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Werkstatt Kirche und Rassismus

Regenbogenbrücke
„Es braucht den Ärger für das Gute“ (Rodrigue Naortangar)
Datum:
Mittwoch, 18. März 2026 17:00 - 20:00
Ort:

Tagungshaus Erbacher Hof

Grebenstraße 

55116 Mainz 

kostenfrei 

Um Anmeldung wird gebeten: weltkirche@bistum-mainz.de

 

Gemeinsam rassismuskritisch denken und handeln lernen

Über Rassismus und rassistische Denk- und Handlungsstrukturen in Kirche und Theologie zu sprechen, kann sich im ersten Moment unbehaglich anfühlen. Dies gilt sowohl für jene, die in bestehenden Strukturen unbewusst privilegiert sind, als auch für diejenigen, die Rassismuserfahrungen machen. Wir alle sind in gesellschaftliche und kirchliche Verhältnisse eingebettet, in denen koloniale und rassistische Logiken bis heute fortwirken und wir alle haben bestimmte Denkmuster erlernt, die wir gemeinsam reflektieren und verlernen können.

Zunächst ist wichtig zu verstehen, dass Rassismus ein vielgestaltiges gesellschaftliches Machtverhältnis ist. Er geht weit über einen bewusst intendierten und offen artikulierten Rassismus rechtsextremer Gruppierungen hinaus. Oft sind es die subtilen, unbewussten Vorstellungen und Routinen, die zwischen einem „Wir” und „den anderen“ unterscheiden, Zugehörigkeit zusprechen oder verweigern und so soziale Ausgrenzung begünstigen. Diese Formen rassistischer Abwertungspraktiken bleiben häufig unsichtbar, doch prägen sie oft unsere Zusammenarbeit in weltkirchlichen Kontexten auf tiefgreifende Weise.

Der Workshop lädt dazu ein, eigene Erfahrungen, Perspektiven und Unsicherheiten miteinander zu teilen, um Rassismus in seinen vielfältigen Dimensionen zu erkennen, zu benennen und gemeinsam Handlungsansätze zu entwickeln. Das Gespräch über Rassismus fällt nicht immer leicht: Angst, Scham, aber auch Ärger, Frustration oder Verletzungen können mitschwingen. Gerade deshalb braucht es, wie der tschadische Jesuit Rodrigue Naortangar sagt, einen konstruktiven „Ärger für das Gute“ – ein produktives Ringen um Vertrauen, um neue Formen gelebter Verbundenheit und um kirchliche Räume, in denen sich alle Menschen gesehen und zugehörig fühlen können. Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen, sondern um eine ehrliche und mutige Auseinandersetzung mit der eigenen Positionierung und den Strukturen, in denen wir handeln.

Im Rahmen ihrer Promotionsforschung hat Marita Wagner mit weißen und Schwarzen katholischen Theolog:innen sowie kirchlichen Mitarbeiter:innen gesprochen, die sich seit vielen Jahren mit Rassismuskritik, Interkulturalität und dekolonialen Wissensformen beschäftigen. Viele von ihnen arbeiten sowohl in ihrem afrikanischen Herkunftskontext als auch in Deutschland und beschreiben sich als „interkulturelle Grenzgänger:innen“. Ihre Erfahrungen und Forschungen eröffnen wichtige Einsichten in Herausforderungen und Chancen einer rassismuskritischen, gerechteren weltkirchlichen Zusammenlebens und -arbeitens.

Im Vortrag wird Marita Wagner erste Erkenntnisse aus diesen Interviewgesprächen teilen und anschließend zu einem offenen Austausch mit den Teilnehmer:innen überleiten. Ziel ist es, gemeinsam zu lernen, neue Perspektiven einzunehmen und Schritte hin zu einer solidarischen, inklusiven und rassismuskritischen Kirche zu entwickeln.

Neuer Untertitel

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Marita Anna Wagner ist Forscherin für Decolonial Studies & Anti-Racism am Centre for Faith and Community an der University of Pretoria und sowie an der University of Cape Town, beide befinden sich in Südafrika. Sie schreibt ihre Doktorarbeit am Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen in Salzburg zum Thema Dekolonialisierung und Rassismuskritik in der theologischen Wissensproduktion. Sie ist Mitglied der Arbeitsgruppe „Antirassismus“ des G20 Interfaith Forums der G20 Staatengemeinschaft sowie des Entwicklungspolitischen Beirats der Landesregierung Salzburg in Österreich.

Veranstaltung als Teil der Internationalen Wochen gegen den Rassismus

Internationale Wochen gegen Rassismus

Die Internationalen Wochen gegen Rassismus (IWgR) finden jedes Jahr um den 21. März herum statt. An den bundesweit über 5.000 Veranstaltungen nehmen über 300.000 Menschen teil. Ziel ist die Sensibilisierung der Mehrheitsgesellschaft und Empowerment von Betroffenen. Seit Januar 2016 werden die IWgR von der Stiftung koordiniert. Die Stiftung hat diese Aufgabe vom Interkulturellen Rat e.V. übernommen, der seit 1995 die Aktivitäten rund um den 21. März in Deutschland initiierte.