Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat die Kar- und Ostertage als Ermutigung bezeichnet, den eignen lebendigen Glauben zu leben und zu feiern. In seiner Predigt in der traditionellen Missa Chrismatis im Mainzer Dom sagte Kohlgraf am Montagabend, 30. März: „Ich glaube tatsächlich, was wir heute und in den kommenden Tagen feiern, und es ermutigt mich, dass viele Menschen in den kommenden Tagen ebenfalls ihren lebendigen Glauben feiern und leben. Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie sich einander tragen und stärken in diesem Glauben. Wir feiern das, was wir glauben. Natürlich tasten wir uns auch manchmal an diesen Glauben heran. Aber die Liturgie hilft uns auch glauben. Wir dürfen uns in den kommenden Tagen tragen lassen von einem gefeierten Glauben, der immer größer ist als der je individuelle Zugang zu ihm.“
Bischof Kohlgraf hob hervor, dass weder Bischof noch Priester und auch nicht Gemeinden oder Gruppen „Liturgie machen, sondern wir treten hinzu zur Feier der Kirche“. Und weiter: „Das Messbuch bietet zahlreiche Möglichkeiten der Gestaltung, welche die Situation und die feiernde Gruppe in den Blick nimmt. Ihre Situation verbindet sich mit dem Glauben der Kirche. Diese Möglichkeiten gilt es auszuschöpfen. Aber genauso muss deutlich bleiben, dass jede Liturgie Ausdruck eines größeren Glaubens bleibt, der alle Christinnen und Christen dieser Welt im Glauben und Feiern verbindet. Die Liturgie der Kirche ist daher nicht museal, sondern immer Ausdruck eines lebendigen Glaubens. Und deswegen muss sie verwurzelt bleiben in dem großen Glauben der Kirche, deren lebendige Glieder wir sind. Liturgie ist dann authentisch, wenn sie sich einreiht in das Glaubensbekenntnis auch der Menschen vor uns, auf deren Glauben und Glaubensleben wir stehen.“
Gottesdienst sei „zuerst Gottes Dienst an uns“, betonte der Bischof. Und wörtlich heißt es in der Predigt: „Christus schenkt sich uns in den Gaben von Brot und Wein, sie sind Zeichen seiner Hingabe an uns, die sich in jeder Eucharistiefeier erneuert. Er wäscht uns die Füße, ein Zeichen seiner Liebe zu jedem Menschen. Wir gehen seinen Kreuzweg mit, den er für uns und die ganze Welt gegangen ist. Am Karsamstag halten wir die Trauer und die Stille aus, bevor wir Ostern feiern. Die Osternacht ist unser Geburtstag zum ewigen Leben, den wir feiern. Ostern ist der große Jubel über den Sieg des Lebens über den Tod. Unsere Feiern mit ihren Symbolen, der Musik, den Gebeten und Liedern übersteigen jedes bloße Wort, mit dem wir unseren Glauben beschreiben wollten.“ Und weiter: „Daher ist Liturgie keine kreative Selbstverwirklichung, aber auch kein stumpfes ritualisiertes Ablesen von Texten. Sie ist eine gemeinsame Feier des tiefsten Geheimnisses unseres Glaubens, an dem wir teilnehmen dürfen.“
Konzelebranten des Gottesdienstes waren unter anderen Generalvikar Dr. Sebastian Lang sowie der Mainzer Domdekan Henning Priesel. Der Gottesdienst war eingebettet in einen Geistlichen Tag für alle Priester und Diakone des Bistums. Im Gottesdienst hatten die anwesenden Priester ihre Bereitschaftserklärung zum priesterlichen Dienst erneuert und waren beim Gottesdienst zur Konzelebration eingeladen. Bischof Kohlgraf dankte im Gottesdienst allen Priestern, Diakonen sowie den Seelsorgerinnen und Seelsorgern für ihren Dienst im Bistum. Die musikalische Gestaltung hatte ein Vokalensemble des Mädchenchors am Dom und St. Quintin unter der Leitung von Domkantor Michael Kaltenbach übernommen. Der Mainzer Domorganist, Professor Daniel Beckmann, spielte die Domorgel.
Im Rahmen der Missa Chrismatis weihte Kohlgraf das Katechumenenöl (mit dem der Taufbewerber gesalbt wird), das Krankenöl (zur Spendung der Krankensalbung) und das Chrisam (das bei der Spendung der Taufe, des Firmsakramentes und der Priesterweihe Verwendung findet). Im Anschluss an die Missa Chrismatis nahmen Vertreter aus allen Pastoralräumen die heiligen Öle mit in die Pfarreien des Bistums.