Bingen. In seiner Predigt zum Weltfriedenstag am Sonntag, 18. Januar, in der Basilika St. Martin in Bingen appellierte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf an die Anwesenden: „Haltet die heute oft gängige Logik von Krieg und Gewalt sowie die Gewöhnung daran nicht für die einzige Sicht auf die Wirklichkeit. Ich lade ein, immer wieder andere Perspektiven, nicht zuletzt die des Evangeliums, mit im Gespräch zu halten. Und immer für den Frieden zu beten und zu handeln.“ Das Motto des diesjährigen Weltfriedenstages, den Papst Leo ausgerufen hat, lautet: „Friede sei mit euch allen: Auf dem Weg zu einem entwaffneten und entwaffnenden Frieden“. Organisiert wurde der Gottesdienst vom pax christi-Regionalverband Rhein-Main, der traditionell einen Gottesdienst zum Weltfriedenstag (1. Januar) mit Bischof Kohlgraf in seiner Funktion als Präsident von pax christi Deutschland feiert.
Bischof Kohlgraf sagte in seiner Predigt: „‘Der Friede sei mit euch!‘ – mit diesem Wunsch begrüßte Papst Leo XIV. am Tag seiner Wahl die Gläubigen auf dem Petersplatz und weltweit. Mit diesem Gruß eröffnet der Papst auch sein diesjähriges Schreiben zum Weltfriedenstag. Es ist der Gruß des Auferstandenen an seine Jüngerinnen und Jünger am Ostermorgen. Gleichzeitig ist es eine Sendungsformel: ‚Gebt den Frieden weiter‘.“ Kohlgraf sagte, dass jede Überhebung über andere und jede Gewalt gegen andere „auch eine Sünde gegen den Willen Gottes ist“. Deshalb sei der Friedenswunsch des Papstes keineswegs harmlos, so Kohlgraf. „Gott lässt sich für menschliche, gar kriegerische Zwecke nicht instrumentalisieren“, stellte Kohlgraf klar.
Die Zusage „Der Friede sei mit euch“ sei auch ein Aufruf zur Gewissenserforschung, sagte Kohlgraf weiter. Kohlgraf wörtlich: „In welchem Maß wird Gott immer wieder mit den eigenen Zielen und Ansprüchen verwechselt – und damit sein Name missbraucht? Bei genauerem Hinsehen geht es oft nicht um Gott und sein Wort, sondern um Macht, um Geld, um Eitelkeit und Größenwahn. Das sind und waren die eigentlichen Götzen, die Kriege entfachen. Eine entsprechende Einschätzung des Papstes halte ich für zutreffend. Menschen haben genug von dieser Gewalt und Menschenverachtung, vom Morden und Vernichten.“
Als Beispiel für Menschen und Gruppen, die sich für den Frieden engagierten, nannte Bischof Kohlgraf die Mitglieder von pax christi, „churches4future“, die Gruppe des ökumenischen Friedensgebets in Bingen, die Engagierten in der Solidaritätsgruppe des Engagements Weltladen, Verbände wie die kfd und „manche andere, die sich der reinen Gewaltlogik nicht ergeben wollen. Sie geben ein wichtiges Zeugnis dafür, dass Menschen den Frieden ersehnen und ihren Beitrag leisten wollen“, sagte der Bischof.
Zu Beginn des Gottesdienstes begrüßte Pfarrer Markus Lerchl die Gemeinde. Auch Dr. Susanne Margraf-Epe, Co-Vorsitzende von pax christi Rhein-Main, wandte sich an die Anwesenden. Am Gottesdienst wirkten auch Pfarrer im Ruhestand Bernd Weckwerth, Diakon Martin Trageser, sowie Priester Georges El Sabbagh mit. Musikalisch gestaltet wurde der Gottesdienst von der Musik- und Gesangsgruppe Hallel aus Bingen.
Im Anschluss fand ein Gespräch zum Thema mit Bischof Kohlgraf und dem Sprecher der Kommission für Rüstungsexporte von pax christi, Karl-Heinz Wiest, statt. Moderiert wurde das Gespräch von der Co-Vorsitzenden Margraf-Epe. Nach einem Impuls durch Wiest wurde die Gesprächsrunde geöffnet und es meldeten sich einige Anwesende mit ihren Fragen an Bischof Kohlgraf und Karl-Heinz Wiest. Nach der Diskussion fand die Veranstaltung mit einem Umtrunk ihren Abschluss.