Zukunftsdialog „Vertraute Orte - Neues Leben“:Empfehlungen für die drei Kirchen liegen vor

Rückblick auf einen außergewöhnlichen Beteiligungsprozess
Mit einer sehr gut besuchten Projekt-Revue in der Michaelskirche mit mehr als 150 Besucherinnen und Besuchern ist am Montagabend, 22. Juni, die Dialogphase des Zukunftsdialogs „Vertraute Orte – Neues Leben“ der katholischen Kirchengemeinde Hl. Johannes XXIII. und der Stadt Viernheim zu Ende gegangen. Vorgestellt wurden dabei die Empfehlungen des Runden Tisches für die zukünftige Nutzung der Hildegardkirche, der Marienkirche und der Michaelskirche.
Rückblick auf einen außergewöhnlichen Beteiligungsprozess
Dem Zukunftsdialog war ein mehrmonatiger Beteiligungsprozess vorausgegangen. Seit Herbst 2025 hatten sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger mit Ideen, Anregungen und Projektvorschlägen eingebracht. Mehr als 1.000 Vorschläge wurden gesammelt, diskutiert und weiterentwickelt. Begleitet wurde der Prozess von einem Runden Tisch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Kirchengemeinde und Bistum, Stadtverwaltung und Politik, Wirtschaft und Kultur, dem Heimatverein und engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Auch die Denkmalbehörde von Land, Kreis und Bistum waren in den Prozess eingebunden und zu den Sitzungen eingeladen.
„Das zeigt eindrucksvoll, wie groß die Verbundenheit vieler Viernheimerinnen und Viernheimer mit ihren Kirchenstandorten ist“, sagte Pfarrer Dr. Ronald Givens. „Diese Ideen haben den Prozess getragen und die Empfehlungen maßgeblich geprägt.“
Gleichzeitig machte Givens deutlich, dass der Zukunftsdialog längst erste sichtbare Veränderungen angestoßen habe. Ein Beispiel dafür sei der bereits erfolgte Ausbau der Kirchenbänke in der Michaelskirche, der neue Nutzungsmöglichkeiten eröffne.
Auch Erster Stadtrat Jörg Scheidel hob die Bedeutung der breiten Beteiligung hervor: „Der Zukunftsdialog hat gezeigt, was möglich ist, wenn Kirche, Stadt und Bürgerschaft gemeinsam nach Lösungen suchen. Die große Beteiligung und die konstruktiven Diskussionen haben eine starke Grundlage für die weitere Entwicklung der drei Standorte geschaffen.“
Empfehlungen für die drei Kirchenstandorte
Mit einem musikalischen Einstieg begann die Projekt-Revue zum Zukunftsdialog. Unter der Leitung von Christoph Wunderle eröffneten mehrere Musikerinnen und Musiker stimmungsvoll den Abend. Anschließend richtete sich der Fokus auf die Empfehlungen des Runden Tisches für die drei Kirchenstandorte:
Hildegardkirche als Sozialzentrum und Quartierstreff

Die Empfehlungen für die Hildegardkirche erläuterte Tobias Gieding, der dem Runden Tisch als Vertreter einer politischen Fraktion angehört. Im Mittelpunkt der Überlegungen steht die mögliche Ansiedlung des Viernheimer Sozialzentrums. Gemeinsam mit dem Gemeindehaus und den angrenzenden Freiflächen könnte dort ein offener Quartierstreff mit sozialen Angeboten entstehen. Als nächster Schritt wird die Erstellung einer Machbarkeitsstudie empfohlen, um die räumlichen, finanziellen und denkmalpflegerischen Rahmenbedingungen genauer zu untersuchen.
Nutzungsoffenheit für die Marienkirche
Die per Losverfahren für den Runden Tisch ausgewählte Bürgerin Helga Schubert präsentierte die Empfehlungen für die Marienkirche. Der Runde Tisch plädiert für eine bewusst offene Entwicklungsperspektive. derzeitige Nutzung durch die Baptisten wird ausdrücklich begrüßt. Gleichzeitig sollen verschiedene Perspektiven – von Kultur- und Veranstaltungsangeboten bis hin zu Wohnkonzepten – weiterverfolgt und mit möglichen Interessenten sowie Projektentwicklern erörtert werden. Dabei soll der gesamte Standort mit Kirche, Pfarrhaus und Pfarrzentrum betrachtet werden.
