„Zuhören, begleiten, da sein“

Einblick in die Telefonseelsorge
In der Telefonseelsorge bleiben die Menschen, die sich engagieren, bewusst anonym. Nur so kann dieses besondere Angebot entstehen und bestehen: ein geschützter Raum, in dem Menschen offen sprechen können und in dem Ehrenamtliche ihnen ohne Vorbehalte zuhören.
Seit 2014 ist die Person*, die uns das Interview gegeben hat, bei der Telefonseelsorge dabei. Sein Ehrenamt beschreibt sie als „anspruchsvoll, im positiven Sinne herausfordernd und damit auch erfüllend“. Es ist eine Aufgabe, die viel fordert – aber gleichzeitig auch viel zurückgibt. Die Motivation, sich zu engagieren, entstand nach der aktiven Arbeitsphase. Es enstandt der Wunsch, Zeit sinnvoll zu nutzen und damit etwas an andere weiterzugeben. „Die Möglichkeit, sich für andere Menschen einzusetzen, war für mich zentral.“ Gerade wenn Lebenszeit freier wird, sieht sie darin eine Chance, Verantwortung zu übernehmen und für andere da zu sein. In ihrem Ehrenamt begegnet die interviewte Person Menschen in ganz unterschiedlichen Situationen. Viele Gespräche bleiben ihm im Gedächtnis – nicht als einzelne spektakuläre Momente, sondern als Vielzahl intensiver Begegnungen. „Es gibt viele Gespräche, die mich bereichern“, erzählt sie. Gleichzeitig verschweigt sie nicht, dass es auch schwierige und belastende Situationen gibt. Doch gerade die positiven Erfahrungen geben immer wieder Kraft.
Was trägt, ist das Gefühl, wirklich helfen zu können. Menschen in belasteten Lebenssituationen zuzuhören und sie ein Stück zu begleiten, ist der Kern der Aufgabe in der Telefonseelsorge. „Es ist oft anstrengend, aber auch sehr befreiend.“ Wenn es gelingt, in einer Krise beizustehen, entsteht etwas, das weit über den Moment hinauswirkt. Das Engagement ist geprägt von einfachen, aber grundlegenden Werten: Mitgefühl und Wertschätzung. Die Haltung dahinter ist klar: Jeder Mensch ist wertvoll. Diese Überzeugung ist eng mit dem eigenen Glauben verbunden, auch wenn dieser im Gespräch selbst oft nicht im Vordergrund steht. Entscheidend ist die Offenheit gegenüber jedem einzelnen Menschen – unabhängig von Herkunft, Überzeugung oder Lebenssituation.
Gerade deshalb sieht sie die Telefonseelsorge auch als wichtigen Teil kirchlichen Engagements. „Hier ist Kirche unmittelbar bei den Menschen“, sagt sie. Ohne Voraussetzungen, ohne Bewertung, ohne die Frage nach dem „richtigen“ Glauben – sondern einfach als Begleitung in schwierigen Momenten. Menschen, die darüber nachdenken, sich selbst zu engagieren, ermutigt sie, diesen Schritt zu wagen. „Wenn du dich für andere einsetzen möchtest, ohne zuerst zu fragen, was du davon hast, dann ist ein Ehrenamt sehr wertvoll“, sagt sie. Die eigene Erfahrung zeigt: Am Ende bekommt man oft mehr zurück, als man erwartet hätte.
Was dabei häufig unterschätzt wird, ist die Qualität und Bedeutung dieser Arbeit. Ehrenamt sei nicht nur „Hilfe nebenbei“, sondern oft eine sehr verantwortungsvolle und professionelle Tätigkeit. Gleichzeitig entlaste es die Gesellschaft insgesamt, indem es Menschen auffängt, begleitet und stärkt. So bleibt am Ende ein stilles, aber kraftvolles Bild: Menschen, die im Hintergrund wirken, zuhören, Halt geben – und genau dadurch einen Unterschied machen.
* Die Person ist der Leitung der Notfallseelsorge bekannt. Uns selbst wurde nur das Interview übermittelt, damit die Anonymität erhalten bleibt.