Ministranten in Rom:Rom 2

Hätten Lena und Raphael sie mir nicht gezeigt, hätte ich sie nicht gesehen. Pater Adrian, der uns durch die Domitilla Katakomben geführt hat, hat den Jugendlichen ein besonders schönes Grab und seine Bemalung erklärt, von Christus und den Aposteln erzählt und in der Mitte des Bildes die Seele, die um Auferstehung bittet. Als ich dann an das Bild trete, sehe ich nur ein schwarzes Feld, dann aber, durch das Hindeuten der Anderen, sehe ich die Umrisse der Orante, die da voller Vertrauen ihre Hände zum Gebet erhebt. Später stehen wir dann im Gottesdienst und Marlene steht in der Mitte und zeigt nochmals allen diese Gebetshaltung des Vertrauens und der Offenheit. Aaron stellt sich neben sie und ergänzt die Orantenhaltung durch weit geöffnete Arme. Zwei Gesten des Gebetes, die wir dann beim Vaterunser bewusst einüben.

Am Spätnachmittag könnte der Kontrast nicht größer sein. Waren wir am Morgen noch in der Katakombe zum Gottesdienst, standen wir später in einer der größten Kirchen Roms, der Lateranbasilika. Doch beides gehörte zusammen: dort die unterirdischen Gräber der Christen, die daran glauben, dass es eine Auferstehung gibt und dann die riesige Kirche, die deutlich macht, wie das Vertrauen, der Mut, die Liebe zu Jesus dieser ersten Christen am Ende immer mehr Menschen überzeugte und sie sich taufen ließen. Schließlich füllten sie mit ihren Gottesdiensten nicht mehr nur die kleinen versteckten Hauskirchen, sondern die größten Markthallen, Basiliken der Stadt Rom.
Die Messdienerinnen und Messdiener hat es nachdenklich gemacht, als wir auf dem Weg zurück über die Via Appia Antica an der Stelle waren, wo die Legende erzählt, dass Petrus aus Rom flieht. Er hat Angst um sein Leben, weil der Kaiser die Christen verfolgt. Zuvor hat P. Adrian von Domitila, von den ersten Christen erzählt, die sich taufen ließen, obwohl sie wussten, dass diese Liebe zu Jesus sie das Leben kosten kann. Da begegnet Petrus Jesu und fragt ihn, wohin er denn gehe, warum er denn ausgerechnet in die Stadt will, dort, wo die Gefahr lauert. Da erklärt ihm Jesus, dass er für ihn geht, um die zu stärken, die aushalten, die bleiben, die nicht weglaufen. Petrus ist erschüttert und kehrt um. Emelie steht nachdenklich vor dem Bild des Petrus, der mit Kopf nach unten gekreuzigt wird, als er zurückkehrt ist.

Kurz darauf sind wir an der Lateranbasilika, die daran erinnert, dass am Ende der Kaiser selbst sich taufen lässt. Aaron und Luisa haben viele Fragen im Baptisterium neben der Basilika: zu Kaiser Konstantin, zu Petrus, zur Taufe. So schließt sich der Kreis. Denn den Gottesdienst an diesem Sonntag haben wir in der Katakombe damit begonnen, dass wir uns an die Taufe erinnert haben, an unsere Taufnamen. Manche und mancher hat gestaunt, dass einige nicht nur einen Namen, sondern bei der Taufe mehrere Namen erhalten haben.
Zu Fuß geht es entlang der alten Stadtmauer zurück zum Hotel. Längst haben wir uns daran gewöhnt, nach Trinkbrunnen Ausschau zu halten. Bis zum Abendessen bleibt, angekommen im Hotel, genug Zeit, um sich zu duschen und zu erholen.