Elf neue Pfarreien sind Anfang Januar gestartet. Zusammen mit den 14 neuen Pfarreien in den beiden Jahren zuvor ist nun mehr als die Hälfte des Pastoralen Wegs geschafft. Zwei Koordinatoren und eine Koordinatorin sprechen über ihre Erfahrungen auf dem Weg zur Neugründung.
„Wir haben immer um die Sache gerungen. Es gab keine persönlichen Anfeindungen“, sagt Gemeindereferent Dirk Stoll über den Pastoralen Weg der vergangenen Jahre. Er ist Koordinator der neuen Pfarrei Heilige Theresa von Avila, Mühlheim-Obertshausen. Er betont: „Wir hatten eine sehr konstruktive Zusammenarbeit und haben Wert daraufgelegt, alle Gemeinden in irgendeiner Form mitzunehmen.“
Trotz dieses positiven Fazits sieht er auch die Kehrseite: „Der Pastorale Weg wird von weiten Teilen der Mitarbeitenden, auch von den Ehrenamtlichen, als Zumutung em-pfunden.“ Der Prozess überfordere in seiner Geschwindigkeit und Komplexität. Sorgen bereitet es, wie ein neuer Verwaltungsrat bei 30 Gebäuden innerhalb der Pfarrei seine Arbeit leisten soll. „Wir sind froh“, sagt Stoll, „dass wir so weit gekommen sind.“
Eine besondere Erneuerung der Kirche, einen Aufbruch, findet er bei genauem Hinsehen in den vielen Bemühungen in den Gemeinden. Dabei kann seine Pfarrei mit etwas punkten, das sich manch andere Pfarrei wünscht: eine lebendige Jugendarbeit. Deshalb gibt es auch ein eigenes Jugendkonzept.
Grundsätzlich ist im Bistum Mainz vorgesehen, dass Jugendliche in den neuen Pfarreien ihre Interessen vertreten. In einer jährlich stattfindenden Jugendversammlung werden die Jugendvertreter für den jeweiligen Pfarreirat gewählt. Die Pfarrei Heilige Theresa von Avila behält zudem, noch aus Zeiten des Pastoralraums, einen Jugendrat bei. „Künftig wird die Jugendarbeit jedoch nicht an eine Gemeinde angebunden sein, sondern an ihre jeweilige Gruppe“, erläutert Stoll. Denn nicht in jeder Gemeinde gibt es eine eigene Jugendarbeit. Auch Verbände sind hier mit im Boot, etwa die Katholische junge Gemeinde (KjG) und Kolping, mit Zeltlagern und Freizeiten sowie fastnachtlichen Kinder- und Jugendgarden. „Was gewachsen ist, wird weiter gepflegt“, sagt Stoll. „Die Jugendarbeit gehört vor Ort fest dazu.“
Die Katholiken im ehemaligen Pastoralraum Bachgau haben sich den heiligen Christophorus als Patron ausgesucht: St. Christophorus, Dieburger Land heißt ihre neue Pfarrei. Koordinatorin Mareike Böhm erläutert, was der Heilige mit den Gemeinden zu tun hat. „Er ist der Schutzpatron der Reisenden, wir sind alle miteinander unterwegs“, sagt sie. „Wie Christophorus Jesus auf den Schultern durch einen Fluss trägt, so wollen auch wir Christus und das Evangelium in die Welt tragen.“ Christophorus stehe „als starker Mann im Fluss der Zeit“. Der Fluss als Bild passe zudem gut zu den Gemeinden, „die vielfach an kleineren Flüssen und Bächen liegen“, sagt Böhm.
In der pastoralen Arbeit hat St. Christophorus zwei Schwerpunkte: die Kirchenmusik und die Sozialpastoral. „Wir haben einige etablierte Chöre hier bei uns und die eine oder andere gute Orgel.“ Es gab bereits verschiedene gemeinsame Chorprojekte im Pastoralraum, wie etwa die Bachgau-Konzerte. Den Gründungsgottesdienst wird ein Projektchor mit Menschen aus der gesamten neuen Pfarrei musikalisch gestalten.
Die Resonanz auf die Pfarreineugründung und den Weg dorthin bezeichnet Mareike Böhm als recht gemischt. „Viele erkennen, dass Veränderungen notwendig sind. Sie sehen, dass es weniger kirchliches Personal gibt.“ Es seien aber auch viele ehrenamtlich Engagierte dazugekommen, die sich in den Prozess eingebracht haben, „um gute Wege zu finden, den Glauben weiterhin leben zu können“. In diesem Engagement sieht sie Aufbrüche für eine Erneuerung der Kirche im Bistum.
Nachgefragt nach Tipps für den Prozess der Neugründung antwortet Böhm: „Möglichst transparent und sachorientiert kommunizieren.“ Vor allem brauche es viel Geduld und offene Ohren, um den Menschen die Sachverhalte zu erklären, „da sich vieles so schnell verändert“. Das Bewusstsein sei wichtig, dass der Pastorale Weg auch ein schmerzhafter Prozess ist.
Aus dem Pastoralraum Wetterau-Süd ist zum Jahresanfang die Pfarrei Heilige Maria Magdalena, Taunusblick geworden. Obwohl nicht riesig, ist das Gebiet vom Zuschnitt her komplex: „Die Pfarrei betrifft zwei Landkreise sowie Teile von Frankfurt“, erklärt Andreas Münster, Koordinator der Pfarrei. „Sozialraum, Mobilität und Vernetzung sind hier nicht einfach.“
Als pastorale Besonderheit in der Pfarrei Taunusblick nennt Münster das Konzept für ein Geistliches Zentrum, das in einer Kirche und in einem Pfarrheim geplant ist. Da soll etwa der Pfarrsaal zum Meditationsraum werden, die Kirche durch das Herausräumen der Bänke ein neues Ambiente bekommen. „Mit dem spirituellen Zentrum wollen wir uns an die Menschen in der Pfarrei richten und darüber hinaus.“ Das Zentrum bedeute für ihn kirchliche Erneuerung. Genauso gehöre die sehr gute Zusammenarbeit im Pastoralteam dazu, betont er.
Zur Resonanz auf den Prozess der Pfarreineugründung sagt Andreas Münster: „Bei den Engagierten gibt es durchaus die Stimmung, dass da etwas zusammenwächst. Das Bewusstsein für eine Pfarrei ist da. Aber in den Gemeinden selbst scheint zu wenig – noch nicht in Kopf und Bauch – angekommen zu sein, was sich verändert.“ Er selbst denkt über die Veränderung: „Das Neue wird nicht besser, aber anders.“ Positive Rückmeldungen gibt es beispielsweise auf das neue Pfarrmagazin, das im Herbst gestartet ist, berichtet der Koordinator.
Apropos Kommunikation. Das kann Andreas Münster anderen als Tipp mit auf den Weg geben: „Die Projektgruppen sollten ihre Ergebnisse noch transparenter vermitteln und auch Zwischenstände durchgeben.“ Er fasst es so zusammen: „Kommunizieren, was das Zeug hält.“
Elf Pfarreien werden Anfang 2026 im Bistum Mainz neu errichtet: drei in Oberhessen, zwei in Rheinhessen, zwei in der Region Mainlinie und vier in Südhessen. Die Gründungsgottesdienste finden jeweils in den Pfarrkirchen statt (außer Odenwaldkreis).