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Freimersheim St. Josef

Freimersheim St. Josef (c) Pfarrer Bretz (Ersteller: Pfarrer Bretz)
Freimersheim St. Josef

Die katholische Pfarrkirche St. Josef

Auf der Höhe über dem Dorf liegt weithin sichtbar die katholische Pfarrkirche St. Josef.

763 ist Freimersheim erstmals in einer Schenkung urkundlich erwähnt. Christen stiften an das Kloster Lorsch.
Nach der Reformation, bei der pfälzischen Kirchenteilung 1706 fällt die Kirche der katholischen Gemeinde zu.
‚Zu unserer Lieben Frauen Geburt‘ ist seit dem 15. Jahrhundert das Patrozinium. Erst im 18. Jahrhundert erscheint Josef als Patron der Kirche.

Der Pfarrei gehören nun die alten Pfarreien Ergersheim St. Katharina, Kettenheim St. Leonhard, Wahlheim St. Martin und Esselborn St. Petrus zu.
Ursprüngliche Patrone Freimersheims waren der heiligen Cyriakus und der heilige Erasmus, die beiden Nothelfer.
1963 - 1983 und 2003 wurde die Kirche renoviert - 2018 stehen umfangreiche Arbeiten an Dach und Turm an.

Beim Start der Pfarrgruppe kam die Bitte, in Freimersheim die Feier des Sonntagsgottesdienstes immer um 9.00 Uhr zu belassen.
So ist die Freimersheimer Pfarrkirche in unserer Pfarrgruppe gleichsam zur Frühmess-Kirche geworden, für alle, die einen frühen Sonntagsgottesdienst wünschen.


Viel Freude beim Entdecken.
Pfr. Wolfgang Bretz

Die Kirche

Der untere Teil des romanischen Ost-Chorturmes stammt aus dem 9. Jahrhundert. Typisch für den fränkischen Siedlungsplatz ist: Die Siedlungsstelle befindet sich im Talgrund während die Kirche etwas außerhalb, im unteren Teil eines Hanges steht. Blickt man von der Nordwestecke an der Kirche entlang, entdeckt man am Ende des Kirchenschiffes den Rest eines auslaufenden romanischen Bogens. Am Turm erkennt man deutlich drei Bauabschnitte: Die Basis stammt aus der Karolingerzeit (9. Jahrhundert), der darüberliegende Teil aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, der letzte Aufmauerung erfolgte im Zusammenhang mit dem Einbau der neuen Orgel.


1961 wurden im Gewände des Ostfensters Wandmalereien freigelegt und restauriert. Die sehr gut erhaltenen Malereien zeigen im linken Gewände einen Diakon in rot-schwarzem, mit gelben Streifen abgesetztem Gewand. In der linken Hand hält er ein Buch in der rechten einen Palmenzweig, die Darstellung des heiligen Cyriakus. Im rechten Gewände findet sich die Darstellung des Hl. Erasmus, wie aus der Namenbeischrift hervorgeht. Der Heilige trägt Bischofsornat, als Attribut ist ihm die Winde beigegeben, mit der ihm der Legende zufolge die Därme aus dem Leib gezogen wurden. Hintergrund und oberer Teil des Gewändes sind mit roten Blüten, die wohl mit Hilfe einer Schablone gemalt wurden, bedeckt. Als Entstehungszeit ergibt sich aus der Haltung der Figuren, dem Ausdruck der Gesichter und der Tracht das zweite Viertel des 15. Jahrhunderts.


