Wiesbaden. Das Bistum Mainz hat die Gemeinsame Erklärung zu Erhalt und nachhaltiger Nutzung von Sakralgebäuden unterzeichnet, die bei einem „Kongress für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ der CDU-Fraktion Hessen am Samstag, 17. Januar, vorgestellt wurde. In einer koordinierten Zusammenarbeit wollen die Unterzeichnenden künftig „die politischen und finanziellen Rahmenbedingungen zur Förderung des Erhalts und der nachhaltigen Nutzung von Sakralgebäuden“ verbessern. „Alle Beteiligten streben Finanzierungsmodelle an, die den Erhalt der Kirchengebäude in der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung sicherstellen“, heißt es weiter in der Erklärung.
Geschlossen wurde die Erklärung mit dem Titel „Gemeinsame Erklärung zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts durch den Erhalt und die nachhaltige Nutzung von Sakralgebäuden“ zwischen der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, den Katholischen (Erz-) Bistümern und den Evangelischen Kirchen in Hessen. Der Kongress, zu dem die CDU-Fraktion im Hessischen Landtag unter Leitung der Fraktionsvorsitzenden Ines Claus die Kirchen eingeladen hatte, stand unter der Überschrift „Zukunft unserer Sakralgebäude – Kirchen und Politik im Dialog“.
Bei der Tagung waren von Seiten des Bistums Mainz neben Bischof Peter Kohlgraf und Generalvikar Dr. Sebastian Lang unter anderen auch Baudirektor Johannes Krämer, Seelsorgedezernent Michael Wagner-Erlekam und die Geschäftsführende Vorsitzende der Diözesanversammlung im Bistum Mainz, Dr. Susanne Barner, vertreten. Zu dem Treffen waren rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in den Hessischen Landtag gekommen. Eröffnet wurde der Tag mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Wiesbadener Marktkirche.
Bischof Kohlgraf betonte beim Abschlusspodium des Tages: „Wir müssen den Kairos dieser Tagung nutzen, um die Frage nach der Zukunft von Kirchengebäuden als gesamtgesellschaftliche Aufgabe zu begreifen.“ Wichtig sei, auch den Menschen in den Gemeinden vor Ort Verantwortung für die Zukunft der Kirchengebäude zu geben, sagte Kohlgraf: „Es gibt nicht die eine Lösung. Jetzt ist es wichtig, in Ruhe, aber mit einer gewissen Konsequenz individuelle Lösungen zu entwickeln.“ Dabei sei es sinnvoll, über Formen der Mehrfachnutzung zu sprechen, betonte Bischof Kohlgraf. Er verwies auf die Entscheidung der belgischen Kirche, keine Mehrfachnutzung von Kirchengebäuden zuzulassen. „Das ist kein Weg, den wir gehen wollen“, sagte Kohlgraf.
Der Mainzer Generalvikar Dr. Sebastian Lang hatte in einer Repilk auf die Keynote des Tages von Dr. Bruno Kahl, Deutscher Botschafter beim Heiligen Stuhl, hervorgehoben: „Wir Kirchen sind bereit, unseren Beitrag zu leisten, damit Kirchengebäude auch weiterhin offene Orte des kulturellen Erbes sein können, an denen existentielle Fragen gestellt werden. Es braucht aber auch das notwendige zivilgesellschaftliche Engagement. Gebäude, die – wie in anderen Ländern bereits üblich – in privatwirtschaftliche Verantwortung übergehen, sind für einen solchen Zweck verloren.“ Lang verwies darauf, dass historisch gesehen „erst in jüngerer Zeit in die alleinige wirtschaftliche Verantwortung der kirchlichen Körperschaften gekommen“ seien. Und weiter: „Selbst wenn die Kirchengebäude in früheren Zeiten in der wirtschaftlichen Verantwortung der kirchlichen Körperschaften waren, so entsprangen die Ressourcen für Bau und Erhalt in der Regel zivilgesellschaftlichen Engagement wie Ehrenamt und Spenden. Erst in den letzten Jahrzehnten hat eine deutliche Verengung auf Kirchensteuermittel stattgefunden“, betonte Lang. Er verwies darauf, dass rund 90 Prozent der Kirchengebäude in Deutschland unter Denkmalschutz stehen.
In der gemeinsamen Erklärung, die am Ende des Tages vorgestellt wurde, heißt es in der Präambel: „Die meisten der über 40.000 Kirchengebäude in Deutschland, davon allein ca. 3.330 in Hessen, sind nicht nur kulturelle Schätze und architektonische Meisterwerke, sondern auch identitätsstiftende Orte, die das Bild unserer Dörfer und Städte prägen. Die Unterzeichnenden erkennen die herausragende kulturelle, historische und gesellschaftliche Bedeutung der Sakralgebäude im Land Hessen an. Diese Gebäude sind Orte des Glaubens und der Gemeinschaft und zugleich bedeutende Zeugnisse unserer Geschichte und Identität, sie sind Heimat. Diese ,Andersorteʼ sollen für die Gesamtgesellschaft erlebbar bleiben. Kirchen sollen auch in Zukunft Orte des Glaubens, der Begegnung, der Kultur und des Zusammenhaltes sein.
Zusammen mit den Kirchen suchen politische Vertreterinnen und Vertreter nach Lösungen, um den Erhalt und die Nutzung von Kirchengebäuden sicherzustellen. Angesichts der radikalen Veränderungsprozesse, in denen die Kirchen stehen, sind solche Kooperationen dringend notwendig. Zukünftig wird es wohl neben der rein kirchlich-sakralen Nutzung von Kirchengebäuden und der vollständigen Umnutzung auch Lösungen geben, die erweiterte Nutzungen von Kirchen ermöglichen. Gerade diese Konzepte bieten große gesamtgesellschaftliche Chancen.“