Weltklimakonferenz trifft Wohnprojekt

Runder Tisch der Akademie des Bistums Mainz mit Professor Edenhofer zu Klimawandel und Umweltengagement in der Lincoln-Siedlung in Darmstadt

Adveniat zu Besuch in der Lincoln Siedlung in Darmstadt (c) Adveniat/Mareille Landau
Datum:
Sa. 29. Nov. 2025
Von:
hoff (MBN)

Weltklimakonferenz in Belém trifft auf lokales Wohnprojekt in Darmstadt. Brasilianischer Bischof trifft auf deutschen Wirtschafts- und Klimawissenschaftler. Individuelle Engagement trifft auf die großen Fragen in Politik und Kirche. All das konnten rund 60 Teilnehmende des Runden Tisches „Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“ im Rosa-Parks-Saal in der Lincoln-Siedlung in Darmstadt erleben. Organisiert wurde er von der Akademie des Bistums Mainz in Darmstadt in Kooperation mit der Geschäftsstelle „Weltkirche / Gerechtigkeit, Frieden“ des Bistums Mainz und dem Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat.

Diskussionsrunde in der Lincoln Siedlung in Darmstadt (c) Adveniat/Mareille Landau

Alles unversöhnliche Gegensätze? Ganz im Gegenteil „Wir müssen friedliche Kooperationen ausbauen“, zeigte sich der Direktor und Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung Professor Ottmar Edenhofer überzeugt. Er warnte davor, die – zugegeben oft enttäuschenden und langwierigen – internationalen Verhandlungen gegen das persönliche Engagement auszuspielen. Es brauche vielmehr das Zusammenspiel unterschiedlicher Ebenen und globale Zusammenarbeit und Verständigung. Wer das Problem löse, dass nationale Egoismen globale Kooperationen verhindern, sei ein Kandidat für den Friedensnobelpreis und den Wirtschaftsnobelpreis gleichermaßen.

Das einzige Beispiel für eine gelungene Kooperation, bei der Nationalstaaten freiwillig Kompetenzen abgegeben haben, sei die Europäische Union. „Und wir sind gerade dabei die EU schlecht zu reden“, kritisiert er die gefährliche politische und gesellschaftliche Debatte. Gerade von den Kirchen fordert Edenhofer mehr Engagement – insbesondere angesichts des Beispiels USA. „Ohne die Rechts-Katholiken in den USA wäre Trump nicht möglich gewesen.“ Und dieses Gedankengut schwappe gerade nach Europa. „Wenn wir dem keinen Widerstand entgegensetzen, werden wir unsere Kirchen nicht wiedererkennen“, so Edenhofer.

„Die einzige Schlussfolgerung, die ich ziehen kann: Es braucht nach der 30. eine 31. Weltklimakonferenz“, sagte der Bischof Vicente Ferreira, der sich seit vielen Jahren für die vom Bergbau ausgebeuteten und bedrohten Menschen in Brasilien engagiert. Auf der Weltklimakonferenz in Belém sei für ihn klar gewesen, dass er nicht auf der Seite der großen Verhandler und der Lobbygruppen stehe, sondern auf der Seite der Opfer des Klimawandels, der Menschen die auf dem parallelen alternativen Gipfel der Völker Widerstand geleistet hätten. Die Verteidiger der Menschen- und Naturrechte erhielten in Brasilien und Lateinamerika Morddrohungen. Deshalb sei es so wichtig diese Menschen über Hilfsorganisation wie Adveniat zu schützen, die mit ihren Partnern vor Ort Rechtsberatung und -beistand organisierten. Er rief die Teilnehmenden auf, die Adveniat-Weihnachtsaktion „Rettet unsere Welt – Zukunft Amazonas“ zu unterstützen, die im Bistum Mainz in diesem Jahr eröffnet wird. „Das hilft unserer Arbeit vor Ort“, so Bischof Vicente Ferreira. „Wir sind alle Schwestern und Brüder und leben in einem gemeinsamen Haus.“

Der Autor, Fotograf und Blogger Joschi Nichell hat damit ernstgemacht und ist drei Monate vor der Weltklimakonferenz ins Amazonasgebiet gereist, um sich auf das Leben der Indigenen und die Natur einzulassen. „Auf die Frage: Wie können wir das Klima retten, haben die Indigenen geantwortet: Die Antwort sind wir“, berichtete Nichell. Am Beispiel eines Flusses erläuterte er die unterschiedlichen Denkmodelle. „Wir versuchen möglichst alle Fische rauszuholen, um maximalen Gewinn zu erzielen.“ Die Indigenen fischten dagegen nur so viel, um ihren Hunger zu stillen. „Sie beuten die Natur nicht aus, weil jede Pflanze und jedes Tier ihnen heilig ist“, so der Mainzer Blogger.

 

Dass es auch hierzulande anders geht, dafür war der Ort der Veranstaltung, die Lincoln-Siedlung mit ihren sozial und ökologisch nachhaltigen gemeinschaftlichen Initiativen das beste Beispiel. „Wohnprojekte bedeuten: Ich muss kooperieren, um zu existieren“, erläutert Stephanie Klement, die die Initiative „Wir auf Lincoln“ und das Wohnprojekt „Heinersyndikat“ vorstellte. Ob Waschmaschine, Werkstatt oder Bügeleisen – es muss nicht jeder alles besitzen. Wer teilt, wer in Gruppen lebt, für den verändert sich viel, weiß Klement aus eigener Erfahrung. So hat der Runde Tisch der Akademie des Bistums Mainz deutlich gemacht: Kooperationen zwischen Staaten oder zwischen Menschen – das sind die Hoffnungszeichen unserer Zeit.