischof Bentz

Nieder-Om, 27.6.2019: Weihbischof Dr. Udo Markus Bentz (Mitte) bei seinen Ausführungen bei der Schlusskonferenz für das Dekanat Mainz-Süd in Nieder-Olm; mit dabei auch Dekan Hubert Hilsbos (r.) und Fabian Krämer, Persönlicher Referent des Weihbischofs. (c) Bistum Mainz / Matschak
Fr 28. Jun 2019
am (MBN)

Nieder-Olm. „Das Ehrenamt darf beim Pastoralen Weg nicht Lückenbüßer und die Ersatzlösung für das hauptamtliche Wirken sein. Wir müssen Ehrenamt so gestalten, dass die Menschen sich als getaufte Christen mit einer eigenen Berufung wahrnehmen, die etwas zum Aufbau einer Gemeinde beitragen. Daher ist es wichtig, dass die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamt wirklich auf Augenhöhe geschieht. Und für viele Ehrenamtliche ist es zudem sehr wichtig, dass auch sie wirklich Verantwortung haben.“ Das sagte der Mainzer Weihbischof und Generalvikar, Dr. Udo Markus Bentz, bei der Schlusskonferenz im Dekanat Mainz-Süd am Donnerstag, 27. Juni, im Camarahaus in Nieder-Olm.

Der Weihbischof hatte seit dem 10. Januar das Dekanat visitiert; zur Schlusskonferenz waren die hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Dekanats sowie Ehrenamtliche (unter anderem die Pfarrgemeinderatsvorsitzenden und die Mitglieder der Dekanatsversammlung) eingeladen.

Er habe bei der Visitation viele aktive Pfarreien erlebt, „in denen ein wirklich gutes kirchliches Leben“ stattfinde und „wo immer noch viele engagierte ehrenamtliche Christinnen und Christen sich um ihre Gemeinde vor Ort kümmern“, sagte Bentz weiter. Im Dekanat Mainz-Süd habe es in den vergangenen Jahren einige Pfarreifusionen gegeben: „Hier funktioniert das kirchliche Miteinander der verschiedenen Kirchorte schon sehr gut.“ Im Rahmen des Pastoralen Weges stünden nun weitere Veränderungen an: „Daher befürchte ich, dass die neuen Strukturen, die sich im Zuge des Pastoralen Weges entwickeln sollen, für die Menschen hier vor Ort eine besonders Herausforderung sein werden. Ich glaube man kann sich auch noch gar nicht so richtig vorstellen, was für eine neue Art von Kirche-Sein dieses Leben in noch größeren Einheiten bedeutet. Daher wird es besonders wichtig sein, dass Hauptamtliche und Gremienmitglieder gut in die Gemeinden hinein kommunizieren.“ Es werde eine „große Herausforderung“ sein, diesen Weg zu gehen und die Menschen, die nicht direkt daran beteiligt sind, „auf diesen Weg mitzunehmen und Sorge dafür zu tragen, dass sie nicht auf der Strecke bleiben“. Auch von Seiten des Bistums müsse noch „besser, konkreter, anschaulicher und breiter“ über den Pastoralen Weg informiert werden. „Diese Kommunikationsschiene muss weiter ausgebaut und verbessert werden“, sagte er.

Er habe auch wahrgenommen, dass das zukünftige Arbeiten in größeren Teams „mancherorts als befreiende Perspektive“ gesehen werde. „Hier müssen wir von Mainz aus Hilfe geben, wie Teams sich weiterentwickeln können, und wie das Miteinander im Team gut strukturiert werden kann. Insgesamt nehme ich die Aufgabe mit, Personalbegleitung und Personalentwicklung als wichtigen Faktor auf dem Pastoralen Weg zu etablieren. Wir erhoffen und erwarten schließlich von unseren Haupt- und Ehrenamtlichen auch einiges an Veränderungsbereitschaft. Hier müssen wir aber auch Hilfestellungen bieten, dass man sich als Einzelner und als Team auf diese neue Situation einstellen kann“, sagte der Weihbischof.

Bei größeren pastoralen Räumen müsse auf die „konkreten Lebensräume“ geachtet werden, sagte Bentz weiter. Daher sei es wichtig, bei den Überlegungen, in welcher Form das kirchliche Leben im Dekanat Mainz-Süd organisiert werde, „den Sozialraum noch einmal genauer in den Blick zu nehmen“. „Soll das Dekanat in Zukunft nur aus einer Pfarrei bestehen? Oder sind nicht doch zwei Pfarreien besser umsetzbar, gerade auch im Hinblick darauf, dass es hier kein eindeutiges Zentrum im Dekanat gibt, aber zwei Bereiche – zum einen die Rheinschiene und zum anderen das rheinhessische Hinterland mit Nieder-Olm als Zentrum. So wie ich es sehe, ist auch die Anbindung durch öffentliche Verkehrsmittel zwischen diesen zwei Bereichen eher schwierig“, sagte er.

Engagiertes Dekanatsteam

Er habe in Mainz-Süd ein „sehr engagiertes Dekanatsteam“ erlebt, dass unter anderem  versuche, vor allem die Menschen zu erreichen, die nicht so sehr mit den Pfarreien verbunden sind. Bentz nannte „Gottesdienste an anderen Orten“, das Angebot einer Pfarrei übergreifenden Erstkommunionvorbereitung und die gemeinsame Firmvorbereitung. In diesem Zusammenhang regte Bentz dazu an, „sich unter den Hauptamtlichen auf gemeinsame Standards in der Seelsorge zu verständigen“. „Ich möchte Ihnen Mut machen, wirklich zu schauen und ins Gespräch miteinander zu kommen: Wie können wir uns gemeinsam auch inhaltlich verständigen und zusammenarbeiten?“ Zusammenarbeit und Verbindlichkeit im Dekanat bezeichnete der Weihbischof als „wesentlich“. „Gerade in dieser Phase des Pastoralen Weges ist es umso wichtiger, wie verbindlich Sie im Dekanat die Räume, Möglichkeiten und Gesprächsräume ernst nehmen, um wirklich etwas zu entwickeln. Wenn dies nicht mit großer Verbindlichkeit gemeinsam getan wird, dann wird es sehr schwierig, einen guten gemeinsamen Weg zu gestalten“, sagte er.

Abschließend kam der Weihbischof auch auf die Aktion Maria 2.0 zu sprechen. Bentz erinnerte daran, dass Bischof Peter Kohlgraf hier deutlich seine Dialogbereitschaft signalisierte habe. „Ich bitte aber auch um Verständnis, dass in vielen Fragestellungen auch unter den Gläubigen hier sehr verschiedene Meinungen existieren, und dass es keine Lösungen gibt, die alle zufrieden stellen werden.“ Ob es zu konkreten Ergebnissen durch die Protestaktion kommen werde, liege nicht in der Hand der Bistumsleitung, sagte der Weihbischof.

Vor der Schlusskonferenz hatte Bentz in der Kirche St. Georg die Vesper gefeiert; die Konferenz wurde vom Dekan des Dekanates Mainz-Süd, Pfarrer Hubert Hilsbos, und Dekanatsreferent Dominic Gilbert moderiert.