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Predigt Pfarrer Dr. Givens am Sonntag, 31. Mai 2026:Dreifaltigkeit

Beziehung
Wir Menschen sind auf Beziehung angelegt
Datum:
1. Juni 2026
Von:
Herbert Kohl

Wir alle haben einen Platz in dieser Schöpfung

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

schauen Sie sich um, schauen Sie sich unsere Kirche an, ein Bild der Dreifaltigkeit.

Eins unter ganz vielen Bildern, das sind diejenigen, die in Warschau in ihrer Kirche groß geworden sind und ganz andere Kirchenbilder mitbringen. Das sind diejenigen, die in Indien groß geworden sind und wieder ganz andere Kirchengebäude und Kirchenbilder mit sich bringen. Das sind so ganz viele aus ganz unterschiedlichen Orten, die ihre Kirchenbilder mitgebracht haben und mitbringen.

Es gibt nicht nur die Apostelkirche, es gibt so viele andere Kirchen, die für uns Bedeutung haben. Und Sie alle wissen das, wenn Sie in den Urlaub gehen, dann werden Sie wahrscheinlich auch andere Kirchen betreten, Kirchen, die Ihnen ganz fremd sind, andere, die Ihnen lieb geworden sind und ganz unterschiedlich da sein.

Gott, der Vater, Gott, der Schöpfer, schenkt uns die ganze Schöpfung. Das ist so wie ein Kirchengebäude, so wie die Apostelkirche, bevor die Messnerinnen heute Morgen gekommen sind und aufgeschlossen haben. Das ist zunächst einmal ein leerer, ein weiter Raum, ganz still und es braucht den oder diejenige, die diesen Raum betritt.

Das Wunder der Dreifaltigkeit beginnt damit, dass Gott nicht genügsam in sich ist, sondern dass er sagt, in uns, in unserer Beziehung, in unserem Zusammensein ist so viel Raum, so viel Platz. Es braucht ein Gegenüber, es braucht die Schöpfung und diesen Grundzug der Dreifaltigkeit, den kennen wir alle.

Wir sehnen uns nach einem Gegenüber. Keiner, keine von uns kann alleine durchs Leben gehen. Wir würden verkümmern, wenn wir nicht Freunde, Freundinnen, wenn wir nicht Beziehung hätten. Wir brauchen das Gegenüber, um zu begreifen, dass wir lieben können und dass wir geliebt sind in aller Unterschiedlichkeit.

Und so ist die Schöpfung in ihrer Gesamtheit das große Zeichen dafür, in welche Sehnsucht in Gott steckt, dass der Vater etwas Sichtbares macht, etwas Sichtbares erschafft, um aller Welt zu sagen: Ich bin Beziehung, ich brauche Beziehung, ich bin mir nicht selbst genügsam.

Wenn Ramona gerade ihren Sohn auf dem Arm hat, ist das das stärkste Zeichen dafür. Wir brauchen, wir sind darauf angelegt, auf Beziehung, immer und immer wieder neu, egal wie alt wir werden, wir können nicht ohne Beziehung. Wir verkümmern, wenn nicht der Anruf kommt, auch noch mit 89 von der Freundin, der es wichtig ist, das Lebenszeichen zu senden.

Und so ist der leere Kirchenraum zunächst einmal das Zeichen dafür, dass da ein Schöpfer Gott ist, der eine ganze Welt, einen ganzen Raum geschaffen hat, damit Beziehung möglich ist.

Und auch dies sei gesagt, gestern waren ganz viele, die gemeinsam mit den Messnerinnen diese Kirche geputzt haben. Die Schöpfung muss bewahrt werden, die Schöpfung muss geputzt werden. Und wenn der Kirchenraum geputzt wird, dann ist das ein Zeichen dafür, dass es da Menschen gibt, die sagen, mir ist es wichtig, dass dieser Raum schön ist, dass die Schönheit sichtbar wird, so wie wir alle es lieben, wenn wir an einem schönen Ort in der Schöpfung sind und sagen, das würde ich gerne mit dir teilen, diese Blume, diesen Sonnenaufgang, diese Quelle, diesen Bach, diesen Vogel, das möchte ich dir gerne zeigen.