Offensichtlich hat Ende des 15. Jahrhunderts ein Brand die Kirche schwer beschädigt. Verkohlte Balkenreste im Kirchturm deuten darauf hin. Die ursprünglich flache Kassettendecke/Balkendecke des Chores wurde zu diesem Zeitpunkt mit einem spätgotischen Netzgewölbe versehen. Gleichzeitig wurde auch eine Sakristei angebaut. Der Schlussstein im Sakristeigewölbe trägt die Jahreszahl 1494. Die Malereien sind also vor der Einwölbung des Chores entstanden.
Aus dieser Zeit etwa stammt auch das Langhaus der Kirche. Der frühere Eingang der Kirche gegenüber dem Chorraum entstand 1612. Er wurde erst in diesem Jahrhundert zugemauert und durch einen Eingang und einen kleinen Vorraum nach Süden ersetzt. Um 1700 wurde das Kirchenschiff nach Süden etwa um zwei Meter verbreitert, die Spuren lassen sich heute noch deutlich erkennen.

Patrozinium

Seit der Freilegung der Heiligen Märtyrer Cyriakus und Erasmus im Ostchorfenster, geht man davon aus, dass dies einst ein Doppelpatrozinium der Kirche war.
Freimersheim gehörte zur Mainzer Diözese und dem Erzdiakonat des Propstes zu St. Viktor und dem Kirchheimer Landkapitel. Für einen kurzen Zeitraum (200 Jahre) wird Freimersheim ins Bistum Worms eingegliedert. Die Kirche zu Freimersheim war "Unserer Lieben Frau" geweiht.. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts hatte die Kirche noch dieses Patrozinium. In seinem Pfarrbericht vom 01.Juli 1729 gibt der Freimersheimer Pfarrer Balthasar Georg Wernsmann den Titel der Pfarrkirche mit "Mariae Geburt" an. Im Mainzer Schematismus von 1830 findet sich erstmals der heutige Namen St. Josef. Die Gründe für den Wechsel sind unbekannt. Das heutige Kirchweihdatum am zweiten Wochenende im September, geht noch auf das Fest Mariae Geburt zurück.

Altäre

Balthasar Georg Wernsmann war der erste katholische Pfarrer nach der Kirchenteilung von 1706. Von einem Altar der hl. Katharina oder einer Frühmessnerei in Freimersheim hat er keine Kenntnis mehr. Einen der heiligen Katharina geweihten Altar gab es nach seinen Ausführungen in der Kirche des im 17. Jahrhundert abgegangen Dorfes Ergersheim östlich von Kettenheim in Richtung Kloster Weidas. Der Name der Katharinenmühle bei Kettenheim könnte darauf hinweisen. Eine Kaplanei auf dem Altar der hl. Katharina, sodann eine Frühmessnerei, über die der Dechant des Heiligen-Geist-Stiftes in den Jahren 1518 bis 1521 das Patronatsrecht ausübte, ist jedoch für Freimersheim gesichert.

Reliquien

Die Reliquien wurden einige Jahre nach der letzten Renovierung der Kirche (1983) in den neuen Altar eingefügt. Sie stammen von Amalberga (Amalia) von Gent, Jungfrau, Gedenktag 10. Juli, die im 8. Jahrhundert in Münsterbilsen/Belgien bestattet wurde, und deren Gebeine 870 nach St. Peter in Gent übertragen wurden.

Glocken

Bis zum 2. Weltkrieg hatte die katholische Pfarrkirche zwei Glocken, die größere, 315 kg schwer, trug die Aufschrift: "Hl. Joseph, bitte für die im Weltkrieg 1914/18 gefallenen der Pfarrei Freimersheim". Sie wurde 1924 von A. Hamm in Frankenthal gegossen und kostete damals 1000 Reichsmark. Diese Glocke wurde im 2. Weltkrieg eingeschmolzen. Die kleinere 177 kg schwere Glocke wurde 1896 gegossen. Sie ist heute noch im Kirchturm und der ´Unbefleckten Empfängnis´ geweiht. Die Glocke hat folgenden Text: "Mich goß Andreas Hamm Sohn in Frankenthal 1896 für die römisch katholische Kirche Freimersheim nachdem durch den Beitrag der Familie Sebastian Julius meine Anschaffung ermöglicht war". Die Gemeinde hatte damals keinen Pfarrer und wurde durch Pfarrverwalter Adam Sulzbach verwaltet; sowie das Gebet: "Die du die Helferin der Christen wirst genannt - Behüt vor allem Übeln gnädig Leut‘ und Land".
Heute hängen neben der alten, kleinen Glocke zwei weitere im Glockenstuhl, die große ist den Heiligen Josef, Erasmus, Cyriakus, Martinus, Leonhard und Petrus geweiht, auf ihr ist die Jahreszahl 1965 zu sehen. Die mittlere Glocke ist den Heiligen Theresa, Elisabeth, Hildegard und Anna geweiht. Die Auswahl dieser Heiligen ist aufgrund der Namenspatroninnen der Frauen erfolgt, die durch ihre Spenden den Guß dieser Glocke ermöglicht haben.

