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Predigt von Ursula Scheidel und Herbert Kohl 25./26. Juli 2026:Der Schatz im Acker

Schatz im Acker
Was ist der größte Schatz in meinem Leben?
Datum:
27. Juli 2026
Von:
Herbert Kohl

Ein hörendes Herz

Liebe Schwestern und Brüder

Wenn sie eine Perle beschreiben müssten, würden sich die Beschreibungen wohl mehr oder weniger ähneln. Beschreiben kann man die Oberflächenstruktur, Größe und Form, Farbe, Glanz und die Reflexion. Ganz anders sieht es dagegen bei dem Versuch aus einen Schatz zu beschreiben. Überlegen sie doch mal einen Moment wie ihr persönlicher Schatz, beschaffen sein muss.

Die Deutung, ob etwas als Schatz angesehen wird, ist schon deshalb schwierig, weil der Schatz sowohl ein materieller Gegenstand sein kann, aber auch eine werteorientierte Sache, eine Person oder ein Gefühl. Für manch einen ist die Gesundheit, das Kind oder Enkelkind, eine Freundschaft, eine Begegnung weitaus wertvoller als Besitz, Geld und Gut.

Wir wissen das alle und trotzdem: Immer wenn ich das Gleichnis vom verborgenen Schatz im Acker höre, drängt sich mir im ersten Moment der Gedanke auf, dass der Arbeiter bestimmt etwas Gewinnbringendes gefunden hat, für das es sich lohnt, alles andere Hab und Gut dafür zu verkaufen.

Dazu finden wir in der Bibel keine Aussage. Auch von der Perle, die der Kaufmann findet, wird nicht berichtet, ob sie außer schön auch kostbar war und ihm Reichtum beschert hat. Weil es Jesus gar nicht um die materiellen Werte des Schatzes oder der Perle geht. Rufen wir uns noch einmal ins Gedächtnis, das das Gleichnis mit dem Satz beginnt: Das Himmelreich ist wie………! Es geht nicht um den Schatz oder die Perle, sondern um das Himmelreich!

Jesus erzählt das Gleichnis, um aufzuzeigen, wie sich das Himmelreich anfühlen kann, welche Freude es in uns auslösen kann - und gleichzeitig zeigt das Gleichnis, Möglichkeiten auf wie man das Himmelreich, diese schöne Perle, diesen kostbaren Schatz erreichen kann. Welche Anstrengungen unternimmt der Arbeiter, um den Schatz zu finden?

Genau genommen keine. Er verrichtet seine tägliche Arbeit, er geht wie gewohnt seinem Alltag auf dem Feld nach. Und doch bleibt er dabei wachsam, für das was um ihn herum passiert. Der Schatzfund ist kein Zufall, sondern ist dem Umstand zu verdanken, dass er genau hingeschaut hat. Gleiches gilt auch heute noch für uns:

Tagein, Tagaus wenn wir unserer Arbeit unserem Alltag nachgehen, sind wir aufgerufen genau hinzuschauen. Was kreuzt unseren Weg.  Welche Beobachtungen machen wir. Welche Bedürfnisse bemerken wir bei unseren Mitmenschen und zu spüren: Jetzt ist der Moment gekommen, um zu handeln und tiefer zu graben, um etwas ans Licht zu holen, das uns verändert und einen Mehrwert für unser Leben bedeutet. Salomon formuliert es in seiner Bitte an Gott: „ein hörendes Herz haben“.

Eine weitere Möglichkeit ist die, indem ich aktiv werde und suche, so wie der Kaufmann nach der Perle. Dieses Suche kann in der heutigen Zeit, in meinem Leben bedeuten: Nach welchen Maßstäben entscheide ich. Welche Werte bestimmen mein Leben. In welchen Kreisen, Gemeinschaften suche ich nach Orientierung für mein Leben und durch welche Medien informiere ich mich. Die Perlen Sucher sagen: Wenn du dir eine Perle wünschst, suche sie nicht in einer Wasserlache. Denn wer Perlen finden will, muss bis zum Grund des Meeres tauchen.