Und dann, wenn der Raum aufgeschlossen ist, dann kommen wir nach und nach, die wir heute Morgen da sind. Und jede und jeder hat ihren, hat seinen Lieblingsplatz. Es gibt keinen Platz, der besser ist oder schlechter ist. Jeder sucht sich einen Platz, wo er oder sie sich heute Morgen wohlfühlt, neben dem Menschen, den wir lieben, im Gegenüber von jemand anders, die eine lieber in diese Richtung, die anderen lieber in diese Richtung. Das ist ganz unterschiedlich und auch das ist Dreifaltigkeit.

Immer wieder wahrzunehmen, in Jesus Christus wird Gott Mensch, im Nahen Osten, ein Jude, ganz anders als wir, ein Mann. Und er lässt sich immer und immer wieder auf andere ein. Er lässt sich berühren von Frauen, er berührt Kranke, er weiß darum, was es bedeutet hat, dass seine Mutter zu dieser unehelichen Schwangerschaft Ja gesagt hat. Wie wird er Joseph geliebt haben, dass der seinen Namen gegeben hat?

Wir alle haben einen Platz in dieser Schöpfung. Wir sind unterschiedlich und wenn es etwas gibt, das Kirche und das Reich Gottes auszeichnet, dann muss es das sein, dass wir das einander zubilligen, dass wir unterschiedlich sind, dass wir anders sind, dass wir Vielfalt sind, dass es nicht nur die eine Norm gibt, nicht nur die eine Art zu leben und zu lieben, sondern die große Vielfalt und dass jeder in dieser Schöpfung seinen, ihren Platz braucht und die Bereitschaft von uns allen, dass ich bereit wäre, mich heute Morgen auch an einen anderen Platz zu setzen, dass ich bereit wäre, mich auch neben jemand anderen zu setzen, weil das mein Bruder, meine Schwester ist.

Nicht jeden Sonntag und nicht jeden Gottesdienst, aber die innere Bereitschaft auch neben den oder die zu sitzen, wo man vielleicht nicht als erstes hingehen würde, weil alles geliebte Kinder sind, weil diese ganze Vielfalt heute Morgen hier sitzt und weil dieser Gott keine Berührungsängste hatte in Jesus Christus, weil dieser Gott gezeigt hat: Ich bin bereit, mich überall hinzusetzen, auch in die Nesseln. Ich bin bereit, jedem zuzuhören, auch einem Pontius Pilatus und einem Herodes. Ich bin bereit auf die Lebensbegegnung.

Und so sind wir in diesem Kirchenraum heute Morgen Abbild des Sohnes, Abbild dessen, der Mensch wird.

Aber was wäre das heute Morgen hier, wenn wir alle dasitzen würden und stumm blieben? Wenn niemand beten würde, niemand singen würde, niemand sich bewegen würde, wenn wir einfach nur dasitzen würden, wie geistlos wäre das?

Und dann hebt die Orgel an, dann ziehen die Messdiener ein, dann stehen wir auf und auf einmal kommt Bewegung, kommt Heiliger Geist, kommt etwas, das der Einzelne nicht allein machen kann in der stillen Kammer, das nicht im Wald geht, sondern das nur im Miteinander geht, im Staunen, im Sehen und im Hören.

Es braucht jede und jede einzelne Stimme, auch die, die brummen und krächzen und die, die nicht die Luft durchhalten bis zum Ende der Zeile. Aber was wäre das, wenn nicht jede und jeder daran glaubt, in mir singt, in mir jubelt, in mir ist der Heilige Geist und erst dann findet dieser Raum seine Vollendung.

Denn was nützt ein Kirchenraum, den niemand betritt? Was nützt eine Versammlung, die nicht zum Miteinander findet, wo jeder nur für sich betet?

Aber was ist das für ein Wunder, wenn da Menschen mit einer ganz unterschiedlichen Woche, mit einer ganz unterschiedlichen Beziehung, mit unterschiedlichen Plätzen, voll des Heiligen Geistes, miteinander sagen, ich glaube, miteinander singen, ich lobe und miteinander Mahl halten, ich lasse mich speisen und stärken.

Das ist der Dreifaltigkeitssonntag in dieser Kirche und an diesem Sonntagmorgen in so vielen anderen Kirchen rund um die ganze Welt, in aller Unterschiedlichkeit, aber immer der eine Gott:

Der Vater der Beziehung,

der Sohn, der Nächste,

der Heilige Geist, die Gemeinschaft.

Amen.