Mainz. „Jesus zeigt uns in der Fußwaschung, worum es geht. Eine derartige Haltung, für andere da zu sein, kann die Welt verwandeln. Wir sind gerufen, Wege der Verwandlung und Veränderung zu beschreiten, und Gott wird mit uns gehen.“ Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf im Pontifikalamt an Gründonnerstag, 2. April, im Mainzer Dom. Bischof Kohlgraf wusch im Rahmen des Gottesdienstes die Füße mehrerer Frauen und Männern aus den Innenstadtgemeinden sowie Menschen aus dem Umfeld des Domes.
Mit der Fußwaschung wird daran erinnert, dass Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen hat, um deutlich zu machen, dass Christen einander dienen sollen. Seit dem Jahr 2023 wäscht der Bischof im Mainzer Dom an Gründonnerstag auch Frauen und nicht mehr ausschließlich Männern die Füße.
In seiner Predigt sagte der Bischof: „Das Wichtigste an der Heiligen Messe sind die vielen Wandlungen. Nichts und niemand sollte unverändert bleiben. Dafür steht das Pessach, das wir neu feiern – jeden Sonntag, jeden Tag. Als das Zweite Vatikanische Konzil von der lebendigen Teilnahme aller Gläubigen sprach, meinte es nicht, wie es manchmal verstanden wurde, dass möglichst viele etwas Sichtbares tun. Es meinte die innere Teilnahme, die Bereitschaft, sich einzugeben und sich verwandeln zu lassen, das eigene Leben in den Wirkungsbereich Gottes zu bringen. Heute feiern wir das Pessach, den Übergang des Herrn. Wir sind Teil der großen Geschichte, die Gott mit den Menschen schreibt.“
Wörtlich sagte Kohlgraf: „Wir essen seinen Leib und trinken sein Blut. Dadurch werden wir zu einem Tempel Gottes, zu einem Tabernakel, zu einem Zelt, in dem er wohnt. Wir sollen darstellen, was wir feiern und empfangen. Christus gewinnt in uns Gestalt, er bekommt durch uns Hand und Fuß. Bei der Eucharistiefeier geht es nicht nur darum, in den Genuss der Gegenwart Christi zu kommen, sondern auch darum, dass derjenige, der Christus empfängt, ein zweiter Christus wird und Christus in der Welt gegenwärtig setzt. Wir sind alle Monstranzen Christi, denn wir werden mit dem Auftrag gesandt, unseren Glauben öffentlich zu machen. Die Fußwaschung ist ein Sinnbild für das christliche Leben in der Nachfolge Christi. ,So sollt auch ihr einander tunʼ, sagt er.“ Die musikalische Gestaltung hatten die Domkantorei St. Martin unter der Leitung von Domkapellmeister Professor Karsten Storck, sowie Domkantorin Jutta Hörl und Domorganist Professor Daniel Beckmann übernommen.
Am Abend des Gründonnerstags beginnt innerhalb der Karwoche das so genannte Triduum Sacrum, also die Feier der drei österlichen Tage (Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag), an denen die Christen des Leidens, des Sterbens und der Auferstehung Jesu Christi gedenken. Im Mittelpunkt des Abendmahlsamtes am Gründonnerstag steht das Gedächtnis des Letzten Abendmahls Christi am Vorabend seiner Kreuzigung. Die Trauer über das Leiden und Sterben Jesu wird in diesem Gottesdienst dadurch symbolisiert, dass nach dem Gloria Orgel und Glocken bis zur Osternacht schweigen. Eingebunden ist in diesen Gottesdienst oft auch eine Fußwaschung, die daran erinnert, dass Jesus an diesem Abend seinen Jüngern die Füße gewaschen hat.
Mit der Fußwaschung wird zum Ausdruck gebracht, dass Christen einander dienen sollen. Im Neuen Testament sagt Jesus dazu: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe. Amen, amen, ich sage euch: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr und der Abgesandte ist nicht größer als der, der ihn gesandt hat. Selig seid ihr, wenn ihr das wisst und danach handelt.“ (Joh 13, 14-17)
Am Ende des Gottesdienstes werden die konsekrierten (zu deutsch: geweihten) Hostien in einer Prozession zu einem Seitenaltar gebracht und der Hauptaltar abgeräumt. Zur Kommunionfeier in der Karfreitagsliturgie werden die bereits am Gründonnerstag geweihten Hostien an die Gläubigen ausgeteilt. Dieses so genannte eucharistische Brot, das im Tabernakel aufbewahrt wird, ist für Katholiken ein Realsymbol für die Gegenwart Christi. In vielen katholischen Gemeinden findet im Anschluss an den Gottesdienst am Gründonnerstag eine Nachtwache statt - in Anlehnung an die im Neuen Testament überlieferte Nachtwache der Jünger Jesu am Ölberg. Seinen Namen verdankt der Gründonnerstag nicht der Farbe Grün, obwohl manche Volksbräuche vorsehen, dass an diesem Tag „Grüne Speisen“ auf dem Tisch stehen. „Grün“ leitet sich wahrscheinlich von dem althochdeutschen Wort „grinen“ ab - „greinen“, „weinen“, „klagen“.