Schmuckband Kreuzgang

Einer, der seine Krone abnimmt

Uns bricht kein Zacken aus der Krone

‚Ihm bricht schon kein Zacken aus der Krone‘, sagen wir, wenn sich ein Mensch für etwas zu schade ist, wenn er meint etwas Besseres zu sein.

In unserer Pfarrkirche begleiten uns in der Weihnachtszeit die eindrucksvollen Krippenfiguren des Kunstschnitzers Wolfgang Kleiser. Erst ab dem 06. Januar kommen die drei Könige, die drei Weisen hinzu.

 

Mich beeindruckt seit Jahren der alte König, der seine Knie vor dem Kind beugt.

Er hat seine Krone abgenommen. Er schaut ganz aufmerksam und seine geöffnete Hand unterstreicht sein offenes Schauen.

Ein Mächtiger, der sein Knie vor einem Menschenkind beugt, einem Kind in seiner Wehrlosigkeit und Angewiesenheit auf das Wohlwollen der Großen

Einer, der seine Krone abnimmt und die königliche Würde im Anderen erkennt und anerkennt.

 

Die Wohlhabenden, die ihre Schätze bringen und schenken.

In einer Welt, in der oft nur Leistung, Karriere, Besitz und Erfolg zählen, einer Welt, die langsam ihre Menschen aufzehrt und auffrisst, da leuchtet der wahre Reichtum, die tiefste Würde des Menschen auf.

 

Die Weisen und Mächtigen beugen ihre Knie vor dem Christuskind, das ihnen die Macht gibt Gotteskinder zu werden, beschenkt von Gottes Liebe, vor aller Leistung, trotz aller Schuld. Das der alte König uns bei der Hand nimmt und Weihnachten erschließt.

Ich wünsche Ihnen ein gutes, ein gesegnetes neues Jahr.

Pfr. Wolfgang Bretz