Dank der Förderung des Landes Rheinland-Pfalz konnte die Mainzer Martinus-Bibliothek, Wissenschaftliche Diözesan-Bibliothek, im Rahmen der „Förderrunde 2025“ im Lauf des vergangenen Jahres bedeutende alte Drucke reinigen lassen und somit einen langfristigen Zugang zu diesen wertvollen historischen Quellen sichern.
Zwanzig wertvolle, stark verstaubte historische Bücher aus dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts wurden von Restauratoren vorsichtig mit Schwämmen und Pinseln Seite für Seite gereinigt. Gefördert durch das Land Rheinland-Pfalz im Rahmen des Landesförderprogramms Bestandserhaltung hat die Martinus-Bibliothek mit dieser Trockenreinigung Teile ihres wertvollen kulturellen Erbes für künftige Generationen erhalten. Die nun geretteten Objekte sind bedeutendes rheinland-pfälzisches und Mainzer Kulturgut. Anschaulich wird dies durch ihre Vorbesitzer (zum Beispiel Domdekan Johann von Heppenheim gen. von Saal). Dadurch kann die Verbreitung von gedruckter Literatur bei Persönlichkeiten und Institutionen der Mainzer Bistumsgeschichte nachverfolgt werden. Drei Bände stammen beispielsweise aus dem ehemaligen Mainzer Augustinerkloster, in dem sich seit 1805 das Bischöfliche Priesterseminar befindet.
Außerdem handelt es sich bei den ausgewählten Werken um buch- und druckgeschichtlich herausragende Stücke. Einige Objekte enthalten prächtigen Buchschmuck, zum Beispiel reich verzierte, vergrößerte Anfangsbuchstaben (Initialen), Pflanzenmalereien am Blattrand (florale Ranken) und Figuren. Zusätzlich repräsentieren diese historischen Bücher die zentralen Druckorte aus der Frühzeit des Buchdrucks in Deutschland und Mitteleuropa. Darunter befindet sich mit Speyer ein bedeutender Druckort aus Rheinland-Pfalz.
In der Frühzeit des Buchdrucks wurden Blätter von nicht mehr benötigten Handschriften beim Buchbinden oft als Schutz zwischen den hölzernen Buchdeckeln und dem bedruckten Papier wiederverwendet. Bei der Hälfte der ausgewählten alten Drucke sind dadurch mittelalterliche Handschriftenfragmente für die Nachwelt erhalten worden. Das älteste Fragment stammt aus dem 11. Jahrhundert. Außerdem befindet sich in einem der Drucke auch ein Tintenabdruck eines wichtigen mittelalterlichen hebräischen Talmudkommentars. In mehreren Fällen gab es außerdem auch zeitgenössische Stempelprägungen in den Ledereinbänden der Bücher, die Rückschlüsse auf Buchbinder und die Herkunft der Bücher geben können.
Bei einer lateinischen gedruckten Bibel (Nürnberg 1476) hatten sich beide Buchdeckel aufgrund von Materialermüdung gelöst. Dank der Förderung konnte neben der Reinigung auch eine Sicherungsrestaurierung des Einbandes erfolgen. Damit wurden weitere Schäden an diesem wertvollen Objekt vermieden. Es wird somit für die Zukunft erhalten und ist wieder vollständig benutzbar.
Um die langfristige Erhaltung der Objekte zu gewährleisten, werden die Bücher in der Martinus-Bibliothek in stabilem Klima bei 18 Grad und 50 Prozent relativer Luftfeuchte gelagert. Zu ihrem Schutz sind sie zusätzlich in säurefreien Kartonagen verpackt. Die fachliche Begleitung des Förderprogramms erfolgte durch die Landesstelle Bestandserhaltung in Rheinland-Pfalz (https://lbz.rlp.de/landeskunde-und-kulturgut/landesstelle-bestandserhaltung).