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Predigt Pfarrer Dr. Ronald Givens vom 11.10.2026:Unser tägliches Brot gib uns heute

Das Mahl der Völker - bearbeitet
Wir Christen können frisches Brot für die Welt sein.
Datum:
12. Okt. 2026
Von:
Herbert Kohl

Das Mahl der Völker

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn, es ist zehn Jahre bevor ihr Jahrgang geboren worden ist früher, da läuft ein Mann über die Straße, wird von der Straßenbahn erfasst und liegt am Boden. Der Mantel ist so ärmlich und so zerlumpt, die ganze Gestalt so hager und so abgemagert, dass alle Taxifahrer sich weigern, den Schwerverletzten bei sich ins Auto einzuladen und in ein Krankenhaus zu fahren, weil sie Angst haben, da werden wir unser Geld niemals sehen. Am Ende wird er in ein Armenhospital gebracht. Drei Tage später erliegt er den Verletzungen, die er bei diesem Unfall mit der Straßenbahn erlitten hat, ist der Juni 1926. Als er beerdigt wird, da weiß man, wer da verunglückt ist, wer da so ärmlich und armselig gestorben ist. Und Tausende, Tausende begleiten seinen Sarg und ganz vorneweg all die, denen er Lohn und Brot gegeben hat, all die, denen er Schulbildung gegeben hat, all die, die gesehen haben, da ist einer, der ist anders mit uns umgegangen als so viele andere. Es ist Antoni Gaudí, der Erbauer, der Erfinder, der Visionär der La Sagrada Familia, dieser riesigen Kirche in Barcelona.

Er hat einen riesigen Wandel hinter sich. Er war ein Dandy. Das, was er verdient hat als genialer Architekt, das hat er mit vollen Händen ausgegeben. Aber irgendwann kommt man an den Punkt und er fragt sich: Warum will niemand wirklich sein Leben mit mir teilen? Warum finde ich niemand, der wirklich mit mir zusammen sein möchte? Und er ringt und er geht ins andere Extrem, vom Dandy ins Religiöse hinein, er hungert sich, er kasteit sich, er findet keinen Geschmack mehr am Leben und er hat das Glück, dass sein Freund, der Bischof von Vic, ihn in dieser Situation findet und sagt: „Was nützt das, wenn du dich zu Tode hungerst? Was bringt das, wenn du dein Leben absterben lässt? Du bist so genial, du hast so viele Ideen. Werde zum Brot für deine Mitmenschen. Schaff Räume als Architekt, die wie Brot sind für andere Menschen. Und wenn sie schon einmal in Barcelona gewesen sind oder nach Barcelona kommen, und hingehen zu dieser Kirche, die nun mitten in der Stadt steht, von der Gaudino träumen konnte, dass sie irgendwann einmal vollendet wird. Er wusste, ich werde das nicht mehr erleben, dass diese Kirche vollendet wird. Dann werden Sie sie betreten durch das Hauptportal und da werden Sie stehen und da werden Sie einen Satz finden, den wir heute alle miteinander nachher beten werden. Und dieser Satz ist extra für jeden, der diese Kirche betritt, in 50 Sprachen übersetzt, damit jeder ihn liest, damit jeder ihn versteht in seiner Vater und Muttersprache. Diese Tür, durch die man die Sagrada Familia betritt, ist das Vaterunser. Und dann kommt diese eine Stelle: Unser tägliches Brot gib uns heute. 50 Mal übersetzt in alle Sprachen, damit alle verstehen: Unser tägliches Brot gib uns heute.

Die Lesung, die der Herr Bläß vorgelesen hat aus dem Buch Jesaja "Vom der Wallfahrt der Völker hinauf zum Berg, wo es die besten Speisen und Weine gibt, wo der Tod endlich besiegt ist, wo alle satt werden. Diese Lesung der Vision des Jesaja, das ist nicht nur eine Lesung, eine Vertröstung auf den Sankt Nimmerleins Tag irgendwann in ferner Zukunft, sondern das ist die Vision für jeden, der das Vaterunser betet. Wie wäre es und das ist die Vision des Antoni Gaudi, wie wäre es, wenn jeder der die Kirche betritt, wie wäre es, wenn jeder der das Vaterunser betet, zum täglichen Brot wird für die Menschen an seiner Seite. Wie wäre es, wenn das nicht an Sankt Nimmerlein geschieht, dass die Menschen satt werden, sondern dass wir das tägliche Brot sind und Gaudi nimmt das ernst, das erste, was er macht, mitten in seine Baustelle hinein, weil er sieht, welche Not um das tägliche Brot herrscht. Das erste, was er hineinbaut, ist eine Schule für die Kinder der Arbeiter, die auf seiner Baustelle arbeiten, für die Mütter, die keine Zeit haben, weil sie irgendwie durchkommen müssen, für die Armen in dem Viertel um die La Sagrada Familia. Die Kinder sollen Zukunft haben, die Kinder sollen die Chance bekommen, das tägliche Brot sich zu verdienen. Und so ist mitten in dieser Baustelle, mitten in dieser Kirche, jeden Tag Kinderlärm und Schule. Ein Raum, der zum täglichen Brot wird für die, die keine Chance hätten. Wir müssen nicht Architekten werden. Wir müssen nicht La Sagrada Familia bauen. aber begreifen, dass wir das tägliche Brot sind, dass wir die Generation sind, die alle Möglichkeiten hat, alle Fähigkeiten hat, die so viele Ressourcen hat, dass Räume entstehen, wo Menschen das tägliche Brot empfangen.

