Schmuckband Kreuzgang

Bewusst in die Woche

Nicht die Glücklichen sind dankbar, sondern die Dankbaren sind glücklich

Josef Eichendorff hat mal zur Sommerzeit gedichtet: „Wem Gott will rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt." Ein altes Volkslied. Manche kennen es vielleicht. Das ist ein völlig anderer Gedanke zum Reisen. Man zieht in die weite Welt um Gottes Willen. Es ist ein Geschenk Gottes, reisen zu dürfen. Und dementsprechend ist die Reise eine durch und durch geistvolle Zeit.

Dazu passt, dass die Ferienzeit im englisch sprachigen Raum holidays genannt wird:- langsam gesprochen: holy days - heilige Tage. Holy hat den gleichen Wortstamm wie whole - das Wort für „ganz, heil". Also heilige Tage zum ganz Werden, Gesunden. Und wenn wir schon dabei sind, eine Wortfeldanalyse zu betreiben, können wir auch noch ein bisschen weiter schauen: das deutsche Wort „Urlaub" leitet sich her von „Erlaubnis." In der mittelhochdeutschen Sprache bezeichnete „urloup" die Erlaubnis wegzugehen, die der Lehnsherr dem Ritter zu geben hatte. Vielleicht ist typisch deutsch, dass gerade dieser Aspekt des Urlaubes in der Sprache festgehalten wurde. Einen ganz anderen Blick hat die sprachliche Weisheit der Franzosen, Spanier und Amerikaner. Sie sprechen von „vacance (F), vacaciones (E), vacation (USA)". Gemeinsam ist ihnen die Wurzel im lateinischen „vacare". Dieses Wort hat folgende Bedeutungen: 1) leer, frei, unbesetzt sein; 2) von etwas frei sein, 3) Zeit, Muße haben. Hier wird also über die Sprache der Blick darauf gelenkt, dass Urlaub eine Zeit der Freiheit und Muße ist.

Wenn wir das mal weiterdenken, dass Urlaub Heilige Tage sind, Tage, die Gott geschenkt hat, Zeiten der Muße, dann möchte ich einen Punkt nennen, was Glauben und Reisen miteinander gemeinsam haben.

Genießen. Genießen heißt: Einfach da sein, wahrnehmen, staunen, was da ist und wer mit uns da ist. Nicht unbedingt weitereilen müssen. Den Augenblick sehen. Sich über alles Schöne freuen.

Deshalb ein Urlaubstipp: Setzen wir uns gedanklich neben Gott in den Liegestuhl und betrachte die Schöpfung. Steigen wir auf Berge und bewundern die Welt. Besuchen wir andere Städte und Kulturen und freuen uns an Gottes Vielfalt. Was auch immer unsere Art ist, in dieser Zeit, Urlaub zu verbringen: nutzen wir die Zeit, um Gottes Schönheit zu entdecken und ihn mindestens einmal am Tag zu loben.

Nicht die Glücklichen sind dankbar, sondern die Dankbaren sind glücklich.

Schöne und gesegnete Urlaubstage!

Bewusst in die Woche