Schmuckband Rad

Gau Heppenheim St. Urban

St. Urban Gau-Heppenheim (c) Pfarrer Bretz (Ersteller: Pfarrer Bretz)
St. Urban Gau-Heppenheim

Die älteste erhaltene Pfarrkirche unserer Pfarrgruppe ist St. Urban in Gau Heppenheim.

Die kleine Kirche in Gau Heppenheim ist einer der schönsten, aber auch renovierungsbedürftigsten unserer Pfarrgruppe.

Bereits 790 n.Chr. wird in einer Schenkung des Priesters Gomonolf aus Heppenheim an das Kloster Lorsch eine Kirche erwähnt.
Romanische Baureste finden sich tatsächlich im Mauerwerk.
Bestechend ist der hochgotische Chor. Die Schluss-Steine des Gewölbes, Wappen von Andres von Heppenheim und Viola von Reifenberg, die 1484 heirateten verraten das Baujahr. Bei der pfälzischen Kirchenteilung 1706 fiel die Kirche in ihrem ruinösen Zustand per Los an die katholische Gemeinde.

In der Schenkung des Heppenheimer Priesters Gomonolf an das Kloster Lorsch wird eine Kirche erwähnt. Heppenheim im Loch ist somit eine sehr alte Pfarrei.
In Urkunden erscheinen 1280 und 1347 Priester mit dem Pfarrertitel.
Die Pfarrei lag im Erzbistum Mainz und gehörte zum Archidiakonat des Domprobstes.

Das niedere Rittergeschlecht ‚derer von Heppenheim genannt vom Saal‘ hatte eine Wohnburg, die aber im 16. Jahrhundert durch Blitzschlag restlos zerstört wurde.
1484 heiratete Andres von Heppenheim Viola von Reifenberg. Beider Wappen sind im Kreuzgewölbe des spätgotischen Hochchors mit ihrem Wappen verewigt. Der Chor ist also in diesen Jahren gebaut.
Er besteht aus einem Joch mit 5/8 Abschluss.
In der Sakristei befindet sich dann das Wappen des Pfarrers Jacob Francke, der 1489 als Pfarrer benannt ist.

In der Reformation wurde die Kirche zuerst lutherisch und dann reformiert.
Im dreißigjährigen Krieg und im französischen Erbfolgekrieg erleidet das Dorf immense Zerstörungen.
Nach einem Dorfbrand 1565 muss das Langhaus neu gebaut werden.
In der pfälzischen Kirchenteilung erscheint sie in der Klasse der ruinösen Kirchen und fällt im Losverfahren 1706 an die Katholiken.
Danach kommt nun auch das Inventar in die Kirche.

Inventar

Der Altar trägt in der Mensa die Jahreszahl 1577. Auf ihm ein niedriger Nischenaufsatz. Das Kreuz stammt aus dem 19. Jahrhundert, die abgebeizten Figuren von Johannes und Maria bilden nun eine Kreuzigungsgruppe, waren aber wohl nicht ursprünglich dort.

Ein großes Kreuzigungsgemälde im Chorraum - wohl aus der Seekatz-Schule - um 1750, stammt aus einem anderen Hochaltar.

Die Sakramtentsnische mit Christus-Haupt und den Symbolen von Sonne und Mond stammt um 1700.

Der Seitenaltar, ein frühbarocker Hochaltar in Ädakulaform mit einer Madonnenfigur stand wohl ursprünglich ebenfalls in einer anderen Kirche.

Die abgebeizten Figuren des heiligen Antonius von Padua und eines Propheten stammen aus einer anderen Gruppe.
1859 wird von einer Kirchenrenovierung berichtet. Da könnte der Hochaltar seine jetzige Gestaltung gefunden haben. Figuren und Altar könnten aus der alten Klosterkirche der Kapuziner kommen, da bis 1856 in Alzey die zweite Josephskirche gebaut wurde.
1913 wird die ursprüngliche Flachdecke durch eine zweifach gebrochene Bretterdecke ersetzt, die eine bunte Rankenbemalung erhielt. Die Ausmalungen stammen von Hermann Velte, Darmstadt.
1930 werden die gotischen Chorfenster von Prof. Linne aus Frankfurt neu gestaltet.

Wir nutzen unsere Pfarrkirche nur in den Sommermonaten, da in diesen Wochen keine Heizung notwendig ist.

Die herzliche Einladung an Sie alle, in den Sommerwochen dieses Kleinod zu genießen und miteinander die Sonntagsgottesdienste zu feiern.

Pfarrer Wolfgang Bretz