Kohlgraf: Gelebte Liebe ist praktizierte Christologie

Akademiesoirée zur Enzyklika „Fratelli tutti“ von Papst Franziskus / Video zur Veranstaltung online

Mainz, 11. November 2020: Akademiesoirée zur Enzyklika „Fratelli tutti“ von Papst Franziskus (v.l.n.r.): Professorin Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer, Christoph Krauß und Bischof Peter Kohlgraf. (c) Bistum Mainz / Blum
Datum:
Do 19. Nov 2020
Von:
tob (MBN)

Mainz. Papst Franziskus gehe es in seiner neuen Enzyklika darum, „das ‚Ich’ des Einzelnen einzubetten in das ‚Wir’ der Menschheit und die Aufgaben, die sich der Menschheitsfamilie stellen“. Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf am Mittwochabend, 11. November, im Ketteler-Saal des Erbacher Hofes in Mainz im Rahmen einer Akademiesoirée zur jüngst veröffentlichten Enzyklika von Papst Franziskus.

Der Vatikan hatte die dritte Enzyklika „Fratelli tutti - Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft“ am 4. Oktober veröffentlicht. Aktuell veranstaltet der Erbacher Hof im November keine Veranstaltungen, zu denen sich Gäste von außen anmelden können. Auf dem Youtube-Kanal des Erbacher Hofes ist inzwischen im Nachgang ein Video zu der Akademiesoirée veröffentlicht worden.

Kohlgraf wies darauf hin, dass in der Enzyklika von Papst Franziskus „ein anderer Blick auf die Gegenwart zum Ausdruck kommt“ als ihn seine beiden Vorgänger gehabt haben. Es gehe Franziskus mehr um die praktische Seite des Evangeliums und weniger um große Themen der Geistesgeschichte wie seinen Vorgängern. In seinem Text warne der Papst vor einer Religion, die keine Folgen hat. „Religion muss für ihn Folgen haben.“ Insofern handle es sich um eine tiefe christologische Enzyklika: „Der Papst hat immer wieder darauf hingewiesen, dass gelebte Liebe praktizierte Christologie ist. Ich glaube, dass es genau darum in dieser Enzyklika geht.“

Professorin Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer vom Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftslehre an der Albert Ludwig-Universität in Freiburg machte deutlich, dass sich die Enzyklika, in der Franziskus die sozialethische Dimension der Idee der Geschwisterlichkeit formuliere, in die 130-jährige Tradition der Soziallehre der Kirche einreihe. Er bleibt aber „mit Recht bei seiner Kritik am ‚neoliberalen Credo‘“, das davon ausgehe, dass allein der Markt alle gesellschaftlichen Probleme lösen könne. Als Konsequenz aus der Geschwisterlichkeit formuliere Papst Franziskus außerdem als ein wesentliches Anliegen „die weitreichende Verpflichtung der Staatengemeinschaft, vor schweren humanitären Krisen fliehende Menschen nicht nur aufzunehmen und zu schützen, sondern auch zu fördern und zu integrieren“. Moderiert wurde die Veranstaltung von Christoph Krauß, Lehrbeauftragter an der Katholischen Hochschule Mainz. Die Begrüßung hatte Professor Dr. Peter Reifenberg übernommen, Direktor der Bistumsakademie Erbacher Hof.

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