Südengland 2026:Pilgerreise 4

Bilder sind ein Angebot. Vom Künstler, der Künstlerin an diejenigen, die dem Bild begegnen. Ein Angebot, um darin etwas Lebensberührendes zu entdecken. In den letzten hundert Jahren ist dieses Angebot immer abstrakter geworden , hat sich gelöst vom Versuch naturgetreu abbilden zu wollen. Photos und Film haben zunehmend diese Aufgabe des Festhaltens und Abbildens übernommen. Die Bildüberflutung hat ein weiteres dazu getan.

Und so stehen wir vor den Glasfenstern von Chagall und Strachan, an zwei unterschiedlichen Orten, hören die Geschichten zu den Bildern und in den Bildern, und lösen uns. Lösen uns vom Konkreten. Tauchen ein in Farben und Formen. Nehmen das Angebot der beiden Künstler an, das Lebensberührende zu entdecken. Die große Träne, die eine Liebesglut umfasst. Der Christus, der sein Gebet teilt. Das Meerungeheuer, das den Frieden verschlingt.

Erst einen Tag später bleibt Zeit miteinander zu teilen, einander zu erzählen, wie eigene Biographie und das Schöpferische sich auf der Wallfahrt verbinden. Die Glasfenster, die Dorfkirchen, die Kathedrale, die Bäume, das Meer und die Wolken. Der Mensch als Künstler, Gott als Schöpfer und Künstler. Die Erfahrung, was wäre die Dorfkirche, was wäre die Kreuzfahrerkirche, was die Kapelle, was wären diesen sakralen Räume geblieben, ohne den Mut sie zu gestalten, zu bauen, zu verändern. Was wären sie für uns, hätten wir darin nicht gesungen, Liturgie mitgefeiert, gebetet, geweint und geschwiegen.
So viele Angebote von Gott und Menschen, sich beschenken und berühren zu lassen.