Dieser Satz trifft auch auf unseren Glauben, auf die Suche nach dem Himmelreich zu. Es reicht nicht aus nur an der Oberfläche zu suchen, sondern es braucht, Kraft, Energie und Ausdauer und man muss tief einzutauchen, um Jesus Botschaft zu verstehen. Gott hat viele Methoden, Menschen in seinen Bann und in sein Reich zu ziehen. Ganz gleich, welcher Weg, der meinige oder der ihrige ist. Gottes Heil und Gnade ist ein Geschenk an uns. Das heißt aber nicht, dass wir dabei gleichgültig und untätig bleiben dürfen.

Möge Gott uns Augen schenken, den wahren Schatz zu erkennen, Herzen, ihn über alles zu lieben, und den Mut, ihm mit Freude nachzufolgen.

 

 

Herr, schenke mir ein hörendes Herz

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

es gibt ein altes Märchen der Brüder Grimm, das von einem ganz besonderen Wunsch handelt.

Es wird erzählt, dass der liebe Gott einst als Wanderer über die Erde ging. Eines Abends suchte er eine Unterkunft. Er kam zu einem reichen Mann, der in einem großen und schönen Haus wohnte. Doch dieser wies den Fremden ab. Er wollte seinen Besitz nicht mit einem Unbekannten teilen.

Gegenüber wohnte ein armer Mann in einer kleinen Hütte. Er hatte selbst nicht viel, aber er öffnete seine Tür. „Wir haben zwar wenig“, sagte er, „aber das Wenige wollen wir gerne teilen.“ Er nahm den Wanderer auf, gab ihm zu essen und überließ ihm sogar sein eigenes Bett.

Am nächsten Morgen gab sich der Wanderer zu erkennen und sagte: „Du hast mir Gutes getan. Darum sollst du drei Wünsche frei haben.“

Der arme Mann wusste zunächst gar nicht, was er sich wünschen sollte. Er dachte nicht an Reichtum und nicht an Macht. Er bat nur darum, dass es ihm und seiner Frau gut gehen möge. Und als der Wanderer ihn fragte, ob er sich nicht ein schöneres Haus wünsche, sagte er schließlich: „Wenn wir ein etwas besseres Zuhause hätten, wäre das schön.“

Und tatsächlich: Aus der kleinen Hütte wurde ein großes, schönes Haus.

Der reiche Nachbar sah am nächsten Morgen das neue Haus und wurde neidisch. Er erfuhr von dem Wanderer und lief ihm hinterher. Auch er wollte drei Wünsche. Der Wanderer warnte ihn: „Überlege gut, was du dir wünschst.“ Doch der Reiche dachte nicht lange nach. Auf dem Heimweg ärgerte er sich über sein Pferd, weil es ihm nicht schnell genug ging. Im Zorn rief er: „Ich wünschte, dieses Pferd wäre tot!“ Und sofort geschah es. Sein erster Wunsch war verloren.

Nun musste er den Sattel nach Hause tragen. Er wurde immer ärgerlicher und dachte an seine Frau, die es sich zu Hause bequem machte, während er sich abmühte. Wieder sprach er unbedacht: „Ich wünschte, meine Frau würde jetzt auf diesem Sattel sitzen!“ Und schon saß sie dort fest. Nun blieb nur noch ein Wunsch. Er musste ihn dafür verwenden, seine Frau wieder zu befreien.

Drei Wünsche hatte er bekommen – und am Ende war nichts geblieben. Nicht, weil Gott ihm nichts geschenkt hätte, sondern weil sein Herz nicht wusste, was wirklich wertvoll ist.

Liebe Schwestern und Brüder,

diese Frage stellt uns auch die heutige erste Lesung. Der junge König Salomo bekommt von Gott ein unglaubliches Angebot: „Sprich eine Bitte aus, die ich dir gewähren soll!“ Was würden wir antworten, wenn Gott uns heute dieselbe Frage stellen würde? Was wäre unser Wunsch?

