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Predigt Pfarrer Dr. Givens vom 7. Juni 2026:Sein Herz öffnen

Herz Pfarrbüro
Was das Herz Jesu Fest bedeutet
Datum:
15. Juni 2026
Von:
Pfarrer Dr. Ronald A. Givens

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

war jemand von euch in Taizé mit dabei? Okay, die anderen, die in Taizé waren, um sich auf das Sakrament der Firmung vorzubereiten, die waren nicht zufällig an diesem Ort, sondern sie waren in Taizé, weil Freré Roger nach zwei Weltkriegen daran geglaubt hat, die Welt muss heil werden. Und er ging einen ganz ungewöhnlichen Weg. Er hat gesagt: es muss Menschen geben, die zunächst einmal für sich selber ruhig werden, die in sich ein Herz haben, das beruhigt ist, damit Ruhe in die Familie, damit Ruhe in die Nachbarschaft, damit Ruhe in die Welt hineinkommt. Und er geht dafür einen ganz ungewöhnlichen Weg. Jeden Abend trifft er sich mit seinen Brüdern und mit Jugendlichen aus aller Welt. Und dann sitzen sie mindestens eine halbe Stunde vor dem Allerheiligsten und beten in Stille. Ab und an wird eine Melodie, ein Taizélied immer und immer wiederholt, aber eigentlich geht es darum, dass das Herz ruhig wird, dass man selbst ruhig wird. Und das ist etwas, dass wir alle kennen. Wie gut tut es in der Familie, wenn da ein Ruhepol ist, wenn da eine oder einer ist, die Ruhe hineinbringt bei aller Lebendigkeit, bei allem Durcheinander.

Freé Roger geht nicht zufällig an diesen Ort, geht nicht zufällig nach Taizé, nach Burgund, sondern es ist ein Ort und den kann man nur begreifen, wenn man ein paar Kilometer weiterfährt, da steht eine wunderschöne romanische Basilika Paray-le-Mondial und dort in Paray da ist zunächst einmal ein Mädchen, Maria Margareta. Sie ist ungefähr so alt wie ihr. Da verliert sie den Papa, da steht sie alleine da, ohne den Vater, der bis dorthin dafür gesorgt hat, dass die Familie leben konnte. Die Mutter und Maria Margareta müssen zu Verwandten, um dort auf dem Feld zu arbeiten. Und das Mädchen erfährt von Anfang an, dass sie nicht geliebt ist, dass sie nicht gewollt ist. Sie wird ausgebeutet nach Strich und Faden und irgendwann reagiert der Körper. Mit 8 Jahren ist sie gelähmt. Sie kann sich nicht mehr bewegen. Das, was ihr angetan worden ist, das, was sie dort erlebt, was ihre Mutter erlebt, diese Hilflosigkeit, das zeigt sich im Körperlichen. Vier Jahre lang liegt sie gelähmt im Bett. Und es ist eine furchtbare Zeit, weil die Familie ihr vorwirft, dass sie faul ist. Da macht sie ein Gelübte. Sie sagt: "Lieber Gott, wenn ich mich wieder bewegen kann, wenn ich wieder auf meine Beine komme, dann möchte ich dich lieben, dann gehört dir mein Leben." Und das Wunder passiert. Maria Margareta Alacoque kann sich wieder bewegen. Sie kann umherspringen. Sie kommt wieder in Bewegung. Sie kann das Leben in vollen Zügen genießen und sie beschließt: "Ich gehe ins Kloster". Die Mutter ist entsetzt: "Jetzt, wo du dich wieder bewegen kannst, jetzt, wo das Leben vor dir liegt, warum willst du dich denn hinter Klostermauern verschließen? Warum dein Leben wegwerfen?" Aber für sie ist klar: "Ich will ins Kloster. Ich will Jesus lieben. Er hat mich wieder in Bewegung gebracht. Er hat etwas in mein Leben gebracht, dass die Menschen nicht bringen konnten".