Michaelskirche als multifunktionaler Veranstaltungs- und Bewegungsraum
Als Veranstaltungs-, Kultur- und Bewegungsraum sehen die Beteiligten die größten Entwicklungsmöglichkeiten für die Michaelskirche. Die räumlichen Voraussetzungen und die Akustik des Gebäudes bieten nach Einschätzung der Beteiligten gute Möglichkeiten für ein breites Nutzungsspektrum. Gespräche mit der Stadt Viernheim, dem Schulträger und weiteren möglichen Partnern sollen nun konkretisiert werden. Diese Empfehlung stellte Emma Usler vor, die am Runden Tisch die Perspektive junger Erwachsener vertritt.
Kirchliche Gremien unterstützen die Empfehlungen
Pfarreiratsvorsitzende Ursula Scheidel und Angela Eckart von der Pfarreileitung zeigten zudem die Einschätzung der kirchlichen Entscheidungsgremien auf. Sowohl der Pfarreirat als auch der Verwaltungsrat der Pfarrei Hl. Johannes XXIII. unterstützen die Empfehlungen des Runden Tisches grundsätzlich und sehen darin eine wichtige Grundlage für die weiteren Planungen.
Für die Hildegardkirche befürworten die Gremien die vertiefte Prüfung eines Umzugs des Viernheimer Sozialzentrums. Zugleich wurde betont, dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts sorgfältig untersucht werden müsse. Eine Finanzierung könne nur auf Grundlage belastbarer Ergebnisse der vorgesehenen Machbarkeitsstudie erfolgen. Als wichtiger Baustein wurde dabei auch die Möglichkeit einer Querfinanzierung durch die Verwertung anderer Kirchenstandorte genannt.
Auch die Empfehlung für die Marienkirche wird mitgetragen. Die Gremien betonten, dass die Zukunft dieses traditionsreichen Standortes langfristig gedacht werden müsse. Für die weitere Entwicklung wird ein Zeitraum von etwa zehn Jahren angesetzt. Die während des Beteiligungsprozesses entwickelte Nutzungsoffenheit wird dabei als wichtiger Schritt verstanden. Gleichzeitig möchte die Pfarrei den Standort energetisch weiterentwickeln und prüft unter anderem den Einsatz einer Photovoltaikanlage, einer Wärmepumpe sowie weiterer Maßnahmen im Sinne der Schöpfungsverantwortung.
Für die Michaelskirche bekräftigten die Gremien die Empfehlung einer multifunktionalen Nutzung. Als entscheidend für den weiteren Weg wurde die enge Zusammenarbeit mit der Stadt Viernheim sowie möglichen Trägern und Kooperationspartnern angesehen. Insbesondere die Frage einer langfristigen Trägerschaft wurde als Schlüssel für eine erfolgreiche Nachnutzung benannt. Gleichzeitig können auch Zwischennutzungen und zeitlich befristete Kooperationen helfen, das Kirchengebäude weiter zu beleben und geeignete Strukturen zu entwickeln.
Vertiefende Prüfungen und offene Fragen
Auch die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie „Kletterkirche“ sowie erste Prüfungen des städtischen Kultur- und Sportamtes zur möglichen Nutzung der Michaelskirche wurden vorgestellt. Pfarreikoordinatorin Angela Eckart, die Vorsitzende des Pfarreirats Ursula Scheidel sowie Jan Krasko vom Kultur- und Sportamt erläuterten, welche Fragen in den kommenden Monaten vertieft untersucht werden sollen. Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen der Finanzierung, der konkreten Umsetzung sowie möglicher Betreiber- und Trägermodelle.
Die Machbarkeitsstudie „Kletterkirche“ kommt zu dem Ergebnis, dass eine reine Boulderhalle aufgrund des bereits vorhandenen Angebots in der Region wirtschaftlich nicht tragfähig wäre. Stattdessen empfiehlt die Studie eine erlebnispädagogische und multifunktionale Nutzung, die Hochseilelemente mit Veranstaltungs- und Begegnungsflächen verbindet und damit unterschiedliche Zielgruppen ansprechen könnte.
