Ministranten in Rom:Rom 3

Irgendwie war der Tag erst einmal verkorkst. Die Straßenbahn ist nicht gefahren, nur Ersatzbusse. Und die waren so voll, dass wir zu Fuß nach Trastevere gewandert sind. Vielleicht keine gute Idee bei der Hitze. Und als dann Santa Maria in Trastevere auch noch geschlossen war, wegen einer Beerdigungsfeier in der Kirche, haben wir uns entschlossen, erst einmal eine große Pause im Hotel zu machen. Geduldig haben wir dann im Schatten an der Bushaltestelle gewartet und als der Bus dann kam, ist er schnell vorbei gebraust. Wie gesagt kein guter Tag.
Dafür war der Abend davor noch wunderschön. Nach dem Abendessen sind wir mit der Metro zum Forum gefahren und als wir dann aus dem U-Bahn-Schacht aufgetaucht sind und plötzlich vor dem hell erleuchteten Forum gestanden sind, war das Staunen groß. Natürlich wegen Forum, Triumphbogen, Trajanssäule und Kapitol, aber mindestens genauso, weil es auch darum ging, wie ich mich entscheide. Romulus und Remus, Kain und Abel. Akzeptieren können, dass der andere anders ist und es als eine Chance begreifen, oder alles, was anders ist, totschlagen? Einen Triumphbogen in die Landschaft stellen und nicht zu fragen, wie die Sklaven leben, die ihn für mich errichten, oder Sklaven freilassen, weil in Christus alles gleich sind.

Zu hören, dass der Papst jeden Karfreitag ins Kolosseum geht und betet, weil dort viele Namenlose den Tieren zu Fraß vorgeworfen wurden. Die, die gedacht hatten, das wäre gute Unterhaltung, dass wäre populär, nicht damit gerechnet hatten, dass die Zuschauer ein Herz haben, dass sie sich ihre eigenen Gedanken gemacht haben, wenn der eine oder die andere beim Sterben gebetet hat, einander gestützt und geholfen haben, weil sie in Christus Geschwister geworden sind.
Ein Abendspaziergang im erleuchteten Forum, wo es immer wieder darum ging, dass jeder und jede ein Herz hat, dass mit jedem Herzschlag die Freiheit hat, sich zu entscheiden für das Mitgefühl, für die Vielfalt, für das Gute.
So sind wir dann sehr spät ins Bett gekommen. Vielleicht war deshalb der Morgen verkorkst.
Nachdem dann doch ein Bus gehalten hat und uns mitgenommen hat, nach einer Siesta, Dusche und Pizza und Süßigkeiten, sind wir noch einmal losgezogen.

In Santa Maria del Populo ging jedes Zimmer auf Entdeckungsreise. Fünf Bilder mussten die Kinder und Jugendlichen finden. Das Bild auf dem Bernini erzählt, wie Papst Paschalis II den Baum fällt, unter dem die Urne des Nero begraben sein soll. Die Ikone die Papst Gregor aus dem Lateranpalast holt als die Pest in Rom gewütet hat und die bis heute in der Kirche hängt, weil die Menschen glauben, dass Maria damals eine gute Fürsprecherin war und heute noch ist. Oder das Gemälde, als Paulus voller Hass vom Pferd fällt, weil ein helles Licht vom Himmel ihn ausbremst.
Wir haben Glück. Die Kirche ist leer, alle finden nach und nach die Bilder, Skulpturen und Gemälde, und es bleibt Zeit, eine kleine Andacht zu feiern. Dass man manchmal den Mut haben muss etwas zu fällen, etwas mutig anzugehen, was zu lange schon Angst gemacht hat. Dass der Hass auf andere das Herz mindestens genauso krank macht wie die Pest, nur nicht so sichtbar ist wie diese, oder wie gut es ist, ein Bild zu haben, das einem Mut macht, Hoffnung gibt.
Am Ende hat der verkorkste Tag an der spanischen Treppe doch noch einen guten Abendglanz bekommen.