Mainz. Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf hat am Sonntag, 15. März, Pater Joshy George Pottackal O.Carm. zum neuen Weihbischof des Bistums Mainz geweiht. Der Karmelit war am Mittwoch, 26. November 2025, von Papst Leo XIV. zum Weihbischof ernannt worden. Der Erzbischof von Freiburg, Stephan Burger, sowie Bischof Wilmar Santin O.Carm. aus Itaituba in Brasilien waren die Mitkonsekratoren. Zunächst legte Bischof Kohlgraf Weihbischof Joshy die Hände auf, es folgten die Mitkonsekratoren und alle anwesenden Bischöfe in der Mitte des Altarraums. Danach wurde das Weihegebet gesprochen. Pater Joshy wurde mit Chrisam gesalbt und erhielt das Evangeliar sowie die bischöflichen Insignien Mitra, Ring und Bischofsstab. Nach dem Weiheritus brandete Applaus auf. Zu Beginn des Gottesdienstes hatte die Bevollmächtigte des Generalvikars, Ordinariatsdirektorin Stephanie Rieth, die Ernennungsurkunde des Papstes verlesen. Mehr als 1000 Menschen verfolgten den Gottesdienst live via YouTube, der Gottesdienst wurde auch vom TV-Sender EWTN übertragen.
„Wer sich auf Gott verlässt, trifft eine Entscheidung, die das ganze Leben betrifft“, sagte Bischof Kohlgraf in seiner Predigt. „Er glaubt zum einen daran, dass Gott ihn berufen hat und ihn auf seinen Wegen führt; zum anderen will er ihm vertrauen und sein Leben in seine Hände legen“, führte Kohlgraf aus und nahm Bezug zum bischöflichen Wahlspruch von Pater Joshy: „Durch Vertrauen geführt“.
„Ihre beiden Vorbilder im Glauben, Elija und Maria, folgen unterschiedlichen Berufungen, aber es ist der eine Gott, der sie ruft. Beide konnten im Vertrauen auf Gottes Führung ihr Ja sprechen“, sagte Kohlgraf an Pater Joshy gewandt. Zu dessen künftiger Aufgabe sagte Kohlgraf: „Wer heute Bischof wird, hat einen prophetischen Auftrag. In unserer Zeit und Kultur muss er an den einen Gott erinnern, den viele Menschen vergessen haben und der für nicht wenige hier in Deutschland keine Rolle mehr zu spielen scheint“. Kohlgraf stellte klar: „Dabei ist die angemessene Geste nicht der erhobene, drohende Zeigefinger. Wer an Gott glaubt und sich im Vertrauen geführt weiß, darf vielmehr Zeugnis geben – von diesem Vertrauen und von Gott, ohne den sich der Glaubende sein Leben nicht vorstellen kann.“ Zum Abschluss seiner Predigt sagte Kohlgraf: „Ihnen, lieber Pater Joshy, wünsche ich täglich das feste Vertrauen, geführt zu sein.“
„Jetzt stehe ich hier vor Ihnen als frischgebackener Weihbischof in Mainz, wo für mich vor 22 Jahren die Zeit in Deutschland begonnen hat“, sagte Weihbischof Joshy in seiner Ansprache am Ende des Gottesdienstes. Als der 15. März als Termin für seine Weihe vorgeschlagen wurde, habe er sofort zugestimmt, weil es der Laetare-Sonntag sei, sagte er. „Was kann es gerade in dieser Zeit Schöneres geben als den Zuruf ‚freut euch!‘?“, fragte Pater Joshy.
Über seine Insignien sagte Weihbischof Joshy: „Meine Insignien, mein Bischofsstab, Kreuz und Ring, die wurden mir geschenkt. Ein herzliches Dankeschön dafür! Sie sind bewusst aus Holz gefertigt, weil Holz ein kraftvolles Zeichen für Leben und Wachstum ist. Der Delfin in meinem Stab ist in der urchristlichen Tradition ein Hoffnungszeichen. Ein Zeichen für den auferstandenen Jesus als Seelenretter. Ein Retter, der Schiffsbrüchige an Land bringt.“
Über sich selbst sagte er: „Nun stehe ich hier, so wie ich halt bin, mit meinen Grenzen, Schwächen und Stärken. Wir Menschen sind nicht perfekt. Doch Gott sucht immer wieder Menschen, die für menschliche Augen nicht perfekt erscheinen. Der Geist ist es, der sie befähigt.“ Und weiter: „Dankbar bin ich, dass ich heute hier stehen darf, und ich vertraue darauf, dass Gott mich führt und sein Geist mich leitet. Das unterstreicht auch mein Wahlspruch: ‚Durch Vertrauen geführt‘.“ Er sei sich sicher, dass diese Zusage für alle gelte. Weihbischof Joshy: „Wenn wir in aller Vielfalt, die wir haben, Glaube leben und uns führen lassen von Gottes Geist, können wir entdecken, dass wir gemeinsam stark sind.“
Als Konzelebranten wirkten der Mainzer Domdekan Henning Priesel, Nuntiaturrat Msgr. Dr. Przemyslaw August Lewinski, Generalprior Pater Desiderio Garcia Martinez O.Carm., Pater Joyson Pottackal O.Carm. sowie Kaplan Valentine Ede am Gottesdienst mit. Begleitende Priester des Weihekandidaten waren Generalvikar Dr. Sebastian Lang und Pfarrer Frank Blumers. Die Diakone Klaus Baum und Stefan Faust assistierten. An dem Gottesdienst nahm auch das Mainzer Domkapitel teil. Zum Gottesdienst kamen Gäste aus Politik und Gesellschaft teil, viele Personen aus Orden - die größte Gruppe dürfte wohl die der Karmeliten gewesen sein - sowie Familienangehörige und Freunde des Weihbischofs.