Mit Blick auf die anstehende Sanierung der Waldsporthalle ab Sommer 2026 erläuterte Leiter Jan Krasko vom städtischen Kultur- und Sportamt zudem mögliche Nutzungsperspektiven für die Michaelskirche. „Nicht jede Idee lässt sich in der Michaelskirche eins zu eins umsetzen. Für klassische Ballsportarten ist der Raum nicht geeignet. Gleichzeitig bietet das Gebäude großes Potenzial für Bewegungsangebote, Kurse, Kulturveranstaltungen und andere Aktivitäten. Die bisherigen Prüfungen zeigen, dass hier vielfältige und tragfähige Nutzungsmöglichkeiten entstehen können“, so Jan Krasko.
Bewegung und Begegnung im Kirchenraum
Sitzgruppen statt Kirchenbänke und eine gemeinsame Stuhl-Zumba-Einheit mit Kerstin Fleck und einer Kollegin von der Volkshochschule machten während der Veranstaltung erfahrbar, wie flexibel der Kirchenraum genutzt werden kann.
Fragen aus dem Publikum
Auch während der Projekt-Revue blieb der Dialog nicht stehen: Fragen und Anmerkungen konnten direkt digital eingebracht werden und wurden anschließend von Pfarrer Dr. Ronald Givens, Bürgermeister Matthias Baaß und Erster Stadtrat Jörg Scheidel aufgegriffen.
Auf Nachfragen zur künftigen Nutzung der Michaelskirche verwies Pfarrer Dr. Ronald Givens auf die Beschlüsse der kirchlichen Gremien: Die Apostelkirche werde künftig Pfarrkirche und zentraler Gottesdienstort der Pfarrei Hl. Johannes XXIII. sein. Auch die Schließung der Jugendräume wurde angesprochen. Givens betonte, dass zahlreiche Gruppen der Pfarrei in den vergangenen Jahren Einschnitte hätten hinnehmen müssen – etwa durch die Umwandlung des Pfarrer-Molitor-Hauses in eine Kindertagesstätte oder die Vermietung der Pfarrhäuser. Aktuell könnten aber weiterhin die Jugendräume in der Michaelskirche von ihnen genutzt werden.
Dank an die Mitglieder des Runden Tisches
„Die Empfehlungen wären ohne das große Engagement der Mitglieder des Runden Tisches nicht möglich gewesen. Sie haben ihre Erfahrungen, ihr Fachwissen und viele unterschiedliche Perspektiven eingebracht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken“, so Bürgermeister Matthias Baaß. Als Anerkennung für ihre Mitarbeit erhielten die Mitglieder des Runden Tisches ein kleines Dankeschön. Die Nähstube der Pfarrei Hl. Johannes XXIII. hatte dafür Taschen aus den Bannern gefertigt, die den Zukunftsdialog über das vergangene Jahr hinweg begleitet hatten.
Empfehlungen als Grundlage für die nächsten Schritte
Zum Abschluss der Veranstaltung betonten Pfarrer Dr. Ronald Givens, Bürgermeister Matthias Baaß und Erster Stadtrat Jörg Scheidel die Bedeutung des bisherigen Prozesses. Der Zukunftsdialog habe eindrucksvoll gezeigt, wie groß das Interesse der Viernheimerinnen und Viernheimer an der Zukunft ihrer Kirchenstandorte sei und wie viele kreative Ideen, Erfahrungen und Perspektiven in den Prozess eingebracht wurden. Die nun vorliegenden Empfehlungen des Runden Tisches bilden die Grundlage für die weiteren Beratungen und Entscheidungen.
Beim gemütlichen Ausklang mit Getränken, Kulinarischem und musikalischer Begleitung durch Sängerin Helen Lenzen nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, um in Gesprächen auf den gemeinsamen Weg der vergangenen Monate zurückzublicken und sich auszutauschen.
Mit der Projekt-Revue endet die erste große Dialogphase des Zukunftsdialogs „Vertraute Orte – Neues Leben“. Die katholische Kirchengemeinde Hl. Johannes XXIII. und die Stadt Viernheim bekräftigten ihren Willen, den begonnenen Dialog fortzusetzen und gemeinsam tragfähige Perspektiven für die drei denkmalgeschützten Kirchenstandorte zu entwickeln.
Weitere Informationen zum Zukunftsdialog „Vertraute Orte – Neues Leben“ sowie sämtliche Ergebnisse, Dokumentationen und Entwicklungen sind auf der Internetseite der Pfarrei Hl. Johannes XXIII. abrufbar:
www.bistummainz.de/zukunftsdialog-viernheim