Eine alltägliche Szene: Die Mutter kommt in die Kindertagesstätte, um das Kind abzuholen. Fröhlich läuft ihr das Kind entgegen, hält ihr stolz ein gemaltes Bild hin oder will ihr unbedingt etwas zeigen. Vielleicht hat es schon eine ganze Weile auf die Mutter gewartet – nun, endlich, fällt alle Anspannung ab.
Freudig machen sie sich auf den Nachhauseweg, Hand in Hand. Die Mutter fragt: Wie war dein Tag? Mit wem hast du gespielt? Was war sonst Besonderes? Das Kind erzählt. Vielleicht auch von Streit und Ärger. Interessiert hört sie zu, geht liebevoll darauf ein.
So alltäglich und normal diese Szene einerseits ist, so berührend empfinde ich sie andererseits. Das mag zunächst daran liegen, dass sie mich an meine eigene Kindheit erinnert: Das Auftauchen der Mutter in der Kindergartentür war für mich ein besonders glücklicher Moment.
Zugleich spiegelt diese innige, von Liebe, Zusammengehörigkeit und Vertrautheit geprägte Szene ein Stück von Gottes Liebe wider. Er kommt uns entgegen. Sehnsuchtsvoll. Wie das Kind, müssen auch wir nichts leisten, um von ihm abgeholt zu werden. Denn von Gott sind wir geliebt, einfach weil wir sind wie wir sind. Und so kommt er dorthin, wo wir erschöpft, traurig oder einfach müde warten, uns vielleicht sogar verloren fühlen. Er holt uns ab – dort wo wir gerade stehen, und bringt uns an einen guten Ort.
So wie das Kind an der Hand der Mutter, dürfen auch wir uns an seiner Hand begreifen; uns von ihm führen und begleiten lassen.
„Du gehörst zu mir“, sagt er. „Leg‘ deine Hand in meine Hand.“
Und er hört uns, wenn wir zu ihm sprechen, ihm von uns erzählen, von Freude, Zorn, Streit, Traurigkeit.
Beim Propheten Jesaja finden wir genau dieses mütterliche Bild Gottes: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jes 66,13)
Vertrauen wir uns seiner zarten, behütenden und verlässlichen Fürsorge an!