Predigt Pfarrer Dr. Givens am 27.06.2026:Eine Lebendigkeit jenseits unserer Vorstellung

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
Vater und Mutter, Tochter und Sohn, Prophet, Gerechter, einer von den kleinen, die meine Jünger sind: die werden geschluckt haben, als sie das zum ersten Mal gehört haben, die das gehört haben aus dem Mund Jesu. Aber die haben das nicht weggeschoben, weil es unerträglich ist. sondern die haben es uns ins Stammbuch ins Evangelium hineingeschrieben. Der Vater und Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Der Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. Und wer sein Kreuz nicht trägt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. Die werden geschluckt haben, die das zum ersten Mal gehört haben, aber sie werden sich was überlegt haben, dass sie gesagt haben, das müssen auch die heute morgen hier in der Apostelkirche in der Gluthitze hören.
Das ist wichtig. Mutter und Tochter, das ist die Verbindung. Wenn Sie die Christina mehr lieben als Jesus, dann sind Sie seiner nicht wert. Und wenn Sie die Mama mehr lieben als Jesus, dann sind Sie seiner nicht wert.
Wie gut, dass Sie den Piet losgelassen haben. Wie gut, dass sie den Piet nicht geklammert haben, dass Sie ihn mit allem geliebt haben, was Sie haben, aber wie gut, dassi Sie losgelassen haben.
Da drin steckt Ihr Bruder. Vorhin hat es Ihn die Sprache verschlagen, als Sie sich daran erinnert haben, wie das bei der Firmung war, dass der Bruder Ihnen die Hand aufgelegt hat.
Wenn es nur die menschliche Beziehung gäbe, wenn es nur die menschliche Bindung geben würde, wie arm wären wir, weil der Bezugspunkt außer uns fehlen würde. Und da kommt dieser Paulus, der fährt nach Rom und der schreibt nicht: "Hallo, ich freue mich auf Euch, dass wir so eine tolle Gemeinschaft binden. Ich freue mich auf diese Fahrt nach Rom. Wie toll ist es mit Euch in Rom zu sein, sondern der sagt: "Ihr und ich, wir wurden auf diesen Jesus getauft". Und weil der im Tod nicht untergegangen ist, gibt es etwas, das uns verbindet, das stärker ist als der Tod. Etwas, das außerhalb von uns ist. Es gibt einen Bezugspunkt außerhalb, einen, wo ich immer fragen muss, sehe ich in meiner Tochter nur das, was ich sehen kann? Oder hat sich Gott etwas dabei gedacht, dass die getauft worden ist? Sehe ich in der Schwiegermutter nur das, was ich in meiner eigenen Mutter sehen würde oder sehe ich etwas außerhalb dessen? Hat sich Gott etwas dabei gedacht, als Piet in Ihr Leben gekommen ist? Natürlich hat er sich dabei was gedacht und er wird sich auch was gedacht haben, dass Piet beide herausfordert mit seinem Glauben, mit seiner Art zu leben, mit seiner Art zu sehen, mit seiner Art das Leben anzupacken, mit seiner Art Christusbeziehung zu haben.
Wie arm wärt ihr, wenn ihr ganz tolle Tage in Taizé gehabt hättet und nicht kapiert hättet: das sind lauter Männer, die haben ihre Familie verlassen. Die leben dort zusammen, weil es etwas Stärkeres gibt als tolle Gemeinschaft, etwas Größeres gibt als Familie, weil es diesen Jesus gibt, der alle herausfordert.
Wie würde die Welt aussehen, wenn nicht die Nation der Bezugspunkt wäre, sondern Christus und meinetwegen Gott? Könnte dann man tatsächlich im Nahen Osten einen Krieg führen, wenn der Bezugspunkt nicht die eigene Familie ist, wenn der Bezugspunkt nicht die eigene Nation ist, wenn der Bezugspunkt Allah, Jahwe, Jesus Christus ist. Kann man dann einen Flugzeugträger auf den Weg schicken? Kann man dann Raketen auf den Weg schicken, wenn der Bezugspunkt jenseits von Nation ist, jenseits von Familie ist, wenn da einer ist, der gesagt hat, das muss aufgebrochen werden, nicht weil es nicht lebensprägend ist zu spüren.
Mein Bruder legt mir die Hand auf die Schulter und das stärkt mich ein ganzes Leben lang. Nicht, weil es nicht die absolute Geborgenheit schenkt. Im Bauch der Mutter zu spüren, ich bin willkommen und ich bin angenommen. Nicht, weil es nicht den Rücken stärkt und mutig macht. verliebt zu sein, einen Menschen zu finden, zu dem ich sagen kann, mit dir gehe ich durch dick und dünn, sondern weil wir alle sterblich sind und weil es einen gibt, der sagt, es gibt eine Lebendigkeit dessen, was Ihr Euch geben könnt. Es gibt eine Lebendigkeit jenseits dessen, was Ihr Euch vorstellen könnt. Ihr müsst vom Leben größer denken, weiterdenken, den Kreis nicht zu klein ziehen, sondern Gemeinschaft riesig denken. Ihr dürft hoffen, dass ihr gar nicht das Leben bis zum letzten ausreizen müsst, weil ihr noch eine Ewigkeit habt für Liebe und Begegnung und Zusammensein.
Wie anders sieht die Welt aus, wenn wir keine Angst davor haben? Vater und Mutter mit allem, was wir haben zu lieben und trotzdem zu wissen, da gibt es noch mehr. Wie anders sehe die Welt aus, den Kindern alles zu geben, mit ihnen alles zu teilen, sie stark zu machen und zu wissen, da gibt es noch mehr als ich. Wie gut sähe die Welt aus, wenn es nicht nur darum geht, tolle Gemeinschaft, tolles Europa, tolles Israel oder toller Iran zu sein, sondern Kinder Gottes, wenn es da jenseits einen gäbe, der denen, die einen Propheten bei sich aufnehmen, den Lohn des Propheten gibt. Denen, die einen Gerechten aufnehmen, den Lohn des Gerechten gibt, denen, die den ganz kleinen einen Schluck Wasser geben, weil sie darin Jesus sehen, wie anders wäre diese Welt. Amen.