Die musikalische Gestaltung übernahmen der Mädchenchor am Dom und St. Quintin, der Mainzer Domchor und die Mainzer Dombläser unter der Leitung von Domkantor Michael Kaltenbach und Domkapellmeister Karsten Storck. Domkantorin Jutta Hörl sang als Kantorin, Domorganist Professor Daniel Beckmann spielte die Domorgel. Zudem bot Pfarrvikar Ajimon Joseph aus Mühlheim-Obertshausen mit einem kleinen Chor einen Liedbeitrag in der Heimatsprache von Pater Joshy (Malayalam) dar. Im Anschluss an den Gottesdienst lud Generalvikar Lang alle Anwesenden zu einem Empfang im Mainzer Priesterseminar/Haus der Geistlichen Berufe ein.
Die Ernennung von Pottackal war am Mittwoch, 26. November 2025, um 12.00 Uhr zeitgleich im Vatikan und in Mainz bekannt gegeben worden. Bischof Kohlgraf hatte Pater Joshy im Rahmen einer Pressekonferenz im Erbacher Hof in Mainz vorgestellt. Der neue Weihbischof wird künftig als Bischofsvikar für die Orden zuständig sein und Titularbischof von Ceramussa. Das untergegangene Bistum lag in der römischen Provinz Numidien in Nordafrika. Als bischöfliches Leitwort hat Pottackal einen Vers aus den Psalmen gewählt. Sein Wahlspruch lautet „Durch Vertrauen geführt“ (Per fidem ductus) nach Psalm 37,5.
Joshy George Pottackal wurde am 30. April 1977 in Meenkunnam im indischen Bundesstaat Kerala geboren. Im Anschluss an seine Schulzeit besuchte er ab 1992 das Knabenseminar der Karmeliten. Nach Vollendung des Noviziats im Jahr 1996 legte er seine erste Profess ab. Anschließend studierte Pottackal im Calvary Institute of Philosophy and Religion der Kapuziner im indischen Thrissur Philosophie und im Dharmaram Vidya Kshetram der Karmeliten in Bengaluru Theologie. Am 28. Dezember 2003 empfing er in Thrissur die Priesterweihe.
Im Jahr 2004 kam Pottackal nach Mainz, wo er zunächst die Sprachschule und danach das Pastoralseminar für die Ordenspriester an der philosophisch-theologischen Hochschule Münster besuchte. Seit 2006 ist er für das Bistum Mainz tätig, zunächst als Stadt-Jugendseelsorger und parallel als Kaplan in Mainz, unter anderem in Mainz-Hechtsheim und Mainz-Oberstadt. In dieser Zeit erfolgte auch seine Pastorale Ausbildung im Bistum.
2009 ging er als Pfarrer in die Pfarrgemeinde Neckartal, wo er in der Klostergemeinschaft in Hirschhorn wohnte. In der damals bestehenden Dekanatsstruktur engagierte er sich ab 2016 als stellvertretender Dekan im Dekanat Bergstraße-Ost und ab 2021 bis zur Auflösung der Dekanate als kommissarischer Dekan. Darüber hinaus hat er seit 2016 das Amt des Regionaloberen für die in Deutschland lebenden Mitglieder der indischen St. Thomas Provinz des Karmelitenordens inne.
Zum 1. November 2022 erfolgte der Wechsel ins Bischöfliche Ordinariat nach Mainz, wo er im Karmelitenkloster wohnt und als Personalreferent mit Schwerpunkt Priester tätig war. Die neu geschaffene Aufgabe als Formationspräfekt im Priesterseminar nahm er seit 2024 bis November 2025 gemeinsam mit Diözesanjugendseelsorger Daniel Kretsch wahr. Pottackal ist beratendes Mitglied im Priesterrat des Bistums Mainz. Außerdem war er Mitglied im diözesanen Ordensrat.
Das Kirchenrecht bestimmt, dass auf Antrag eines Diözesanbischofs ein oder mehrere so genannte Auxiliarbischöfe ernannt werden können, wenn pastorale Gründe dies erforderlich machen. Der lateinische Titel „episcopus auxiliaris“ bedeutet übersetzt „Hilfsbischof“. In Deutschland und Österreich wird ein Auxiliarbischof traditionell als Weihbischof bezeichnet. Er ist dem Diözesanbischof vor allem zur seelsorglichen Leitung des Bistums an die Seite gegeben und handelt in seinem Auftrag.
Ein Weihbischof erhält seine rechtlichen Vollmachten und konkreten Aufgabenbereiche vom zuständigen Ortsbischof. Er ist jedoch Bischof im vollen theologischen Sinn. Einem Weihbischof ist im Unterschied zum Diözesanbischof keine eigene Diözese zur Leitung übertragen. Allerdings wird jeder Weihbischof auf den Titel eines früher bestehenden, inzwischen aber untergegangenen Bistums geweiht - das so genannte Titularbistum. Damit wird deutlich gemacht, dass jedem Bischof eine Teilkirche zugeordnet ist.