Mehr Gesundheit? Mehr Geld? Mehr Sicherheit? Mehr Anerkennung? Dass Menschen uns besser verstehen? Dass bestimmte Sorgen endlich verschwinden?

Salomo hätte sich alles wünschen können. Er war König. Er hätte um Reichtum bitten können, um Macht, um den Sieg über seine Feinde, um ein langes Leben. Alles Dinge, die wir gut verstehen können. Aber Salomo bittet um etwas anderes: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz.“

Das ist ein bemerkenswerter Wunsch. Salomo bittet nicht darum, alles zu wissen. Er bittet nicht darum, immer Recht zu haben. Er bittet um ein Herz, das hören kann: auf Gott, auf die Menschen, auf das Gute und das Böse. Und Gott sagt: Genau das ist die richtige Bitte.

Denn Weisheit in der Bibel bedeutet nicht einfach, besonders intelligent zu sein. Weisheit bedeutet, das Leben mit den Augen Gottes sehen zu lernen. Zu erkennen, was wirklich trägt und was nur glänzt. Zu unterscheiden zwischen dem, was wichtig ist, und dem, was uns am Ende leer zurücklässt.

Genau davon erzählt auch das Evangelium. Jesus vergleicht das Himmelreich mit einem Schatz, der in einem Acker verborgen ist, und mit einer kostbaren Perle. Ein Mensch entdeckt diesen Schatz und erkennt: Das ist es wert. Dafür lohnt es sich, alles andere loszulassen.

Bemerkenswert ist: Der Mann verkauft nicht traurig alles, was er besitzt. Jesus sagt: „In seiner Freude ging er hin und verkaufte alles.“ Er verliert nicht etwas Wertvolles. Er entdeckt etwas, das viel wertvoller ist. Das ist der Unterschied zwischen dem armen Mann im Märchen und seinem reichen Nachbarn. Der arme Mann besitzt wenig, aber sein Herz ist frei. Er kann ein Geschenk annehmen. Er kann dankbar sein. Er erkennt den Wert dessen, was ihm begegnet.

Der reiche Nachbar dagegen hat viel – aber sein Blick geht ständig zu dem, was der andere besitzt. Sein Neid macht ihn blind für das, was er selbst hat. Vielleicht liegt darin die Verbindung aller heutigen Texte: Es geht um die Frage nach dem richtigen Schatz.

Salomo erkennt: Der größte Schatz ist nicht Reichtum, sondern ein hörendes Herz. Der Mann im Evangelium erkennt: Der größte Schatz ist das Reich Gottes, Jesus Christus selbst. Und das Märchen fragt uns: Wenn Gott uns einen Wunsch erfüllen würde – würden wir um das bitten, was unser Leben wirklich reich macht?

Vielleicht wäre es auch für uns ein guter Wunsch:
„Herr, schenke mir ein hörendes Herz. Hilf mir zu erkennen, was wirklich zählt. Lass mich nicht dem hinterherlaufen, was glänzt, sondern öffne meine Augen für den Schatz, den du mir schon geschenkt hast.“ Meine Taufe und damit verbunden meine Würde als König, Priester und Prophet. Die Vergebung, die du mir zusagst in jedem Gottesdienst und in der Feier der Versöhnung. Die Begegnung mit dir in der heiligen Kommunion. Hier wird uns der Schatz Gottes in die Hände gelegt. Wir müssen ihn nicht einmal ausgraben. Jesus legt sich in unsere Hände und mit diesem Stück Brot erhalten wir ein Stück vom Himmel, seinen heiligen Geist, der uns Kraft und Mut schenkt, damit wir im Leben die richtigen Entscheidungen treffen und die richtigen Wünsche äußern.

Ich lade Sie alle herzlich ein, heute, beim Empfang der heiligen Kommunion genau diesen Wunsch zu äußern: Herr, schenke mir ein hörendes Herz. Amen.