Renovierungen

Am 7. Juli 1880 schlägt ein Blitz in den Kirchturm ein; das Fachwerk stürzte ein und der Giebel wird beschädigt. Umfangreiche Reparaturen sind notwendig; daher konnte die Kirche erst am 30. Mai 1882 wieder eröffnet werden. Im 20. Jahrhundert fanden drei größere Renovierungen der Kirche statt: 1923 lässt Pfarrer Leinberger die Kirchenfenster erneuern. Diese Fenster hatten jeweils in ihrer Mitte eine Heiligendarstellung und eine kleine Inschrift auf der die Stifter benannt waren. Anlässlich der Liturgiereform, wurde der Hochaltar aus dem 19. Jahrhundert entfernt und ans Mainzer Dombauamt abgegeben. Von diesem Hochaltar existieren noch zwei barocke Cherubim, die heute als Türwächter den Tabernakel in der Nordwand des Chores flankieren.

Dafür wurde ein großer Marmorblock als Altar im Chorraum errichtet, der aus Lindenfels im Odenwald aufgekauft wurde. Die barocke Empore wurde abgerissen und dafür eine neue Westempore aus Beton eingebaut, der Fußboden tiefer gelegt, die Platten erneuert, eine Heizung sowie Fenster aus Antikglas eingebaut. Bei dieser Maßnahme wird auch die farbige Fassung des Innenraumes, zwei schlichte barocke Nebenaltäre, die barocke Orgel (Werk und Prospekt), das Kruzifix überarbeitet. Im Altarraum konnten in der Ostwand anlässlich der Aufdeckung eines gotischen Fensters wertvolle Malereien in der Fensterlaibung freigelegt werden. Die grundlegenden Restaurierungsarbeiten begannen 1959 und wurden 1962 abgeschlossen.
Anlässlich der Primiz von Joachim Schroedel 1983 wurde die Kirche nochmals grundlegend renoviert. Aus dem großen Marmorblock, der als Altar diente, wurde der heutige, kleinere Altar gefertigt. Er zeigt schöne und verspielte Ornamente: Weinlaub und Trauben, einen kleinen Vogel, einen Schmetterling, einen Wurm und ein Puttengesicht.
In einer umfassenden Renovierung im Jahr 2003 wurden die Erneuerungen der letzten großen Renovierung zum Großteil wieder rückgängig gemacht und vieles rehistorisiert. Eine neue Heizanlage wurde eingebaut und ein Sandsteinboden verlegt. Das alte Bodenniveau im Altarraum trug man um eine Stufe ab und verlängerte die historische Sakristeitür um ca. 30 Zentimeter. Für die nun wieder rehistorisierten Seitenaltäre wurden Figuren der Gottesmutter und des Heiligen Josef aus dem Kirchenarchiv angeschafft. Die Altäre und die Kanzel bekamen wieder eine dezente Marmorierung. Die Treppe zur Kanzel wurde wegen Baufälligkeit entfernt. Die Kanzel und der Schalldeckel blieben sozusagen als Dekoration hängen. Die Darstellung der Heiligen fünf Wunden, die in Öl auf ovale Blechtafeln gemalt sind und um 1700 entstanden, wurden von ihrem alten Platz in der Sakristei nun in die Kirche, an einen würdigen Platz unter der Empore umplatziert. Auch die Orgel bekam eine Generalüberholung und hat nun durch die überarbeitete Intonierung wieder ihre barocke Klangfärbung zurück.

