Den thematischen Horizont der Synodalkonferenz weiten

Bischof Kohlgraf und Birgit Weiler bei Tag zur Synodalität „Eine Kirche, viele Weg“

Mainz, 7. Februar 2026: Tagung zum Thema Synodalität mit Schwester Dr. Birgit Weiler (links) und Bischof Peter Kohlgraf. (c) Bistum Mainz / Blum
Datum:
Sa. 7. Feb. 2026
Von:
tob (MBN)

Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat hervorgehoben, dass in den Beratungen der Synodalkonferenz „der thematische Horizont geweitet wird und über die bisherigen vier Grundthemen hinaus gesellschaftsrelevante Themen aufgegriffen werden“. Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Samstag, 7. Februar, im Mainzer Kolpinghaus. 

Mainz, 7. Februar 2026: Auf der Bühne des Kolpinghauses (v.l.n.r.): Schwester Birgit Weiler, Bischof Peter Kohlgraf, Meike Jolie Sana Iqbal, Regina Heyder Stephan Weidner, Andreas Linsenmann und Renate Flath. (c) Bistum Mainz / Blum

Es sei zunächst wichtig gewesen, auf dem bisherigen Synodalen Weg „glaubwürdige Strukturen als Grundlage zu begründen“, sagte der Bischof. Jetzt werde es darum gehen, „sich auch Fragen der Glaubensweitergabe und Evangelisierung zu stellen“. Und weiter: „Ich hoffe, dass die Synodalkonferenz Formen findet, die einladender sind für viele verschiedene theologische Positionen.“

Kohlgraf sprach bei der Veranstaltung „Eine Kirche. viele Wege. Synodalität in Mainz und der Weltkirche“. Gut ein Jahr nach dem Abschluss der Weltsynode und eine Woche nach der letzten Synodalversammlung des Synodalen Weges in Deutschland hatten die Diözesanen Räte des Bistums gemeinsam mit der Frauenkommission, dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und der Akademie des Bistums zu dem Tag eingeladen, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren ins Kolpinghaus gekommen.

Mainz, 7. Februar 20266: Bischof Peter Kohlgraf bei seinem Impulsreferat zum Thema Synodalität. (c) Bistum Mainz / Blum

Weiter sagte Kohlgraf in seinem Impulsreferat: „Synodalität ist nicht einfach ein parlamentarisches Miteinander auf der Suche nach Mehrheiten. Es ist ein gemeinsames geistliches Suchen nach einem Konsens. Es geht darum, wie wir gemeinsam das Reich Gottes umsetzen können, nicht darum, wie ich meinen Kopf durchsetzen kann.“ Kohlgraf erläuterte, dass die konkrete Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Weges Zeit braucht: „25 Handlungstexte kann man nicht einfach in drei Jahren in einem Bistum umsetzen“, betonte Kohlgraf: „Es braucht in einem Bistum Zeit für Synodales Hören und Verstehen und auch um alle Räte im Bistum überhaupt einzubinden. Und natürlich muss es auch möglich sein, dass jedes Bistum für sich Schwerpunkte bildet.“ Wörtlich sagte Bischof Kohlgraf: „Es geht in erster Linie um eine Haltungsänderung. Und diese Haltung muss eingeübt werden, die ändert sich nicht einfach durch ein Dekret.“

Weiler: „Ohne Frauen ist in Amazonien keine Kirche zu machen“

Mainz, 7. Februar 2026: Schwester Dr. Birgit Weiler bei ihrem Impulsreferat. (c) Bistum Mainz / Blum

Das zweite Impulsreferat des Vormittags kam von Dr. Birgit Weiler, Missionsärztliche Schwester und Professorin in Lima/Peru, die 2023 und 2024 Beraterin des Synodensekretariates in Rom war. Sie berichtete von den synodalen Bemühungen in Lateinamerika und ihrer Heimat Peru. Papst Franziskus habe durch den Synodalen Prozess „eine pneumatologische Transformation der Kirche auf den Weg gebracht, mit dem Ziel, dass Gottes Geistkraft wieder mehr Bedeutung in der Kirche bekommt“, betonte Weiler. Für die Kirche in Lateinamerika sei dabei von besonderer Bedeutung, dass alle zur Mitverantwortung befähigt seien: „Synodalität braucht ein Miteinander auf dem Weg, um den Individualismus in Lateinamerika entgegenzuwirken im Sinne einer gemeinsamen Verantwortung für das Gemeinwohl“, sagte Weiler. Dazu gehöre die Bereitschaft, allen Menschen zuzuhören, gerade auch den Armen am Rande der Gesellschaft sowie die Fähigkeit zur Selbstkritik.

Mainz, 7. Februar 2026: Die Tagung zu Synodalität war auch in den Pausen von regem Austausch geprägt. (c) Bistum Mainz / Blum

Im Synodalen Prozess in Lateinamerika sei deutlich geworden, dass gerade auch junge Menschen und Frauen mehr Raum brauchen: „Ohne Frauen ist in Amazonien keine Kirche zu machen“, hob Weiler hervor. Sie würdigte, dass bei der Weltsynode im Vatikan erstmals 45 Frauen mit Stimmrecht teilnehmen konnten: „Das ist ein erster Schritt, aber es bleibt noch viel Luft nach oben.“

Mainz, 7. Februar 2026: Moderiert wurde die Tagung von Andreas Linsenmann und Renate Flath (rechts). (c) Bistum Mainz / Blum

Bei den Workshops am Nachmittag ging es um die Themen Frauen in der Kirche, um das Miteinander von Haupt- und Ehrenamt, um Interkulturalität und um Kirchorte der Zukunft. Dabei wurde auch mit der Methode „Gespräch im Geist“ gearbeitet, die bei der Weltsynode ein zentrales Element der synodalen Beratungen war und auch bei der letzten Synodalversammlung in Stuttgart genutzt wurde. Geleitet wurden die Workshops von Meike Jolie, Sana Iqbal, Dr. Regina Heyder, Stephan Weidner und Dr. Birgit Weiler. Die Moderation des Tages hatten Pastoralreferentin Renate Flath von der Frauenkommission und Dr. Andreas Linsenmann von der Akademie des Bistums übernommen.