Zum Inhalt springen

Predigt Pfarrer Dr. Givens vom 19. Juli 2026:Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen

Weizen und Unkraut
Lasst beides wachsen bis zur Ernte
Datum:
20. Juli 2026
Von:
Herbert Kohl

Das Korn ist stärker als das Unkraut

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, wahrscheinlich haben Sie alle dieses Buch gelesen: "Der kleine Prinz". Sie wissen wahrscheinlich alle, dass es im Wesentlichen darum geht, dass da einer ist, der kleine Prinz, der seine Rose liebt. Und diese Geschichte ist zeitlos. Sie wiederholt sich immer und immer wieder in unseren Familien. Sie wiederholt sich in der Gesellschaft, in der Politik, in der Freundschaft, in der Ehe. Immer und immer wieder begegnet uns die Geschichte dem kleinen Prinzen und seiner Rose.

Am Anfang ist er verliebt und er kann gar nicht genug sehen von seiner Rose. Er bewundert sie erstaunt und dann geht es ihm so: wie es allen Verliebten geht. Irgendwann sieht man, die Rose hat auch Dornen und sie blüht nicht nur schön, sondern sie ist auch ganz schön eitel. Es geht dem kleinen Prinzen wie allen Eltern. Irgendwann sieht man, mein Kind hat nicht nur die Sonnenzeiten, da gibt es auch den Jähzorn und da gibt es auch das, was manchmal schwierig ist. Und wenn wir uns auf eine Freundschaft einlassen, dann wissen wir doch, dass alle.

Da sind wir am Anfang begeistert und wollen so viel Zeit wie möglich mit dem anderen verbringen, aber irgendwann merken wir, das kann auch schwierig sein. Da muss man durchhalten. Das ist gar nichts Ungewöhnliches. Bei wie vielen Politikern haben wir ein Kreuz gemacht? Dir traue ich was zu und dann merken wir: Ja, da gibt es Licht und Schatten. Das ist die Geschichte des kleinen Prinzen und seiner Rose. Und irgendwann, irgendwann geht es uns wie dem kleinen Prinzen, dass wir uns entscheiden müssen.

Der kleine Prinz entscheidet sich, er sagt: Ich habe genug von dir, ich laufe weg. Im Evangelium ist das der Moment, wo die Arbeiter zum Gutsherrn kommen und sagen, sollen wir das Unkraut ausreißen? Das ist so, wie wenn der kleine Prinz sagt, ich lauf davon. Und der Gutsherr sagt, nein, ich weiß doch, dass ich guten Samen gesät habe. Ich weiß doch, da wächst Weizen. Ich bin überzeugt, das Unkraut wird nicht stärker sein als der Weizen. Und ich habe Sorge, wenn ihr jetzt das Unkraut ausreißt, dann geht uns auch die Ernte verloren.

Darum haben der eine oder die andere von ihnen geheiratet. Weil sie sagen, weil sie gesagt haben: Ich weiß um den guten Samen, ich weiß um das Weizen. Ich weiß darum, dass da etwas zu ernten ist, dass da Frucht ist. Und ich weiß auch darum, dass da Unkraut ist. Aber ich bleibe bei dir, ich liebe dich, ich gehe mit dir durchs Leben. weil ich sonst den Weizen verlieren würde. Wenn ich jetzt das Unkraut ausreiße, dann habe ich auch keinen Weizen. Und das ist bei allen Eltern so. Daran zu glauben, in meinem Kind ist gutes Saatgut, In meinem Kind ist Weizen, in meinem Kind ist ganz viel Gutes.

Ich weiß auch um das Unkraut, ich sehe das Unkraut, aber wenn ich jetzt aufgebe, wenn ich jetzt nur noch über das Unkraut rede, wenn ich mich nur noch darauf konzentriere das Unkraut auszureißen, wie will ich dann einmal den Weizen ernten? Und wenn wir bei jedem Politiker sagen, bei jedem Fehler, das war's, dann werden wir am Ende nur Unkraut ausgerissen haben. Aber werden wir dann am Ende auch irgendwann einmal Weizen einfahren, wenn es keine Fehler geben darf, wenn es kein Unkraut geben darf? Was für einen Mut hat dieser Gutsherr der darum weiß, da ist etwas Gutes, da ist etwas, was zu ernten ist, da braucht es einfach Zeit und Geduld und das Wissen darum, das kann man nachher voneinander scheiden und man wird sehen, Die Ernte ist es wert, ausgehalten zu haben.

Die Ernte ist es wert, drangeblieben zu sein. Die Ernte ist es wert, geliebt zu haben. Die Ernte ist es wert, Vertrauen zu haben. Aber dafür braucht es einen langen Atem. Das ist der tiefste Grund, warum es so wichtig ist, dass alle zur Kommunion eingeladen sind, dass diese Einladung wirklich jeder und jedem gilt. es gibt heute Morgen hier niemand, gar niemand ohne Unkraut, aber es gibt heute Morgen auch niemand ohne gutes Saatgut. Es gibt hier keinen, wo Jesus nicht sagen würde, ich vertraue darauf, dass dein Weizen, dass dein Korn, dass deine Frucht einmal stärker und größer und wichtiger ist als alles Unkraut deines Lebens.

Und darum lege ich mir dir in die Hände, um dir zu sagen, du bist der beste Boden mit deinem Unkraut. Ich vertrau dir und ich vertraue darauf, dass wir am Ende die Scheune voll bekommen mit dem, was du an Frucht in dein Leben hineingebracht hast. Unsere Welt lebt davon, dass wir darum wissen, es gibt den guten Boden, es gibt das gute Saatgut. Unsere Welt lebt davon, dass wir sehr klar auch sehen, das ist Unkraut, das wird keine Frucht bringen, das lohnt es sich nicht in die Scheuer des Lebens einzufahren.

Unsere Welt lebt vor allen Dingen daraus, dass wir nicht nur unser Leben damit verbringen, Unkraut rauszureißen und am Ende kein Korn haben, sondern darauf zu vertrauen, da gibt es etwas, dafür lohnt es sich, ein Kind großzuziehen, dafür lohnt es sich, eine Freundschaft einzugehen, Dafür lohnt es sich, zu lieben und einander zu versprechen: Mit dir gehe ich durchs Leben. Dafür lohnt es sich, in die Politik zu gehen. Dafür lohnt es sich, Verantwortung zu übernehmen, weil wir diese Menschen brauchen, die daran glauben und sehen:

Das Korn ist stärker als das Unkraut. Das feiern wir heute Morgen. Amen.