Predigt Pfarrer Dr. Ronald Givens vom 27.9.2026:In der Kommunion sagt Jesus sein JA zu mir

Was die Eucharistie mit unserem Leben, unseren Beziehungen und unserer Bereitschaft zur Veränderung zu tun hat
Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,
sie alle wissen, dass das die Hostie ist, die nachher auf dem Altar durch die Worte Jesu, die er im Abendmahlssaal gesprochen hat, sich verwandelt in sein ganzes Leben, seine ganze Kraft, in seine Auferstehung, in ihn selbst. Nun könnte man diese Hostie nehmen, auch das geht und sie in den Tabernakel legen. Zumachen, dann liegt sie da und dann bekommt der Heiland irgendwann grüne Haare, verschimmelt, vergammelt und vertrocknet. Sie wissen natürlich, das ist nicht Sinn und Zweck dessen, was wir hier feiern, sondern Sinn und Zweck dessen, was wir hier feiern, ist, dass diese Hostie gebrochen wird, dass sie ein Stück davon erhalten und dass sie dann hinausgehen in ihren Alltag und eigentlich eine ganze Woche lang nicht vergessen, neben mir brennt ein rotes Licht, Jesus ist bei mir, ich bin ein Tabernakel, dass sie dann am nächsten Sonntag wiederkommen und sagen, ich möchte das erneuern, ich möchte diese Kraft wieder bekommen, ich möchte, dass ich nicht vergesse, dass da das große Ja über meinem Leben steht, dass dieser Jesus sagt, mit dir gehe ich durchs Leben, hab mich zum Fressen gern, ich möchte nicht in einem Panzerschrank vergammeln und vertrocknen, ich möchte mit dir ins Leben gehen. So ist das mit allen Sakramenten.
Wenn sie verheiratet sind und einander versprochen haben, ja, ich lieb dich, dann kann das ein ganz billiges Ja sein, so wie bei dem zweiten Sohn im Gleichnis. Ja, ich lieb dich, dann les ich morgens meine Zeitung und guck den anderen nicht an. Ja, ich lieb dich und komm immer später nach Hause. Ja, ich lieb dich, aber Zärtlichkeit, ein gutes Wort und Streicheln gibt es nicht mehr. Ja, ich lieb dich. Wie billig kann das Ja werden?
Wie billig gibt es in allen anderen Lebensbereichen? Ja, ich lass mich auf einen Weg, ich lass mich auf eine Veränderung ein und dann mache ich doch meinen eigenen Stiefel und meine eigene Agenda. Und ihr, ihr wisst ganz genau, wie wichtig das ist, Mama und Papa, dass die Eltern nicht nur einfach ja sagen, sondern dass sie merken, hey, ich hab mich verändert, ich hab mich entwickelt.
Kannst du dazu ja sagen, dass ich andere Ideen habe, dass ich anders geworden bin und alle von ihnen, die Kinder haben, die wissen, so ein Ja, Wenn es kein billiges Ja ist, dann braucht das viel Kraft, ein ganzes Leben lang zuzulassen, dass Kinder sich zu verändern, dass sie selbst, wenn sie Erwachsene geworden sind, vielleicht Wege gehen, wo sie sagen: 'Das hätte ich jetzt nicht gebraucht.' Und trotzdem die Tür offen halten und sagen: 'Ja, ich bin da.
Wenn du mich brauchst, ich bin da.' Und so ist das mit allen Freundschaften, mit allen Beziehungen, in allen Ebenen unseres Lebens. Wir alle spüren ganz genau, was ein billiges Ja ist, ein Ja, das sich nicht auf Veränderungen einlässt, ein Ja, das unbeweglich ist, ein Ja, das nicht wahrnimmt, wer wir sind und wie teuer ein Ja ist, Wenn ich wirklich wahrnehme, wem ich dieses Ja sage, was sich da verändert hat, was sich da entwickelt hat, was da vielleicht auch an Ecken und Kanten gekommen sind und wo der andere wirklich braucht, dass mich mein Ja etwas kostet: Beweglichkeit, Horizontveränderung. Und dann gibt es auch das gute Nein. Es gibt dieses Nein, wo es notwendig ist, so wie der erste Sohn, von dem wir nicht wissen, warum, aber wo es wichtig ist, dem anderen zu sagen: Nein, in deinen Weinberg geh ich nicht mehr.
