Mainz. „Heute am Fronleichnamstag gehen wir als katholische Christinnen und Christen bewusst in die Öffentlichkeit: Wir bekennen ,Farbeʼ, wir bekennen den Wert des Glaubens und einer glaubenden Gemeinschaft, wir verstecken uns nicht.“ Das sagte der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf bei seiner Predigt im Fronleichnamsgottesdienst am Donnerstag, 4. Juni, im Mainzer Dom.
Kohlgraf feierte die Messe in Konzelebration mit Weihbischof Joshy Pottackal O.Carm., dem Domstift, den Pfarrern der Mainzer Innenstadt und den Pfarrern der Gemeinden von Katholiken anderer Muttersprache in Mainz.
Weiter sagte Bischof Kohlgraf: „Wir bekennen uns zu unserem Auftrag, eine menschliche Gesellschaft zu gestalten. Wir bekennen uns zu einem wahren Frieden und einer menschlichen Gemeinschaft, die wir mitgestalten wollen und immer auch mitgestalten werden. Von niemandem dürfen wir uns das offene Wort und das offene Bekenntnis zu Themen dieser Zeit verbieten lassen.“
Der Bischof betonte, dass die Prozession an Fronleichnam „keine politische Demonstration“ sei: „Wir tragen den einen Herrn in die Öffentlichkeit, Christus, der in der Gestalt des Brotes unter uns gegenwärtig bleibt. Zu ihm und seinem Evangelium bekennen wir uns. Letztlich garantiert er allein wahre Menschlichkeit. Jede Form der Politik und des gesellschaftlichen Machtgebrauchs, die sich religiös oder quasireligiös begründen, muss sich relativieren lassen. Als Mensch ist niemand unfehlbar. Christen und Christinnen bekennen sich zu ihrem Auftrag in der Welt, Zeugnis zu geben in Tat und Wort.“
Wörtlich sagte Kohlgraf: „Wir gehen heute mit Christus auf die Straßen, als eine Gemeinschaft der Vielfalt, die in ihm verbunden ist. Das ist ein starkes Zeichen und Bekenntnis in eine Gesellschaft, die oft aggressiv gespalten ist, in der Vielfalt als Bedrohung erlebt wird, in der viele Menschen vereinzelt und einsam sind, in der viele ihre Kraft nicht mehr aus Gott holen, sondern nur auf sich vertrauen. Tragfähig kann das nicht sein.“
Die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes hatten der Mainzer Domchor, der Mädchenchor am Dom und St. Quintin und die Dombläser unter Leitung von Domkapellmeister Karsten Storck übernommen. An der Domorgel spielte Domorganist Professor Daniel Beckmann. Für Kinder fand vor der Prozession ein eigener Gottesdienst in der nahegelegenen Kirche St. Quintin statt.
An den Gottesdienst schloss sich die Fronleichnams-Prozession durch die Mainzer Altstadt mit feierlichem Segen an. Begleitet wurde die Prozession unter anderem von Fahnenabordnungen zahlreicher katholischer Verbände und Studentenverbindungen sowie von den Rittern vom Heiligen Grab zu Jerusalem und den Familiaren des Deutschen Ordens.
In diesem Jahr fand der Abschluss wie schon 2024 auf dem Marktplatz statt. Der vor zwei Jahren leicht geänderte Prozessionsweg wurde beibehalten: Statt über die Rheinallee führte er durch Scharngasse, Heugasse, Gallusgasse und Schlossergasse zur Holztraße und dann über Augustinerstraße und Leichhof zurück zum Liebfrauenplatz.
Vor dem Bruder Konrad-Stift fand eine kurze Statio mit den Bewohnerinnen und -bewohnern statt, die in der Hausgemeinschaft Eucharistie gefeiert hatten. Bischof Kohlgraf spendete ihnen den Segen mit der Monstranz.
Beim Abschluss auf dem Marktplatz wurden die Fürbitten in feierlicher Form auch in den Sprachen der Gemeinden von Katholiken anderer Muttersprache vorgetragen, so dass unter anderem auch Fürbitten in Kroatisch, Polnisch, Portugiesisch, Spanisch und Italienisch gebetet wurden. Im Anschluss war Gelegenheit zum gemeinsamen Mittagessen in der Domstraße.
Am Nachmittag feierte der Mainzer Generalvikar Dr. Sebastian Lang im Westchor des Domes die Vesper mit „Mainzer Segen“. Dieser Segen ist eine besondere Form der eucharistischen Frömmigkeit, die für Mainz lange überliefert ist. Beim „Mainzer Segen“ wird bereits zu Beginn der Vesper der Segen mit der Monstranz gespendet und zum Abschluss ein weiteres Mal. Im Mainzer Dom wird diese Form des Segens nur einmal im Jahr praktiziert.
Zehn Tage nach Pfingsten feiern katholische Christen das Fronleichnamsfest, das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“. Im Mittelpunkt dieses Festes steht das eucharistische Brot, das für die Katholiken ein Realsymbol für die Gegenwart Christi ist. Diese Gegenwart wird an Fronleichnam in besonderer Weise gefeiert, indem das eucharistische Brot - eine in einem Gottesdienst konsekrierte Hostie - in einer so genannten Monstranz durch die Straßen getragen wird.
Das Wort Fronleichnam stammt aus dem Mittelhochdeutschen: „fron“ bedeutet „Herr“, „lichnam“ meint den lebendigen Leib. Die Einführung des Festes geht auf eine Vision der Augustinernonne Juliane von Lüttich (um 1191 bis 1258) zurück. Im Traum sah sie den Mond, der einen sichtbaren dunklen Fleck aufwies. Sie deutete dies als Zeichen dafür, dass der Kirche (symbolisiert durch den Mond) ein Fest zu Ehren der Eucharistie fehle.
Bischof Robert von Lüttich führte das Fest für sein Bistum im Jahr 1246 ein. Im Jahr 1264 legte Papst Urban IV. fest, Fronleichnam am zweiten Donnerstag nach Pfingsten zu feiern. Die ersten Prozessionen fanden damals in Köln-St. Gereon statt. Fronleichnam ist heute in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, im Saarland sowie teilweise in Sachsen und Thüringen gesetzlicher Feiertag.
Die Feier des Fronleichnamsfestes besteht aus einer feierlichen Messe mit anschließender Prozession. Dabei werden entlang des Prozessionsweges Straßen und Häuser festlich geschmückt, in manchen Dörfern kennt man die Tradition großer Blumenteppiche. Während der Prozession wird die Hostie in einer Monstranz vom Priester unter einem so genannten „Himmel“ getragen, ein über vier Stäbe gespanntes, reich besticktes Tuch. Die Prozession macht Station an ebenfalls reich geschmückten Altären. Hier wird aus den Evangelien vorgelesen, Fürbitte gehalten und mit dem eucharistischen Brot der Segen erteilt.