Predigt - GR Angela Eckart, am 09.08.2026:Was in unserem Schulranzen steckt

Liebe Kommunionkinder, liebe Eltern, liebe Kinder und Jugendlichen, liebe Schwestern und Brüder,
ich weiß nicht, wie eure Schulranzen aussehen. Vielleicht sind Pferde darauf oder ein Rennauto oder euer Lieblingsfußballverein. Vielleicht gibt es viel Glitzer oder einen Superhelden. Manche sind vermutlich bunt, andere ganz schlicht gehalten. Mein Schulranzen war auf jeden Fall knallrot. Und dieser knallrote Schulranzen hatte eine ganz besondere Eigenschaft. Nicht jeden Tag. Aber an diesem einen Tag.
Es beginnt alles an einem ganz normalen Schultag nach den letzten Schulstunden. Der Bus bringt uns von der Schule nach Hause in mein kleines rheinhessisches Heimatdorf. Schon im Bus kipple ich mich mit meiner kleinen Schwester. Erst sind es kleine Sticheleien. Dann wird daraus ein richtiger Streit. Ein Wort jagt das nächste. Keiner will nachgeben. Die Bustür öffnet sich. Meine Schwester springt hinaus. Ich renne wütend hinterher. Doch sie ist schneller als ich. Immer schon.
Am Spielplatz vorbei. Durch das große Hoftor. Die Treppen hinauf. Nur noch wenige Meter bis zur Haustür. Und da merke ich: Das schaffe ich nicht mehr. Und plötzlich zeigt mein knallroter Schulranzen sein ganzes Können. Er zeigt, was in ihm steckt, und beginnt zu fliegen. Und das mit voller Wucht, geradewegs auf die Küchentür zu, die meine kleine Schwester genau in diesem Augenblick zumacht.
Und dann: Ein lauter Knall. Die Glasscheibe zerbricht in lauter kleine Teile.
An meinen fliegenden, knallroten Schulranzen erinnere ich mich bis heute. Eigenartigerweise erinnere ich mich nicht an das Donnerwetter danach, das es vermutlich von unseren Eltern gab. Ich erinnere mich vielmehr daran, dass meine Schwester und ich von einem Augenblick auf den anderen ein Herz und eine Seele sind. Jetzt ist nicht mehr wichtig, wer angefangen hat. Jetzt halten wir zusammen.
Vermutlich kennt ihr, liebe Kommunionkinder, kennen Sie, liebe Eltern und Gemeinde, das auch. Nicht unbedingt mit einem fliegenden Schulranzen. Aber mit Momenten, in denen uns etwas herausrutscht. Wenn wir wütend werden. Wenn wir jemanden verletzen. Wenn wir Dinge sagen, die wir eigentlich gar nicht sagen wollten. Oder wenn wir merken: Mein Leben läuft gerade überhaupt nicht so, wie ich es mir wünsche.
Heute Morgen seid ihr, liebe Kommunionkinder, mit eurem Schulranzen hier in unserer Apostelkirche. Nicht mit dem aus Stoff und Reißverschluss, sondern mit dem, was euer Herz gerade ausmacht
Da sind hoffentlich viele schöne Erinnerungen an die sechs langen Ferienwochen. Vielleicht ein leckeres Eis im Schwimmbad. An Urlaubstage am Meer. An Berge. Im Zeltlager. Oder am See. An das lange Aufbleiben und Ausschlafen bis in den Mittag, vielleicht auch an das Zocken spät in der Nacht.
Aber vielleicht steckt da auch anderes drin: Ein Streit miteinander. Enttäuschung, weil die Freundin keine Zeit für mich in den Ferien hatte. Oder die Aufregung vor oder keine Lust für das neue Schuljahr.
Und schaut euch mal um, schaut mal auf eure Eltern und eure Familie. Auch sie sind heute mit ihrem Schulranzen hier. Sie bringen darin mit: Freude auf euer Fest. Dankbarkeit, dass es euch gibt.
Sie tragen vielleicht auch Sorgen mit, weil jemand krank ist. Und Verantwortung für die Mitarbeitenden in diesen unglaublich heißen Sommertagen. Und vermutlich auch die Frage: Wie wird alles?
Der Alltag beginnt wieder. Der Wecker klingelt jetzt früh am Morgen. Hausaufgaben. Lernen. Termine. Training. Arbeit. Einkaufen. Und manchmal denken wir: Es ist ganz schön viel.
Genau so geht es auch dem Propheten Elija, von dem wir in der Lesung gehört haben. Er ist müde. Er hat Angst und weiß nicht mehr weiter.
Aber Gott kommt und stärkt Elija. Er gibt ihm Brot und Wasser. Denn Gott weiß: Elija braucht Kraft für seinen Weg. Gott stärkt ihn. Er stärkt das Gute, das Elija in sich trägt. Und Gott begegnet ihm nicht im Sturm, nicht im Erdbeben und nicht im Feuer, sondern im sanften Säuseln des Windes.
Liebe Kommunionkinder, unser Gott möchte euch stärken mit seinem Brot, seiner Kraft und seiner Liebe. Zum ersten Mal legt sich Jesus selbst in eure Hand, weil er euch unendlich liebt. Auch er kommt ganz leise. Nicht im Sturm. Nicht im Feuer. Nicht mit lautem Krachen. Sondern in einem kleinen Stückchen Brot. Ganz unscheinbar, doch das Kostbarste, was Gott hat: Er schenkt sich euch selbst.
Heute sagt Jesus zu euch, liebe Kommunionkinder, und uns allen:
Ich sehe dich und dein Leben. Ich weiß, was du in deinem Schulranzen mitbringst. Ich weiß, wie viel Gutes in dir steckt.
Ich bin in deinem Lachen und in deinen Tränen. Ich bin in deiner Wut und in deinen Träumen.
Ich bin bei dir. Heute. Morgen. An jedem Tag im neuen Schuljahr und dein ganzes Leben lang.
Amen.