Schmuckband Kreuzgang

Ich baue eine Kirche - Gottes Hausbau

Ruhe tanken, Impulse erhalten, Kunstwerke bestaunen. Es gibt für mich viele Gründe, Kirchen zu besuchen. Meist stehen sie im Dorf noch mittendrin, und in Städten sind sie Anlaufpunkte selbst für Kirchenferne. Der Tempel zu Jerusalem ist die biblische Urkirche. Unter Salomo entstand der erste, den die Babylonier um 586 v. Chr. zerstörten. Rund 50 Jahre später bauten die Israeliten ihr geistiges Zentrum neu. Doch braucht Gott ein Haus – vor allem ein so großes? Das wandernde Volk verehrte Gott ja mit tragbaren Geräten. Und heute, wo der Unterhalt einer Kirche Gemeinden erdrücken kann, stellt sich wieder die Frage. Aber es ist Gott, der den Auftrag gibt, ein Haus zu bauen. Klar, Gott ist größer als jedes Haus. Er selbst braucht keins. Doch wir Menschen brauchen ein Dach über dem Kopf. Kirchen als Ruhe- und Versammlungsräume machen es uns leichter, Gott zu begegnen.

Für die zweite Hälfte des Jahres, wo jetzt viele aus dem Urlaub wieder zurückgekommen sind und Ausblick halten, sich vielleicht fragen, was ist mit und durch Corona möglich, hilft mir folgende Geschichte, die eine Perspektive und Horizont für die Arbeit aufzeigt.

Auf einer Baustelle arbeiteten drei Arbeiter. Mit Hammer und Meißel behauten sie den ganzen Tag Steine. Da kam ein Fremder, hielt an und schaute den Männern interessiert bei ihrer Arbeit zu. „Was tut ihr hier?“, fragte der Fremde die Arbeiter. Der erste knurrte: „Ich behaue Steine, das sieht man doch!“ Er schaute dabei nicht einmal zu dem Fremden auf. „Und was tun Sie?“, fragte der Fremde und tippte dem zweiten Arbeiter auf die Schulter. Der richtete sich auf, schaute den Mann an und seufzte: „Irgendwoher muss ja das Geld kommen, das meine Familie zum Leben braucht.“ Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und erzählte, wie hart die Arbeit auf der Baustelle ist. „Sie können mir glauben – gerne mache ich das nicht.“ Da fragte der Fremde den dritten Arbeiter. Auch er richtete sich auf, aber mit einem Lächeln auf den Lippen. Stolz zeigte er in die Höhe und sagte: „Ich baue hier eine Kirche.“

Der „Pastorale Weg“ geht in die nächste Phase und als Gemeinde spüren wir die Veränderungen immer mehr auf uns zukommen bzw. erleben dies im Kleinen schon. Ich wünsche uns, dass wir sagen können: „Ich baue an der Kirche mit, die sich verändert, aber die Botschaft bleibt erhalten.“

Bewusst in die Woche