 Und so klopft sie im Kloster an bei den Salesianerinnen und bittet darum, dass sie aufgenommen wird. Man lehnt sie ab, weil sie zu arm ist, weil sie keine Mitgift hat, weil sie nichts mitbringt. Sie ist zu arm fürs Kloster und die Schwestern sagen: "Nein". Das ist ein weiterer schmerzhafter Punkt im Leben der kleinen Maria Margareta. Stellen Sie sich das vor, gelähmt zu sein, weil man ganz und gar missachtet ist. Stellen Sie sich das vor. Sie wären nicht geliebt und Sie wären nicht erwünscht, weil Sie Sie sind, sondern nur wenn sie etwas mitbringen, wenn sie etwas auf den Tisch legen, wenn sie Äcker haben, wenn sie Häuser haben, wenn sie irgendetwas bieten können, um ihre eigene Person aufzuwerten. Ich hoffe, das kommt Ihnen nicht bekannt vor, sondern ich hoffe, dass hier lauter Menschen sitzen heute Morgen, die geliebt sind um ihres eigenen Willens, um ihrer selbst, nicht um das, was wir auf den Tisch legen, nicht um das, was wir bieten, nicht um das, was unsere Familie hat oder kann, sondern wer wir sind. Sie bleibt hartnäckig. Immer und immer wieder klopft sie an dieses Kloster an, bis man sie schließlich aufnimmt, aber ihr von Anfang an sagt: "Du wirst hier nichts anderes tun, als den Boden putzen, als das Gemüse säubern, als die Latrinen säubern." Und dann passiert das Unglaubliche. Sie träumt, sie hat Visionen. Jesus erscheint ihr und er zeigt ihr sein Herz und er sagt: "Maria, ich weiß, was es heißt, abgelehnt zu sein. Ich habe das bis in mein Herz hineingespürt. Glaubst du, ich wüsste nicht, was das bedeutet als junger Mann mit 33 Jahren, wenn man ein mir ins Gesicht hineingespuckt hat? Glaubst du nicht, ich hätte das nicht gefühlt, als ich vor Pontius Pilatus gestanden bin und nichts falsch gemacht habe und verurteilt und abgelehnt worden sind bin? Schau auf mein Herz. Glaubst du nicht, dass das hätte Spuren hinterlassen, als sie geschrien haben: "Kreuzige mich und ich wollte doch nur lieben. Ich habe doch geheilt. Ich habe doch Menschen aufgerichtet." Und am Ende haben sie mich totgeschlagen.

Und das erzählt dieser Jesus in diesen Bildern Maria Margareta Alaquoque und sie schreibt das auf und irgendwann erzählt sie ihren Mitschwestern davon und dann ist es passiert. Die hat nichts, die kann nichts, die macht lauter Schreibfehler. Und jetzt behauptet sie auch noch, dass Jesus sie versteht. Die ist vom Teufel besessen. Die ist verrückt. Die putzt noch gar nicht genug Latrinen, die putzt noch gar nicht genug den Boden. Es wird furchtbar, was dieses Mädchen mitmacht. Ich hoffe, ihr kennt das nicht, wenn man in der Klasse anders ist. Ich hoffe, dass ihr das nie erleben müsst, wie das ist, wenn man nicht ist wie die anderen, wenn man nicht mitmacht wie die anderen, sondern wenn einem das Herz irgendetwas anderes sagt, wenn das Leben anders verläuft als bei allen anderen. Ich hoffe, nur wenige haben das erfahren, was Maria Margareta Alacoque erfährt. Und dann hat sie endlich einmal Glück. Ihre Oberin stirbt. Manchmal ist es gut, wenn jemand stirbt. Da kann jemand anderes aufatmen. Auch das gibt es. Gut, dass wir sterblich sind, Gut, dass wir nicht bis zum Ende und darüber hinaus alles festhalten, sondern dass der Tod uns einmal auch vom Spielfeld nimmt und sagt, es wird Zeit, dass Raum entsteht, dass Luft entsteht.