Der Gottesdienst hat damit begonnen, dass wir hingeschaut haben auf diese 90 Jahre, in denen Europa ein Ort geworden ist, wo viele hinströmen, wie bei der Völkerwallfahrt und sagen: Da finde ich etwas von dem an Gerechtigkeit, an Freiheit, an Meinungsfreiheit, an Vielfalt. Da finde ich etwas von dem, was es in meinem Land, in meinem Kontinent nicht gibt. Das hat doch einen Grund, warum die Menschen flüchten. Das hat doch einen Grund, warum die Menschen suchen. Wir werden doch nicht hergehen, dass wir dieses Licht löschen und sagen, alle Welt muss so werden wie die, die im Moment sagen, kein tägliches Brot für die anderen, die nicht so sind wie wir, die nicht zur gleichen Nation gehören wie wir. Gaudi übersetzt in 50 Sprachen Unser tägliches Brot gib uns heute, damit das nicht an Grenzen halt macht, an Stachelzäunen, an Ideologien. Das muss doch möglich sein, dass wir, die wir KI haben, dass wir, die wir vernetzt sind ohne Ende, Ressourcen haben ohne Ende, dass wir diese Kraft benutzen, um eine riesige Sakrada Familie aufzubauen für die ganze Welt.

Und natürlich gibt es immer die, die das ganz anders sehen und kaum war Gaudi unter der Erde, da kommen sie und sie legen Dynamit unter die Fundamente der Sagrada familia, um sie zu sprengen. Verblendet im Krieg, verblendet im Nationalismus, verblendet im Faschismus. Die Menschen um die Sagrada Familia sammeln die Scherben und die Splitter auf. Sie bewahren sie auch, weil sie wissen, die Kriegstreiber werden gehen, die Faschisten werden gehen. Die, die nicht tägliches Brot geworden sind, sondern die hartes Brot geworden sind, vertrocknetes Brot geworden sind, die, die geschmacklos geworden sind in ihrem Reden und in ihrem Handeln, die werden gehen, die werden nicht bleiben. Und dann, wenn Sie heute diese Kirche betreten, dann werden Sie diese Scherben, diese Bruchstücke finden, weil überall sie zu etwas Schönem verarbeitet worden sind, zum Zeichen dafür, es lohnt sich daran zu glauben, dass es möglich ist Räume zu schaffen, die gut und die schön sind. Es lohnt sich daran zu glauben, Räume zu schaffen, wo Völker und Menschen sich begegnen und ihre Gaben und Fähigkeiten zusammenlegen, damit eine Welt entsteht, die gerecht ist, in der das tägliche Brot zu finden ist aus der Hand des Nächsten, der Nächsten.

Gaudi wusste ganz genau, er wird das nicht erleben, aber er hat darauf vertraut. Ich fange an, ich werde nicht aufgeben und er stirbt als Bettler, weil alles was er verdient hat, jeden Pesos, den er gehabt hat, den hat er hineingesteckt in diese Schule und in diese Kirche und er hat darauf vertraut, nach mir werden andere kommen, die werden ihre Gaben und ihre Fähigkeiten, die werden ihr Geld, ihr Vermögen hineinsetzen, damit ein Raum entsteht, wo Menschen satt werden.

Wir müssen nicht Papst Johannes der XXIII. werden, wir müssen nicht Antoni Gaudí werden, aber und das traut uns Gott zu, dass wir die werden können, die Menschen satt machen, dass wir übersetzen unser tägliches Brot gib uns heute in unserer Familie, in unsere Nachbarschaft, in unser Land, in unser Europa, in diese Welt. Gott traut uns zu, dass wir nicht vertrocknetes Brot sind, dass wir nicht die harten Brotkanten sind, die nicht nach Leben schmecken. Er traut uns zu, dass wir all das, was an hartem Brot, an vertrocknetem Brot, an verschimmeltem Brot uns aufgetischt wird, in diesen Tagen von denen, die uns verheißen, dass sie die Zukunft sind, dass wir das ausscheiden. dass wir uns davon nicht ernähren, sondern dass wir den Kompass nicht verlieren, dass wir gutes Brot sein können, dass Christus uns zutraut, dass wir gutes, frisches, nach Leben schmeckendes Brot werden, dass man von unserer Speise keine Angst haben muss, dass von uns das Leben genährt wird, so wie es in der Sacrada Familia mitten in Barcelona ganz Europa zuruft. Amen.