Ich hab genug von dieser Ehe, in der es jeden Morgen nur Frechheiten gibt und harte Worte. Ich hab genug von dieser Freundschaft, wo immer nur ich anrufe, mich immer nur ich um alles kümmere und du nicht da bist. Ich hab genug von einem Elternhaus, wo es immer nur heißt Füße unter den Tisch und was ich will es gibt ein Nein, das absolut notwendig ist. Aber wie furchtbar, wie billig wird dann dieses Nein und wie hart wird dieses Nein, wenn es sich nicht wandelt. Wie viel Kraft kostet es, dass der erste Sohn nicht bei diesem Nein stehen bleibt, sondern am Ende doch in den Weinberg geht. Darum geht es doch im Leben.
Es gibt Situationen, da muss ich nein sagen, da muss ich mich abgrenzen, da muss ich auch sagen, nein, will ich nicht in deinen Weinberg, in diese Art von Leben möchte ich nicht mehr. Aber dann nicht hart werden, sondern einen Weg zu suchen, wie trotzdem ein Ja werden kann. Ja, ich gehe dorthin, aber so wie es mir und dem Weinberg gut tut, dass wieder etwas wächst. Ja, wir sind geschieden, aber ich hasse dich deswegen nicht. Ich kann zurückschauen auf die Zeit, die gut gewesen ist, auf das, was ich ohne dich niemals gehabt hätte. Es gibt ein Nein, das sich wandeln muss zu einem Ja.
Aber wieviel Arbeit steckt da drin? Wieviel Arbeit steckt da drin, sich nicht vom Nein beherrschen zu lassen, sondern zu unterscheiden? Dazu sage ich ein ganzes Leben lang Nein, da bleibe ich dabei. Aber dazu möchte ich Ja sagen, weil das nicht vom Nein beherrscht werden soll. Wieviel Kraft kostet es, ein gutes Ja zu sagen? und immer wieder sich neu einzulassen und wie viel Kraft kostet es, ein gutes Nein zu sagen und sich davon nicht beherrschen zu lassen, sondern dieses Nein zu wandeln, dass es zu einem Ja wird, das Grenzen respektiert, aber auch Horizonte öffnet. Wir erleben das im Moment als Volk.
83 % von uns sagen, ja es muss sich etwas verändern. 83 % von uns sagen, wir dürfen denen, die da jetzt gerade als Messdienerinnen und Messdiener sitzen, nicht eine Welt hinterlassen, die wir ökologisch zugrunde gerichtet haben. Wir dürfen denen nicht Millionen von Schulden hinterlassen, es muss sich etwas ändern. 83 % von uns sagen ja und wie billig ist dieses Ja, das haben wir gesehen in Berlin und in Sachsen-Anhalt, wenn es darum geht, dass tatsächlich etwas verändert werden soll, dann sagen diese 83 % alle miteinander nein, keine Reformen. Das Problem ist nicht die extreme Linke und die extreme Rechte, sondern das Problem ist, dass die Mitte extrem geworden ist, dass wir nicht mehr es schaffen aus einem Nein ein Ja zu machen, dass wir nicht mehr schaffen Kompromisse zu finden, dass wir uns an das billige Ja gewöhnt haben, dem aber keine Taten folgen und dass das Nein unverrückbar ist.
Es doch nicht sein, dass wir uns auf einen Weg begeben, der kein Leben bringt, dass am Ende der Weinberg verkommt, weil die einen ja sagen, da muss was gemacht werden und nicht in den Weinberg Deutschland hineingehen und die anderen sagen, nein, da darf sich nichts verändern und nicht nicht in den Weinberg Deutschland hineingehen. Wir alle spüren, dass das so nicht geht. Man kann die Hostie nicht in den Tabernakel legen und sagen, wird schon irgendwie werden.
Man muss sie brechen, man muss sie essen, man muss sie im Alltag leben und spüren, dass man aus dieser Kraft heraus fähig wird, Ja zu sagen und etwas zu verändern und Veränderung zuzulassen und Nein zu sagen, ohne hart zu werden und im Nein auch das Ja zu suchen. Amen.