Orgel und Inventar

Mit Schreiben vom 30.01.1896 des Großherzoglichen Kreisamtes an das Bischöfliche Ordinariat in Mainz wird die Annahme von Schenkungen zur Anschaffung einer neuen Orgel genehmigt. Als man die erworbene Orgel in die Kirche bringen wollte, stellte man fest, dass die Kirche für die Orgel zu niedrig war, so dass Kirchenschiff und -turm um 1,50 Meter aufgemauert werden mussten. Man erkennt ca. 30 Zentimeter unter der heutigen Decke ein unebenes Band, das sich über die ganze Kirchenbreite hinzieht, das auf die Aufstockung der Kirche Ende des letzten Jahrhunderts hinweist.


Rechts vom heutigen Eingang steht ein Außenaltar am Kirchenschiff. Für den Altar wurde eine alte Grabplatte (Epitaph) aus rotem Sandstein aus der Zeit um 1400 benutzt. Sie trägt die unvollständig erhaltene Inschrift: "Am Sonntag nach dem Fronleichnamsfest (im Jahre... verstarb) der ehrenwerte Herr (...), der freigebige Wohltäter dieser Kirche. Möge seine Seele in Frieden ruhen - Amen." Es könnte sich hierbei um ein Mitglied der Herrschaft Scharfeneck handeln, die in dieser Zeit auch das Patronatsrecht ausübten.
Über dem Altarbogen ist ein Schlussstein vom gotischen Gewölbe zu sehen, welches man bei der Erweiterung des Schiffes Richtung Süden entfernte. Im Stein ist die Inschrift "JESUS" erkennbar.
Der Tabernakel stammt aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, um 1520. Die dort aufgestellten beiden Cherubim der Sakramentsnische gehörten ursprünglich zum alten Hochaltar, der bis zu Beginn der 60er Jahre in der Kirche stand. An der Unterseite der Kanzel des 18. Jahrhunderts ist eine Taube als Symbol des Hl. Geistes zu sehen. Unter der Kanzel steht ein Taufbecken aus Sandstein, das auf Anfang des 17. Jahrhunderts datiert wird.
Direkt am Eingang steht auf der linken Seite ein alter Opferstock in Form einer glatten Säule mit Würfelkapitell und der Jahreszahl 1613.

Die beiden Seitenaltäre stammen, genau wie die Kanzel, aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Beichtstuhl, sowie die Heiligenstatuen des Hl. Antonius stammen aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts. Eine Rarität ist die wertvolle, barocke Figur des Heiligen Johannes Nepomuk. Die Kreuzwegstationen stammen aus der aufgelösten Leonhardkapelle in Kettenheim. Bei der Rehistorisierung wurde ein moderner Kreuzweg, der eine Arbeit des Klosters Maria Laach war, wieder aus der Kirche entfernt. Der Kettenheimer Kreuzweg wurde in der Zeit um 1890 benefiziert und passt sehr gut an der Nordwand zum neogotischen Kruzifix.
Die Heilpflanzen im Gewölbe wurden bei der Renovierung 1983 neu hinzugefügt. Der Schlussstein zeigte einst das Wappen von Hermann Kardinal Volk, den Steinheimer Turm. 2003 wurde es durch das Wappen von Karl Kardinal Lehmann ersetzt. Die anderen Schlusssteine zeigen die Wappen der Bistümer Mainz und Worms, sowie zwei spätgotische Fratzen, die bis dato nur eine Deutung haben: Das eine männliche Gesicht schaut brav und andächtig in Richtung Hochaltar und das Gesicht gegenüber mit herausgestreckter Zunge, steht für den Ungläubigen oder auch den Antichristen, der verhöhnend am Altar vorbeischaut. Bedenkt man den alten Standort des Hochaltares, so könnte diese These stimmen.

(Pfarrer Wolfgang Bretz)