Mutter Teresa von Kalkutta gehört wohl zu den bekanntesten Heiligen unserer Zeit. Am 05. September gedenken wir ihrer. Schon zu Lebzeiten wurde sie als „Engel der Armen“ bezeichnet. Sie widmete ihr Leben besonders den Menschen, die arm, krank oder von anderen aufgegeben waren. Vor allem in Kalkutta kümmerte sie sich um Menschen, an denen viele einfach vorbeigingen.
Dabei half Mutter Teresa nicht aus sicherer Entfernung. Sie ging dorthin, wo die Not war. Sie war ganz nah bei den Menschen, pflegte Kranke und Sterbende und scheute auch vor schwierigen Situationen nicht zurück. Für sie hatte jeder Mensch einen Wert und eine Würde – unabhängig davon, wie krank, arm oder hoffnungslos seine Lage war. Den Hoffnungslosen schenkte sie Hoffnung, den Mutlosen neuen Mut und den Einsamen menschliche Nähe.
Wenn wir auf ihr Leben zurückblicken, begegnen uns auch kritische Stimmen. Manche ihrer Entscheidungen und Methoden werden hinterfragt. Doch Heilige sind keine perfekten Menschen. Sie sind keine Übermenschen, die alles richtig machen und auf jede Frage eine Antwort haben. Auch Heilige haben Fehler und Grenzen. Entscheidend ist vielmehr, aus welcher Haltung heraus ein Mensch lebt und handelt.
Bei Mutter Teresa war diese Haltung tief im Glauben verwurzelt. Sie hätte aufgrund ihrer Fähigkeiten sicher auch einen anderen Lebensweg wählen können. Doch als Ordensfrau stellte sie ihr Leben in den Dienst Gottes und der Menschen. Sie entschied sich bewusst für ein einfaches Leben. Sie wollte nicht über den Armen stehen, sondern ihnen möglichst nahe sein.
Ein solches Leben wählt man nicht einfach nebenbei. Es braucht Mut, Ausdauer und großes Gottvertrauen. Mutter Teresa lebte diese Hingabe über viele Jahrzehnte. Andere Frauen ließen sich davon anstecken und schlossen sich ihrer Gemeinschaft an.
So war Mutter Teresa auf besondere Weise „in der Armut reich“. Sie besaß wenig und konnte doch viel geben: Zeit, Aufmerksamkeit, Nähe, Mitgefühl und Liebe.
Damit folgte sie dem Beispiel Jesu. Auch Jesus suchte immer wieder die Nähe zu Menschen, die am Rand standen. Er wandte sich denen zu, von denen andere sich abwandten. Er gab Menschen ihre Würde zurück.
Mutter Teresa erinnert uns deshalb bis heute an eine wichtige Wahrheit: Der Wert unseres Lebens entscheidet sich nicht daran, wie viel wir besitzen oder erreicht haben. Entscheidend ist auch, was wir anderen geben und wie wir ihnen begegnen.
Vielleicht müssen wir dafür nicht nach Kalkutta gehen. Menschen, die Nähe, Aufmerksamkeit oder Hilfe brauchen, gibt es auch vor unserer Haustür.
Wirklicher Reichtum zeigt sich nicht nur in dem, was wir haben, sondern vor allem in dem, was wir bereit sind zu teilen und zu schenken.