Die neue Oberin sieht, was in Maria Margareta ist. Sie macht sie zur Novizenmeisterin. Sie macht sie zu derjenigen, die die anderen ausbildet. Und sie hat noch mehr Glück. Sie findet in dem Jesuiten Columbier einen, der ihr zuhört. Und auch das ist etwas Wichtiges im Leben, einen Menschen zu haben, der mir zuhört. Nicht alleine durchs Leben zu gehen, sondern jemanden zu finden, mit dem ich über alles sprechen kann. auch über meinen Glauben, auch über das, was mein Herz bewegt, eine beste Freundin, einen besten Freund zu haben, jemanden zu haben, mit dem ich alles teilen kann. Und der setzt sich hin, nachdem er ihr zugehört hat und er guckt sich an, was sie aufgeschrieben hat und er nimmt keinen Rotstift. Er sucht nicht die Fehler. Er beginnt zu lesen und er findet viele, viele Sätze, von denen er sagt: "Wie wunderschön hast du das aufgeschrieben. Was für tolle Sätze stecken da drin.“  Er ordnet, er hilft ihr Ordnung hineinzubringen, dass sie am Ende sagen kann: "Ja, das ist das, was ich ausdrücken wollte. Ja, das ist es, was ich gefühlt habe. Ja, das ist es, was ich gesehen habe.“

Schließlich kommen diese Aufzeichnungen, kommen diese Erzählungen zum Papst. Der liest das und der sagt:“ das ist es, was diese Welt genau braucht: nicht noch mehr starke, nicht noch mehr perfekte, nicht noch mehr, die alles können. Sondern es braucht dieses Bild eines Gottes, der weiß, was es heißt, abgelehnt zu werden. braucht die Erzählung von einem Gott, der sein Herz nicht hart gemacht hat, nicht ummantelt hat, sondern der sein Herz geöffnet hat. Es braucht, dass wir hinschauen auf diese eine Szene bei der Kreuzigung Jesu, als die Lanze hineingestoßen wird und das Herz Jesu geöffnet wird. Es braucht dieses Wissen, da ist ein Gott, der liebt uns so sehr, dass er die eigenen Bedürfnisse, die eigenen Verwundungen nach hintenangestellt hat, um uns zu lieben. Und warum? Weil es solche Menschen in dieser Welt braucht, die nicht hart werden in ihrem Herzen über das, was man ihnen angetan hat, weil es solche Menschen braucht, die helfen in dem, was andere ihnen erzählen und sagen, das Gute zu sehen, weil es solche Menschen brauchen, die sagen: "Dir gebe ich eine Chance. Ich sehe etwas in dir. Ich glaube daran, dass das stark werden kann, weil es Herzen braucht", die anders ticken in dieser Welt als diese harten Herzen, als diese Herzen, die alles wissen und alles können, die von nichts berührt und nichts verletzt werden. Und das kennen wir doch alle.

Wie oft haben Sie schon ein Emoji Herz geschickt? Wie oft haben Sie schon hinter eine Nachricht ein Herz gemacht, um zu zeigen, du triffst das Wort, du triffst den Satz, du triffst genau das, was mein Herz berührt. Das ist Herz Jesu. Dem anderen zu zeigen, dein Herz und mein Herz, da gibt es eine Übereinstimmung. Danke, dass das, was du geschrieben hast, das, was du gesagt hast, mein Herz berührt.

Und es ist schon ein kleines Wunder, dass die großen Hochfeste unserer Kirche uns von Frauen geschenkt worden sind. Die wissen, was es heißt, das Leben in sich zu tragen, die darum wissen, wie verletzlich das Leben auch ist, die darum wissen, wie dünn die Herzhaut ist. Weihnachten gibt es nicht ohne Maria. Die Auferstehung Jesu gibt es nicht ohne Maria von Magdala. Das Fronleichnamsfest gibt es nicht ohne die Hl. Juliana und das  Herz Jesu Fest gibt es nicht ohne Maria Margareta Alacoque, die in ihrem verwundeten Herzen und dem Herzen Jesu ein Emoji gesehen hat.

Wenn Sie nachher, wenn ihr nachher zur Kommunion geht, dann legt sich Jesus uns in die Hand. Das ist wie ein Emoji Herz unter unser Leben. Da sagt er: „Ich schenke dir mein Herz. Ich mache ein Herz unter dein Leben. Ich weiß, um all die Momente, wo dein Herz schwer hat, offen zu bleiben. Aber ich gebe dir all meine Herzenskraft, damit dein Herz offenbleibt, dass es sich nicht verschließt, weil das braucht die Welt". Amen.